Deckenbalken schützen

07.06.2006



Hallo

wir haben vor ein paar Wochen ein älteres Häuschen gekauft und haben uns jetzt frohen mutes an die Sanierung gemacht.
Beim runterholen des alten Schilfputzes haben wir dabei die Deckenbalken zwischen EG und OG frei gelegt und bei mehreren Balken einen Schädlingsbefall festgestellt. Die betreffenden Stellen (ca. 0.2 - 0.5m lang und 3 - 6 cm tief im Balken)lagen alle auf einer Hausseite und haben alle ungefähr das selbe Ausmaß. Es hat auch den Anschein, als sei ein Wasserschaden voran gegagnen. Nun gut, wir haben die Balken entsprechend abgebeilt und wo notwendig angeschuht. Die Frage die nun besteht, wie kann man einen erneuten Befall möglichst verhindern. Mir schwebt eine Behandlung mit Borsalz vor. Allerdings versprechen Mittel wie WOOD-BLISS auch gute Ergebnisse, nun bin ich etwas ratlos ...
Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar ...



*aufmerk*



Sie schreiben, dass es so aussieht als sei ein Wasserschaden vorangegangen. Wasser verursacht häufig Pilzschäden. Manche Insekten treten erst nach einer vorliegenden Pilzschädigung auf. Pilzgeschädigtes Holz ist normalerweise komplett herauszuschneiden, einschl. einer Gesundschnittzone von mind. 30 cm. Ausnahmen nur bei manchen Pilzarten, wenn die Schadensstelle offen und kontrollierbar bleibt und die Schadensursache abgestellt wurde.
Einen erneuten Befall können Sie vor allem dann verhindern, wenn Sie die Schadensursache suchen und abstellen!
Der beste chemische Holzschutz nützt Ihnen nichts, wenn der konstruktive Holzschutz nicht eingehalten wird!
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Ursache abstellen



Die Ursache dürfte abgestellt sein, da das Dach inzwischen in Ordnung ist, uns geht es jetzt vorallem um das vorbeugende Schützen des Balkens...und ob Borsalz dafür geeignet ist ...

MfG Janosch



Vielleicht



reicht es ja, den Balken zukünftig trocken zu halten!? Könnte mir vorstellen, daß er die meiste Zeit seines Daseins ohne chemischen Holzschutz auskam.



Radio Eriwan:



Im Prinzip ja, ob nun ein Pilz vorhanden ist nicht, es passiert nix, so lange die äußeren Parameter für einen Befall nicht erneut gegeben sind (ausreichende Feuchte und Wärme).
Aber grundsätzlich ist es so, dass die Deckenbalken zum statischen Tragsystem gehören und damit gem. DIN 68800 saniert werden müssen. Dazu gehört eine fachliche Beurteilung und Konzeption, Gesundschnittzone und chemischer Schutz neuer Bauteile, sowie verbleibender Altholzanschlüsse, die Verwendung und der sachgemäße Einsatz bauaufsichtlich zugelassener Holzschutzmittel (HSM).
Borsalz ist ein Wirkstoff bei vorbeugenden HSM, aber an für sich kein zugelassenes Mittel. Bauaufsichtlich zugelassene HSM unterliegen der Biozidverordnung und sind nur durch fachlich geschultes Personal einzusetzen und daher auch nur im Fachhandel zu erhalten.
Natürlich kann das klappen, ohne HSM oder mit Wood-Bliss oder mit einer Borsalzlösung, es muß aber nicht, man kann einiges falsch machen oder nicht beachten und von den bisherigen Infos her, erscheint mir die beschriebene Durchführung nicht ausreichend fachgerecht (obwohl es, wie gesagt, funzen kann).
5-25% Borsalzlösungen werden vorbeugend und bekämpfend gegen Insekten (aber bitte nur bei aktivem Befall) eingesetzt. Bei Pilzen, und das kann hier nicht ausgeschlossen werden, gibt es keine bekämpfenden HSM, nur die großzügige Amputation.
Vielleicht sehe ich das zu konservativ, aber für mich gehört in solchen Fällen eine fachliche Begleitung durch den kundigen Zimmerer oder einen Sachverständigen für Holzschutz an die Baustelle. Nicht um so Leute wie mich zu legitimieren, sondern um ein weites Feld fachgerecht behandeln zu können. Mit einer eigenverantwortlichen Bastellösung möchte und kann ich Ihnen da nicht weiterhelfen.
Nix für ungut,Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Profi an Werk ...



Also ein Zimmermann hat schon drauf geschaut, er hat als Lösung das Ausbeilen und Anschuhen empfohlen. Ausgeführt hat es dann meine Wenigkeit und ein Polier (der sowas auch schon öfters erledigt hat). Als Empfehlung für die Behandlung der Balken hat mir der Zimmermann BioÖl genannt. Nur leider wusste im Baumarkt niemand was damit anzufangen und dort haben se mir dann Borsalz empfohlen. Den Zimmermann errreiche ich aber die nächsten Tage nicht, da er auf Montage ist. Deshalb suche ich hier nach nem Rat.

