Verputze Balken

01.07.2021 Herr Stefan


Hallo zusammen,
wir sind eigentlich schon in den Endzügen der Sanierung eines ca 100 Jahre alten Hauses. Nun hat ein "Experte" uns aber bzgl. eines Punktes gehörig verunsichert. Es geht um den Innenputz:
Die Außenwände ab dem OG und die Innenwände bestehen aus Holzbalken mit Schlacke-Füllung. Diese waren und sind verputzt. Dazu wurde runtergeschlagen, was eben runterfiel (vornehmlich über den Balken) und der Rest des alten Putzes aufgepickt. Auf den teils freiliegenden Balken haben die Gipser Gipskarton als Putzträger aufgebracht. Dann wurde mit Baumit GF-15 (https://baumit.de/produkte/Endbeschichtungen/baumit-g-f-15) verputzt. Man hatte sich hier bewusst für einen Putz mit Kalkanteil entschieden. Stellenweise wurde dieser auf Grund der sehr schiefen Wände wohl recht Dick aufgetragen (ca 5 cm von Balken bis zu Putzoberseite, davon nat. ca 1cm GK-Platte) .
Von Außen wurde mit Steinwolle gedämmt und mineralisch verputzt.
Nun meinte der oben genannte Herr, dass es auf Grund des dicken Putzes zu schweren Schäden kommen könnte, weil das Holz hermetisch abgeriegelt wäre und nicht "atmen" könne. Was is da dran? Die Balken waren ja seit 100 Jahren schon verputzt und noch gut in Schuss.
Laut Baumit hat der Putz eine Dampfdiffusionszahl von 10. Wenn ich das korrekt berechne, hat die Wand bei 5 cm ja einen SD-Wert von 0,5, korrekt? Das ist ja eigentlich recht gut.
Sehr ihr hier auch ein Problem oder liegt der Herr hier falsch? Danke und viele Grüße!



Innenwände vs. Außenwände



Zu Ihrer Frage: die Innenwände mit GK zu verkleiden ist kein Problem, da es hier keine kalte und warme Seite gibt.

An den Innenseiten der Außenwände sollten allerdings keine GK-Platten angebracht werden, da in den Hohlräumen Kondensat ausfallen kann. Sind diese allerdings vollflächig, ohne Hohlräume verklebt, gibt es aus meiner Sicht weniger Probleme.



Innenwände vs. Außenwände



Zu Ihrer Frage: die Innenwände mit GK zu verkleiden ist kein Problem, da es hier keine kalte und warme Seite gibt.

An den Innenseiten der Außenwände sollten allerdings keine GK-Platten angebracht werden, da in den Hohlräumen Kondensat ausfallen kann. Sind diese allerdings vollflächig, ohne Hohlräume verklebt, gibt es aus meiner Sicht weniger Probleme.



Diffusionfähigkeit greift zu kurz



Hallo Stefan.
Wir sagen dazu Bastelaufbau. GKB ist kein Putzträger. Der verwendete Putz ist ein Gipsputz mit deutlich unter 10 % Kalk. Der Kalk darin ist Marketing und gleichzuseten mit Kalbsleberwurst (1% Kalbfleich, 5 % Leber, 94% Schwein, Salz, Zucker, Emulgatoren, Stabilisatoren, Aromen und Geschmacksverstärkern, Gewürze und Wasser).
Das Problem mit Gips an Fachwerkbalken, ist kaum die Diffusionsfähigkeit sondern mehr die mangelnde kapillare Leitfähigkeit und die chemische Eigenschaft Wasser zu halten und nur deutlich verzögert wieder abzugeben.
Gips nimmt dewegen erhöhte Feuchtigkeiten auf, hält diese sehr lange am Holz und Beschleunigt den Befall mit Holzzerstörenden Pilzen oder Schimmel.
Für mein Haus würde ich keinen Balken, ob innen oder außen, mit Gips (oder Fake-Kalk-Putzen die nur so tun als ob sie signifikant Kalk enthielten) überputzen.
Sorry, wenn ich dem "Experten" da mehr Expertise zugestehe als deinen Putzern.

Trotzdem alles Gute für dein Haus - M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land.



Was nun?



Danke für die Antworten.
Das wir hier richtig gut beraten worden sind, ist uns inzwischen auch klar. Man verlässt sich eigentlich ja darauf, dass die Fachleute das schon richtig machen. Der "Experte" war auch nur in Anführungszeichen, weil er eigentlich inhaltlich da gar nicht ganz vom Fach ist, daher eben auch die Rückfrage.
Was würden Sie denn nun in diesem Fall tun? Besagter Gips ist schon auf der Wand. Außenwände gedämmt weswegen hier zumindest keine Kälte mehr auftreten sollte. Ist der einzige Weg nun alles runterschlagen? Oder einfach die Feuchte im Auge behalten und entsprechend regulieren? Haben Sie uns Tipps wie wir am besten vorgehen?
Danke und viele Grüße!



Außendämmung



Wenn deine Außendämmung nicht wäre, würde ich es zurückbauen lassen.
So würde ich vielleicht erst mal alles im Auge behalten und das Beste aus der Situation machen.
Es heißt ja nicht, nur weil die theoretischen Bedingungen auf dem Papier schadträchtig sind, das auch tatsächlich Schäden auftreten. Erst wenn jetzt Randbedingungen eintreten die die Feuchtigkeit in der Wand ansteigen lassen wird auch das Holz Schaden nehmen.
Immer gut Lüften, nicht auch noch Tapeten oder dichte Farben auf die Wände, eine gute Beheizung bei der auch die Kondensatanfälligen Raumecken und Fußpunkte warm werden, auf Verformungen und Schimmelbefall achten und dann einfach mit offenen Augen schauen ob alles gut bleibt.

