Sollte Hohlraum in Holzbalkendecke ausgefüllt werden?

12.12.2006


Hallo,
in meinem alten Kötterhaus (ca. 1800) soll der Dachboden ausgebaut werden. Dazu muß u.a. die Decke (bzw. von oben gesehen der Fußboden) saniert werden. Es handelt sich um eine Balkendecke mit sehr ungleichmäßigen Balken von ca. 25 bis 35 cm Stärke, die nach unten mit einer Stäbchendecke abgeschlossen ist. Zum Niveau-Ausgleich habe ich seitlich Bretter an die Balken geschraubt (4 x 30 cm), auf die (schwimmend durch Unterlegung von 4 mm Moosgummi) eine Querlattung von 8 x 10 cm im Abstand von 60 cm aufgelegt werden soll. (Diese soll zur besseren Kräfteverteilung und Stabilität dienen.) Darauf werden dann 28er Spanplatten verschraubt.(Folgen soll dann später eine weitere Trittschalldämmung (Filz?) plus Spanplatte und/oder Parkett). Zwischen die Balken habe ich eine 16 cm starke Mineralwollschicht (in erster Linie zur Wärmedämmung) eingelegt. Augrund der resultierenden hohen Deckenstärke (bis zu 45 cm) ergibt sich über der MW nun ein Hohlraum (von bis zu 29 cm). Muss dieser ausgefüllt werden um einen Resonanzraum zu verhindern (im Sinne der Schalldämmung)? Über guten Rat würde ich mich sehr freuen!
MfG Michael Schlimm (Sendenhorst)





Hallo Michael,

soll das ein Warm- oder ein Kaltdach werden?

Wärmedämmung wird in der Balkenlage doch nur bei
einem Kaltdach benötigt, dann würde sich hier eher
eine Zelluloseschüttung oder ähnlich anbieten.
Möglicherweise wird eine Dampfbremse unter der Dämmung notwendig.

Bei einem Warmdach liegt der Schwerpunkt der Maßnahmen
auf der (Trittschall)-dämmung (Entkoppelung) und den
Verfüllen der Hohlräume mit Masse.
Da unklar ist, wieviel die Stäbchendecke trägt,
sollte hier eventuell auch nur Zellulose/Perlite o.ä.
zur Verwendung kommen.

Ob das Moosgummi, Querlattung usw alles notwendig ist
(25-35 cm im Münsterländer Kötterhaus klingt auch bei Eichenreichtum nicht gerade nach Arme-Leute-Haus),
kann man aus der Ferne nicht entscheiden,
wenn die Balken soo morsch sind,
dann doch lieber gleich tauschen.
Jeder cm Aufbauhöhe kostet entsprechend ca 2cm Nutzfläche in der Breite!
Bei einem 10m langen Haus sind 10 cm Aufbauhöhe 2 qm Verlust,
und eventuelle Querbalken kommen auch in Kopfhöhe.
Auf die Ausgleichsbalken Rauhspund oder OSB,
darauf dann z.B. Holzweichfaser/Latten-System und Dielen.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek





Danke für die zügige Antwort!

Da ich den Dachboden in mehreren Schritten ausbauen will (aus Zeit und Kostengründen) ist die Lage MW nötig.

(Zunächst handelte es sich eher um eine Sanierung, da die Dielenbretter vergammelt waren. Eine Schädlingsbekämpfung beim verbleibenden Holz ist bereits erfolgreich durchgeführt worden). Ein Austausch der Balken kam aus Kosten- und Statikgründen nicht in Frage (außerdem wohne ich während der Maßnahmen im Haus).

Die (zugegebenermaßen großzügig bemessene) Konterlattung erfolgt auf Anraten des Statikers und dient (zusammen mit dem Moosgummi) der Entkoppelung. Gleichzeitig ist sie notwendig um die Verrohrung (Wasser, Heizung, Abwasser) Verlegen zu können. Später (in 1 oder 2 Jahren) folgt dann der Ausbau und das Warmdach.

