Welche Art von Dachstuhl ist das ?

14.12.2008



Hallo,
ich habe mich bemüht bei Recherchen zu unserem Häuschen herauszufinden, wie die genaue Bezeichnung der Aufbauart unseres Dachstuhls ist. Irgendwie scheitere ich aber am Verständnis der jeweiligen Erklärungen und komme daher gerade nicht weiter. Ich hoffe daher, daß jemand aus dem Forum einordnen kann, was ich da nun eigentlich über dem Kopf habe.

Noch ein paar (hoffentlich hilfreiche Daten) :
- Es handelt sich (soweit ich herausfinden konnte) um ein niederdeutsches Fachwerkhaus diemelländischer Bauart.
- Eine Aussenahfnahme der Front ist in meinem Profil zu sehen.
- Baujahr gem. alter Versicherungsunterlagen soll ca. 1870 gewesen sein
- Grundfläche ist 7*8 Meter
- Weder Tenne noch Tennentor sind/waren vorhanden.
- Evtl. wurde das Haus von Anbegin als reines Wohn-/ Handwerkerhaus errichtet.
- Standort ist bei 34396 Liebenau.

Für sachdienliche Hinweise bedanke ich mich hiermit schonmal im voraus.
Gruss Udo



Hierbei



handelt es sich um eine statisch mehrfach unbestimmte Konstruktion. Alte Zimmermannskunst, bei der Pfetten- und Sparrendach kombiniert sind, allerdings ist der statische Nachweis extrem aufwendig. Vorsicht bei Arbeiten an so einem Dachstuhl, da hat jedes Hölzchen tragende Funktion.
MfG
dasMaurer



Hmmm.....



...dann wird das mit dem Dachausbau ja ziemlich interessant werden. Danke für diesen wirklich hilfreichen Hinweis.
Ist auf Grund der Dachkonstruktion zu sagen ob das durch die Versicherung geschätzte Baujahr in etwa hinkommt, oder ob die damit total daneben liegt? Bisher konnte ich keine genauere Datierung vornehmen, da wir noch nicht in dem Haus wohnen und die Wochenenden nutzen um es wieder in (s)einen Originalzustand zu versetzen (Lehm/Holz/Hanf).

Nochmals Danke für die Antwort!

Gruss Udo



Das Bild



alleine ist etwas ungenau. Man kann leider nicht erkennen, ob die Sparrenfußpunkte in einem Deckenbalken enden oder nicht. Dann wäre es ein Sparrendach mit Kehlbalken. Am besten man wendet sich an eine örtliche Zimmerei, die mit den regionalen Bauweisen vertraut ist.
Gruß Stefan



1870



Hallo Herr Wohlfahrt,
Aufgrund der Gefügetechnik kann das Baujahr 1870 zutreffend sein.
Eigentlich gehört Liebenau ja zur niederdeutschen Hausprovinz.
Weit verbreitet ist das "niederdeutsche Hallenhaus diemelländischer Prägung".

Ihr Haus scheint aber eher mitteldeutsch ( fränkisch ) geprägt zu sein.

Vielleicht aus hugenottisch?? (5 Fenster).??

Es ist ein Fachwerkhaus in Stockwerksbauweise mit einem sehr klaren Bundsystem.

Bei der Dachkonstruktion schließe ich mich Ulli an.

Der lange Balken unter den Kehlriegeln ist keine Pfette, sondern der " Dachrähm ".

Hier im Wolfhager Land nennen ihn manche Zimmerleute auch: "Rute" .
Wenn Sie Gauben einbauen wollen , brauchen Sie einen guten Fachmann.(Siehe Ulli)

Wenn Sie wollen kann ich mir Ihr Haus mal näher anschauen:
(kann ich mit dem Fahrrad erreichen) :-))

viele Grüße aus dem Warmetal



@Robert Göbel



--> danke für die ausführlichen Worte und das nette Angebot, eMail an Sie ist unterwegs.

Witzigerweise stamme ich aus (Hohenlohe-) Franken, dass hier u.U fränkische Stilelemente mit einfließen macht mir unser Ruinchen nochmals sympatischer.

Zum Dach noch abschließend:

Der Einbau von Gauben ist nicht geplant. Ich denke nur daran in ein bis zwei Jahren unter dem Dach noch etwas Wohnraum zu schaffen. Wirklich konkrete Planungen liegen jedoch noch nicht vor.

Danke auch an die übrigen Forenmitglieder, die in kurzer Zeit meine Fragen ausführlich und sachlich beantwortet haben. Das hat mir sehr weiter geholfen!!!

Vielen Dank

Gruss Udo



wenn man´s



ganz genau wissen will (zumindest das fälldatum), sei nochmal an die möglichkeit einer dendrochronologischen untersuchung erinnert. eine gute adresse, angeschlossen an die uni hohenheim: Jahrringlabor Hofmann
Waldhäuser Str. 12
72622 Nürtingen
Tel.+Fax +49 / (0)7022 / 5 55 98
kann mit einer kernlochbohrung ermittelt werden, man muß also nichts rausnehmen; durchaus bezahlbar!
viele grüße, carmen



@Carmen



eine dendrochronologische Untersuchung ist in dem Fall leider wohl nicht sinnvoll (hatte ich ganz zu Anfang machen wollen). Es hat sich aber herausgestellt, dass unser Häuschen zum (Groß-) teil aus "Abfall"-Fachwerk eines anderen Hauses besteht, evtl. die Restverwertung nach einem Brand.
Dies begründet sich auf dem Umstand, daß in mindestens 3 völlig voneinander getrennten Hausbereichen unter dem Putz Brandholz zum Vorschein kam und direkt daneben, ohne jeglichen Übergang vollig unverbrannte Holzelemente miteinander verbaut sind. Teilweise sind z.B. unbeschädigte Holznägel in Brandbalken gesetzt. Im oder am Mauerwerk sind keinerlei Brandspuren zu entdecken gewesen.
Einschlagmarken oder ähnliches die auf das Baujahr schließen lassen habe ich nirgendwo finden können, daher ist es ein wenig wie Lotto den "richtigen" Balken zu finden der zur Zeit der Erbauung des Hauses "neu" war...:) Es konnte sich bis dato auch niemand im Dorf daran erinnern dass "die 13" je gebrannt hätte. Eine Anfrage im Feuerwehrarchiv dazu steht allerdings noch aus.

Grüsse Udo



so ein patchwork-häuschen



findet man öfter mal, dann macht´s natürlich wenig sinn, das ist richtig (war bei mir auch so, ebenfalls brandspuren). man hat halt nix verkommen lassen damals, das macht die suche nach dem "richtigen" balken nicht einfach. wollte nur nochmal darauf hinweisen, die untersuchung bringt manchmal überraschende ergebnisse. viel freude noch beim sanieren, carmen



Na, dann



finden sich vielleicht noch ein paar römische Schwertkerben im Holz ;-))).
Aber zum Thema Dachausbau: hatte das vor etlichen Jahren mal beim Umbau einer Scheune. Nach einschalten eines Studenten der FH Hildesheim und seines Profs gabs eine 14seitige statische Berechnung des Dachstuhls und siehe da, nach dem Ausbau waren sogar noch Reserven drin. Allerdings kommt man da mit QmalLquadratachtel nicht mehr klar. ;-)).
MfG
dasMaurer