"Fußbalken" muss renoviert werden - nur wie?

11.08.2007



Hallo an die Experten,
ich bin zum ersten Mal auf dieser Seite und habe schon sehr effektiv geschmökert, nun aber eine konkrete Frage, die ich so noch nicht beantwortet gefunden habe:
Wir sanieren gerade ein knapp 160 Jahre altes Fachwerkhaus. Ein Punkt, der noch auf uns zu kommt, ist die Sanierung des untersten Balkens einer Außenwand, der durch Feuchtigkeit und Ameisen, vielleicht auch falschen Anstrich, morsch geworden ist.
Der Architekt schlug ursprünglich vor, die kaputten Balkenteile einfach auszutauschen. Der Zimmermann rät davon ab, weil die einzelnen Stöße/Fugen der Balkenteile nie dicht werden würden. Er schlug vor, die kaputten Stellen mit Beton auszugießen. Der Arch. findet Beton zu kalt (-> Kältebrücke), schlug Porenbeton vor. Maurer u. Statiker finden den zu weich, lieber gleich den Balken ganz rausnehmen und durch Mauer oder Beton plus Außendämmung ersetzen. Der Zimmermann will aber lieber mind. die obere Hälfte des Balkens erhalten, damit die Stiele nicht auf Stein/Beton aufliegen und von dort Wasser ziehen können, was er - auch trotz eingeplanter Horizontalsperre - befürchtet. Was raten denn die hiesigen Experten dazu?
Vielen Dank im voraus schon für jede Hilfe oder Hinweise, wo ich Hilfe finden könnte und shcöne Grüße, Emily



Dahaben Sie die Bescherung!



Ein Haufen hilfsbereiter Fachleute und x verschiedene Meinungen ....
Wenn der Zimmermann schon Beton vorschlägt, sollten sie den mal "entlassen"; Maurer und Statiker sind auch nicht glänzend ... horizontalsperre ....

Diese Sachen sollten von Fachleuten geplant werden, die den Kopf hinhalten, wenn es schief geht ... Machen Sies selber, dann haben Sie wenigstens den Ärger nachher nicht, jemanden verklagen zu müssen ....

Austausch des Balkens durch einen anderen gesunden Balken, Holzverbindungen, keine Eisenteile, keine Abdichtungen unten oben oder sonst wo, kein Trass, kein Zement, keine Teerpappen
Luftkalkmörtel als Balkenbett, Ausmauermörtel, Leinöl und Waid für Balken
keine Dämmungen ....

Das ganze im System betrachten und "planen lassen" von Fachmann!
Eigentlich sollten diese Fragen die Sie stellen, die Fachleute auf Ihrer Baustelle beantworten - wenn die das nicht können, würde ich Ersatz suchen!

mfG

FK



Sanierung einer Schwelle



Hallo Emily
ich kann mich der Meinung des Kolegen Florian Kurz nur Anschließen.
Normalerweise sollte ein Zimmermeister die Schwelle eines Fachwerkhauses problemlos nach den Regeln des Zimmereihandwerks austauschen können, das Heist natürlich z.B.mit Holzverbindungen Arbeiten.
Das Haus hat nun halt ca. 160Jahre auf dem Buckel evt. auch mit der jetzt kaputten Schwelle, das heist wenn Sie nun eine neue Schwelle Richtig einbauen, und e.v. die Ursachen für den Schädlingsbefall abstellen, so sollte diese Schwelle auch eine ganze Zeit halten.

MFG
www.Zimmerei-Siepmann.de



kleine Anmerkung zur Bescherung



Grundsätzlich kann ich meinen "Vorschreibern" nur Recht geben. Wenn der Zimmerman vorschlägt den Balken teilweise mit Beton auszutauschen muß man sich schon fragen, was das für ein Zimmermann ist. Der Architekt ist da wohl etwas fachkundiger.
Was mich aber ein wenig verwundert, ist die aus meiner Sicht etwas pauschale Antwort von Herrn Kurz.
Ich bin mir nicht sicher, ob man z.B. eine Horizontalsperre (und sei es Teerpappe) grundsätzlich verteufeln sollte. Aus meiner Sicht ist der Einbau einer Horizontalsperre in bestimmten Fällen durchaus sinnvoll. Auch der Einsatz von Trass kann in besonders feuchtigkeitsbelasteten Bereichen doch sinnvoll sein!

Ich habe bei der Erneuerung eines Schwallbalkens auch eine Horizontalsperre aus Teerpappe eingebaut. An dieser Stelle war der alte Schwellbalken nicht mehr vorhanden und durch Mauerwerk ersetzt. Da muss ich mich doch fragen, warum der alte Balken, genau an dieser Stelle nicht mehr vorhanden war. Ich habe nun eine Horizontalsperre aus Teerpappe in das Fundament verbaut. Und siehe da, nach mehrtägiger Trockenheit sind die Sockelsteine unterhalb der Sperre naß, oberhalb sind sie trocken. Das heißt für mich aber auch, das der neue Schwellbalken im Trockenen liegt.

Also: was soll daran falsch sein? Ich habe zur Verdeutlichung mal ein Bild von der Betreffenden Stelle eingestellt.
Ohne Horizontalsperre läge auch der neue Balken im nassen.

Gruß
Martin Wittwar



Erstmal vielen Dank...



