Lehmfüllungen zwischen den Balken entfernen

22.04.2012



Hallo,
bin Neuling hier und beim Restaurieren.
Bin gerade dabei die Lehmfüllungen zwischen den Balken rauszuklopfen. Ziel: im gesamten Erdgeschoß 120qm sollen nur noch die Fachwerkbalken stehen, ansonsten ein einziger offener Raum. Mauern des Hauses sind Backstein (Bj.1860), aber innen komplett Fachwerkbauweise.
Frage: Kann man das wirklich machen ohne Gefahr für die Statik, also sämtliche Lehmfüllungen entfernen?
Grüße Christa





Die Lehmfüllungen haben mit der Statik nichts zu tun, Für die Statik sind nur die Balken verantwortlich.

Den Lehm kannst du also Sorglos raushauen.

Viel Spass :-)





sehr schön!
nachdem das geklärt ist vielleicht gleich der nächste Schritt kurz angedacht:
wäre es eventuell möglich einzelne Balken aus dem ganzen Gefüge zu entfernen. Es ist leider so daß wenn dann alle Balken stehen man trozdem immer nur dort durchgehen kann wo Türöffnungen waren. Also Frage: Wäre es überhaupt denkbar, das ganze Balkengewirr etwas zu lichten... oder verbietet sich das bei der Bauweise generell?





ok, nachdem hier keine Antworten kommen...war vielleicht
etwas zu weit vorgegriffen, hier noch eine andere Frage:
ein Nachbar hilft beim Renovieren. Er nimmt den schwersten
Vorschlaghammer und schlägt mit voller Wucht gegen die Lehmfüllungen so daß alles ziemlich fibriert und schwingt.
Ist das ohne Folgen oder wie vorsichtig sollte man diesen
Lehm heraushauen, bloß mit kleinen Hammerschlägen oder was hält so ein alter Bau aus? Die Balken sind alle trocken ohne Schädlinge, aber die ganze Traufe fehlt und Bodenbalken sind teilweise verfault. Nächste Woche kommt sowieso ein Statiker, aber ob der speziell was von Fachwerk versteht.. wie haben das andere Fachwerkhausbesitzer gemacht?



Wie Sascha schon schreibt....



...mit der Statik haben die Ausfachungen nicht´s zu tun. Normalerweise dienen die nur dazu, die "Löcher" zu zumachen.
Allerdings nur dann, wenn das Fachwerk und der Verbund in Ordnung ist.

Du schreibst, "die Bodenbalken sind teilweise verfault". Das dürfte zur Folge haben, dass sich das darüber liegende Fachwerk gesetzt hat, inkl. Ausfachung. Die Ausmauerung könnte nun tatsächlich "tragende" Aufgaben übernehmen, die weg fällt, wenn sie entfernt wird.

Ich persönlich würde auch nicht mit brachialer Gewalt wie dein Nachbar vorgehen. Da sieht man nämlich nicht, was passiert ;-)

Grüße
Martin



Ich wäre ja ein wenig vorsichtig...



Es stimmt schon, dass normalerweise die Gefache keine statische Funktion haben. Bei einem eventuell nicht mehr intakten Fachwerk kann es allerdings durchaus sein, dass die Gefache die Funktion der defekten Balken teilweise übernommen haben. Aus diesem Grund würde ich auch nicht unbedingt volle Lotte gegen die Wände kloppen.

Wände rausnehmen (oder zumindest größere Wanddurchbrüche schaffen) ist auch bei einem Fachwerkhaus in Maßen möglich. Aber das ist ein Fall für den Fachmann. Es muss sicher erkannt werden, welches tragende und nichttragende Wände sind. Und von tragenden Wänden sollte man ohne Anleitung vom Profi die Finger lassen.

Ansonsten: Geduld, Sonntag abend sind längst nicht alle hier.

*edit: Martin war schneller*



Die Axt im Hause...



...erspart den Zimmermann!
Altes Sprichwort, doch bitte nicht zu wörtlich nehmen.
Vieles wurde bereits schon zur Herausnahme der Gefachfüllungen geäußert.
Querriegel würde ich aber nicht unbeding entfernen, da diese die Ständerbalken seitlich mit aussteifen.
bestenfalls sich einen Holzbautechniker oder gar mal einen Statiker mit zu Rate ziehen.
Es sind nicht die ersten Häuser eingefallen, nur weil man dachte, heraus damit und es muss eben alles schön groß werden.

Vielleicht kann ich ihnen dabei mit behilflich sein, einen entsprechenden Fachmann sich mal kommen zu lassen.
Hhandwerklicher Gruß,
Udo





danke, alles sehr interessant!
werde den Nachbarn entsprechend zügeln beim Raushauen.
Es wurde erst ein Gefach freigelegt, muß erst noch rausfinden wie das besser geht, ich denke zuerst ein Loch
durchbohren mit 10er Bohrer, mit dem Bohrer erweitern und
dann vom Loch aus mit der Säge Schnitte in den Lehm machen
und dann mit einem Fäustel nicht zu doll rausklopfen, oder
mit einer Axt.
Wenn es dazu noch eine Meinung gäbe, wäre schön, nämlich wie man also am schnellsten und doch schonend so ein mit altem Lehm gefülltes Gefach ca 80x60cm herausbricht...
zu den verfaulten Boden/Deckenbalken will ich mich im moment noch lieber nicht äußern, auch das sieht man dann alles besser wenn die Wandbalken freiliegen, oder?
Christa





es gäbe da schon schnelle möglichkeiten, Gefache zu entfernen, man sollte aber trotzdem etwas behutsam mit den alten Häusern umgehen, also lieber langsam vor sich hinpopeln :-)
Hier mal die anleitung zur schnellen entfernung:
Man nehme sich eine "Tigersäge" und schneide das gefach rundherum aus, mit etwas Abstand zum Balken.Nach dem Sägen genügt ein kleiner stupser, und das komplettpacket liegt auf dem Boden.


Noch etwas zu den Balken, Querriegel können eventuell teilweise entfernt werden, müßte man aber vor ort genauer sagen.
Ständer und Streben sollten nur nach absprache mit dem Statiker entfernt werden. Normaler weise bleiben diese unberührt.

Ich frag mich allerdings, ob das gebälks auch so schön aussieht, das es sich lohnt, dies frei zu legen. In der Regel wurden die Balken vor dem Verputzen mit dem Beil bearbeitet und tiefe Kerben reingehauen. Oder mit Draht umwickelt.



Fachwerkfelder mit Streben



würde ich komplett lassen. Die sind heilig!!!
Gruß
Ralph



Raumplanung nochmal überdenken



Ich würde mir nochmal die Raumplanung überdenken, kann da aus eigener Erfahrung sprechen......die Überlegung....alles offen und die Balken sichtbar, ist weder historisch, noch meiner Meinung später schön (als verputzte Innenbalken wurden nicht gerade die schönsten ausgesucht) und es verursacht mehr Aufwand und Kosten.
Fachwerkrenovierung a la Tine Wittler und 80er Jahre Stil. Mal ne Wand kann ja sinnvoll sein....aber die ganzen früher in mühsamer Arbeit erstellten Gefache rauskloppen? Überleg mal was die Neuherstellung heute kostet.

Wenn du es trotzdem entfernen magst....dann lass mal deinen Nachbarn rumkloppen, Tipp mit weniger Energie, auf die Eiche Staken konzentrieren, geht es besser. Lehm und Hölzer aufbewahren!



Erst mal



alles Freilegen ohne an die Gefachs zu gehen. Dann sieht man ob die Pfosten, Streben und Riegel noch in Takt sind. Sind Schäden vorhanden sollten Sie mit einem Zimmerer oder Statiker die Schäden durchgehen (am besten jemand der Altbauerfahrung hat suchen)
Im zweiten Schritt werden dann die Gefache wie von Sascha beschrieben entfernt.
Diese Vorgehensweise bringt auch den Vorteil, dass Tapetenreste und anderes nicht mit dem Bauschutt der Gefache vermischt werden und wenn nötig getrennt entsorgt werden können.

