Hausbockkäferbefall an Dachbalken




Hallo,

wir haben im Dachboden Hausbockkäferbefall. So scheint es jedenfall. Wir können sie sehr deutlich hören und die Löcher sind mehrere Millimeter groß und oval.

Vor gut zwei Wochen ist uns das noch gar nicht aufgefallen. Erst jetzt, wo wir mit dem Ausbau fast fertig sind, finde ich an allen Balken frische Löcher.
Tagsüber ist es ruhiger, gestern Abend war da ober aber die Hölle los.

Nachdem ich nun viel hier im Forum über mögliche Bekämpfung gelesen habe, versuche ich es erst einmal selbst:

Ich habe mir einen 5l Kanister Kontaktinsektizid gekauft, welches 0,26% Permethrin enthält (Sol No-Insekt). Das soll sich nach 8 Wochen komplett verflüchtigt haben. Den Kanister habe ich auch gebraucht, um meine Balken einmal komplett damit einzusprühen. Jedenfalls da, wo ich noch ran kam. Bin damit vor einer Stunde fertig geworden.

Meine Fragen:
Reichen einmal auftragen überhaupt? Muss ich die Balken mehrfach einsprühen? Die Balken haben sofort alles aufgesaugt.

Wie lange muss ich warten, bis ich erste Erfolge zu verzeichnen habe bzw. doch noch einen Profi einschalte?

Der Dachstuhl ist übrigens schätzungsweise um 1950 erbaut. Wir haben eine Aufsparrendämmung aufgebracht, wobei direkt auf die Balken OSB-Platten als Verkleidung kamen.

Vielen Dank im voraus.

Thomas Kirchhoff



Moin Thomas,



wer soll hier wie feststellen, ob du nicht in einer Ecke noch ein paar Viecher übersehen hast ("Jedenfalls da wo ich noch rankam")?

Davon mal ab, dass der unsachgemäße Umgang mit Insektiziden eher zu neuen Resistenzen führt.

Hol dir einen Profi ins Haus, zu dessen Meinung können die Holzschutzspezis hier dann was sagen.

Gruss, Boris



Permethrin



Hallo Boris,

Danke für Deinen Ratschlag.

Ich habe mich für Permethrin aus zwei Gründen entschieden:
- In einem Beitrag aus 2005 wird der Wirkstoff hier im Forum von einem Profi empfohlen.
- Das Mittel kann auch in "Lebensmittel verarbeitenden Betrieben" eingesetzt werden.

Kann natürlich sein, dass ich durch "selektives" Lesen nur das gefiltert habe, was ich auch Lesen wollte.

Ich will ja auch nicht zu viel des Guten auf die Balken bringen. Also wie viel sprühen denn die Profis drauf und wie oft wiederholen sie das ganze?

Mir ist auch klar, dass ich ggf. den Trockenbau teilweise wieder abbauen muss. Bisher habe ich aber noch nicht zu überhörende Fraßgeräusche an den sichtbaren Stellen.

Daher frage ich auch, wie lange ich Warten muss, bis es für mich mehr Arbeit bedeutet bzw. es stärker an meinen Geldbeutel geht, da ich einen Profi ins Haus holen muss.

Mir ist klar: Wird es nicht besser, muss der Profi ran.

Viele Grüße
Thomas



Moin Thomas,



wer ausser dem Profi soll denn beurteilen, obs "besser" geworden ist?

Fressen stille Holzböcke weniger? Ist das noch jugendfrei, was die da hinter deiner angefangenen Verkleidung treiben? Hören die beim Dachgebälk auf? Hast du vielleicht noch ganz woanders welche drin?

Kannst du dir das Bakschisch für den Brandsachverständigen noch leisten, nachdem du in ein paar Jahren verzweifelt zu den Streichhölzern gegriffen hast?

Bei uns (Bj 1947) haben sie glaub' ich nicht umsonst den gesamten Dachstuhl Bohrlochgetränkt...

Lesenswertes findest du hier:
http://www.holzfragen.de/seiten/hausbock.html

Gruss, Boris





hallo,


ich glaube nicht, das sich die Tierchen von Ihrer Maßnahme sonderlich beeindrucken lassen.