Meine Frage ist halt, ob der Hohlraum bez. der Schalldämmung kontraproduktiv sein könnte (Resonanzraum) und ganz verfüllt werden muß, oder ob die einseitige Bedämfung mit (reichlich) MW ausreicht. (Die Stäbchendecke trägt übrigens nicht viel.)

Unnötige Arbeit und Kosten möchte ich natürlich vermeiden!

Gruß
Michael





Hallo Michael,

zur Frage selbst: die Hohlräume sollten schon verfüllt werden,
aber bezweifele ich, daß die MIWO das Resonanzverhalten
der freien Flächen (Spanplatte oben) bedämpft.
Wenn später vollflächig von oben bedämpft wird,
löst sich das Problem von alleine,
und auf einem Kaltdach lebt keiner,
so daß der Trittschall eher kein Problem darstellt, oder?

Bezüglich der Empfehlung des Statikers:
War das jetzt ein Tip im Zusammenhang mit der Instalationsebene oder eine verbindliche statische Vorgabe?

Bei mir werden alle Leitungen zwischen und entlang der Balken verlegt,
da kann man im Havariefall immer von unten dran (ist dann eh naß), und oben bleibt alles zu (Dielung!, OSB!).
Auf jeden Fall diese Alternative in Betracht ziehen,
unabhängig von der statischen Anforderung.
Die 4 cm Aufdoppelung taugt natürlich zum Verschrauben
nicht so gut, schlecht zu treffen,
aber ob bei dieser geringen Auflagefläche 4mm Moosgummi dauerhaft entkoppeln, bezweifele ich (ich weiß es einfach nicht).
Falls Du planst, Schraubverbindungen später zum Verbessern der Gesamtkonstruktion wieder lösen zu können,
nimm Torx-Schrauben, Du wirst es niemals bereuen.
Falls die Gesamtkonstruktion der Balkenlage schwingt,
könnte mann an den hoffentlich beidseitigen Aufdoppelungen
an der Unterkante seitlich Latten anbringen und einen
Fehlboden einbauen, der trägt dann die einzubringende Masse,
und die Stäbchendecke sich selbst.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek





Also ich muß schon sagen. Tolle Tips!

Die Konterlattung soll eigentlich gar nicht verschraubt werden, sondern lose aufliegen (auf eben jenem Moosgummi), wobei ich bei der kleinen Auflage auch etwas an der Haltbarkeit desselben zweifele. Möglicherweise muß aber hier und da zunächst eine Schraube eingedreht werden (die dann natürlich wieder entfernt wird). Zusammengehalten wird die Konstruktion durch die Verschraubung (Torx-Schrauben)der Spanplatten mit der Konterlattung (versetzte Montage.

Die Konterlattung ist eine Vorgabe des Statikers. Im Haveriefall kann ich ja trotzdem von unten ran (halt durch die Stäbchendecke und die MW. In der Stäbchendecke sitzen außerdem Halogenstrahler (so an die 50 Stück), denen das darüberliegende Volumen (die MW wird hier ausgeschitten und eine "zweite Schicht" aufgelegt) gut tut.


Da die Querbalken sehr hoch angebracht sind, stellen sie kein wirkliches Hindernis dar. Die Wände (speziell eine Wand in Längsrichtung) sollen später bis zum Giebel (,der ca. 4,80 m über Deckenniveau liegt - bzw. bis zum Schrägdach) laufen. Die Querbalken bleiben dann (halbseitig) sichtbar.

Mit der weichen Auflage von oben dürfte die Bedämpfung der Spanplatte wohl ausreichend sein (danke für diesen Gedanken).

Bleibt das Problem mit dem Moosgummi.
Gibt es eine (bessere) Alternative?

Gruß
Michael



Die preiswerteste Alternative...



... wäre eine mindestens 6mm-starke Holzweichfaserplatte, in Streifen geschnitten (darf auch dicker sein). Moosgummi halte ich für völlig ungeeignet (wird stark zusammengedrückt, zerbröselt mit den Jahren durch Weichmacherverlust).