Grüsse Thomas





was heißt das genau "auf die Eiche Staken konzentrieren"?
Christa



Halter für das Flechtwerk



Hallo,

die Staken sind meist senkrecht rechts und links und tw. mittig jenach größe im Gefach in Nuten eingeklopft und bilden die"Halter" für das Flechtwerk. Wenn sie nicht weiter verwendet werden, kann man diese einfach mit der Säbelsäge durchtrennen, dann lösen sich die Gefache meist leicht heraus. Aber Vorsicht, keine Balken ansägen oder zersägen.
Vorsicht bei unklarem Zustand des Fachwerks!!!

PS:
Was machen siemitden Türen und Zargen . Ich suche noch welche für mein Haus. und bin Ende der woche in Oranienburg?

Gruß
Selle



Wir machen mal was und schauen was passiert …



Hallo

Mir drängt sich da immer die Frage auf:
Plant man vorher auch ein bisschen?

Unter "Planen" verstehe ich nicht: einen Plan zeichnen oder sich vornehmen irgend etwas zu tun, sondern sich die Schritte, Maßnahmen und die Folgen und Konsequenzen auch zu durch denken, die damit dann auch beeinflusst werden.

Dafür gab es früher "Berater" oder "Planer", die den Überblick da nicht verloren haben.

Heutzutage meint der "Frager" oder "Bauwillige", dass nur der Wille zählt und ein paar Stunden im Internet surfen um die "Bauweisheit" für sein Vorhaben zu erlangen, merkt aber manchmal, dass dem nicht so ist.

Denn erst sind es die "Gefache", dann ein paar "Balken", dann eine Wand, dann …
Ein altes Haus ist meist ein sinnvoll zusammengefügtes System, das nur wenig Störung verzeiht, schon gar nicht die Fehlerhaften.

Überlegen Sie sich VORHER gut WAS sie machen KÖNNEN und nicht nur was Sie machen WOLLEN.
Und das mit jemanden der sich real damit auskennt.
Dann steht das ganze auf einem soliden Fundament (Wenn Sie Glück haben)
:-)

Gutes Gelingen

FK





danke für die vielen Antworten!
Das was ich hier erfahre sind für mich sehr überdenkenswerte Anregungen, wodurch ich lerne auf bestimmtes zu achten.
Natürlich kommt demnächst auch ein Statiker, aber ich weiß jetzt immerhin daß es generell möglich wäre bestimmte Dinge zu machen.
Das Anwesen stand zum Verkauf, hätten die anderen Interessenten es bekommen, hätten diese fast alles abgerissen und nur den Baugrund genutzt.
Aber so bleibt alles stehen, muß aber wohl auch ein wenig
bluten, denn mit 5 kleinen Zimmerchen kann ich wenig anfangen, deshalb zunächst der Wunsch nach dem Leeren der Gefache.
Letztlich wird es ein faszinierender Wohnraum sein mit einer Menge alter Balken, einer neuen Fensteraufteilung und einem
neuen Raumkonzept, aber eben doch ausschließlich mit dem alten Material realisiert und es kann so nochmal 200 Jahre
stehen.
Möchte auch alles baubiologisch machen: innen die Wände mit Lehmputz und Dach mit Schafwolldämmung

Wie die Bodenbalken beschaffen sind, darüber mache ich mir keine Illusionen, sie wurden durch einen Wasserschaden vor
2 Jahren auf einem größeren Bereich durchweicht und hängen
im Keller teilweise durch. Durch Austrocknen sind sie jetzt zwar wieder fester geworden, aber durch hängen sie immer noch. Aber das wird ein anderes Kapitel werden..
Christa



Neue Fensteraufteilung?



