Funktion des Mittelbalkens im Dachgeschoss ? Entnehmen ???

03.06.2007



Hallo, folgende Beschreibung des Problems:
Im Dachgeschoss unseres Fachwerkhäusechens läuft in einer Höhe von 180 cm ein etwa 30 x 30 cm und sieben Meter langer Balken. An diesem Balken liegen Querhözer auf, die die gegenüberliegenden Sparren verbinden. Der Mittelbalken liegt jeweils am vorderen und am hinteren Giebel auf sowie ist einmal in der Mitte durch einen Balken unterstützt.

Wir haben letztens das Dach neu machen lassen. Hierbei wurden die Sparren aufgedoppelt und in der Spitze ebenfalls mit Querhölzer verbunden (gegenüberliegen Sparren). Die alten Querhölzer waren teilweise schon weg und sollen nun ganz weg.
Frage: Welche Aufgabe hat nun der Mittelbalken ?? Kann man diesen evtl. auch entfernen bzw. diesen ersetzen indem man je Dachseite einen 2 Balken (180 x 70 mm) einzieht. Diese sollten von Giebel zu Giebel laufen und an den einzelnen Sparren befestigt werden.

Gern würden wir den Mittelbalken entfernen. Danke für eure Info

Gruß
Alex



Tragwerksplaner



Guten Tag, Sie sollten unbedingt einen Tragwerksplaner (Statiker) hinzuziehen. So wie Sie es beschreiben handelt es sich um das Rähm eines einfach stehenden Kehlbalkendachstuhls (auch Kippstuhl genannt). Da muss ein Fachmann rechnen bevor irgendwass verändert wird.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Zimmerermeister



Hallo,
ein Tragwerksplaner oder Statiker ist hier nicht von Nöten. Wenden Sie sich an einen erfahrenen Zimmerermeister oder Restaurator im Zimmererhandwerk. Der wird auch nicht lange rechnen müssen, sondern sagt Ihnen mit einem Blick, ob Sie den Balken entfernen können oder nicht. Aber ohne vorort in Augenschein zu nehmen, ist eine Beurteilung nicht möglich.
Beste Grüsse
Wilfried Plum
Meister und Restaurator
im Zimmererhandwerk





"Der wird auch nicht lange rechnen müssen, sondern sagt Ihnen mit einem Blick, ob Sie den Balken entfernen können oder nicht."
Ziemlich gewagt die These. Ich kann mir ganz gut Vorstellen, das Lastabtrag und Weiterleitung an einem, vielleicht auch mehrfach, verändertem Dach nicht mehr auf den ersten Blick zu begreifen ist. Schon gar nicht wenn ich lese das der nutzlose Balken von 30/30 mit einem 180/70(?) ersetzt werden soll. Auch nicht vom Zimmermeister.
So wie ich das lese sollen hier die Mittelpfetten herausgeschnitten werden!

"Aber ohne vorort in Augenschein zu nehmen, ist eine Beurteilung nicht möglich."
Das stimme ich allerdings zu.





Nach 30 Jahren Erfahrung in der Fachwerkrestaurierung wage ich zu behaupten, dass ich (und die meisten erfahrenen Zimmerer auch)sehr wohl das Zusammenspiel und das Gefüge eines Fachwerkhauses und eines Dachstuhls erkennen kann, auch wenn das für einige Leuten unwahrscheinlich klingen magt. Und es gibt nun mal Handwerker, die nicht unbedingt ihren Computer anwerfen müssen und (für den Laien)komplizierte Berechnungen anstellen, nur um zu erklären, dass der Unterzug, von dem hier ohne Zweifel die Rede ist, entfernbar ist oder nicht. Selbstverständlich wären in dem hier beschriebenen Fall noch weitergreifende Maßnahmen zu ergreifen und zu tätigen. Aber darum geht es m. E. nicht, denn die Frage lautete: "Kann ich den Balken entfernen oder nicht?" Und das könnte nach 10 Minuten beantwortet werden, vorausgesetzt, der Dachstuhl ist einsehbar. Selbstverständlich können die anfallenden Lasten auch anders abgetragen werden, nur müsste dies vor Ort geklärt werden. Und 2 Mittelpfetten von 7 x 18 cm erscheinen mir etwas schwach dimensioniert. Aber da hier keine Spannweiten angegeben werden, ist reine Spekulation wohl fehl am Platze.

Beste Grüsse
Wilfried Plum



...ist reine Spekulation wohl fehl am Platze.



Und genau deswegen wehre ich dagegen dem Laien zu suggerieren es wäre im ganzen ein Leichtes.
Es ist nicht gerade so, dass ich auf dem Gebiet gänzlich keine Vorbildung hätte, sowohl als Handwerker als auch als Computeranwerfer :).
Nix für ungut, aber wenn ich so etwas lese klingeln bei mir die Alarmglocken.





Hallo die Herren, bitte keine Unstimmigkeiten hierzu !
Ich werde es auf jeden Fall von meinem Zimmermannsmeister prüfen und ändern lassen. Aber trotzdem noch folgendes zur Ergänzung:
Das Haus ist rund 5,8 Meter breit, dass Dach vom Dachboden bis in die Giebelspitze etwa 4 Meter hoch. Die alten Eichesparren sind 110 x 90 mm und wurden seitlich durch 160 x 70 mm aufgedoppelt. Anstatt der bisherigen Bieberschwanzziegeln liegt nun eine Doppelmuldenpfanne auf dem Dach (natürlich mit Lattung und Konterlattung).

MfG
A. Kaul