Holzbalkendecke mit Stahlträgern verstärken

13.12.2005



Hallo,

wir möchten in unserem Altbau die vorhandene Holzbalkendecke mit Stahlträgern verstärken. Die vorhandenen Balken (10 cm * 18 cm) sind 4 m lang und haben einen Abstand von ca. 65 cm. Die Stahlträger sollen von beiden Seiten an die Balken angeschraubt werden ( Schraube durch Stahlträger/Holz/Stahlträger mit Geka Dübeln). Es stellt sich jetzt die Frage welche Lösung sinnvoller ist:

a) UNP 100 (U-Stahl) Träger anschrauben und die Dielen der Decke auf dem oberen Flansch des Trägers aufliegen lassen, und gleichzeitig zur Stabilisierung die Enden der Träger ins Mauerwerk einzubetonieren.

b) 150 * 8 mm Flachstahl an die Seiten der Balken anschrauben, um nur die Balken in sich zu versteifen.

Beide Konstruktionen wären vom Gewicht etwa gleich schwer.
Die erste Variante würde eine festere Verankerung im Mauerwerk erlauben. Die zweite Variante steift vermutlich das Holz besser aus, da hier der Stahl höher (150 mm) ist. Welche Art dämpft Eurer Meinung nach eher das nervige Schwingen der Holzbalkendecke.

Danke für Eure Vorschläge !!!



Für meinen Teil --



würde ich einfach versuchen, den metallisch denkenden
Menschen beizubringen, daß das Holz der älteste Baustoff der Menschheit ist.



Statiker fragen!



Es gibt die noch ein paar andere Parameter, die für die Lösung des Problems notwendig wären, am besten örtlich einen Statiker hinzuziehen.
Ist Ihnen ja an anderer Stelle auch schon geantwortet worden:
http://www.bauexpertenforum.de/showthread.php?p=77018#post77018
Wahrscheinlich wird hier diese Antwort auch nicht mehr lange auf sich warten lassen:
http://www.bau.de/forum/architektur/644.htm
;-)
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Wie Martin schon sagt ...



Guten Tag,
wie Martin schon gesagt hat, ist das ein Fall, wo ein Statiker rechnen und Konstruieren muss. Ich denke es wäre durchaus möglich auch mit Holz oder Holzwerkstoffen (z. B. Kerto)zu verstärken. Bei Einfeldträgern sollte die Verstärkung in der Regel mit auf die Auflager geführt werden. Flachstahl ist für Balkenverstärkungen ungünstiger als U-Stahl, Wenn beide Bauteile zusammen wirken sollen und nicht nur noch der Stahl, dann ist der Stahlträger idR etwa nur 60 % so hoch wie der Holzträger zu wählen. Weiterhin muss der Schubverbund (dass beide Träger fest miteinander verbunden sind und sich nicht unabhängig voneinander durchbiegen) über BERECHNETE Verbindungen der beiden Bauteile gewährleistet sein.
Fazit: Ohne Tragwerksplaner geht es nicht.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Stahlträger als Verstärkung



Dachog. Vornweg in allem einer Meinung mit meinen Vorschreibern. Sicherlich gibt es andere Methoden, daß Schwingen von Holzbalken zu unterbinden. Ungeachtet dessen halte ich das Profil U-100 sehr ungeignet. Auf dieser Distanz wird sich das Profileisen unter seinem Eigengewicht schon durchbiegen, in beiden Achslagen. Das heißt, das Eisen belastet die Holzbalken und entlastet sie nicht. Weiterhin muß bedacht werden, daß die erforderlichen Bohrungen für die Bolzen zu einer erheblichen Querschnittsschwächung der Träger führen. Es kann durchaus sein, daß sich Schwingungen verstärken. Fachmännischer Rat wäre hier akut. Mfg ut de Oltmark



Warum nicht mit einem zweiten Balken verstärken?



Wenn ihr doch schon daran denkt, neben den bestehenden Balken noch Stahlträger einzuziehen, dann würde ich eher zu einem Nebenbalken tendieren. Falls Platz genug ist, könnte ich mir gut vorstellen, links und rechts neben den bestehenden Balken noch ein Profil ca.6 x 22 oder so anzubringen. Wenn man dann in der neutralen Zone verschraubt, gibt es keine Probleme.
Um auf dem Flansch des U-Profils auflegen zu können, müßtet ihr ja auch etwas nach oben gehen können.
Hab mal eine Systemzeichnung als Diskussionsgrundlage eingestellt. Ich habe in dieser Art schon einige Balkenlagen verstärkt, bisher mit gutem Erfolg.
Wichtig: es muß genug Abstand zwischen den einzelnen Balken bleiben, damit man noch eine Bohrmaschine mit entsprechendem Bohrer nutzen kann ( z.B. Lewisbohrer )

Gruß

Martin

Zimmermeister



Der, der das gleiche Problem hat...



und sich für eine Versteifung der Balken mit KERTO-S entschieden hat.
Vorhandene Balken 10cm x 20cm hoch, beidseitig mit 39mm dicken und 16cm hohen Kerto-S-Brettschichthölzern mit je 4 Stück/Verbundstelle 3,8 x100 Glattschaftnägeln an 5 Verbundstellen angeschlagen.Abstand der Verbundstellen: 10cm vom jeweiligen Auflager, dann jeweils 100cm, bei gesamtlänge von 4,20m. Abstand der Nägel innerhalb der Verbundstelle 6cm im Quadrat.
Tip: schau mal auf die Seite: www.fh-finnholz.de
Gruß
Udo



ja



Das mit Kerto verstärkungen halte ich auch für gut (habe ich ja in meinem ersten Beitrag schon geschrieben). Zu den Verbindungen:
Die Verbindung zum alten Balken muss so dimensioniert werden, dass ein Schubverbund entsteht und die Bauteile zusammenwirken, sonst könnte man sie auch nebeneinanderlegen ohne sie zu verbinden. Der Statiker spricht davon, den "Steineranteil" zu aktivieren. Deshalb müssen die Verbindungen von einem Tragwerksplaner berechnet sein!! Eine Grundregel ist jedoch auch bei Anwendung von "Bauernschläue" zu beachten. Der Schub im Verbundquerschnitt wird durch Querkraft ausgelöst. Querkraftspitzen sind immer an Auflagerpunkten, und an Punkten wo Einzellasten eingeleitet werden. Bei einem normelen Einfeldträger mit gleichmäßiger Belastung ist z. B. in der Mitte das Biegemoment maximal und die Querkraft "Null". Befstigungen müssen also bei Auflagern positioniert werden, bzw. dort muss der Befestigungsabstand enger sein.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold