Wilder Hausschwamm im Altbau. Was tun?

27.11.2006



Hallo liebe Forumsmitglieder und Fachleute.
Auf der Suche nach einer Antwort bin ich hier gelandet und habe schon viel interessantes gelesen zum Thema Hausschwamm. doch es war immer zum(Echten Hausschwamm (EHS) und nicht zum Wilden Hausschwamm (WHS).

Mein Anliegen an das Forum: Meine Frau und ich haben eine Berliner Altbauwohnung erworben. Diese war früher von einer Fliegerbombe arg beschädigt und wurde nach dem Krieg recht schlampig repariert.
Im Zuge der Renovierung haben wir den Fußboden aufgenommen und Würfelbruch an 5 Balken feststellen müßen. Zwei Balken im Bad, das keinerlei Feuchteschutzisolierung an Wand und Boden aufwies und einige Balkenköpfe die an die Außenwand anliegen. Nun haben wir von jedem Balken eine PCR (DNA) Analyse machen lassen. Die Analyse ergab das es sich nicht um den Echten Hausschwamm handelt besagt aber das bei 2 Balken DNA des Wilden Hausschwammes gefunden wurde.
Ein Balken des Bades ist betroffen, der unter der ehemaligen Badewanne und
eine Balkenkopf an einer Außenwand.
Alle Balken sind trocken und der Würfelbruch ist kleingebrochen und das oberflächige beschädigte Holz läßt sich, fast wie Zimt, in den Fingern zermahlen. Die Außenwand wurde in den 80er mit einer Wärmedämmung versehen und der Balken lag direkt unter einem Fenster mit 24 Ziegelwand.
Im Bad sind zwei nebeneinanderliegende Balken (Abstand zueinander ca. 1 Meter) mit Braunfäule angegriffen und ungefähr auf einer Balkenlänge von 50 cm, wobei nur einer mit WHS befallen ist. Der Querschnitt ist mit ca. 25 % durch das zersetzte Holz reduziert.
Nun bin ich ziemlich ratlos, was ich machen soll und auch mein beratender Architekt ist sich unsicher der weiteren Vorgehensweise, da ein Befall von WHS nur zu ca. 2 % bei Bauwerken vorkommt.
Myzel, Fruchtkörper oder Pilzartiges haben wir nirgendwo finden können. Nicht auf der Schüttung, nicht auf den Sparren, nicht auf dem Balken und auch nicht auf/im Mauerwerk.
Würde es reichen wenn man das befallen, morsche Holz abbeilt, die Balken mit Laschen verstärkt (unter Beachtung der Statik) und mit Holzschutzmittel imprägniert? oder muß ich mir eine Fachfirma bestellen die dann spezielle Verfahren anwendet die meine Bauphase ncoh weiter nach hinten verschiebt und meinen Geldbeutel noch mehr leert ?
Wie ist der WSH einzuschätzen, wenn alle Möglichkeiten für Feuchtigkeitszufuhr eleminiert werden, also im Bad eine Bodenund Wandisolation eingebracht wird und die Außenwand ja w.o. erwähnt Wärmegedämmt wurde und die Tauzone nicht mehr im Balkenkopf liegt (hoffe ich doch :) ) ?
Danke für guten Rat und Gruß aus Berlin.



WHS



Zu den fachlichen Fragen betreffs Holzschutz werden sich sicher die Kollegen der Holzfraktion melden; außerhalb des Protokolls sollten Sie mal darüber nachdenken, wozu ihr beratender Architekt eigentlich da ist? Wenn er sich unsicher ist soll er jemanden fragen, der sich damit aukennt, also einen kompetenten Kollegen anrufen oder mal nachlesen. Machen Sie ihm etwas Druck, soll er was tun für sein Geld!



Gute Frage, Georg!



