Kauf eines Fachwerkhauses




Hallo mit einander, ich habe vor ein Fachwerkhaus zu kaufen. Das Haus wurde Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut und steht unter Denkmalschutz, macht eigentlich einen guten Eindruck. Aber, die Wasserleitungen sind wohl noch aus Blei, die Stromleitungen zählen bestimmt zu den ersten die verlegt wurden. Es hatte irgendwann mal in dem Dorf gebrannt, es sind noch angebrannte Balken vorhanden. Die Decken sind sehr niedrig, in soweit ein Problem, da ich (1,85 m) nicht in allen Räumen stehen kann (eigentlich kann ich nur in der Küche stehen). Sonst ist noch zu erwähnen, dass das Haus zur Hälfte als Wohnhaus genutzt wird und die andere Hälfte früher als Scheune gedient hat und evtl. Stallungen vorhanden waren (Hühner und 1 bis 3 Schweine, soweit ich informiert bin, mit Kühen bin ich mir nicht sicher aber auch möglich).
Nach dem Kauf hatte ich mir folgende Baumaßnahmen vorgenommen:
Wasser und Stromleitungen erneuern
Dachstuhl erneuern (hier auch die angebrannten Balken)
Scheune zu Wohnräumen umbauen
Decken im alten Wohnbereich höher setzen.
Meine Fragen:
1. geht das alles ohne weiteres ?
2. was wird das kosten ?
Meine Freundin und ich haben beide eine Schreinerausbildung, weiter studiere ich Holztechnik, könnten somit einiges in eigener Regie erledigen. Da ich aber erst in einem Jahr mein Studium beende verfüge ich nicht über finanzielle Rücklagen. Lohnt es sich überhaupt, da über einen Kauf eines solchen Hauses nachzudenken ?
Danke für jede Antwort !
Gruss Stephan



angebrannte Balken



Hallo Stephan,

bist Du sicher , dass es gebrannt hat ???
Auch ich habe mir ein altes Fachwerkhaus gekauft ( 1799 ), bei dem der Dachstuhl vollkommen angekokelt aussah. Doch war es in früherer Zeit so, dass in den Häusern eine offene Feuerstelle war und deshalb die Balken mit einer dicken Russschicht überzogen sind ( oftmals war auch noch eine Räucherkammer vorhanden, die ebenfalls russte.
Ich denke, dass max. eine 3-5 mm starke Kokelschicht auf den Balken ist, nimm einmal eine Drahtbürste...
viel Spass beim renovieren ( mörderarbeit, aber es lohnt )

Stefan



*hmh*



So ohne Weiteres kann man Decken nicht "erhöhen". Grüße Annette



Baugenehmigung, denkmalrechtliche Genehmigung



Hallo Stephan,
du brauchst voraussichtlich jedenfalls für den Umbau Scheune in Wohnraum eine Baugenehmigung. Weiterhin müssen auch bloße Umgestaltungen und Instandsetzungen nach § 16 DenkmalG Hessen genehmigt werden, wenn es um ein Denkmal geht.
Viel Erfolg!





Glückwunsch zu Ihrem Vorhaben. Ein altes Haus ist manche Mühe wert. Denken Sie aber daran: Für einen Umbau brauchen Sie einen Bauantrag und beim Denkmal die Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde, auch wegen der Zuschüsse und der Steuerabschreibung - bares Geld! Auch ohne finanzielle Rücklagen empfiehlt sich zumindest für den Anfang die "Investition" in eine(n) denkmalpfelgerisch erfahreren Architekten/in, mit dem sie die ersten Sanierungs- un d Umbauschritte besprechen und auch einmal eine Gesamtkalkulation machen (wichtig für das Denkmalamt). In welchen Schrittten und mit wie viel Eigenleistung Sie das Projekt dann angehen, bleibt Ihnen überlassen. Die Arbeitsschritte, wie Sie sie vorschlagen, sind schon recht vernünftig; das A und O beim Fachwerkhaus sind intakte Hölzer und ein dichtes Dach, und da bleibt meist auch das meiste Geld hängen. Fehler in diesem Bereich werden aber später sehr teuer - deshalb unbedingt erfahrere Fachleute zuziehen. Denken Sie daran, dass Balken im Fachwerkhaus nicht nur Zierwerk sind, sondern die ganze Konstruktion tragen. Deckenbalken tragen nicht nur den Boden im Obergeschoß, sondern versteifen das Haus auch quer - höherlegen ist da schwierig bis unmöglich. Einfacher ist es wohl, den (erdberührten?) Boden im EG tiefer zu legen. Und keine Angst vor schwarzen Balken: Zur Bauzeit Ihres Hauses gab es noch keine Kamine, der Rauch aus den Wohnräumen entwich einfach durch ein Loch in der Decke in den Spitzboden, wo er nebenbei den Schinken räucherte und die Balken konservierte.
Viel Glück mit Ihrem Traumhaus!



Hauptsache das Dach und die Heizung



Ich habe vor dem Kauf diverse Handwerker mitgenommen. Alles was aus meiner Sicht "lebenswichtig" für das Haus war, habe ich machen lassen, weil ich selbst nur wenig Zeit habe. Dazu zähle ich auf jeden Fall das Dach und die Heizung. Alles andere mache ich selbst, wenn ich Zeit habe und es mir kein Gesetz verbietet. Bleileitungen finde ich nicht so kritisch. Es kommt auf die Wasserqualität drauf an. Ich bin nicht genau im Bilde, aber wenn die Wasserhärte ausreichend hoch ist, kann sich kein Blei in Wasser lösen. Frage doch mal den Wasserversorger. Alte Stromleitungen finde ich auch nicht so kritisch. Aber ich habe mein Haus neu erden lassen, weil die Erdung früher an der Wasserleitung war und danach die Hauptwasserleitung auf Kunststoff umgerüstet wurde. Ich schätze, darauf gibt es einigen Widerspruch;-) Ich würde allerdings kein Haus kaufen, dass ich massiv umbauen muss, um drin stehen zu können.



Fachwerkhaus mit Bleirohren



Hallo Stephan,
Mein Name ist Claus Meißner, ich bin Bauingenieur und betreibe ein Büro in Kassel.
Da hier zu den Themen Baugenehmigung und Dekmalschutz schon das wichtigst gesagt wurde und der bauliche Zustand nur durch eine Begehung inklusive Feuchtemessung am Ständerwerk beurteilt werden kann, möchte ich mich hierzu nicht weiter äußern.
Zu den Bleirohren kann ich dir nur empfehlen, daß du eine Analyse der Schadstoffe im Trinkwasser durchführen läßt.
Versuchs mal beim " Göttinger Umwelt-Labor e.V."
Anschrift: GUL
Bertheaustraße 14
37075 Göttingen
Tel.0551-376527
Fax.0551-376585

P.S. Wenn weitere Fragen auftreten kannst Du mich gern unter der Nummer 0561-7664769 anrufen




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