Ich drücke die Daumen - M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land



Im Auge behalten,



kann ganz schön in selbiges gehen....
Es mag durchaus sein, dass die Außendämmung Kondensatausfall verhindert, aber wie will man denn ein hinter dick Verputzen GK-Platten verpacktes Holz auf Feuchtebelastung, bzw, auf daraus resultierenden Verrottungsbeginn beobachten? Das geht nur mit eingebauten Feuchtigkeitsmessgeräten oder man hat den Röntgenblick. Bis man in so einer Situation Schäden "von außen" bemerkt, ist es meistens zu spät. Zumal die GK-Platte in dem Fall als "überbrückende" Putzträger funktioniert, der Bewegungen die dahinter passieren, seehr lange kaschiert.....sofern die GK-Platte und der Gipsputz darauf, nicht gleich mit verrotten.

Was meinst du mit "Holzbalken mit Schlacke-Füllung"? Ist das eine Fachwerk- oder Holzständer-Konstruktion deren Ausfachung aus Schlackebeton besteht?



Danke. Ein paar weitere Infos:


Danke. Ein paar weitere Infos:

Vielen Dank für die Einschätzung Herr Mattonet. Was das im Auge behalten der Feuchtigkeit angeht haben wir zum Glück eine vollflächige Fußbodenheizung verbaut. Zudem sind deren Raumthermostate alle auch mit Feuchtigkeitsmessern für die Raumluft ausgestattet. Die Wand wird auch ohnehin nur noch mit Silikatdispersionsfarbe gestrichen also nicht abgedichtet.

Noch eine kurze Spezifizierung bzgl. des Gipskarton bzw. Aufbaus der Wand: Der GK wurde nicht vollflächig verbaut sondern nur an den einzelnen Stellen wo Putz beim aufpicken herunter gefallen ist um dort den Versatz zwischen Altputz auszugleichen. Dies geschah eben praktisch nur auf den Balken, weil hier der Putz weniger gut über die fast 100 Jahre gehaltene hat. Auf der Wand ist also hauptsächlich Altputz+Neuputz. Ich habe auch ein Bild aus dem Zustand kurz vor dem Neuputz angehängt.

Die betreffenden Wände sind Holz-Fachwerk Strukturen welche an den Außenwänden mit Steinen aus Schlacke geformt sind. In den Innenwänden schien es eher lose stark verdichtete Schlacke gewesen zu sein (da rieselte es bei Wänden die wir geöffnet hatten eher raus, außen erkennt man eher Steine).

Aus Interesse: Was wären denn hier bessere Wege gewesen?
Bzw. wenn man "rückbaut" (heißt ja im Prinzip Putz runter schlagen) dann wie weit und was dann?



Re: Aus Interesse:



Mineralwolle als Außendämmung auf Fachwerk ist m. M. n. das Schlechteste was man machen kann, weil sie sehr schnell extrem viel Feuchtigkeit aufnehmen kann, diese aber nur sehr langsam wieder abgibt, weil sie nicht kapillar leitfähig ist. Somit kann durch Risse und undichte Anschlußfugen im Außenputz eingedrungenes Wasser nur gasförmig (durch Dampfdiffusion), nicht aber in flüssiger Form (kapillar, was ungefähr um den Faktor 1000 höher ist als reine Diffusion) zur Oberfläche gelangen, wo es verdunstet.
D. h., das Holz kann im schlimmsten Fall von außen UND von innen feuchtebelastet werden, wenn es in dem Fall nicht wenigstens innen hohlraumfrei, kapillaraktiv und diffusionsoffen "beschichtet" wurde.
Da "das Kind schon in den Brunnen gefallen ist" (du wirst die Mineralwolle-Außendämmung wohl kaum wieder entfernen), solltest du deshalb verstärkt und regelmäßig auf Risse und andere Undichtigkeiten im Außenputz kontrollieren!

"Aus Interesse: Was wären denn hier bessere Wege gewesen?
Bzw. wenn man "rückbaut" (heißt ja im Prinzip Putz runter schlagen) dann wie weit und was dann? "
Die bessere Lösung wäre, über die Balken ein Putzträgergewebe, z. B. Schilf-, Ziegeldraht- oder Streckmetallgewebe zu spannen und die Fehlstellen mit Putz aufzufüllen. Idealerweise mit Lehm- oder Kalkputz. Aber aus den bereits genannten Gründen nicht mit Gipsputz.
Da es sich dem Foto nach nur um relativ kleine Flächen dreht, wäre es meines Erachtens vielleicht tatsächlich das Beste gewesen, den Altputz komplett bis aufs Fachwerk/Ausfachungen zu entfernen und die Wände so in Gänze und einheitlich neu mit Lehm od. Kalk zu verputzen. Auch um aus den o. g. Gründen auf der sicheren Seite zu sein. Dazu passt dann auch die angedachte Silikatfarbe optimal (alternativ auch Lehm- und Kalk-/Kalkkaseinfarben).

Ich will damit nicht den Teufel an die Wand malen, sondern nur auf die jetzt bestehenden Risiken hinweisen.



Danke!



… für die weiteren Erklärungen, Herr Hubel.

Schade, dass Sie sowie Herr Mannonet von uns bei Stuttgart doch recht weit entfernt sind, sonst hätten wir Sie gerne zu einem Termin vor Ort eingeladen um das gezielt beurteilen und das weitere Vorgehen abschätzen zu können. Aber vielleicht sind Sie ja gut vernetzt und haben ähnlich fachkundige Kollegen im Raum Stuttgart?
Falls ja, würden wir uns über einen Kontakt natürlich freuen.

Danke nochmals und viele Grüße!