zugemauertes Fenster

23.08.2011



Liebe Leute im Fachwerk.de,
heute habe ich wieder eine Entdeckung gemacht: Unter dem dicken Putz allesmöglicher Schichten kam ein mit Naturstein zugemauertes Fenster zum Vorschein, und zur Krönung der übergeputzte °tragende° Balken. Bei genauerer Untersuchung ist er zur Hälfte bereits durchgefault, der daneben gelegene Balken (2-schichtiges Mauerwerk) bereits im absoluten Auflösezustand, heisst °zerbröselt°.
Immerhin fand ich ein Sandsteingesimse aussen vor. (s.Bild) Ich weiss da nicht mehr weiter. Was tun? Wie wechselt man so einen alles-tragenden Gesimse-Balken aus?



Was ist drüber



Hallo Line,

was genau ist denn alles oberhalb des vergammelten Sturzes (querliegender Holzbalken)?

Wenn oberhalb " nur der Dachboden und dort eine durchgehende Fußfette vorhanden ist, sollte es reichen die beiden oberhalb der Fensteröffnung liegenden Deckenbalken mit Baustützen oder Holzbalken abzufangen. Achtung auch der Unterbau (Fußboden) auf den Du die Stützen oder Balken aufstellst sollte Tragfähig sein.

Damit nimmst Du die Last von dem auszuwechselnden Sturz und kanst dort ohne weiteres Arbeiten. Der oberhalb liegende Teil des Mauerwerks wird dabei aber so wie es aussieht verlustig gehen. Sprich dieses wirst Du neu wieder aufbauen müssen. ...

Laß im Zweifel lieber einen Fachmann ran! Er sollte aber schon mal was mit Natursteinmauerwerk zu tun gehabt haben.

Gruß aus Berlin



Der..



..Sturz sieht doch gar nicht so schlecht aus?? Zumindest das, was man auf dem Foto sieht.

Wenn er denn getauscht werden soll, braucht man erst mal nen passenden Ersatz parat.
Dann die Deckenbalken abstützen (Joch quer zu den Balken und 2 Stahlsprieße drunter, die müssen unten natürlich auf was vernünftigem draufstehen).
Dann den Sturz rausnehmen, dabei wird das Mauerwerk darüber bis zu den Deckenbalken wohl auch rausfallen.
Dann die neuen Stürze rein, ausmauern fertig.

Je nachdem, was mit der Wand nachher passieren soll, würden sich hier wohl auch mehrere Betonflachstürze nebeneinander eignen.

Das ganze ohne Gewähr, bin nämlich kein Statiker. Der könnte Ihnen genau sagen was zu tun ist. Auch obs der vorhandene eventuell doch noch tut?!

Gruß
Michael



guten Morgen, allerseits,



natürlich "Sturz" ist das Wort, das ich gestern Abend suchte...
Drüber ist noch ein Stockwerk, also über dem Sturz sind es ca. 2,50m Bruchsteinmauerwerk weiter nach oben, die Mauer abbauen geht also kaum...der Balken ist von hinten total bröselig und weich, nach vorne geht´s...ich dachte auch erst: O, wie schön, noch ein Balken, aber dann kam die Überraschung. Der zwischen Aussengesims und Innensturz gelegene Balken war restlos zerbröselt, allerdings eher wie trockene Holzkohle, als wie feuchtes Sägemehl...kann mir aber gar nicht vorstellen, dass es da i n der Mauer einen °Schwelbrand° oder so etwas gegeben haben kann...
Gibt es keine Technik, den alten Balken langsam rauszuziehen, indem man abstützt, untermauert und dann cm für cm sichert?
Oder kann man den Balken lassen und zusätzlich sichern?
Gruss Line



Soll..



..da wieder ein Fenster rein, oder die Mauer komplett geschlossen werden? Das wäre mal eine grundsätzlich notwendige Information :-)

Ist die Mauer von der anderen Seite zugänglich?

Und das:
"...die Mauer abbauen geht also kaum.."
war auch damit:
"..dabei wird das Mauerwerk darüber bis zu den Deckenbalken wohl auch rausfallen"
gar nicht gemeint.

Gruß
Michael



Mauer schliessen



Die Mauer soll wieder geschlossen werden, denn ein Fenster an der Stelle will ich auch nicht.
Es handelt sich um eine Aussenmauer, die Stelle ist von aussen zugänglich. Theoretisch liessen sich jetzt alle Bruchsteine herausnehmen und dann wäre die Mauer auch nach aussen offen.



ein Bild



So sieht es in der mauer aus, wo noch ein klieinerer Sturzbalken lag, der restlos zerbröselt ist.



Je..



