Fachwerkreinigung

12.05.2011



Hallo Zusammen,

Ich möchte gern mittelfristig das Fachwerk unserer alten Fachwerkschule BJ 1696 von diversen Altanstrichen (Acrylfarben und was weiß ich...) befreien lassen. ich würde die Eichenbalken gern unbehandelt ihrem alter entsprechend ergrauen lassen, da wir das Haus gern dem ursprünglichen aussehen näher bringen möchten.

Macht das bei so altem Holz überhaupt Sinn oder ist es besser diese später wieder mit einem Schutzanstrich zu versehen?

Zum Abtrag der Farbe würde ich das Gebälk gern "sand"-strahlen lassen. Oder gibt es hier einen besseren Weg? Kann man grob sagen was das so Kosten wird? Sind in etwa 60 lfm Fachwerkwand 1 Geschoss.

Viele Grüße



Fachwerkanstrich



Freiliegendes, bewittertes Fachwerk wurde in Ihrer Gegend wurde immer mit Anstrichen behandelt. Beim Säubern wird sich bestimmt die alte Beschichtungsfarbe finden lassen. An die bzw. an die örtlichen Traditionen sollten Sie sich bei der Farbgebung halten.

Viele Grüße



Seit wann



"streicht" man den das Gebälk in etwa? Wir haben kürzlich eine ehemalige Außenwand zwischen erstem und zweitem Klassenzimmer vom Putz befreit. Die Balken die dort wieder ans Licht gekommen sind wirken unbehandelt, daher dachte ich dass das ursprünglich auch beim Rest des Hauses so war.
Ich stelle nachher mal ein Foto von einem Balken ein, vielleicht erkennt man ob der behandelt oder unbehandelt ist.

Vielen Dank für die bisherigen Antworten....



Leinöl



Ich habe bei unserem 300 Jahre alten Fachwerkhaus die Balken vorsichtig mittels Drahtbürste und an hartnäckigen Stellen Scheifaufsatz auf der Bohrmaschine von alter, bröseliger Farbe befreit und sie anschließend mit Leinölfirnis (Leinöl 1:1 mit Terpentin mischen) 2x gestrichen.

Am ersten Tag sieht das noch sehr frisch aus, später wirken die Balken auf natürliche Weise satt und tief aber nicht "angepinselt". Die ursprüngliche Farbe der Verwitterung bleibt erhalten.

Außerdem sind sie somit gegen Wind und Wetter geschützt. Leiönl ist diffusionsoffen und wird wohl schon seit Jahrhunderten zur Holzbehandlung benutzt.



Fachwerkanstrich



Fachwerk in Innenwänden war verputzt und deshalb keiner Witterung ausgesetzt. Solche Balken wurden natürlich nicht gestrichen.
Liebe Steffi, ein oder mehrere Anstriche mit Leinölprodukten fallen bei mir auch unter die Rubrik "Behandlung mit Anstrichen". Darunter verstehe ich nicht Balken mit ein wenig Baumarktlack einzupinseln, sondern Holz vor der Witterung zu schützen.
Was die Pigmentierung angeht:
Farbpigmente wurde immer schon im Holzschutz eingesetzt da sie nicht nur schmücken, sondern auch schützen. Ihre dekorative Wirkung spielte auch immer eine große Rolle.
Bei einer einfachen Hütte oder einem untergeordnetem Nebengebäude mag das keine Rolle gespielt haben.
Hier geht es um ein Schulgebäude und keine einfache Häuslerkate.
Das Mittelalter, die hohe Zeit des Fachwerkbaus, war quietschbunt. Die Fachwerke waren in kräftigen Farben bemalt. Um 1700, im Barock, waren eher gedeckte Pastelltöne in Mode.

Viele Grüße

Das Foto zeigt den gotischen Ständesaal im Schloß von Blois, Frankreich



Hier mal



ein Bild von einer alten Außenwand. Sie ist erst seit 150 Jahren eine Innenwand :-), seit der erste Anbau am Gebäude gemacht wurde. Kann man anhand des Bildest erkennen ob da eine Farbe eingesetzt wurde?

Viele Grüße



Trockeneis



Hallo , evtl könnten sie zur Reinigung auch das Verfahren Trockeneisstrahlen anwenden , es ist zwar etwas teurer als Sand aber schonender zum Material .



Strahlen



Anstriche entfernen geht am wirtschaftlichsten durch Strahlen.
Hierbei sollte aber möglichst auf den scharfen QuarzSand verzichtet werden da er nicht nur die Farbe sondern auch wie Weichholzanteile aus der Eiche strahlt. Professionelle Strahler haben mehrere Strahlmitte und Verfahren am Start um die schonenste Methode anzuwenden.



Fachwerk reinigen



Das auf dem Foto ist definitiv kein 300 Jahre alter Fachwerkbalken, der 150 Jahre der Witterung ausgesetzt war.
Ob das überhaupt ein Ständer eines Fachwerkes ist sei mal dahingestellt. Die dafür üblichen Querschnitte lagen bei ca. 14 bis 18 cm, das Holz hier muß etwa doppelt so breit sein.

Viele Grüße



Vielleicht



hat man über die Jahrhunderte ja den ein oder anderen Balken mal getauscht? Die Balken draußen sind teilweise erheblich "angegriffener". Das was man auf dem Foto sieht fungiert als Ständer, um das Ganze Haus sind solche überdimensionierten Ständer verteilt, auf ihnen ruht die Last von ebenso dicken Eichendeckenbalken. Ich meine es sind über die Hauslänge 4 oder 5 solcher Ständer und Deckenbalken, dazwischen finden sich dann normale 16er Querschnitte.
Da das Schulhaus( Bj 1696), so wie der Rest der Ortes 1695 abgebrannt ist, könnte ja sein, das man da mit Restholz aus den Abrissen gearbeitet hat...



Fachwerkbalkenreinigung



In der berufsgenossenschaftlichen Regel "BGR 500 - Betreiben von Arbeitsmitteln" ist im Kapitel 2.24 -Arbeiten mit Strahlgeräten (Strahlarbeiten)- aufgeführt, dass Strahlmittel nicht mehr als 2 vom Hundert ihres Gewichts an freier kristalliner Kieselsäure enthalten dürfen. Als freie kristalline Kieselsäure werden die kristallinen SiO2-Modifikationen Quarz, Cristobalit und Tridymit bezeichnet.

Da Quarzsand in der Regel diesen Anteil überschreitet, ist demnach der Einsatz des früher oft gebräuchlichen Quarzsandes als Strahlmittel heute grundsätzlich verboten.

Auch sollte eine Reinigung im Eisstrahlverfahren vermieden werden da kei gutes Reinigungsergebnis erziehlt wird.
Das Strahlen im Jos-Verfahren bei einen max Arbeitsdruck von 1,5 bis 2 Bar dürfte Jedoch den gewünschten Erfolg bringen.

Weitere Infos gerne Auf Anfrage



Reinigung



Das Verfahren mit dem Trockeneis hat sich gut bewährt und wir setzen es oft zur Fachwerkreinigung ein . es wird auf jeden Fall eine Probefläche gestrahlt um zu schauen wie das Ergebnis ist , was bei anderen Verfahren auch gemacht werden sollte .

Jeder lobt sein Verfahren aber dafür kann der Kunde sich das ja vorher anschauen und ist mündig genug sich seine Meinung zu bilden .

Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung .