Schadstoffbelastetes Fachwerk

04.10.2004



HALLO!
Wir mussten feststellen, dass unser Fachwerk irgendwann mit giftigem Holzschutzmittel (Lindan, PCP, Paration) behandelt wurde!!! Im Innenbereich!!!
Die Laboruntersuchung der Staubprobe hat aber nur eine relativ geringe Belastung ergeben. Als Sanierungsmaßnahme wurde uns von der eingeschalteten Umweltambulanz vorgeschlagen:
-Entfernen der Balken, wo´s geht(ha, ha!)
-Abbeilen von 0,3 bis 0,5 cm je nach Statik
-Versiegelung mit Schellack
Was haltet Ihr davon???
Gibt es Alternativen???
Hat jemand Erfahrung???
Wer macht sowas?
Panische Grüße
Birgit



Abdecken, beschichten usw.



Guten Tag Frau Wulf,
Man kann die befallenen Wand-/Decken? Bereiche eventuell staub- und möglichst Gasdicht abdecken. Meines wissens nach ist die "feuchteadaptive Dampfbremse Varion KM" der Fa. Isover für einige Schadstoffe geprüft worden und sie soll den Schadstoffdurchgang ganz erheblich herabsetzen. Sie können, falls eine Bekleidung in Frage kommt ja einmal bei Isover nach entsprechenden Prüfzeugnissen fragen.
Eine aufstreichbare Beschichtung, die PCP usw. abblocken soll gibt es von der Fa. "Baden Chemie" unter der bezeichnung "Schadstoff EX".
Vielleicht finden sich so ja unter Berücksichtigung der entsprechenden Prüfzeugnisse und der Bauphysik der Gesamtkonstruktion Sanierungsmöglichkeiten. Falls Sie PCP belastetes Holz ausbauen, gilt dafür eine eigene Abfallschlüsselnummer, da es sich um besonders überwachungsbedürftigen Abfall handelt. Sie sollten überprüfen, in wie weit Schadstoffe in Textilien wie Sofas, Teppich etc. migriert sind. Andererseits können Textilen usw. auch die eigentliche Schadstoffquelle sein, und das Holz nur sekundär kontaminiert. bei der Kombination PCP und Lindan gehe ich aber auch erst einmal von Holzschutzaltlasten aus.
Zum Langzeitverhalten der Abschottungsmaterialien liegen meines Wisens nach noch keine Ergebnisse vor.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Arnold



Immissionen messen



Wie wurden die Belastungen gemessen? Wenn Sie nur Staub auf den Balken abgesaugt haben, sind die Ergebnisse nur Indizien, wie Ulrich Arnold schon anmerkte. Haben Sie das Holz direkt analysen lassen?

Desweiteren fragt sich, wie weit Sie belastet sind? Wenn möglich lassen Sie das schwächste Mitglied Ihrer Familie (Kind) untersuchen. Meines Wissens nach reicht eine Blut- oder Urinprobe. Ihr Arzt weiß das besser. Funktioniert natürlich nur, wenn Sie schon länger im Haus wohnen. Wenn Sie dort nennenswerte Schadstoffkonzentrationen finden, würde ich auf jeden Fall mehr machen, als streichen. Zumindest großflächig Verputzen würde ich. Offene Balken würde ich auch abbeilen oder austauschen. Sollte bei der ärztlichen Untersuchung nichts gefunden werden, so würde ich das entspannter angehen und z.B. nur mit Atemschutz an den Balken arbeiten.

Viele Grüße
Stephan Schöne



Schadstoffe



Der renomierte Hersteller Frowein GmbH bietet ein Coating Produkt auf Acrylbasis an.

Der Nachweis der Wirksamkeit des Sanierungsanstrichs bezogen auf die Reduzierung des Pentachlorphenolgehalts in Luft (Prüfkammerluft), von Werten größer als 1g/m³ resultierend aus pentachlorphenolbelasteten Holzbauteilen
auf Luftgehalte unter 0,1 g/m³ (langfristig anzustrebende Raumluftwerte – Punkt 6.3 der Pentachlorphenolrichtlinie – Richtlinie für die Bewertung und Sanierung Pentachlorphenol (PCP) - belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden – PCP Richtlinie wurde mit Prüfzeugnis V/97 2453 der Forschungs und Materialprüfungsanstalt vom 20.10.1998 erbracht.


Anwender dieses Sanierungsanstrichs müssen Sachkunde bei Sanierungsverfahren für holzschutzmittelbelastete Bauteile vorweisen.

Durch Prüfung in unabhängigen Instituten soll nach Angaben des Herstellers belegt sein, daß dies Mittel auch zur Entgiftung folgender Biozide geeignet ist:

Lindan
Dichlofluanid
Cyfluthrin
Permethrin
Formaldehyd

Grundsätzlich geht der Hersteller davon aus, daß alle Wirkstoffe aus den Gruppen der Pyrethroide,der Carbamate und der Thio/Thionophosphate vom Produkt inaktiviert werden.