Auch dabei bitte ganz vorsichtig vorgehen... "neue Fensteraufteilung" geht bei alten Häusern gern mal schief...





Die Balken die bis jetzt freigelegt wurden sehen alle sehr gut aus, sehr massiv, trocken, ohne Schädlinge, auch übrigens ohne Drahtumwicklungen usw. Jeder Balken wurde mit einer dünnen Schicht Stroh gegen den Verputz hin bedeckt. Die Balken sind aus rötlichbraunem Holz, also wohl Buche.
Gibt es damit Erfahrung? Kann man hier irgendwo Fotos sehen von Fachwerkhäusern innen mit alten freigelegten Buchenbalken?
Hat Buche gegenüber Eiche irgendeinen Nachteil wenn man die Lehmfüllungen entfernt?
Christa



Wenn das Fachwerk



wirklich aus Buche ist,habt Ihr eine gaaaanz seltene Seltenheit!!! Innenfachwerkhölzer sind meistens in Kiefer, in Süddeutschland wohl auch in Tanne /Fichte. Selten in Lärche(weil da jahrelang das Harz raustropft),Douglasie,Eibe.
Gruß
Ralph





oh, dann glaub ich ja eher nicht daß es Rotbuche ist,
hat Eibe denn auch diesen leicht rötlichen Ton?



Das Holz der Balken



...ist angeblich aber Hartholz lt. Auskunft des Nachbarn,
Voreigentümer und dort geboren und aufgewachsen. Er sagte da
bringt man kaum einen Nagel rein.. wie könnte ich feststellen welches Holz ohne gleich einen Zimmermann kommen zu lassen?



Wenn irgendwo Holzwurmlöcher



drin sind ist es unwahrscheinlich dass es Eibe ist. Deren Holz ist nämlich giftig.Eibe steht auch unter Naturschutz. Ich weiß aber nicht wie lange schon. Eibenholz würde theoretisch für Fachwerk funktionieren, ich vermute aber, dass es auch sehr selten eingesetzt wurde.
Von den Hart/Laubhölzern ist am wahrscheinlichsten Eiche. Nach Deiner Beschreibung isses das aber nicht. In einem Fachbuch las ich, dass sich Esskastanie auch für Zimmereiarbeiten eignen soll. Das wäre auch was Seltenes.
Ich denke, wenn Du es genau wissen willst, kommst Du an einem Holzfachmann nicht vorbei. Ich würde eher zu einem Tischler raten. So wie ich meine Berufskollegen und mich kenne, wissen wir doch nicht so viel über die selteneren Bauhölzer wie die Tischlers!
Gruß
Ralph



Foto?



Falls du eine Stelle am Balken haben solltest, an der man die Maserung wirklich erkennen kann könntest du versuchen, ein Foto zu machen.

Davon abgesehen haben die Balken bei mir auch teilweise einen Rotstich und das sind auch "nur" Eiche bzw. Nadelholz.





ich fotografier es morgen Donnerstag und am Samstag ist Begehung mit einem Fachmann, dann weiß ich mehr und melde
mich wieder..



Buche ist eher unwahrscheinlich



Buche ist kein Bauholz für Fachwerk weil es Kurzfasrig istund nur bedingt Lasten längs zur Faser Aufnehmen kann.
Daher tendiere ich zu Eiche.
Aber bevor Du hier ins basteln auf Zuruf verfällst, hole Dir einen Fachmann vor Ort und wenn Du den hast, höre nur auf den und lass die Finger vom Internet! Hier gibt's es nur Halbwahrheiten.
Denn keiner kennt die Gegebenheiten bei Dir vor Ort.

Gruß Holzwurm



Fünf alte Türen mit Zargen sowie Kachelöfen abzugeben



wer da interessiert ist: Standort Westhavelland,
40km nordwestlich Berlin.

Die Balken sind tatsächlich aus Buche. Das Anwesen war früher
eine Mühle mit eigener Windmühle, deshalb wurden da schon
bessere Materialien verwendet.