...für die bisherigen Antworten!
Ich habe auf dieser Seite auch schon öfter Negatives zur Horizontalsperre gelesen, aber alles ohne mir plausible Erklärungen. Da wäre ich schon neugierig auf Näheres dazu.

Was nun den Balken betrifft, so war dessen unterer Teil in einem nachträglich eingebauten Sockel verschwunden. An dessen Oberkante konnte Wasser eindringen und unten den Balken zerstören, denn da konnte nichts mehr atmen. Die Ameisen ("Braune Wegeameise")haben dann im morschen Holz ein Zuhause gefunden. Jedenfalls ist diese Sanierungsarbeit nur ein kleinerer Teil von dem, was insgesamt sonst noch auf uns zukommt (u.a. mehrere komplett neue Balkendecken, komplette Elektroneuinstallation, viel Trockenbau und noch vieles Einzelne mehr). Den ganzen Balken durch einen gleichwertigen, gut getrockneten neuen auszutauschen wäre uns schlichtweg momentan leider zu teuer. Eigentlich ist der Zimmermann der Einzige, der den Balken überhaupt retten möchte, vor allem angesichts der völlig intakten oberen Hälfte. Ich finde es eigentlich plausibel, ihn quer in seiner Ganzheit zu erhalten und dann eine Lösung für die untere Hälfte zu suchen. Ist das so abwegig?

Gruß,
Emily



Das Problem mit den Holzteilen



ist das, dass dienicht besser werden mit der Zeit und die Arbeiten daran im Nachhinein viel aufwändiger sind als im Jetzt-Stadium.

Eine untere Schwelle ist wie ein "Fundament" für den Holzbau ... und das steht schon im Alten Testament ... man solle auf festem Fundament seine Häuser bauen!

sparen Sie beim Trockenbau und den Fliesen und dem Zeitplan - das spart Geld und Ärger im Nachhinein

Wichtig wäre ein vernünftiges Sanierungskonzept, nach dem man sukzessive alles abarbeiten kann - nicht so ein herumgehüpfe von einem "Notfall" zum anderen.

mfG

FK



Schwellensanierung



An Martin Wittwar:
Ich hoffe, das der Dachüberstand groß genug ist, um Spritzwasser und Treibschnee von der neuen Schwelle sicher fernzuhalten, ansonsten passiert auch mit Sperre das Gleiche wie mit der alten Schwelle.

Ungenügender Abstand durch Geländeauffüllung, Pflaster, von dem das Regenwasser hochspritzt, großer, gerader Überstand des Sockelmauerwerkes, auf dem Schnee liegen bleiben und Regenwasser auftreffen kann, das sind klassische Schadensursachen für zerstörte Grundschwellen.
Und die Abdichtung kann hier sogar kontraproduktiv wirken, in dem sie das Ablaufen des eingedrungenen Wassers nach unten behindert.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Schwellbalken detail



Hallo,
bei uns war auch der Schwellbalken hinüber, weil einer der Vorbesitzer unbedingt die unterligende Wand begradigen musste und den Putz (Zement) höher als die Unterkante der Schwelle gezogen hatte (so 2-3cm) durch den Spalt, der sich mit der Zeit bildete, konnte Wasser hinein aber dann stand es halt in einer "Zementputzwanne". So war es nicht verwunderlich, dass der Balken verfaulte. Nach dem Auswechseln des Balkens durch den Zimmermann, haben wir auf dessen Anraten mit Kalkmörtel unterfüttert und den Übergang zur unteren Wand abgeschrägt. Jetzt ist die vordere Unterkante des Schwellbalkens frei und die Putzschräge fängt kurz dahinter an. Somit kann eventuell bei stürmischen Wetter Regenwasser die Wand weiter hinunter laufen und sammelt sich nicht im Schwellbalken. Da der Schwellbalken bei uns schon im ersten OG ist haben wir keiner Horizontalsperre drunter, wenn dann würde ich sie aber eher einige Ziegelreihen drunter machen und nicht direkt unter den Balken, da sonst im Fall von eindringender Feuchtigkeit der Balken wieder "nasse Füsse" hat. Besser Kalkputz, der kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben.
Viele Grüße
Martin Hofmann

PS: Beim Wechseln kann man vielleicht auch den Balken auch bereichsweise wechseln und dann entsprechend anblatten, wenn es zu kompliziert wird (War bei uns durch eine Anbau der Fall). Die Fugen die durch die Anblattung entstehen sind auch nicht größer als die im bestehenden Fachwerk zwischen den Balken und sollten bei sonst angepasster Bauweise kein Problem sein.



das stimmt ...



was Sie schreiben Herr Hofmann:
Besser Kalkputz, der kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben
Aber nicht jeder Mörtel auf dem Kalk draufsteht ist auch ein Kalkmörtel,der das kann!
Alle hydraulischen Kalkmörtel und die mit Zement oder Kunststoffen "vergütet" sind sowie die viel gepriesenen Trasskalke können das entweder gar nicht oder verlieren durch chemische Prozesse diese "Kunst" mit der Zeit (3-5 Jahre)

Die schlecht geredeten Luftkalkmörtel machen das eigentlich ganz gut und das schon seit x Jahrhunderten.

frohes Schaffen

FK



VIelen Dank nochmals für die vielen Antworten! O.T.