Holzschutz gegen Hitze und Feuer

01.08.2005



Gibt es ein "Hausmittel", das man sich selbst mischen kann, um einen Holzbalken gegen Hitze und Feuer zu schützen?
Im Handel sind Anti-Flame-Sprays erhältich, an die ich aber nicht auf die Schnelle komme, weil ich in Spanien wohne und das Zeug dringend brauche.
Vielen Dank Chris



Hausmittelchen



In vergangenen Zeitenwurde ein Brandschutz oft nur durch einen Kalkanstrich realisiert.

Heutzutage gibt es zwei vorherschende Prinzipien:
1) Einbringen von nichtflüchtigen kristallwasserhaltigen Salzen (Ammoniumverbindungen, Hydrogencarbonate, Ammoniumphosphate) im Kesseldruckverfahren.

2) Nachträgliches Aufbringen von Schaumbildnern in Form von stickstoffhaltigen organischen Verbindungen wie z.B. Dicyandiamid oder Harnstoffe, kombiniert mit Phosphaten und Kohlehydraten.

Als "Eigenmittelchen" bleibt also meist nur der wiederholte Anstrich mit Kalkmilch oder das Herumexperimentieren mit Boraten, Alaun, Wasserglas etc.
Zentrales Problem ist bei allen Mitteln das möglichst tiefe Eindringen und das feste Haften am Holz.

Gruß

L. Parisek



seit Ende des 1800Jh.



Nach der Markteinführung der Mineralfarben im 1878 durch Adolf
Wilhelm Keim wurden Reinsilikatfarben als Brandschutz bei Holz eingesetzt wegen ihrer Nichtbrennbarkeit.

Eine Einstufung in den Brandklassen F30, F60, F90, usw. gibt es für diese Farben nicht.

MFG Franz - Josef



Gogelleien



Der Einsatz von Kaliwasserglas wurde schon bald wieder aufgegeben, da sich ein schnelles Abblättern der Beschichtung zeigte.

Generell ist es so, dass die bisher zitierten "alternativen" Brandschutzanstriche immer wieder aufgefrischt werden müssen. Ich werde in den nächsten Tagen noch einmal einige klassische Rezepturen raussuchen.

Gruß

L. Parisek



Etwas genauer



Herr Keim hat nicht die Mineralfarben eingeführt, sondern die Silikatfarben auf Wasserglas-Basis. Die Fa. nennt sich nur Keim'sche Mineralfarben.

Mineralfarben sind grundsätzlich alle Farben auf Basis von anorganischen Bindemitteln, die auf der Erde vorkommen - also auch Kalk-Farben - und die gab es schon vor Herrn Keim.

Also: Silikatfarben sind Mineralfarben - aber nicht alle Mineralfarben sind Silikatfarben.

Silikatfarben sind nicht brennbar - man sollte sie aber nicht auf gehobeltem Holz einsetzen, da sie auf Holz nicht verkieseln und Schwind- und Quell-Prozesse des Holzes nicht mitmachen. Am besten auf sägerauhem Holz einsetzen.

Mineralische Grüße

Bernd



Nochmals Hausmittel für Brandschutz



Herzlichen Dank an alle für die interessanten und raschen Antworten!
Allerdings habe ich vergessen zu sagen, dass der besagte Holzbalken bereits ziemlich angekohlt ist, aber nicht ausgetauscht werden kann.
Gelten die gemachten Angaben dann auch noch oder was gibt es vielleicht noch, was ich tun kann, um den armen Balken vor weiterem Schaden zu schützen?
Im voraus dankbare Grüße
Chris



Vorteile ;-)



Ein angekohlter Balken hat den Vorteil, daß die kleinen Tierchen ihn verschmähen - insofern ein ausgezeichneter Holzschutz (Lutz: Gibst Du mir recht?)

Ein Kalkanstrich ist hier wenig empfehlenswert, da wegen des Untergrundes (Ruß etc.) mit starker Fleckenbildung zu rechnen ist.

Wenn's Farbe sein darf, könnte man pigmentiertes Wasserglas verwenden.

Wieweit soll der Brandschutz denn überhaupt gehen ???

Liebe Grüße

Bernd



Verkohltes



Wo der Bernd recht hat, da hat er recht.

Literatur:
L e i ß e, Bernd nach Bavendamm und Hösli
in Wohnung und Gesundheit, Neubeuren 1988
Seite 40


Gruß

Lutz



Brandschutz für verkohlten Balken



Klasse, was hier alles so abläuft.
Das wünscht man sich hier in Spanien, da weiß nämlich keiner was genaues!
Zur Frage, wie weit der Brandschutz gehen soll, muß ich etwas weiter ausholen. In unserem Grillhäuschen läuft sinnigerweise durch den Rauchabzug, ca. 1,5 m über der Brennstelle, ein Holzbalken, und das schon geschätzte 20 Jahre ohne dass was passiert ist. Nun mußten aber ganz schlaue Leute kommen und nicht mit Grillkohle dort ihr Fleich pruzeln, sondern gleich ein ganzes Lagerfeuer entfachen, was dann den armen Balken ziemlich mitgenommen hat - Gott sei Dank ist nicht mehr passiert.
Wir können den Balken nicht auswechseln, deshalb gibt es jetzt absolutes Lagerfeuerverbot dort und wir wollen den angekohlten Balken mit einer alukaschierten Glaswolle und einer feuerfesten Platte abdecken. Zusätzlich die Frage, wie man den Balken durch einen Anstrich o.ä. noch schützen kann.
Sind jetzt alle Unklarkeiten beseitigt und was gibt es noch für Tipps für uns?
Danke Chris



Statik ??



Wenn die Statik nichr betroffen ist, sind alle Maßnahmen nur schlechte Kompromisse.

Warum nicht einfach den Balken säubern - und mit seiner Patina an die Vandalen erinnern lassen ;-)

Bernd



Panschereien



Hallo Chris

Ich hatte versprochen noch einmal nach einfachen Rezepturen für Brandschutzmittel zu suchen.

Hier eine Rezeptur die 1942 bauaufsichtlich in Deutschland zugelassen war:

60 - 80 Teile Pottasche (Kaliumcarbonat mit der Formel K2CO3)
38 - 18 Teile Soda (Chemische Formel Na2CO3)
. 2 Teile Netzmittel (Tensid bzw. irgendein Spülmittel)

Als 25prozentige wässrige Lösung aufbringen (ca. 600g/m²).
Wurde damals mit Wirkungsstufe 8 (also sehr hoch) eingestuft.

Gruß

L. Parisek