Schwingender Fußboden

06.04.2007



Hallo!
Ich würde gerne wissen, ob man bei einem Fachwerkhaus den Holzfußboden so stabilisieren kann, dass er nicht mehr bei jedem Schritt nachschwingt. Welche Möglichkeiten gibt es da? Zusätzliche Holzträger einziehen kommt vermutlich wegen des Gewichts nicht infrage, evtl. Alu-Träger? Natürlich würde ich vorher einen Statiker fragen, möchte aber erstmal wissen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.
Danke für eure Antworten im Voraus.



Schwingen...



...die Dielen oder der gesamte Fußboden incl. Balken?

Wie lang sind etwa die Balken frei liegend und welche Querschnitte haben sie?

Grüße

Thomas





Hallo Thomas,
habe in verschiedenen Altbauwohnungen gewohnt, derzeit in einem 4-geschossigen Haus Bj. 1911. Leider war der Boden hier mit (festgenagelten) Spanplatten (darunter konnte man an einigen Stellen die alten Dielen noch sehen) versehen. In allen Altbauwohnungen, ob mit Spanplatten oder ohne, schwankte der ganze Boden, meistens bog er sich auch zur Mitte durch und natürlich gab es auch immer Stellen, an denen die einzelnen Dielen nachgaben (auch unter den Spanplatten).
Intensiv machte sich das Schwanken des ganzen Bodens bei schleudernden Waschmaschinen, vorbeifahrenden Straßenbahnen oder auch nur bei hin- und herlaufenden Mitbewohnern bemerkbar (außer in den sehr kleinen Räumen, in denen die Balken wohl kürzer sind). An Seilchenspringen oder ähnliches mal gar nicht zu denken...
Konkret kann ich im Moment nicht sagen wie lang hier die Balken sind und welchen Querschnitt sie haben. Ich bin aber sicher, dass das Problem in so ziemlich allen alten Häusern zu finden ist und suche deshalb nach einer erprobten Lösung, um das abzustellen.

Allerdings führt mich deine Frage auch wieder zu einer alten von mir: Gibt es wohl eine technische Möglichkeit sich das "Innenleben" z. B. eines Fachwerkhauses anzusehen, ohne Putz oder Oberböden zu beschädigen? Ist vielleicht ne blöde Frage von mir, aber könnte ja mal sein.

Vorab schon mal schöne Ostern,
Toni



Hallo Toni,



eine Turnhalle wird da nicht draus - Seilchenspringen bringt die Balken zum Schwingen:-)

Ein gewisses Federn der Balken und auch der (oft stumpf aneinandergelegten) Dielen ist völlig normal, auch das mittige Durchbiegen der Balken um einige cm.

Die Balkenlage könnte man im Notfall mit einem Querzug oder einer zusätzlichen Wand als Auflage stabilisieren - das ist aber dann tatsächlich ein Job für den Statiker.

Für die neugierigen gibt's das Endoskop. Besonders sinnvoll zur Begutachtung der Balken im Bereich des Wandauflagers.

Grüße

Thomas



Balken aufdoppeln?!



Habe in einem Berliner Einfamilienhaus vor ein paar Jahren folgende Lösung für das gleiche Problem gesehen:
Alte Dielen wurden entfernt, ebenso die schwere mineralische Schüttung (Schlacke etc.?).
Die Balken wurden darufhin aufgedoppelt, d.h. Balken ungefähr gleichen Querschnitts wurden auf die vorhandenen Balken aufgeschraubt, allerdings ohne die neuen Balken auf den beiden gegenüberliegenden Mauern aufzulegen.
Danach wurde eine neue Schüttung eingebracht (Material weiss ich leider nicht mehr) und neue Dielen aufgeschraubt. Das Ergebnis war hervorragend: Das Schwingen war weg, der Trittschall deutlich verbessert.
Wegen des Deckengewichts sehe ich hier kein Problem, wenn die alte schwere Schüttung durch eine leichtere Ersetzt wird, die Balken selbst sind ja nicht so gigantisch schwer.
Das ganze Bauvorhaben wurde allerdings von einem Statiker und Architekten begleitet.



Schwingender Fußboden



Der Vorschlag von Franz Heitzendörfer ist mit Vorsicht zu behandeln.
Aufdopplung der Balken heißt mehr Deckenhöhe, das geht nur im nicht ausgebauten Dachboden, wo ich ohnehin eine neue Treppe brauche und keine Türen drin sind. Im normalen Geschoß ist eine deutliche Erhöhung der Decken nicht machbar.
Das Entfernen der Deckenfüllung bringt mehr Schwingungen statt weniger, die Füllung soll Schwingungen durch Massenträgheit dämpfen.
Körperschall und tiefe Frequenzen werden am besten durch Masse gedämpft.
Decken steifer machen funktioniert neben Verkürzung der Spannweite durch Erhöhung des Widerstandsmoments.
Das geht mit beigenagelten Hölzern (rechts und links am Balken)oder mit Verstärkungen an der Balkenunterseite. Das kostet nur etwas Raumhöhe und ist durch eine Unterhangdecke besser zu kaschieren.

Viele Grüße
Georg Böttcher



@Georg



Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt:
Die Balken wurden in der Breite, nicht in der Höhe verdoppelt, die neuen Hölzer also SEITLICH auf die vorhandenen Balken aufgeschraubt.
Bzgl. der Schüttung habe ich mir auch noch einmal Gedanken gemacht: Ich vermute inzwischen, dass die alte Schüttung wieder eingebracht wurde. Logischerweise wird die Decke dadurch nicht schwerer, denn die neuen aufgeschraubten Balken verringern das Volumen der Schüttung und sind mit Sicherheit nicht schwerer als das mineralische Schüttungsmaterial.
Das Fussbodenniveau erhöht sich durch diese Massnahme überhaupt nicht.



Statik



Hallo!
Vielen, vielen Dank für die zahlreichen Hinweise. Es ist gut zu wissen, dass es eine Möglichkeit gibt, den Boden im Fachwerkhaus zu stabilisieren. Werde jetzt mal schauen, dass ich ein Angebot bekomme und vor allem einen Statiker.
Ich hoffe, sowas ist bezahlbar...

Frohe Ostern,
Toni