MfG Janosch



Man muß eben



auch ab und zu die Kirche im Dorf lassen. Wenn ein Zimmermann drauf geschaut hat und meint, daß es mit dem Abbeilen getan ist, dann wird das schon in Ordnung sein.
Mit Pilzen ist das in der Tat so eine Sache, aber wenn die Schadensursache behoben ist - sprich der Balken nicht mehr nass wird von oben und von innen, dann ist dem Schädling die Lebensgrundlage entzogen und er entwickelt sich nicht mehr weiter. Zur Probe können Sie ja mal einen größeren Nagel einschlagen: Wenn der schwer einzuschlagen ist und schwer wieder zu entfernen, dann ist das Holz im Kern noch in Ordnung. Habe schon "Experten" erlebt, die wollten einen Schuppen abreißen, an dem die wenigsten Balken noch heil waren: "Trecker dran und um das Ding ..." - von wegen, geschwitzt und geschnauft haben die, aber umgefallen ist da noch lange nichts. Hab dann lieber das Weite gesucht, weil die mein zunehmend breites Grinsen wenig erbaulich fanden ...
Übrigens: Nicht den Nagel drinn lassen, der rostet und zerstört das anliegende Holz. Gilt übrigens auch für das Anschuhen: Wenn schon Metall, dann verzinktes, und nicht mit Schrauben im Holz befestigen, sondern mit Bolzen das Holz einklemmen. Die beste Lösung ist eine geeignete Holzverbindung, das sollte Ihr Zimmermann aber wissen.
Konserviert wird Holz am besten mit Lehm, Strohlehm mit etwas längeren Halmen, als üblicherweise für Unterputz verwendet wird. Der ist einigermaßen elastisch und fällt nicht so leicht wieder ab. Ein oder zwei Leisten sollten Sie am Balken befestigen, die dann mit eingeputzt werden. Verzinkte Nägel verwenden.



@K. Hildebrandt: mmhmm...



So ganz unrecht haben Sie ja nicht mit der Kirche im Dorf lassen, aber ein paar Anmerkungen hätte ich dann doch:
1.) Bei einem Pilzbefall werden im Wachstum die Holzzellen als erstes mit den sogenannten Hyphen besetzt. Das sind zur Zellteilung geeignete Kleinststränge des Pilzes. Zu diesem Zeitpunkt ist das Holz noch völlig stich- und nagelfest und von außen ist nichts erkennbar. Die meisten Pilzarten und mit ihnen diese Hyphen können eine sehr lange Trockenstarre eingehen, d. h. sie sterben nicht ab und können sofort wieder loslegen, sobald die Umgebungsparameter wieder stimmen. Die Trockenstarre kann bis zu 10 Jahren dauern. Das ist der Grund für die sogenannte Gesundschnittzone, die beim Echten Hausschwamm 1,00 m und bei anderen Nassfäulen 0,30 m beträgt.
2.) Kann man wirklich für das eigene oder für das Haus eines anderen garantieren, dass nicht erneut problematische Umstände im Bereich eines früheren Pilzschadens entstehen? Ich erinnere nur z. B. an kaputte Waschmaschinen, geplatzte Aquarien und unerkannt gebliebene Frostschäden an wasserführenden Leitungen...
3.) Ich habe in Maßen ein gewisses Verständnis für "ängstliche" Sachverständige. Wenn ich im Vorfeld eine Schadstelle oder ein Gebäude untersuche und etwa 70-80% der Schäden erkannt habe, halte ich mich für gut. Bei 100% Trefferquote hätte ich wahrscheinlich eine Abrissdokumentation gemacht. Im Zweifelsfall werde ich aber über einen sehr langen Zeitraum für diese 100% rechtlich haftbar gemacht. Das gilt nicht nur für schriftliche Ergüsse, sondern mitunter auch für mündliche Aussagen, soweit sie nachweisbar sind. Selbst hier im Forum kann ich in meiner Funktion als Sachverständiger durch einen böswilligen Fragensteller für einen fadenscheinigen Sanierungsvorschlag rechtlich belangt werden.
4.) Mit einem Sanierungsvorschlag kann man sich durchaus abseits geltender DIN und anderer Regelwerke bewegen. Geschuldet ist nicht die Erfüllung der Normen, sondern das mängelfreie Werk. Aber man ist weniger angreifbar.
Ich empfehle auch immer mal wieder funktionstüchtige Sanierungsvorschläge, die nicht unbedingt regelkonform sind, aber bitte erst dann wenn ich den Schaden örtlich umfassend untersucht habe.
Das alles nur mal zur Erläuterung um ein gewisses Verständnis für äußerlich seltsam anmutende "Alles-muß-weg"-Empfehlungen von Sachverständigen zu wecken...
Es grüßt herzlich
Martin Malangeri



Ich will auch



auf gar keinen Fall den Anschein erwecken, daß eine Schädigung welcher Art auch immer leichtfertig abgetan werden sollte, zumal eine Einschätzung aus der Ferne nicht möglich ist. Zur fachgerechten Schadensbehebung gehört eben mal das Abstellen der Schadensursache, und wenn das mit Sachverstand geschieht, braucht man keine chemischen Holzschutzmittel. Hm, sehe eigentlich keine größere Differenz!?
Grüße herzlichst zurück!





ich denke ich werde die balken großzügig mit borsalz einpinseln, sprühen, impfen und der dinge harren die da kommen mögen ...

ich danke für die ratschläge und die bemühungen ...

mfg m.janosch



Trocken halten



Das wichtigste ist, dass ihr das Holz trocken haltet. Aber das wurde ja schon gesagt. Vorbeugend brauch man eigentlich nix machen, wenn die Randbedingungen stimmen. Aber: Man kann auch mit WOOD-BLISS Streichen und bekommt so einen vorbeugenden Schutz. Mit Borsalz würde ich nicht arbeiten, da das Zeug auf die Dauer gesundheitsschädlich ist (hat mir mal ein Chemiker erklärt).

Gruss
Werner



Hab jetzt Bioöl gewählt ...



Hallo ...

ich habe jetzt alle entsprechenden Stellen bekeilt und großflächig weggeschnitten, wo notwendig angeschut und alles mit bioöl eingesprüht, das wurde vom holz ganz gut aufgesaugt... trocken ist soweit alles und nach aussage meines zimmermanns auch fest ... also Decke wieder zu und gut ... :-))

Danke für alle Tipps und Ratschläge ...
MfG Janosch