schiefer Dielenboden

21.09.2004



Hallo, ich habe ein "schiefes" Haus (1924) bei dem die Böden um ca. 5-6 cm ausgeglichen werden müssen. Ausgleichsschüttungen kommen nicht in Betracht, da ich andernfalls (auf Grund der Aufbauhöhe mind. 2 cm Schüttung + neuer Bodenbelag) einen beachtlichen Absatz zum Flur hätte. Daher würde ich gerne den vorhandenen Dielenboden, nach Anbringung von Ausgleichslatten auf den Balken, wieder anbringen. Kann man die Dielen auch festschrauben oder ist ein Nageln unbedingt notwendig? Wie kann ich bei diesem Aufbau evtl. den Trittschall etwas verbessern bzw. verhindern.



Alles schief !



Lieber Martin

Schau dir mal das nebenstehende Konstruktionsschema an.
Könnte eine Lösungsmöglichkeit für dich sein.

Gruß


Lutz Parisek





Hallo Lutz, besten Dank für das Bild. Ist äußerst aufschlussreich, da ich bisher noch nicht unter meinen Boden schuen konnte. Ein Ding verstehe ich jedoch nicht. Was für eine Funktion hat das Lagerholz 40/60? Gruß, Martin



Schiefes



Lieber Martin

Das Lagerholz liegt aus zwei Gründen in der Fehlbodenschüttung:
1. Die Last und der Trittschall wird nicht direkt an den Balken abgegeben. Dadurch wird der Schall so gut absorbiert.
2. Die Aufbauhöhe kann so auf den Ausgleich minimiert werden

Mit besten Grüßen


Lutz Parisek





Hallo Lutz,
wenn ich das jetzt richtig verstanden haben, dann wird ein Teil der Bodenlast über das Lagerholz über die Schüttung abgefangen?! Dieses bedeutet, dass ich die Decke größtenteils herausnehmen muss wenn kein stabiler Einschub vorhanden ist. Gruß, Martin



Zweifel



Lieber Martin

Wenn kein stabiler Einschub da ist, JA
(Die meisten Fehlböden erweisen sich allerdings als recht stabil oder können leicht stabilisiert werden.)

Ansonsten gibt es natürlich auch andere Konstruktionen.

Gruß Lutz





Hallo Lutz,
nochmal besten Dank für die schnellen Antworten. Ich werde mal versuchen in den nächsten zwei Wochen, nach vollständiger Entfernung der Bodenbeläge und Tapeten, in die Decke bzw. Boden zu schauen. Was ist ist ein Fehlboden und wie kann ich ihn stabilisieren?
Gruß, Martin



Dielenboden



Hallo Lutz, hallo Martin!
Die Zeichnungen sind schön anzusehen, aber in den meisten Fällen darf der Fußbodenaufbau aus statischen Gründen so nicht ausgeführt werden. In aller Regel muß der Dielenboden eine kraftschlüssige Verbindung mit den Deckenbalken erhalten!

Gruß Fred Heim





Hallo Fred,
Kraftschlüssig bedeutet geschraubt oder genagelt. Ist das Verschrauben nicht sogar die bessere Variante?
Ist es eigentlich auch möglich, 22 mm Spanplatten bzw. OSB-Platten ansttatt der Dielen zu verwenden? Ist dieses nach dem Verschrauben oder Nageln mit den Balken statisch auch i. O.? Somit könnte ich in bestimmten Räumen auch alternativ ein Fertigparkett verlegen. Sollte man es man dann mit dem Untergrund verkleben oder besser schwimmend verlegen?

Gruß, Martin



Dielenboden



Kraftschlüssig bedeutet 2 Nägel/Brett/Auflager. Diese Nägel müssen von oben durch die Dielen in den Balken geschlagen werden. Verschraubung ist sicherlich auch machbar, sieht aber auch nicht besser aus, und es müssen Schrauben ausgesucht werden, die eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für derartige tragende Verbindungen haben. Also nicht die erst beste Schachtel Spax aus dem Baumarkt.
Eine Lage OSB- Platten ist sicherlich auch möglich. Da ich mehr mit Vollholz arbeite ist mir die Vernagelung oder Verschraubung nicht ganz so geläufig, hier müsste ich erst nachlesen.
Kraftschlüssig bedeutet aber über die Befestigung hinaus auch, dass zwischen Brettern und Balken kein Filz eingebaut werden darf. Dieser würde so sowieso nichts bewirken.





Hallo Fred,
kannst Du mir erklären weshalb es statisch erforderlich ist die Bretter oder Platten mit dem Boden zu Verbinden. Die Kräfte kommen doch mehr oder weniger nur direkt senkrecht auf den Boden. Als Nichtfachmann kann ich mir nicht vorstellen dass die vernagelten Bretter als Versteifung benötigt werden. Ich würde gerne den Zusammenhang verstehen, um dieses bei den anstehenden Renovierungen zu Beachten. Diese Thematik hatte ich noch nicht mit meinem Architekten besprochen. Vor diesem Gespräch jedoch halte ich es für angebracht sich anderweitig zu Informieren. Daher währe ich über eine entsprechende Erklärung sehr dankbar.
Mit freundlichen grüßen aus dem Oberbergischen
Martin