Mit besten Grüßen


Lutz Parisek



Schadstoffbelastetes Fachwerk, Teil 2



Hallo!
Vielen Dank für die prompten Antworten!!!
Es wurden sowohl das Balkenmaterial(massive Belastung) als auch der Hausstaub (vergleichsweise gering belastet) in einem Umweltanalyselabor untersucht. wobei eben die Konzentration, die unten auf dem Fußboden ankommt, viel geringer ist, als erwartet wurde. Die Blutanalyse unseres Sohnes(Rheuma) war nicht auffällig, was allerdings nicht sehr aussagekräftig sein soll...Mauerwerk und Möbel haben wir noch nicht testen lassen...
Was soll man nun mit so widersprüchlichen Daten machen?
Meben umweltmedizinischen Fragen, die ja nicht hierhergehören, suche ich einfach weiter nach seriösen Aussagen über die verschiedenen Sanierungsmethoden...
Z.B.: Nützt eine Abdichtung der Deckenbalken nach den 3 zugänglichen Seiten überhaupt etwas oder führt das nur zu höherer Ausgasung durch die Deckenwand in das nächste Geschoss?
Z:B.: Was macht man bei den vielen alten Fraßgängen, wenn man Abdichten will? Kann man dann überhaupt abdichten?
Z.B.: Ich hab auch etwas über Alufolienabdichtung gehört: kennt jemand sich damit aus???
Ansonsten hatte ich mich gewundert, dass es zu dem Thema Schadstoffbelastete Balken noch gar keine Beiträge gab; bei dem gedankenlosen Gebrauch von Holzschutzmitteln in der Vergangenheit muss es doch massenweise alte Häuser erwischt haben...??? In der hoffnung, dass es nicht so ist:
Weiter beste Grüße aus dem Norden
Birgit Wulff



Andere belastete Häuser



Mein Elternhaus wurde vor gut 25 Jahren renoviert und in diesem Zuge die Balken regelrecht in Holzschutzmittel getränkt! Wir hatten bis vor einigen Jahren nicht eine Spinne (Indikatoren für ein "gesundes" Umfeld) auf unserem Dachboden. Soviel zu anderen belasteten Häusern. ABER, ich muss sagen, wir haben niemals etwas nachmessen lassen, weil wir alle kerngesund sind. Keine Allergien, kein Asthma o.ä. Seien Sie mir nicht böse, aber Menschen, die in der Großstadt wohnen, rauchen usw. leben meiner Meinung nach ungesünder. Macht man sich nicht manchmal auch etwas verrückt?

Mit einem freundlichen Gruß



Weitere Informationen



Ich habe hier einen interessanten Artikel der bayerischen Umweltberatung gefunden: http://www.bayern.de/lfu/umwberat/data/chem/stoff/pcp_2001.htm. Wenn Ihr keine Beschwerden habt, würde ich nichts machen. Fraglich ist mir weiterhin, ob die angebotenen Mittel langfristig helfen und ob die Situation nicht verschlimmbessert wird. Einerseits preisen wir Diffusionsoffenheit in den höchsten Tönen, versuchen aber jetzt Holz abzudichten.

Viele Grüße
Stephan Schöne



Schadstoffe



Liebe Ina

Es gibt Leute die haben ihr Leben lang in Asbestwerken gearbeitet und sind gesund.
Es gibt Leute die sind Kettenraucher und werden uralt.
Es gibt Leute die sind Strahlungen ausgesetzt und bleiben gesund.

Trotzdem möchte ich nicht im Asbestwerk arbeiten, Kette rauchen und heiklen Strahlungen ausgesetzt sein.


Liebe Ina
Wir sollten uns unserer guten Gesundheit erfreuen und sie nicht unnötig aufs Spiel setzen.

Vorsichtig und kritisch sein, heißt natürlich nicht in Hysterie verfallen sondern ganz einfach verantwortungsbewußt mit dem uns geschenkten Leben umgehen.

Mit besten Grüßen


Lutz Parisek



Ruhe bewahren - gesunden Menschenverstand nutzen.



Hallo Birgit,
bei Schadstoffen ist Panik nicht der beste Ratgeber!
Also was wurden denn nun tatsächlich in Holz, Liegestaub und Raumluft für Werte gemessen und wieviele Proben wurden insgesamt entnommen?
Mit Kenntnis der Meßwerte kann sicherlich besser über Sinn und Notwendigkeit von Sanierungsmöglichkeiten diskutiert werden.
Wie werden die betroffenen Räume von Euch genutzt und welches Raumvolumen (Größe in cbm) weisen die Räume auf? Handelt es sich nur um Innenwände oder sind auch die Außenwände zu den Räumen hin fachwerksichtig?
Ich habe bereits an einigen historischen Gebäuden unterschiedliche Konzepte zum Umgang mit Schadstoffen geplant und erfolgreich realisiert. Es gibt sicherlich verschiedene Herangehensweisen an das Problem. Bei Interesse an einer Beratung können Sie sich gerne mit mir telefonischen in Verbindung setzen.
Mit freundlichen Grüßen

Holger Schmidt-Schuchardt