Schwellbalken und Eckbalken verschwunden...

10.11.2005



Hallo zusammen,

ich bin erstaunt und natürlich auch erfreut über die Möglichkeiten dieses Fachforums und habe ebenfalls ein Problem, bei dem ich mir etwas Hilfe erhoffe:

Wir besitzen seit etwa einem Jahr ein etwa 150 Jahre altes bergisches Fachwerkhaus (Bruchsteinsockel, Eichengebälk und mit Ziegeln ausgemauerte Gefache). Als wir vor dem Winter einen Absperrhahn vor den Außenwasserhahn setzen wollten und dafür die Wände an der Nord-West-Ecke des Hauses öffneten, kamen Schäden am Gebälk hervor. Hier muss einmal Feuchtigkeit im Spiel gewesen sein (evtl. auch Schwitzwasser von bislang nicht isolierten Wasserleitungen), so dass im Bereich der Hausecke beide Schweller auf 50-100cm Länge sowie der senkrechte (normalerweise darauf stehende) Eckbalken auf etwa 1m fehlen oder mit dem Staubsauger entfernt werden konnten…. Feuchtigkeit ist nirgends mehr zu erkennen, alles ist staubtrocken (im wahrsten Sinne des Wortes). Ein paar noch am Stück vorhandene Reste weisen Spuren von Schädlingsbefall auf (siehe Bilder), frische Löcher sind an den gesunden Balkenstücken nicht erkennbar…. Teile des Schadens muss es bereits recht lange geben, fehlende Teile des einen Schwellbalkens sind bereits durch Mörtel etc ersetzt worden…Dies muss unseres Wissens nach min. 5-8Jahre her sein… Dort wo die Balken noch vorhanden sind, machen sie einen gesunden und stabilen Eindruck.

Ich wäre dankbar für eine Einschätzung darüber, ob es möglich ist, nur die defekten Balkenstücke auszuwechseln und mit welchen Kosten zu rechnen sein könnte…. Was sollte sonst beachtet werden? Alle Anregungen und Informationen oder Tipps zu guten Fachbetrieben oder Bezugsquellen für geeignete Balken nehme ich dankbar an.



Es gibt



zu diesem Thema einige gute Fachbücher, z.B. "Der Altbau" von Otfried Rau / Ute Braune (ISBN: 3871811610) oder "Fachwerkhäuser" von Wolfgang Lenze (ISBN: 3816764312), sind beide zu empfehlen, beim Preis für Rau/Braune solltest Du Dich aber hinsetzen, am besten erst einmal in der Bibliothek anschauen. Der Lenze ist bezahlbar, hat aber mal in diesem Forum Punktabzug bekommen, weil er den Einsatz von Sanierputz empfielt - aber darum geht es ja nicht.

Würde Dir raten, Dein Vorhaben genau zu durchdenken, bevor Du anfängst, also jeden Balken in Gedanken austauschen und überlegen, wie Du den neuen wieder hineinbekommst, wie Du die Anschlüsse gestaltest, was zu tun ist, dass die Kräfte von den neuen Balken auch sicher abgeleitet werden können oder was sonst noch alles zu entfernen ist.

Daran denken mußt Du auch, daß "rein theoretisch" die Gefache keine Lasten aufnehmen, wenn aber der Balken nebenan nicht mehr da ist, tun sie es eben doch, also ein geeignetet Konzept überlegen, wie die Balken SICHER unterstützt werden. Mut und Leichtsinn niemals verwechseln - so nach dem Motto "Ohne Balken hielt's ja auch..."

Letztlich mußt Du einiges Geschick und Vorstellungsvermögen mitbringen, wenn Du nicht vorher einen Lehrgang besuchen willst, von geeignetem Werkzeug ganz zu schweigen.

Verwenden solltest Du am besten altes Holz, z.B. aus einer Abrißscheune.

Ich habe bei mir alles selbst gemacht, und weiß daher, dass dreimal überlegen besser ist, als einmal etwas falsch machen. Und dazu gibt es Gelegenheit genug...

Da es keine Standardempfehlung geben kann, kann ich Dir nur raten, die Bücher gründlich zu lesen und im Zweifelsfalle einen Zimmermann zu bestellen. Hier im Forum wirst Du bestimmt fündig.

mfg



Hallo Wuppertaler...



und Gruß aus meinem sächsischen Exil.
Vom Foto her siehts nach einer anständigen Braunfäule, oder Moderfäule aus, mit anschließendem Raubbau durch Ameisen.
Die geschädigten Teile müssen plus einer Gesundschnittzone von mind. 0,30 m herausgeschnitten und wieder erneuert werden.
Zu Kosten und wirklichem Umfang der Arbeiten kann man unbesehen und nicht örtlich angeschaut eigentlich nichts seriöses sagen.
Setze Dich mal mit der Zimmerei Gebr. Merten GmbH (Steinenfeld, oben am Opphof) in Verbindung, bestell einen schönen Gruß an Norbert Merten und lass Dir ein Angebot machen. Bei denen bist Du in fachkundigen Händen.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri



Das ging wirklich schnell....



Hallo und erstmal besten Dank für die Antworten.

