Holzbalkendecke - Schall und Statik

22.01.2013



Liebes Forum,

ihr habt schon sehr viel zu diesem Thema geschrieben, einiges davon habe ich mir durchgelesen, aber wie es so ist, es passt immer nur teilweise. Deshalb frage ich jetzt noch einmal selber nach.

Unser Haus ist aus den 1930er Jahren. Es gab Änderungen am Dachstuhl und ein paar Deckenbalken (auf denen die Stiele stehen) wurden verstärkt. Dafür haben wir die teils zerborstene alte Dielung entfernt und aus den betreffenden Feldern die Schüttung umgeschichtet in die Felder, wo die Zimmerer nicht an die Balken mussten. Diese Schüttung besteht aus Spelzen in Staub mit ein paar kümmerlichen Lehmklumpen und war ungleichmäßig verteilt (die Felder waren von fast voll bis komplett leer, in zwei Feldern lag ca. 10 Jahre alte Mineralwolle...).

Am Ende wollen wir oben einen Holzboden haben und eine möglichst gute Schalldämmung für Tritt- und Raumschall (das Schlafzimmer liegt über einem total hochgekachelten Bad). Wärmedämmung ist nicht so wichtig, weil beide Etagen bewohnt, gedämmt, geheizt sein werden.

Zwei Fragen, an denen wir herumrecherchieren:

1. Die alte Schüttung soll bleiben, wird aber die Zwischenräume zwischen den Balken nur teilweise ausfüllen. Sie wäre also zu ergänzen. Aber womit? Gerade die paar Lehmklumpen, die auf einer Schicht aus Schwartenbrättern lagen, sind eine ziemlich mickrige Gruppe.

2. Laut Statikerin müssen wir eine 3cm dicke OSB-Schicht verlegen, verleimen und im 10cm-Abstand mit den Deckenbalken verschrauben. Die Deckenbalken müssen ausgehöht werden. Wir bringt man jetzt folgende Dinge unter einen Hut: Scheibenstatik, Schalldämmung, Aushöhen bei einem möglichst flachen Aufbau mit Holz ganz oben?

Alle Lösungen, die uns bisher begegnet sind/vorgeschlagen wurden, widersprechen mindestens einem der Punkte komplett. Weiß von euch jemand Wege, wie man alle Kriterien optimal erfüllen kann?

Danke für die Hilfe!

Lyl-Ann



Deckenaufbau



Hallo Lyl- Ann,
zuerst zum Deckenaufbau:
Sie müssen Masse in die Decke bringen um Schwingungen zu reduzieren und Luftschall zu dämpfen. Das geht am besten mit Gehwegplatten o. ä., die in die vorhandene Schüttung gebettet werden. Was an Schüttung fehlt müssen Sie mit Sand oder einer anderen mineralischen Schüttung auffüllen.

Dann kommt der Belag:
Variante 1
Als Höhenausgleich werden üblicherweise Bohlen rechts und links an die Balken geschraubt. Fragen Sie ihre Statikerin nach dem Schraubentyp und den Abständen.
Darauf können Sie dann 30 mm OSB aufschrauben.

Variante 2
Sie schrauben direkt auf die Balken, also ohne Höhenausgleich, eine Lage OSB 15 mm. Achten Sie auf vollen Kontakt bzw. Auflage der Platten auf den Balken. Die Stöße verkleben Sie und zeichnen die Balkenlagen an den Wänden unten an.
Dann Kleben und schrauben Sie eine zweite Lage OSB 15 mm mit versetzten Stößen vollflächig auf die erste Lage auf, diesmal mit den Schrauben und den Abständen Ihrer Statikerin. Die Striche an den Wänden helfen Ihnen die Balken zu finden. Im Bereich der Deckenfelder können Sie ruhig noch ein paar Trockenbauschrauben mit reindrehen damit die Klebefuge zwischen beiden Plattenlagen wirklich dicht sitzt.
Die dünneren Platten biegen sich beim Schrauben und passen sich so den Unebenheiten der Balkenlage an. Nach dem Aushärten des Klebers bleibt der Verbund spannungsfrei erhalten, die jetzt 30 mm dicke Platte übt keinen Zug auf die Schrauben aus.
Danach können sie eine Trockenschüttung als Höhenausgleich und einen schwimmenden Trockenestrich verlegen.

Variante 1 spart Aufbauhöhe, Variante 2 hat eine bessere Schalldämmung.

Zur Schalldämmung:
Ich vermute Ihnen geht es um den Lärm, den jemand im Bad produziert während der andere noch im Bett liegt.
Dagegen helfen eine Trockenbau- Unterhangdecke und die Reduzierung von Körperschallübertragung und Nebenübertragungswegen.
Die Unterhangdecke kann zusätzlich den Feuchteeintrag durch Kondensat in die Decke reduzieren, das geht mit Dämmung und Dampfbremse. Körperschall bekommt man mit entkoppelter Lagerung von Armaturen usw. reduziert, Nebenübertragungswege wie Entlüftungen, Kabeldurchbrüche, Heizungsrohre usw. müssen individuell schallgedämmt werden.

Viele Grüße



Nachfrage



Danke, lieber Georg Böttcher für die schnelle, konstruktive und kompetente Antwort! Das hilft uns schon sehr weiter.

Trotzdem muss ich noch einmal nachfragen:
1. Wenn es bei der Schüttung hauptsächlich um Masse geht, ließen sich dann anstelle neuer Gehwegplatten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und der frische Bauschaut (gebrochene Ziegelsteine, Mörtel- und Kalkzementputzreste) verwenden?

2. Wenn grundsätzlich zwei Schichten OSB möglich sind, ließe sich auch Höhe und Aufwand sparen, wenn man eine Unterschicht OSB verlegt mit weniger als 30 mm und darauf eine Deckschicht aus Holzdielung, die dann zugleich die Scheibenstatik ergänzt und den Oberboden bildet (wieder 2 Fliegen...)?

Herzlichen Dank noch einmal

Lyl-Ann



Fußbodenaufbau



Hallo lyl- Ann,
Bauschutt in der Decke unterzubringen ist grundsätzlich möglich, wenn er kleinteilig genug ist. Ziegelbrocken, Putzreste usw. sollten nicht zu sperrig sein. Ihr könnt auch den Schutt absieben (staubt!) und füllt die Zwischenräume der Platten damit auf.
Es sollten dabei keine organischen Reste wie Leimfarben, Tapeten, Holzreste usw. mit dabei sein.
Gehwegplatten habe ich vorgeschlagen weil sie eine hohe Wichte haben, etwa 2,2-2,4 kg/dm³.
Bauschutt dürfte nur bei etwa 1,4 kg/dm³ liegen.

Viele Grüße