@ Martin



Es folgt ein kleiner Aufsatz: :-)))
Auch wenn es schwer vorstellbar ist, bilden die Deckenbalken in Wechselwirkung mit der Beplankung eine "Scheibe" (wie im konventionellen Bau die Betondeckenplatte). Diese Scheibe ist natürlich nicht so steif wie eine Betonplatte, sorgt aber dafür, dass die Horizontalkräfte, die in einem Haus natürlich auch vorkommen (z.B. Windbelastung, außerdem gibt es eine Reihe horizontaler Lasten, die aus vertikalen Lasten entstehen (ist vielleicht für ein Forum etwas zu kompliziert, aber es gibt sie halt, die Horizontallasten)...) sicher in die Wandscheiben abgeleitet werden. Wenn man sich vorstellt, dass bei einer Vernagelung wie vorhin erwähnt, die beiden diagonal auf benachbarten Balken gegenüberliegenden Nägel im gleichen Brett, sozusagen eine virtuelle Diagonale bilden, kann man sich auch leicht vorstellen, dass die gesamte Decke aus lauter kleinen Diagonalen besteht, deren Summe die Steifheit ausmacht. Und genau so sehen auch die Rechenszenarien aus ;-))
Dies kann natürlich auch durch andere Bauteile erreicht werden, z.B. durch Ringbalken, die durchaus auch aus Holz sein können. Dann wäre aber aus meiner Sicht die Stellungnahme eines Statikers erforderlich, wogegen die DIN für die Deckenscheibe Standardlösungen anbietet.
Der richtige Ansprechpartner ist aber vielleicht nicht dein Architekt sondern dein Statiker.

Die Grüße kommen aus dem Rheinland zurück!



Horizontale Lasten und Dielung



Hallo Fred,

ich muss meinen Senf doch noch dazu geben. Ich glaube es immer noch nicht, dass Dielung konstruktiv dafür vorgesehen ist, horizontale Lasten aufzunehmen. In meinem Böhm: Holzkonstruktionen von 1911 steht da nix drin. Zweitens könnten wir uns dann doch die Streben in der Fachwerkwand sparen (überspitzt formuliert). 3. Das Aufbaukonzept von Lutz wird im Prinzip auch von Woodline empfohlen. Würden die das Risiko eingehen, eine statisch unsichere Konstruktion zu empfehlen?

Lutz, durch Dein Lagerholz auf der Auffüllung, kannst Du Dir die Dämplatte sparen und die Dielen direkt auf den Balken befestigen. Aus meiner Sicht macht es nur Sinn, wenn die Lagerhölzer in der Dämmung "schweben" (s. Woodline). Sie machen auch nur Sinn, wenn durch sie die Stoßkanten der Kurzdielen miteinander verschraubt werden.

Ach ja, ich wollte auch erst die Dielung schwimmend verlegen, aber die Auffüllung war das beste im ganzen Fußboden und ich hätte sie für die Lagerhölzer stellenweise rausnehmen müssen (Ich wollte auch nicht wissen, welche "Leichen" sich darunter verbergen;-) Habe letztendlich Langdielen genommen und auf der Dielung verschraubt. Der Trittschall ist nicht so dramatisch (ok, oben und unten sind Kinderzimmer)

Viele Grüße
Stephan Schöne



@ Stephan



Hallo Stephan,
wenn die Streben einer Fachwerkwand die horizontalen Lasten aufnehmen soll, so kann Sie das nur in Wandebene und da müssen die Lasten erst einmal hingeleitet werden. Das geschied über die Decken und Ringbalken. Der Ringbalken kann auch der obere Riegel einer Wand sein, wenn er denn stark genug ist und an den einbindenden Wänden entsprechende Befestigungen aufweist. Die vorhandenen Querschnitte von 12/12 oder 14/14 sind hier nicht immer ausreichend.
Wenn Woodline derartige Lösungen als für jeden anwendbar veröffentlich gehen gehen sie ein großes Risko ein. Da kann ich den Machern von Woodline nur empfehlen hier noch einmal nachzuhaken.
Das ganze gilt übrigens noch mehr im Massivbau.

Viele Grüße auch von mir
Fred Heim





Hallo, ehrlich gesagt kann ich der Diskussion bald nicht mehr folgen. Ich werde mir vermutlich alles ausducken müssen, um den Überblick zu behalten. Ich komme gerade von unserer Neuerwerbung zurück und kann nun den Bodenaufbau etwas umfangreicher beschreiben. Nach dem Herausstemmen der Ausgleichsmasse -zum Glück hatten sie eine Folie dazwischen gelegt- konnte ich durch eine def. Diele mir den Unterbau ansehen. Unter den Dielen kommt erstmal ca. 3-5 cm Luft. Danach ca. 1 cm Bauschutt und im Anschluss eine Lehmschicht. Wie es danach weitergeht kann ich nicht derzeit noch nicht beantworten. Vermutlich werde ich morgen neugieriger sein. Vermutlich werde ich die Dielen -meine Frau wird mich hassen- herausnehmen. Der Boden ist mir einfach zu schief. 5 cm Höhenunterschied auf 2 m machen jedes Schrank Aufstellen zu einer Herausforderung.

Müde Grüße aus dem Oberbergischen
Martin