Dachstuhl-Balken streichen

25.09.2006



Hallo,

ich habe in einem Haus ca. 1910 alle Dachstuhlbalken abgeschliffen (Wohnbereich)und möchte diese nun behandeln.Jetzt gibt es alles mögliche dafür, möchte aber ein offenes Material wie Öl oder Wachs nehmen.
Was ist besser, was macht den Unterschied, wer kann was empfehlen oder hat Erfahrungen gemacht.

Danke Joachim



Mein Tip zum Thema



Ich würde nach meinen empfinden Standölfarben von Fa. Kreidezeit empfehlen, weitere infos unter www.kreidezeit.de.
Diese sind leicht zu Verarbeiten und es gibt eine schöne Farbauswahl.Sie finden auf dieser Hompage eine vielzahl von Informationen.wenn Sie noch weitere Fragen haben einfach Fachwerk.de
Mfg Torsten Selle





Wir haben die Balken mit Osmo Hartwachsöl behandelt.

Sieht sehr gut aus.

Grüße Annette



Wenn die



Balken farblich nicht verändert werden sollen (keine Farbpigmente), kann ein Hartöl verwendet werden. Die Maserung wird vermutlich etwas angefeuert und das holzwird etwas dunkler. Ich würde einen Naturfarbenhersteller bevorzugen, Kreidezeit ist also in Ordnung, aber es gibt noch etliche andere. Volldeklaration anfragen, dann weiß man was man sich ins Haus holt.



warum wollen Sie die Balken überhaupt streichen?



Im Innenbereich gibt es -außer optischer Verschönerung-dazu keinen Grund. Wenn Sie die Balken nur Ölen -ohne Pigmentzugabe-kann es bei starkem SONNENEINFALL zu unästhetischen Fleckenbildungen kommen.



doch, es gibt noch einen grund,



spricht die hausfrau: geölt/gewachst ist einfach leichter sauber zu halten - selbst wenn sehr fein geschliffen wurde. einen behandelten balken mal feucht abzuwischen, ist etwas anderes, als einen unbehandelten abzuwischen - wo es auch nicht viel sinn macht. vor allen in bereichen, die fettschmutz ausgesetzt sind.
allerdings muss es kein hartöl sein - popeliges sonnenblumenöl tuts auch oder Leinöl natur.



Nein, Bettina...



...popeliges Sonnenblumenöl oder Leinöl (mit oder ohne Popel) tut's bei weitem nicht so gut, weil diese recht dicken Öle schlecht einziehen und langsam trocknen. Das aufmerksame Auge der Hausfrau könnte dann u.U. feststellen, daß der Staub drauf klebt.

Es sollte dann schon wenigstens ein Standöl sein, daß noch verdünnt wird (mit echtem Terpentin oder Zitrusschalenöl, gut lüften). Der Griff zu einem Hartöl aus dem Naturfarbenladen ist aber der bessere - diese Produkte sind erprobt und durch die große Ergiebigkeit relativiert sich der Preis (bei kleinen Gebinden ist der Literpreis meist eklatant höher als bei großen)

Gutes Gelingen

Thomas W. Böhme



da muss ich widersprechen,



sonnenblumenöl trocknet sehr schnell und zieht sehr schnell ein. und ist absolut geruchsneutral. auch bei leinöl habe ich da keine anderen erfahrungen, nur das mich der Geruch immer an kartoffeln mit quark erinnert (ein alptraum aus schulspeisungs-kindertagen :-))) )- überstände sind natürlich nach einigen stunden abzunehmen, aber das ist ja bei hartöl nicht anders.



"Sehr schnell"...



...ist ein relativer Begriff. Ich habe 'mal mit jemandem zusammengearbeitet, dem konnte man im Gehen die Schuhe besohlen. Er hielt sich für schnell...

Spaß beiseite: Leinöl und Sonnenblumenöl sind sogenannte fette Öle, Leinöl zählt zur Untergruppe der trocknenden Öle.In dünnen Schichten, so führt das Werk "Historische Malmaterialien und ihre Identifizierung" von Schramm/ Hering aus, trocknet Leinöl in 2-4 Tagen zu einem festen Film aus, der gesamte Trocknungsprozess erstreckt sich über Jahrzehnte. In dickeren Schichten, die sehr leicht in einem rissigen Balken erreicht werden können, den man satt einpinselt, dauert die erste Phase, die Filmbildung, wesentlich länger als 2-4 Tage. Manchem ist vielleicht schon eine Dauerklebrigkeit von zu dick aufgetragenen leinölbasierten Bodenölen aufgefallen. Die erste Trockenphase geht mit einer Volumenzunahme von ca. 28% durch Aufnahme von Luftsauerstoff einher, was bedeuten kann, daß schon aufgenommenes Öl wieder aus dem Holz gepresst wird und Staub bindet. Im Bereich polierter Möbel des späteren 19.Jh. tauchen auf dem Lack öfter Ansammlungen von fliegenschißähnlichen schwarzen Häufchen auf. Das ist durchgedrücktes, nichtausgehärtetes Öl, das nun Schmutz bindet.
Um diese Nachteilen abzuhelfen, sind seit dem frühen 15. Jh. trocknungsfördernde Pigmente in Gebrauch, später kamen Standöle und Firnisse hinzu; die heutigen Öle bzw. Ölmischungen für verschiedene Anwendungen sind somit das Ergebnis jahrhundertelanger Bemühungen. Wenn Leinöl pur so unproblematisch in der Anwendung wäre, hätte man sich die Mühen wohl kaum gemacht.