Grüße aus Schönebeck



Holzschutzmittel Selbstindikation


Lutz Parisek

Hallo Thomas

Vielleicht hättest du besser vor Beginn deiner Maßnahme um Rat fragen sollen. So wie du dein Vorgehen beschreibst, wirst du mit deiner Strategie nur einen sehr eingeschränkten Bekämpfungserfolg haben. Das genannte Produkt ist nach seiner Rezeptur ganz klar nicht für den bekämpfenden Holzschutz konzipiert. Zusätzlich ist dein Dachstuhl nun dauerhaft mit einem Nervengift kontaminiert. Die erwähnte schnelle Abbaurate ist eine angenommene Halbwertzeit bei Ausbringung im freien Gelände, bei der die Witterungseinflüsse wie z.B. Sonne eine wesentliche Rolle spielen. Wirklich kurze Halbwertszeiten bestehen z.B. bei Naturphyrethrum und nicht bei deren chemischen Derivaten.

Zur Toxität von Permethrin:
"Die US-Umweltbehörde EPA hat Permethrin als möglicherweise krebserregend eingestuft. Der Kontakt mit dem Stoff kann bei Menschen zu Juckreiz, Haarausfall und Allergien führen."


Ich kann an dieser Stelle nur noch einmal klar vor selbstgestrickten Holzschutzlösungen warnen. Diese führen meist nicht zum gewünschten Ziel und zeigen im Ergebniss oft eine Verschlimmerung der Situation.

Gruß

L. Parisek



Offene Fragen



Hallo Lutz,

für mich ergeben sich derzeit zwei Fragestellungen:

1. Wende ich ein Mittel ausreichend an, um auch einen Bekämpfungserfolg zu erzielen?
2. Verwende ich überhaupt ein geeignetes Mittel?

Zu 1. Anwendung:
Wenn die oberflächliche Imprägnierung nichts bringt, käme dann wohl die Bohrlochinjektion zur Anwendung (unabhängig davon, wer es macht). Wie lange soll ich warten, um festzustellen, dass meine oberflächliche Behandlung nicht ausgereicht hat?
Wie ich nun gelesen habe, wirkt Permethrin sofort bei Kontakt mit der Larve (hätte ich auch selbst drauf kommen können, heißt ja nicht umsonst "Kontaktinsektizid").
Heißt dass also, wenn ich nach sagen wir mal 3 Tagen noch immer Fraßgeräusche höre, sind die Larven zu tief im Holz, sodass das Mittel nicht mehr wirken kann?

zu 2. Mittel:

So schlimm kann der Wirkstoff Permethrin nicht sein, wenn ich lese, wo der überall zur Anwendung kommt: Bäckerein, Metzgereien, Büros, Hotelzimmer, Altenheime, ... Auf der Seite Wikipedia steht sogar, dass es gegen ausgewachsene Läuse beim Menschen eingesetzt wird, dass Moskitonetze damit impregniert werden, usw.
Ich will auf keinen Fall irgendwas verniedlichen. In jedem Fall wird es auf die Höhe der Dosierung ankommen. Darum fragte ich auch, wieviel ich denn davon nehmen kann?
Auf Deiner Homepage schreibst Du selbst: "Mittel mit schneller Wirksamkeit z.B. mit dem am häufigsten verwendete Wirkstoff Permethrin ...".


Was würde wenn aller Wahrscheinlichkeit nach der Fachmann machen, wenn es sich um Hausbockkäfer handelt? Heißluftverfahren und Begasung kommen nicht in Frage.
Löcher in die Balken bohren und bekämpfende Mittel einsetzen? Wird die Injektion gleich unter Anwendung von Boraten vorgenommen oder werden auch hier schnell wirkende Mittel, die dann aber Nervengifte sind, eingesetzt?

Eine letzte Frage noch: Kann ich die Fraßgeräusche denn als sicheres Indiz nehmen oder gibt es die "stillen" Hausböcke, wie Boris schreibt? Lauscht der Fachmann im Zweifelsfall mit dem Stethoskop am Balken?

Danke für alle Antworten.

Thomas



Schritt für Schritt



Hallo Thomas

Zu Frage 1:
Nein,
dies ist die falsche Vorgehensweise und wahrscheinlich brauchst du ausgewiesene Holzschutzprofis (keine Selbsternannten)

Zu Frage 2:
Nein,
wie ich bereits geschrieben habe, ist dies das falsche Mittel

Und noch einmal:
Erst ausführlich Fachleute befragen, dann noch einmal gut überlegen und wirklich erst dann handeln!

Gruß

Lutz



Das Ausmaß ich größer als ich dachte



Wir haben heute an mehreren Balken Holz entfernt. Eigentlich wollte ich da nicht ran, da oberflächlich ja nur ein paar Löcher zu sehen waren.
Ich habe mit einem Hammer die Balken abgeklopft und da, wo es dumpf klang, genauer nachgeschaut.