..nachdem, was für ein Ergebniss gewünscht ist:

Wenn die Mauer nachher ohnehin verputzt wird, wäre folgendes Denkbar:

Die Löcher mit einer Schalung abdecken.
Über dem Sturz eine entsprechende (nicht zu große) Öffnung schaffen und mit Beton verfüllen, verdichten geht gut durch "abklopfen" der Schalung mit einem Gummihammer. Aushärten lassen, Schalung abbauen, den Sturzbalken entfernen (da sollte dann nichts mehr passieren) und das letzte Loch dann noch zumauern.

Wenns Steinsichtig bleiben soll, muss entsprechend abgespriest werden, Sturzbalken raus, asumauern bis zum Bestandsmauerwerk, Lücken mit kleinen Steinen auszwicken.

Wieder der Hinweis mit dem Statiker!

Gruß
Michael





denkmalgerecht wäre es, den Sturz wie beschrieben gegen einen gleichartigen auszutauschen und die Laibung mit dem selben Material zu füllen, das auch schon verwendet wurde.

Grüße



hallo, Michael.



danke - soweit verstanden.
Übrigens werde ich beileibe nicht selber an die Sache gehen! Aber ich muss wissen, wie´s gemacht werden kann, wenn überhaupt...Nur bleibt mir unverständlich: Wenn ich verschale und ausbetoniere - bei dem 2-schaligen Mauerwerk - solange der Balken liegenbleibt, stützt er doch das
i n n e r e Mauerwerk ("da sollte nichts mehr
passieren" ?) und ich komme mit dem Beton nicht wirklich drunter? Wie dann den Balken rausziehen? Übrigens hätte ich gerne auch die Natursteine aus der Nische raus, denn sie sind schlecht gemauert und stehen rechts ca. 2cm über. Würde lieber mit Backstein wieder zumauern.

Kann man erwarten, dass der Sturzbalken, nun gut belüftet, seine Verrottung stoppt? Sollte man vielleicht das Weiche am Balken weitestgehend entfernen, bevor man betoniert? Ist dann nicht wieder ein feuchtes Klima schädlich für den Rest des Holzes? - Au weia!
Eine zweifelnde Line



Moin Line,



ich würde kein altes Stück Holz in einer verputzten Wand lassen...kann nicht besser werden.

Wenn du die alte Ausmauerung eh nicht willst, abspriessen, raus damit, Holz raus, mit Backstein ausmauern.
Ob es Sinn macht die Backsteinausmauerung an der Stelle mit der Originalmauer zu verzahnen, müsstest du nochmal einen Maurer fragen.

Ich würde da nicht mit Beton arbeiten, weil so ein grosser Klotz spätere Mauerbewegungen nur en bloc mitmachen kann.

Gruss, Boris



danke, Boris



ja, so sehe ich das eigentlich auch: Wenn sowieso zugemauert wird, dann Balken raus.
Aber - w i e ?
Deckenbalken abstützen-ok. Nische: Bruchsteine entfernen - ok, aber: Wie Ihr im Bild sehen könnt, habe ich den Sturz mittig abgestützt, weil ich ihm nicht mehr viel zutraue. Trotzdem: Bruchsteine entfernen und bis zum Balken hochmauern. So - und dann? ...

Meine Fantasie: Aus dem Balken ein kleines cm-Scheibchen sägen und dann mauern - sägen mauern - sägen mauern...
o mann!



Moin Line,



auf dem Foto sehe ich dass der Mauerbrocken über dem Sturz neben dem linken und unter dem rechten Balken Risse hat. Ausserdem siehts so aus, als hinge der linke Balken etwas tiefer = Ham die Jungs beim Sturzeinbau auch nicht so sauber gearbeitet.

Nach meiner Logik müssten dann im Stockwerk drüber auch Risse zu sehen sein = das wäre der Klotz der dir aufs Hirn fliegt, wenn du den Sturz einfach so rausrupfst.

Meiner Meinung nach bleibt dir dann nur die Mauer im Stockwerk drüber grossflächig zu entlasten, also über 2 Stockwerke sauber abzuspriessen, um wenigstens die Dachlast wegzunehmen, bevor ihr da weitermacht.

Ich würde auch die ersten 2 Bodendielen rausnehmen, damit man von unten sehen kann, was mit der Mauer oben passiert und dann mal voooorsichtig anfangen die Mauer überm Sturz wegzupickeln.

Ob das so taugt müsst ihr natürlich vor Ort genau gucken, da kann ich nur raten.

Viel Erfolg, Boris



jo,...



die Sache ist ja so: Es gibt seit ein paar Jahren einen Riss über die ganze Hausfront. Nach vielen Recherchen zur Statik/fachmänn. Beurteilung sollte der mit Beton verschlossen werden. Der Grund wurde im möränigen Untergrund gesehen, kann aber auch ein Erdbeben gewesen sein oder Regenwasser, dass sich durch das marode Dach einen Weg gesucht hat...
Nun habe ich das ehemalige Fenster entdeckt, das offenbar der Schwachpunkt in der Mauer war und zu dem Riss geführt hat.
Alle französischen Fachleute( °experte de technique de la maison° (Statiker gibt es anscheinend nicht), Maurer, Gemeindebeauftragte,...) sagen, dass solche Risse obligatorisch in den alten Häusern der Umgebung wären (es handelt sich um eine historische Strasse vor.s. aus napoleon. Zeiten) und man sie mit eingepresstem Beton stabilisieren könne.
Was nun passieren muss, ist mir ein Rätsel.
Bevor ich beim Wiederaufbau doch eine Menge Geld investiere, sollte man besser abreissen? (Denkmalschutz in Frankreich?)





Wenn Du weiterhin alles mögliche befürchtest, was passieren kann, dann wirst Du das Haus abbrechen und eine Bodenplatte auf Pfahlgründung bauen müssen.
In der Regel hat man damals im Sinne vorbildlicher Wiederverwertung inne und aussen etwas Besseres verlegt (aussen der Werksteinsturz auf Sicht, innen ein Kantholz) und in der Mitte irgend etwas, was gerade da war. Das kann auch nur ein gespaltenes Rundholz oder ein dicker Ast gewesen sein.
Wenn der abgebildete Sturzbalken von der Mauerseite her wirklich vergammelt sein sollte, dann wären auch die Balkenköpfe darüber kaputt. Vermutlich ist da nur die Holzoberfläche dem Alter entsprechend. Das kann Ihnen aber jeder ortsansässige Zimmermann sagen (verre d'amitié obligatorisch!)
Was Verpressen von alten Rissen in noch älterem Bruchsteinmauerwerk mit Beton bringen soll, ist mir ein Rätsel. Entweder ist der Riss ruhig, dann reicht Luftkalkmörtel, oder er ist es nicht, dann reisst es einfach nebendran.
Lassen Sie das einen Kundenmaurer vom Ort machen, wenn Sie nicht selbst ran wollen (den finden Sie leicht, indem sie den Wirt der Kneipe nebenan fragen) und schauen Sie dem über die Schulter. Solche Dinge können die, auch wenn die Arbeitsweise in der französischen Provinz fast allem widerspricht, was deutsche Sorgfalt und Gründlichkeit erwartet. Er soll bloss keinen Zementmörtel nehmen.





Wenn Du es selber machen willst und der Sturz innen getauscht werden soll:
Loch ausräumen, bis auf 30 cm unter den Sturz mit niedrig gebrannten Ziegeln oder Bruchstein und Kalkmörtel ausmauern.
Links und rechts vom Loch die Deckenbalken mit Spriessen und Querholz abfangen, aber so, dass man nachher noch Platz zum Arbeiten hat. Ein Spriess vor dem Loch ist lästig!
Ein Kantholz so zuschneiden, dass es von unten in die Lücke zwischen innerem und äusserem Sturz geschoben werden kann. Mit Wagenheber vom Auto hochdrücken.
Den alten Sturz herauspopeln (wenn er von innen her wirklich angegangen ist, geht das erstaunlich gut), Oberflächen des Mauerwerks mit Staubsauger säubern, neuen Sturz einlegen, Fuge obendran mit recht steif angemachtem Kalkmörtel ausmauern.
Nach ein paar Tagen Wagenheber und Hilfsholz rausnehmen, Loch fertig zumauern.



hallo, Herr Paulsen



ich bin dankbar für jeden Hinweis nach einer schlaflosen Nacht. Gerne würde ich das uralte Gemäuer erhalten. Aber man muss doch wissen, wo die Mühe ihre Grenzen hat...
Was Sie über die °franz. Provinz° sagen, erlebe ich ja gerade... Ich muss dem Maurer Stück für Stück die Dinge vorgeben, er selber guckt dann erst. War schon 3 x da. Und das mit dem Beton ist auch seine Idee.
Ich überlege halt auch und deshalb bin ich immer unsicher. Selber machen kann ich das sicher nicht!

Wenn er aber keinen Beton nehmen soll und erst gar nicht Kalkmörtel, was dann? Das Ganze muss doch stabilisiert werden, oder? (s.Bild - so sieht es von aussen aus)



pardon



° Zementmörtel°...



es ist vollbracht!



nur zur Ergänzung: Der Maurer hat °unter Lebensgefahr° den Balken ausgewechselt, Natursteine eingefügt und seither ist Ruhe.
Ich war nicht dabei. Aber da noch 3 weitere Balken über Fenstern erneuert werden müssen und er nicht begeistert ist, weiss ich nun, dass das kein Kinderspiel ist....