Wie lange überlebt der Holzschädling ? Befall noch aktiv ?




Guten Tag,

wir haben ein ca. 200 Jahre altes Haus geerbt.
Nach dem Freilegen des Bodens eines Zimmers im OG ( die Decke im EG ist noch dran )bot sich nach dem Entfernen der Schüttung und des eingebrachten Lehms ein Bild der Zerstörung.
Alle Balken ( ca. 28 x 30 cm mit Führungsnut 5cm mittig, ca. 1m lichte Weite ) und die quer dazwischenliegenden Bälkchen ( ca. 15 x 15 cm, mit Feder ) sind vom Holzschädling befallen, die Zwischenbalken sind zumindest obenseitig höchstens noch zur Hälfte vorhanden, einige der Federn sind auch schon ab.
Der Zimmerer meinte, da wäre der Wurm drin, wir sollten das ganze kaputte Holz entfernen und die Balken mit einem biologisch verträglichen Bekämpfungmittel einstreichen, was den Wurm aber nicht vollständig töten könne und an einer Stelle einen Wechsel zwischen 2 Balken ziehen, die tragenden Balken wären ja nur in den obersten 2-3 cm zerstört.

Jetzt habe ich bei Gockle und hier bei Fachwerk mal etwas nachgelesen.
Offensichtlich ging mein Zimmerer ja davon aus, dass der Befall noch aktiv ist - deshalb folgende Frage:

1. die Decke im EG ist schon seit Jahrzehnten drauf ( Strohmatte + Putz ). Als Boden im OG befanden sich alte Dielen ( leider unterseitig auch meist morsch mit vielen Holzwurmlöchern ) und darauf seit mind. 30 Jahren gut verklebtes Holz und darauf ein Stragula-Boden mit seitlichen Bodenabschlussleisten. In der Schüttung habe ich keine toten Käfer o.ä. gesehen, auch beim Abklopfen der Balken bin ich auf keine Larven o.ä. gestossen.
Da nach allem was ich gelesen habe, die Larven der Tiere nur ca. 3 bis 15 Jahre lang fressen müssten die doch mangels Verbindung zur Aussenwelt längst tot sein oder ? ( bzw. falls doch noch aktiv - wenn man das ganze nach der Behandlung wieder gut dicht macht dann spätestens in 20 Jahren ? )

2. Da die Zwischenbalken wie beschrieben schon zu mehr als der Hälfte kaputt sind, könnte ich da doch neue Bohlen einschieben ( die Nut ist ca. 5 cm )und diese bei einem späteren Umbau im EG auf Sicht lassen, im OG sollte deshalb die verbleibende Balkenhöhe von 15 cm für eine Dämmung locker ausreichen. Ausserdem könnte man beim Entfernen der Zwischenbalken auch den Zustand unterhalb unter die Lupe nehmen.
Macht dieses Vorgehen u. U. statische Probleme ( Thema Aussteifung, Scheibenwirkung )beim Entfernen der Zwischenbalken, wenn gleichzeitig auch oberseitig nur schwimmende Holzdielen verlegt werden sollen ?

Ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt - evtl. werde ich noch ein Bild davon hochladen.



Ach wie gut, dass niemand weiß ...


Anobium punctatum - Gewöhnlicher Nagekäfer (Larve)

Lieber Frank

Bevor sich deine Fragen beantworten lassen, wäre von eminenter Wichtigkeit zu wissen um welchen Holzschädling es sich hier genau handelt.

Sind es die Laven des Gewöhnlichen Nagekäfers anobium punctatum wie auf dem Foto rechts abgebildet ?(Bitte gehe mit der Maus auf das Foto)

Aber wie auch immer, ich denke du brauchst einen wirklich guten Holzschutzfachmann

Gruß

L. Parisek



.... .... wie ich heiss


Hausbock (Hylotrupes bajulus)  hier die Larve

oder sind es die guten alten Larven des Hausbockkäfers hylotrupes bajulus?

oder gar alle Beide?



Keine Larven gefunden



Guten Abend,

erst einmal Danke für die schnelle Antwort.
Das Problem ist, dass ich keine Larven gefunden habe.
Die Bohrgänge sind jedenfalls alle so 0,5-1 mm dick, ovale Löcher oben auf dem Holz waren auch nicht zu entdecken.
Meine Frage zielte auch darauf ab, ob es bei der geschilderten Lage überhaupt möglich ist, dass in der Decke die Tiere rund 40 Jahre überlebt haben, nach dem was ich gelesen habe dauert das Larvenstadium maximal 15 Jahre ?
Freundliche Grüße




Gewöhnlicher Nagekäfer anobium punctatum (klopfend)

Hallo Frank

Einmal ausgehend davon, dass es sich hier um Larven des Gewöhnlichen Nagekäfers handelt, so können dieses Tierchen, rein theoretisch gesehen, ihren Zyklus bis zum Skt. Nimmerleinstag fortsetzen. Der Platz zur Partnersuche, Kopulation und Eiablage ist bei dieser Deckenkonstruktion durchaus vorhanden.

