Innenbalken ölen

10.12.2005



Hallo,
ich möchte die Innenbalken unseres FWH ölen. Es sind alte Eichenbalken. Welches Öl nehme ich? Was ist der Unterschied zwischen Leinöl und Leinölfirniß?
Zum Teil mußten bei der Renoierung auch "neue" und damit deutlich heller Eichenbalken eingebaut werden. Wie kann ich diese farblich angleichen (Pigmente?)?



Die öligen Bindemittel:



Leinöl,Leinölfirnis und Standöl,sind als Pflanzenprodukte organische Bindemittel.Die Bindekraft dieser Öle beruht auf der Oxydation des Leinöls,d.h.Aufnahme des Sauerstoffs aus der luft.Dabei erhärtet das Leinöl zu einer elastischen,durchsichtigen,lederartig dünnen Haut,dem sogenannten Ölfilm.
a)Leinöl wird gewonnen aus der Leinsaat durch Mahlen und Pressen der Saatkörner in den Ölmühlen.Neben diesem Verfahren,dem sogenannten kalten Schlagen,ist auch das warme Pressen und das Ausziehen(Extrahieren)durch chemische Behandlung gebräuchlich.Für Malerarbeiten ist das kaltgeschlagene Vorschlagleinöl das beste Material,anders hergestellte Öle haben wiederholt zum Mißlingen der Arbeiten geführt.Jedes Leinöl,auch das kaltgeschlagene Vorschlagöl,muß vor der Verwendung mindestens drei Monate lagern,damit sich die in ihm enthaltenen Saatschleime absetzen.Bei der Entnahme des Öls aus den Behältern ist darauf zu achten,daß die Schleimniederschläge nicht wieder aufgerührt werden.Diese Schleimreste,die auf dem Boden der Behälter zurückbleiben,können zur Bereitung von Kitt verwendet werden.
b)Leinölfirnis wird hergestellt entweder durch Kochen von Leinöl,durch Einblasen von Sauerstoff in Leinöl oder durch besondere Chemische behandlung.Die Firnisse erhalten Zusätze von Trockenstoffen und trocknen dadurch schneller als Leinöl.Die besten Firnisse sind solche mit ölsauren Trocknern(Linoleatfirnisse).Nicht geeignet für Malerarbeiten sind Firnisse mit harzsaueren Trocknern(Resinatfirnisse),da diese den Farbstoff beeinträchtigen und den Farbfilm leicht zerstörbar machen(graue Oberfläche oder Wiederweichwerden oder Klebrigkeit).
c)Standöl(Dicköl)wurde früher durch langes Stehenlassen und Bleichenlassendes Leinöls gewonnen.Jetzt wird es fabrikmäßig hergestellt,indem Leinöl in besonderen dafür konstruierten Apparaten(sogenannten Autoklaven)durch längere Einwirkung hoher Temperaturen(bis400 Grad)eingedickt und durch chemische Behandlung gebleicht wird.Standöl ist dicker,reiner und heller als Leinöl,von leicht grünlicher Färbung.Standöl ist das hochwertigste der öligen Bindemittel.Firnis hat dem Leinöl gegenüber die Eigenschaft der schnelleren Trocknung,die aber nicht immer ein Vorteil ist.
Auszug aus:Lehrbuch des Maler-und Lackierer-Handwerks 1934



dunkle Balken



Hallo Christian,
als ich bei unserem Fachwerkhaus im Aussenbereich neue Balken eingebaut habe, und die Gefache anschließend mit Kalkputz verputzt habe, habe ich festgestellt, daß das Kalkwasser, im Bezug auf die Holzfarbe, stark mit den Balken reagierte.
Die Balken wurden sehr dunkel und waren von weitem farblich kaum von den alten zu unterscheiden.
Ich vermute das eine chemische Reaktion mit der Gerbsäure stattfand.
Diese Färbung blieb auch nach dem Ölen und Lasieren der Balken erhalten. Das ganze aber, wie gesagt im Aussenbereich.
Ob das so auch im Innenbereich funktioniert und von welcher Dauer das Ganze letztendlich ist, vermag ich nicht zu sagen.Probier es doch einfach mal an einer Ecke wie´s ausssieht.

Gruß
Martin Wittwar



Eichenbalken



Es gibt in Farbenfachgeschäften von Fa. Zweihorn eine Wachsbeize (Wasserbeize) in vielen Farbtönen. Wir haben sowohl Eiche als auch Kiefer damit behandelt, dabei aus unterschiedlichen Farbtönen selbst den benötigten Farbton gemischt, um neue und alte Hölzer anzugleichen. Diese Wasserbeizen lassen sich gut verstreichen und stinken nicht. Wir haben viel ausprobiert um mit den neuen Hölzern den Farbton der alten Balken und Bretter zu erreichen - diese Wasserbeize hat sich bewährt.
Unsere Eichenbalken in den Zimmern haben wir nicht geölt, sondern mit Antikwachs eingeschmiert und dann mit einer weichen Bürste leicht poliert. Wir haben viele Öle getestet und verworfen, da die Balken zu dunkel wurden.

Viel Erfolg!

R.Lehner