Einen herzlichen Gruß auch ins sächsische Exil des (Ex-?) Wuppertalers! Mit der Firma Merten hoffe ich kurzfristig einen Termin zu bekommen... man möchte ja gerne mal wissen, was so in etwas auf einen zukommt.....

Ich wäre natürlich auch hoch erfreut über den Besuch eines lokalpatriotischen Fachmanns auf Heimaturlaub :-) ...in welchem preislichen Rahmen würde sich denn ein informelles, kurzes und freundliches Beratungsgespräch am Ort des Geschehens bewegen? Ich würde aus dringlichen Kostengründen gerne selber tätig werden soweit möglich..... habe aber nur ein sehr begrenztes und eher populärwissenschaftlich geprägtes Fachwissen von Fachwerkkonstruktionen (halte mnich aber für lernfähig), so dass hier jede fachliche Unterstützung willkommen wäre...

Beste Grüße ins Exil (ich hoffe, es ist nicht gar so schlimm)

T.Spieker



Auswechseln von Fachwerk



Beim Deutschen Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege, Propstei Johannesberg in Fulda ist das Buch
"Anschuhen, Verstärken und Auswechseln"
zu beziehen.
ISBN3-931991-19-9
Sehr nützliches Werk.
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Anschuhen, Verstärken.....



besten Dank für die Empfehlung...leider ist das Buch offenbar nirgends mehr zu bekommen... bei Amazon keine Chance, im ZVAB ebenfalls nicht....hat jemand einen Tipp???

Oder würde es jemand mal verleihen, der grade keine Balken zu wechseln hat????

Beste Grüße,

T.Spieker



Anschuhen



Buch ist direkt bei der Propstei Johannesberg zu beziehen. Folge dem Link

 http://www.propstei-johannesberg.de/

MfG

Harald Vidrik



haben das gleiche problem



hallo,

ich habe durch zufall ein bißchen im forum gelesen und es würde mich interessieren, ob sie mittlerweile an einen kompetenten zimmermann gelangt sind. wohnen ab mai ebenfalls im bergischen (bensberg)) und stehen vor einem ähnlichen problem.

vielen dank vorab!



Knifflig...



Hallo,

wir hatten mittlerweile Besuch von Zimmerleuten und einem auch hier im Forum aktiven Sachverständigen für Holzschutz... Die Zimmerei Merten aus Wuppertal geniesst einen guten Ruf bzgl. dieser Arbeiten, allerdings schätzt Herr Merten die Kosten auf 100bis 1500 Euro, wenn wir selber alle Vor- und Nacharbeiten durchführen, also Entfernen der Verschieferung, Herausnehmen der Gefache und nachheriges wieder ausmauern, abstützen etc... der Preis gilt nur für die Arbeit an den Balken selber... Habe mittlerweile das Buch Anschuhen, Verstärken und Auswechseln erworben und bereits fleissig gelesen... ich hadere noch, mir evtl. nur fachliche Beratung durch einen Zimmerer zu holen und die Balken auch selber zu wechseln und anzublatten.... unsere Balken sind nicht soooo dick, so dass ich mir das schon im Prinzip zutraue, einige schöne Blätter herzustellen.... bei uns hat die Sache aber Zeit bis zum Sommer, keiner der Fachleute sah eine mittelfristige Gefahr für die bauliche Substanz, so dass wir uns die Zeit nehmen, in Ruhe nach einer vernünftigen und finanzierbaren Lösung zu suchen......

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!!!!

MfG Tim Spieker



Schwelle



hallo, vielen dank erst mal für die schnelle antwort! was spricht eigentlich neben dem originalitätsverlust dagegen, bis zum ersten gesunden Querbalken hochzumauern? unsere gefache sind eh mit ziegeln gemauert und das haus ist verschiefert, s.d. das Fachwerk eh nicht zusehn ist. hat das mauern langfristig praktische nachteile?

mfg, philipp brincker.



Steinigung möglich....



Hallo,

ich bin zwar kein Fachmann im eigentlichen Sinne, jedoch kann ich Ihnen, soviel ich verstanden habe, versichern, dass das Ausmauern nicht als fachgerecht empfunden werden kann. Die Ausmauerung der Gefache mag zwar die Gefache etwas stützen, tragend für das Gebäude sind beim Fachwerk jedoch die Balken, die Ausmauerung hält (böse gesagt) nur den Wind ab und isoliert, die Verschieferung dienst dem Wetterschutz. Sie könnten also theoretisch die Ausmauerung aller Gefache entfernen, das Haus würde weiterhin prima stehen (wenn das Gebälk halbwegs vollständig ist)... wenn Sie aber die Balken entfernen, wird das gravierende bauliche Schäden zur Folge haben....

Ein echter Fachwerkliebhaber bekäme bei der Idee der Ausmauerung statt Anblattung ohnehin mit Sicherheit Schreikrämpfe... kurzfristig mag ein Fachwerkhaus dies stellenweise verzeihen, aber bei einem Auto würden Sie sicher auch tragende Teile nicht durch Unterbodenschutz ersetzen wollen, oder??? :-)

Mein Fazit: So verlockend das aus Sicht des Laien sein mag, ich würde im Interesse Ihres Hauses und Ihrer Sicherheit aber davon abraten......

Beste Grüße aus Wuppertal...