Massiver Schädlingsbefall im Dachstuhl und Fachwerk




Hallo,

wir hatten dieses Wochenende einen Termin mit einem Energieberater für unser
altes Bauernhaus (das genaue Alter des Gebäudes ist uns unbekannt, der Denkmal-
schutz hat es auf Mitte 19. Jhd. geschätzt, evlt. ist es noch deutlich älter).
Um 1900 rum wurde es in Fachwerkbauweise aufgestockt.

Nun wurde bei diesem Ortstermin ein massiver Schädlingsbefall des Dachstuhles
sowie des Fachwerkes festgestellt (so weit dies direkt kontrolliert werden
konnte).

Leider ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar wie weit der Befall vorgdrungen
ist, um was für Schädlinge es sich handelt, und woher der Befall überhaupt kommt.
Selbst freistehende Balken des Dachstuhles die prinzipiell trocken sein sollten
sind akut befallen.
In einem Nebengebäude in dem Das Dach vor gut 10 Jahren erneuert wurde ist einer
der Freistehenden Stützbalken von Schädlingen befallen und weist lt. Holzfeuchte-
messgerät eine Holzfeuchte von 20% auf.

Ich habe einige Bilder angefertigt, die Balken wurden teilweise mit einem Hammer
etwas aufgeklopft um den Befall deutlich zu machen. Ich hoffe Sie können uns
helfen und einige Hinweise geben.

Bilder des Befalls:
http://www.beutmiller.de/forenbilder/holz090209/Thumbnails.html

Die abgebildeten Käferchen haben wir nicht im Dachstuhl gefunden, sondern diese
kommen durch die Zimmerdecke ins Wohnzimmer. Könnten diese die Holzschädlinge
sein?

Vielen Dank bereits im Voraus

Johannes D.



Hausbock



Die Schäden am Holz schauen sehr nach Hausbock aus. Ich habe aber den Eindruck, dass die Frasspuren evtl. schon älter sind. Sind den unter den befallenen Balken helle Bohrmehlhäufchen?

Vor weiteren Um- und Ausbauten sollte der Restquerschnitt der Balken ermittelt werden, damit klar ist, was man verstärken oder austauschen muss.



Sägemehlhäufchen sind vorhanden :-(



Hallo,

an einigen Stellen sind am Boden offensichtlich frische
Sägemehlhäufchen zu erkennen.
Wir haben sogar (das vergas ich eingangs zu schreiben) Be-
fall in einem Wohnraum. Dort ist das Holzfensterbrett be-
fallen und weist frisches Holzmehl auf.

mfg

Johannes D.



Hylotropes bajulus



Da würde ich Thomas Leyh rechtgeben: die Schädigungen an den Konstruktionshölzern sind vom Hausbock.
Statistisch gesehen schwächt der Lebend(!)befall von Hölzern, die älter als 60-80 Jahre sind stark ab, kann noch vorkommen, ist aber vergleichsweise selten.
Der Hausbock hinterlässt im Normalfall mit Fraßmehl verstopfte Gänge und es rieselt eher wenig heraus. Es fällt aber raus, wenn man dagegen klopft.
Die Fraßtätigkeit ist im Winter stark eingeschränkt.
Bleiben für die frischen Fraßmehlhäufchen also drei Schlußfolgerungen:
a) Lebendbefall, als eher seltene Ausnahme bei alten Hölzern,
b) ausgestreut durch Erschütterungen am Holz,
c) andere Schädling als zusätzlicher Befall
Weitaus relevanter für die aktuelle Situation ist vor allem der bereits vorhandene Querschnittsverlust und die dadurch erfolgenden statischen Einschränkungen.
Meine Empfehlung: Sachverständigen für Holzschutz ranholen und untersuchen lassen.
Sachdienliche Hinweise zum Täterprofil "Hausbock":
1.) nicht ausgebaute Dachstühle und Konstruktionen mit Sommer/Winter-Temperaturwechsel
2.) nur Nadelhölzer und hier nur der Splint
3.) frisst immer knapp unter der Holzoberfläche lang, daher Balkenflanken und -ecken mal mit spitzem Schraubendreher, Stichel oder kleinen Beil austesten, weil manchmal schwer zu erkennen
4.) Schlupfzeit Juni-August
5.) Larvenentwicklung bis zum fertigen Insekt - durchschnittl. 3-6 Jahre je nach Nährstoffgehalt im Holz
6.) das mittlerweile doch sehr alte Kartenwerk sagt aus für Bayern geringere Befallswahrscheinlichkeit mit Ausnahme Teile von Franken (aber da seit ihr ja schon immer was anderes gewesen im Vergleich *grins*)
7.) Regionale Zonen mit hoher Luftfeuchte werden benso wie hohe temperaturen bevorzugt
8.) gute Laufgeschwindigkeit und kleinere Flüge möglich, daher regionale Eingrenzung von Befällen
9.) Fraßgeräusche sind manchmal hörbar (klicken Sie zwei Fingernägel aneinander vorbei, so hört´s sich an), aber bei Erschütterungen werden die Geräusche sofort eingestellt, die Viecher sind sehr sensibel.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Nachtrach...



Die abgebildeten Käfer kann ich nicht zuordnen, aber es ist weder der Hausbock noch ein anderer, mir bekannter holzzerstörender oder holzbewohnender Käfer.



Die Sägemehlhäufchen können auch vom klopfen kommen



Hallo,

wir (bzw. der Energieberater) haben gestern mit einem kleinem
Hammer eifrig gegen einige Balken geklopft. Einige haben sich
dann wie auf den Fotos zu sehen "aufgelöst".
Vermutlich haben sich durch das Klopfen dann die Holzmehl-
häufchen gebildet, die ich heute gesehen habe.

Wir werden auf jeden Falle einen Sachverständigen einschalten
um zu prüfen, ob der Dachstuhl haltbar ist.
Wesentlich wichtiger ist aber noch die Untersuchung ob das
restliche Fachwerk des gesamten Obergeschosses evlt. auch
befallen ist.
Nach meinen "Untersuchungen" schaut das gar nicht sooo schlecht
aus.
An der Süd-West Ecke des Hauses sind ein zwei Balken im
Fachwerk die schon recht beschädigt sind, die üblichen Balken
haben beim Klopfen mit einem kleinen Hammer ganz gut "geklungen".
Auf der Nordseite hingegen waren mindestens zwei ebenfalls
schon stark befallene Balken im Fachwerk.

Unsere Angst / Befürchtung ist im Moment das nicht nur der
Dachstuhl sondern auch das restliche Holz des Hauses stark
befallen sein könnte.

Grüße aus Franken

JOhannes D.



Schädling



Suchen Sie mal nach "Kugelkäfer" in diesem Forum. Dort sollten Sie alles wissenswertes finden.

Die Fraßbilder sehen auch für mich nach Hausbock aus. Wenn der Sachverständige (fragen Sie nach seiner Erfahrung in Sachen Hausbock) vor Ort ist, wird es zweckmäßig sein, bereits so viel wie möglich freigelegt zu haben. Also auch mal eine paar Deckenbalken entblössen.
Kann natürlich auch der SV machen - kostet nur mehr...