Da uns gleich beim ersten Balken eine Larve entgegen kam, haben wir weitergemacht. Der Schaden ist demnach größer, als ich dachte. Es muss also mehr passieren, als nur oberflächlich einsprühen.

Insgesamt haben wir 4 Larven gefunden. Haben aber nur an ein paar Balken ein so starkes Ausmaß, wie auf dem Bild zu sehen und haben die anderen Balken noch in Ruhe gelassen.

Wir werden übers Wochenende punktuell noch weiter machen und dann in der nächsten Woche einen Fachmann kommen lassen.

Thomas



weiteres Bild



Hier noch ein Bild von der Larve.

2 der 4 gefundenen Larven waren aber wesentlich kleiner.


Eine Sache möchte ich dann aber doch immernoch wissen:
Hört man denn nun alle Hausbock-Larven (Balken liegt an 3 Seiten frei) oder können die auch still vor sich hin fressen?

Thomas





>>“Wir werden übers Wochenende punktuell noch weiter machen und dann in der nächsten Woche einen Fachmann kommen lassen.”<<

Nichts für ungut, ich würde es aber genau anders herum machen.


Grüße aus Schönebeck



Guter Rat ist teuer, Ratlosigkeit frustrierend, falscher Rat ruinös



LIeber Thomas

1. Um deine wiederholte Frage zu beantworten:
Aus vielerlei Gründen hört man meist leider nur einen Teil der minierenden Larven.

2.Oliver hat mit seinen Hinweis recht und dieser schließt nahtlos an meine Empfehlung an: "Erst ausführlich Fachleute befragen, dann noch einmal gut überlegen und wirklich erst dann handeln!"

3. Bitte achte unbedingt darauf, welche wirklich nachgewiesene, fundierte Kompetenz und welches fachliche Renomee dein Fachmann für Holzschutz hat.

Lutz



Sachverstand im Anmarsch



Am Montag kommt der Sachverständige. Habe ihn über die Seite des DHBV rausgesucht. Er ist öffentlich bestellt und vereidigt, ist im DHBV-Sachverständigerkreis und hat auch entsprechenden Sachkundennachweis.

Wir haben nun auch zwei tote Käfer an unterschiedlichen Stellen gefunden. Der auf dem Bild ist der kleinere der beiden. Für den Sachverständigen haben wir diese plus 3 Larven (eine lebt noch) aufgehoben.

Mal sehen, was der sagt.

Thomas



Lösung



Hallo,

heute war Herr Ekkehard Flohr aus Dessau bei uns. Wir waren von der Beratung sehr zufrieden. Top!

Zuvor haben wir am Wochenende wieder die Drempel und die Decke vom Trockenbau befreit.

Jetzt gehts an daran, alle Balken zu Streichen bzw. zu besprühen. Da wir an fast alle Balken herankommen, werden wir "nur" eine Imprägnierung der sichtbaren 3 Seiten vornehmen.
Damit erreichen wir mehr Splintholz, als bei einer Bohrlochinjektion.

Alle anderen Verfahren sind unverhältnismäßig teuer. Wir warten da lieber die verzögerte Wirkungszeit von rd. 1 Jahr ab.

An alle anderen Balken, an die wir nicht heran kommen (z.B. Deckenbalken vom UG) oder an den Giebeln, werden wir nichts machen. Die Leerräumen um die Balken sind vollständig mit Dämmwolle ausgestopft. Wenn da ein Käfer fliegen will, kommt er nicht weit. Aussitzen - ein Restrisiko bleibt.

Als Mittel unserer Wahl wollen wir Adolit Holzbau B von Remmers einsetzen. Ich habe gerade eine Mail an Remmers geschickt um anzukären, ob die Wirkung nicht durch unser zuvor eingebrachtes Mittels beeinträchtigt wird. Ich hoffe, ich bekomme eine Antwort.

Danke für die Unterstützung hier im Forum.

Viele Grüße
Thomas

P.S. Was ich bis heute auch noch nicht wusste: Jedes Loch ein Käfer! Ich dachte immer, dass die Larven die Löcher fressen, sich kurz daneben verpuppen und dann als Käfer nur noch ausfliegen müssen. Aber das Loch frisst der fertige Käfer. Das habe ich auf keiner Seite so direkt gelesen.
Deshalb bringt es also auch nichts, in die Löcher mit einer Spritze noch irgendwelche Mittel extra einzuführen.