Sonnenblumenöl hingegen ist ein sogen. "Halbtrocknendes Öl", das aufgrund der überwiegend enthaltenen gesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren über einen wesentlich längeren Zeitraum als Leinöl zu einem festen Film auftrocknet, d.h. Monate dazu braucht, ABER: Manche Sorten trocknen gar nicht. Es ist für das satte Anpinseln von Balken somit völlig ungeeignet.

Auch Leinöle reagieren von Sorte zu Sorte recht unterschiedlich, ein weiterer wesentlicher Nachteil der natürlichen Öle ist somit die Variabilität der Eigenschaften.

Eh jetzt noch die "Toskana-Fraktion" mit Olivenöl kommt: Olivenöl gehört zu den "Nichttrocknenden Ölen" und härtet gar nicht aus.

Wachs letztendlich dringt kaum in das Holz ein und bildet eine Schicht obenauf; auf mehr oder weniger rauhen Balken halte ich das für völlig ungeeignet, auch Hartwachsöl würde ich ungern verwenden.

Eine schöne Oberfläche auf Balken ergibt auch das zarte Überbürsten mit einer Messingbürste (Maschinen von Makita oder Festool). Die Holzsstruktur wird durch das unterschiedliche Abarbeiten von härteren und weicheren Partien (Früh- und Spätholz) betont.

Das war jetzt vielleicht mehr, als mancher wissen wollte, aber kürzer hab' ich es halt nicht hinbekommen.

Frohes Pinseln

wünscht

Thomas W. Böhme



Vielen Dank, Herr Böhme für die detailierten Ölinfos.



Ich muß nochmal auf Frau Ingenkamps`s Sonnenblumenöl zurückkommen: viele meiner KundInnen haben vor ca 15 Jahren im INNENBEREICH ihre sichtbaren, gehobelten Deckenbalken und Dachsparren mit Sonnenblumenöl eingepinselt und haben damit bis heute keine Trocknungsprobleme. Um die Verarbeitungsviskosität zu verbessern wurde das Öl zuvor im Wasserbad erwärmt.
An Stellen mit starkem Sonneneinfall gibt es allerdings unästhetische Fleckenbildungen. Diese Flecken können m.E. nur durch ausreichende Pigmentbeigabe vermieden werden.



Das Trocknen



von fetten Ölen ist nicht wie bei Lacken durch eine Verdunstung von Lösemitteln etc. gekennzeichnet, sondern durch oxydative Sauerstoffaufnahme. Dieser Prozess wird auch "Aushärten" genannt und härtet, wenn er denn stattfindet, die Holzoberfläche zusätzlich. Da dieses Aushärten bei Sonnenblumenöl stark verzögert oder (je nach Sorte)gar nicht stattfindet, wird ein wesentliches Ziel der Ölbehandlung gar nicht oder verzögert erreicht. Nicht ausgehärtete Öle sind deutlich empfindlicher für Fleckenbildungen aller Art, sie nehmen Farbstoffe, Weichmacher (z.B. aus Gummiteilen) sehr gut auf. Vielleicht ist das die Ursache für die beschriebenen Fleckenbildungen? Mögliche weitere Probleme habe ich schon dargestellt.

Vor diesem Hintergrund scheint es mir nun freilich unsinnig, weiter über Sonnenblumenöl auf Balken zu disputieren. Mit Sicherheit fände sich auch bei längerem Suchen ein Anwender, der vor Jahren ein synthetisches Öl auf die Balken strich und keine Probleme damit hat.

Wichtig ist letztendlich nicht, daß etwas irgendwann einmal geklappt hat, sondern daß ein Produkt IMMER von gleichbleibender Qualität und Wirkung ist. Genau das ist aber bei natürlichen Ölen aufgrund der ebenfalls ganz natürlich schwankenden Materialeigenschaften nicht gegeben.

Weiterhin frohes Pinseln

wünscht

Thomas W. Böhme