Gruß

L. Parisek



Na Prost Mahlzeit



Guten Abend Hr. Parisek,

wenn ich Sie also richtig verstehe, sind die Käfer tatsächlich in der Lage bei der genannten Konstruktion aus dem Holz zu schlüpfen, sich in all dem Dreck ( die Balken waren ja bis obenhin aufgefüllt ) einen Partner zu suchen und wieder Eier abzulegen ? - dann kriegt man die natürlich nie los ! Der Meinung war ja auch mein Zimmerer, er sagt die wirksamen Mittelchen gegen die Tiere wirken leider auch gegen Menschen und die, die nicht gegen den Menschen wirken halt leider auch nicht so gut gegen die Tierchen.
Jedenfalls Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Eine Frage noch : würden Sie die Zwischenbalken entfernen, die sind nämlich am stärksten beschädigt, während die Deckenbalken noch ganz gut aussehen, außerdem käme man dann auch an die Seiten der Deckenbalken ohne unten die Decke rauszureissen oder halten Sie das auch für notwendig ?
Ein Bild habe ich noch mit angehängt.

Freundliche Grüße



Abwägungen


Lutz Parisek

Hallo lieber Frank

Ich würde die Frage der statischen Ertüchtigung mit der Frage der Bekämpfung abgleichen. Hierzu gehört natürlich im Vorfeld die Überprüfung der statischen Schwächung und der daraus eventuell sich ergebenden Notwendigkeit der Verstärkung oder des Austausches tragender Holzbauteile.

Gleichzeitig ist es jedoch wichtig, auch den Umfang der Befallsaktivität zu prüfen. Da dies jedoch meist äußerst schwierig ist oder überproportional viele Unsicherheiten birgt, erscheint es in vielen Fällen aus Investitionssicherungsgründen sinnvoll, sich unabhängig von dem genauen Umfang der Vitalität auf die holzschutztechnischen Maßnahmen zu konzentrieren.

Aus diesen Gründen würde ich die Entscheidung, ob diese Zwischenbalken entfernt werden sollen, von dem Umfang der statischen Schädigung und der Wahl des Bekämpfungsvefahrens abhängig machen.

Gruß

Lutz Parisek



Lutz war wieder schneller



Guten Tag,
Lutz hat es gesagt. Aktivität ist durchaus denkbar und oft nur schwierig nachzuweisen. Was ausgebaut wird, muss nicht bekämpft werden. Was drin bleibt sollte nach Abgleich mit Aktivitätshinweisen, der zu erwartenden Ausgleichsholzfeuchte (Achtung: Wandauflager sind immer etwas feuchter als der Rest!, und Risikoabwägungen ggf. behandelt werden. Grundsätzlich stehen Hitzeverfahren, chemiche Bekämpfung und Begasung zur Verfügung. Hitzeverfahren bieten einige Vorteile. Partiell ist Chemie auch einmal denkbar, grundsätzlich hat Ihr Zimmermann aber schon die Tendenzen bei der Mittelauswahl aufgezeigt. Begasung ist in der Regel nicht empfehlenswert. Falls statische Verstärkungen erforderlich werden, lohnt sich immer gegenzurechnen, ob Bauteilaustausch nicht wirtschaftlicher ist. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Biologische Bekämpfungsmittel?



Noch ein Nebenkriegsschauplatz:
M. E., und ich stehe da nicht alleine, gibt es keine biologische bekämpfende Holzschutzmittel in Sinne von nicht giftig für andere Lebewesen.
Unabhängig von Herrn Paracelsus und seinem Spruch über Gift versus Dosis, wären da noch die enthaltenen Wirkstoffe, die alle auf irgendeine, mehr oder weniger starke Weise auch für den Menschen schädlich sind (zumindestens bei den bauaufsichtlich zugelassenen HSM).
In den meisten Fällen habe ich es in der Sanierung mit trockenen Bauhölzern zu tun, d. h. ich muß ein ölbasierendes, bekämpfendes Holzschutzmittel einsetzen. Diese wiederum haben, im Gegensatz zu salzbasierende HSM, die Eigenschaft häufig auszugasen.
Das sind schon alleine zwei Gründe, weshalb ich mich immer wieder schwer tue im Zusammenhang mit chemisch bekämpfenden Holzschutzmaßnahmen von biologischen Holzschutzmitteln zu reden.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Malangeri