Theoretisch müßte der Archi einen Sonderfachmann (SV für Holzschutz) einschalten und damit auch erstmal sein Honorar belasten, je nachdem wie sein Honorarvertrag gestrickt ist.
WHS und EHS werden in den zuständigen DIN, Richtlinien und Merkblättern teilweise unterschiedlich und teilweise gleichsetzend beurteilt. Es gibt letztendlich keine übereinstimmende Handlungsanweisung.
EHS gehört zu den Hausfäulen und ist mit 1,00 m Gesundschnittzone und chem. Behandlung des Mauerwerkes zu bekämpfen, WHS ist eine Nassfäule und für Nassfäulen würde eine Gesundschnittzone von 0,30 m reichen und es müßte keine chem. behandlung des Mauerwerks durchgeführt werden.
Das ist jetzt mal der völlig grobe Unterschied, es gäbe da noch einige Feinheiten und kleinere Differenzierungen.
Trotzdem setzen die Handlungrichtlinien zum Teil den WHS auf die Stufe des EHS.
Abgesehen davon sagt der Kommentar zur DIN 68800 T4 aus, das im Zweifelsfall Pilzschädigungen wie der EHS zu behandeln sind.
Fakt ist, dass nur ein wenig rumbebeilen nicht ausreicht und Fakt ist auch, dass Sie im Grunde die dafür notwendigen chemischen Behandlungsverfahren als Privatmensch gar nicht ausführen dürfen. Hier gehört jemand mit der notwendigen Sachkunde her, da mit Giftstoffen gearbeitet wird.
Natürlich ist es so, dass Pilze zunächst in eine Art Ruhe- oder Starrezustand übergehen und anschließend absterben, wenn die, für das Wachstum notwendigen Umgebungsparameter nicht mehr gegeben sind. Würde heissen Sie hätten alles getan, wenn Sie die Feuchtigkeitsursache abstellen. Aber wer würde darauf schon eine Garantie geben? Lassen Sie in zwei Jahren doch nur mal ein Aquarium platzen, eine Waschmaschine auslaufen oder eine versteckte Wasserleitung undicht werden. Die erneuten Sanierungskosten werden um einen fetten Betrag höher, als das was Sie jetzt bei einer fachgerechten Ausführung sparen würden.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



danke Georg und Martin. Fachfirma wird eingeschaltet



heute habe ich als Bauherr Verbindung zu einer Fachfirma aufgenommen und werde diese einschalten und sanieren lassen. Vor Ort ist die Sache auch besser zu klären. Was wir jetzt entdeckt haben, nach Aufnehmen weiterer Dielung ist der Pilz an sich, genau unter dem ehemaligen Waschbecken.
Er scheint abgestorben zu sein. Wir dachten erst es ist ein schwarzgraues Spinngewebe, sieht aber doch anders aus und wenn man leicht pustet bewegt es sich wie eine trockene Haut. Habe es fotografiert mit Blitzlicht und erst am Computer in extremer Vergößerung kann man die Myzelverästelungen unter der haut erkennen. Mit bloßen Auge kaum sichtbar.
Denke das ist der Herd, aber der Fachmann wird mehr dazu sagen, können wenn er kommt.
Mir macht das jedenfalls schlaflose Nächte, denn wir haben schon teilweise
in den benachbarten Zimmern Fußbodenplatten eingebracht und müssen den wohl wieder aufnehmen. so hatten die Zimmerleute schon ein paar Balken, die Braunfäule hatten, gebeilt und gelascht. Dazu hatten wir die ganze schüttung ausgenommen und anschließend wieder eingbracht. Was mich noch sorgt ist das ein Balken der unter den neuen FußbodenPlatten ist, auch positiv WHS ist und ich denke ich muß jetzt wohl die ganze Schüttung rausholen lassen, weil die ja gemischt wurde und man ja nicht weiß ob da nicht was kontaminiert wurde, obwohl wir sehr genau geguckt hatten.
Aber mir erscheint das sicherer, dann lieber alles rauszuschaufeln, die Sparren zu ersetzen und Perlite rein. Vorher die Balken die je eventuell mit Trägermaterial kontaminiert sein könnten behandeln lassen.
Weiß ja nicht ob ich da jetzt vor lauter Panik zu viel schwarz sehe....
Morgen kommt der Fachmann, werde aber noch einen zweiten konsultieren, denn zwei Meinungen sind erfahrungsgemäß immer besser.