Der viele Plattenkrams ist keine wirklich gute Lösung, damit bekommt man Unmengen Kleber in's Haus. Eigentlich könnten die Balken durch die beigeschraubten Bretter hinreichend ertüchtigt sein, vielleicht geht es auch ohne Konterlattung? Das könnte der Statiker vielleicht noch mal rechnen, solch ein Dachboden wird als Wohnraum doch nur mäßig belastet.
Wie auch immer, statt der Platten auf die Balken oder die Konterlattung einen 28er Rauhspund, darauf 40er Weichfaserplatten mit zwischengelegten, etwas flacheren Leisten (gibt es auch als System von Gutex oder Pavatex, und darauf eine schöne Dielung (geölt). Parkett passt vielleicht nicht ganz so gut auf den Dachboden eines (was ist ein KÖTTERHAUS?) vermutlich einfacheren Hauses. Selbst in Palästen wurden um diese Zeit außerhalb der Bel etage Dielen verwendet.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas





Hallo Thomas,
jetzt schreibe ich den Text zum dritten mal, weil ich beim Speichern immer irgend welchen Murx mache!

Egal. Erst mal Danke für deine Mühe!

Auf die Dielen hätte ich auch wirklich selber kommen können.
Die sehen sicher besser aus und sind einfach naheliegend.

Die Konterlattung muss leider sein (auch wegen der Abwasserrohre). Mein Statiker hat sich auf Nachfrage aber
immerhin darauf eingelassen die Konterlattung "flach zu legen", was 2 cm Deckenhöhe bringt.

Für die Endkopplung habe ich eine gute Lösung gefunden:
Ich habe mir beim Gummifachhandel (Stricker in Münster) einige qm 5mm starke, hochwertige Gummimatte besorgt (preisgünstige "Reste"), diese mit der Blechschere in Streifen geschnitten und an den Kontaktstellen zwischen Nivellierbrett und Konterlattung aufgenagelt (natürlich seitlich der Auflagen).

Das macht einen guten Eindruck und hält auch sicher "ewig".

Ich hoffe, dass die Ratschläge in diesem Forumzweig auch anderen "Deckensanierern" helfen.

Tolles Forum und vielen Dank noch mal.

MfG Michael


PS.: Als Kötter bezeichnete man früher Angestellte des (Groß-) Bauern, die (als Teil der Entlohnung) ein eigenes
Gebäude bewohnten und selber ein wenig Landwirtschaft betrieben. Ein Kötterhaus ist somit ein kleines
Bauernhaus. Hier im Münsterland kann ein "Kotten" aber auch schon ganz schöne Ausmaße erreichen. Mein Kotten
hat immerhin - wenn er fertig ausgebaut ist und dank einiger Anbauten - ca. 320 qm Wohnfläche auf 1,8 Hektar
Land, wobei allein das "Wohnzimmer" über 100 qm hat.

PPS.: Womit werden denn die Dielen auf der Lage Weichfaserplatten zusammengehalten?



Zwischen den Holzweichfaserplatten...



...liegen die Latten.

Diese sollten etwas flacher sein als die Platten, damit sie keinen Kontakt zum Untergrund haben, sondern nach oben, an die Dielen gezogen werden - die Dielen werden also mit diesen Latten verschraubt, verdeckt oder sichtbar. Da die Dielen vollflächig auf den HW-Platten aufliegen, müssen sie auch nicht sonderlich stark sein. Meiner Meinung nach ist zwar alles unter 24mm keine Dielung, sondern Furnier :-), aber bei dieser Verlegung tun es auch 22 oder 20mm.
Die wohl etwas teurere Variante sind HW-Platten und Leisten von u.a. Pavatex/Gutex. Hier sind Platte und Latte durch Nut/Feder verbunden. In jedem Fall wird ein guter Trittschallschutz erreicht.


An's Werk!

Thomas