Aufbau Decke wenn alles alte Materialien verwendet werden sollen

10.05.2007



Hallo liebe Community-Mitglieder,

ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht weiter weiss. Manchmal sollte man einfach nicht zu neugierig sein.
Im Schlafzimmer meines alten Bauernhauses rieselte aus kleinen Löchern in der verputzten Decke einiges an undefinierbaren Kleinteilen auf mich herab. Kurz entschlossen habe ich die Decke von unten her aufgeräumt. Putz ab, Schilfmatten runter, Bretter raus (wahrscheinlich nennt man sie
Rauhspund-Bretter (also ziemlich sägerauhe Holzbretter, die mit hunderten von Nägeln besetzt waren, eine Wolke von
Sand und vertrockneten Mäuseleichen kam mir entgegen)und ich sah
schöne stabile Deckenbalken. Mein erster Gedanke ging in die Richtung, diese schönen Balken zu lasieren und sichtbar zu belassen. Von diesem Gedanken bin ich aber
ganz schnell abgekommen, als ich den darüber liegenden
Raum betrat und ich jeden Atemzug des unten stehenden
Schornsteinfegers hören konnte - es war geradezu so, als
stünde er neben mir. Das Zimmer über dem Schlafzimmer
soll ebenfalls ein Schlafraum werden und jeder kann sicherlich nachvollziehen, dass bei dieser Hellhörigkeit diese Idee wohl unwiderbringlich ad acta gelegt werden muss.

Ich habe jetzt Deckenbalken ca. 60 cm Abstand - wunderschön, keine Schädlinge, wunderbar trocken, mit leichten Rissen (aber das scheint doch normal zu sein), die oben mit Holzdielen belegt sind und nicht mehr. Eigentlich ein idealer Aufbau für einen Neuanfang, der aber nicht neu sein soll. Ich lege allergrössten Wert auf Baumaterialien, die nicht aus Massenproduktion stammen - also keine verleimten Platten, Mineralwolle oder ähnliches,
sondern dem ursprünglichen Baujahr des Hauses (1900)entsprechen. Den Sand habe ich natürlich wegen der Mäuseleichen entsorgt - ich nehme an, dass er auch das Material war, welches mir auf mein Haupt gerieselt ist, wenn ich schlief.

Welcher Aufbau wäre empfehlenswert, ohne dass zukünftig der oben Schlafende die Aktionen der unten Schlafenden
hautnah verfolgen kann. Mehr Material als oben beschrieben war in der Decke nicht drin - die hier im Forum vielfach
vertretene These, dass Masse Schallschutz bringt stimmt
sicherlich physikalisch - aber wie bekomme ich den Sdchallschutz (die Masse) in die Decke?

Vielen Dank im voraus für alle Antworten, die mir weiterhelfen können



Hallo Karola,



Steht auf den Dielen noch Aufbauhöhe zur Verfügung, z.B. ca. 6,5cm für einen entkoppelten Aufbau mit neuer Dielung?
Damit wäre der Trittschall in den Griff zu bekommen (was mit Masse pur nicht zu meistern ist).

Grüße

Thomas



Masse statt Klasse?



Hallo Thomas,

vielen Dank für Deine Antwort.

6,5 cm Aufbauhöhe in dem im 1. OG gelegenen Zimmer würde einen dementsprechenden Absatz im Türanschlussbereich bedeuten. Ist ein bisschen viel.Wir sind alles keine jungen "Spunde" mehr - im Zimmer unten drunter wäre aber noch jede Menge Platz im Deckenbereich (da wo ich leichtsinnigerweise alles rausgerissen habe) Deckenhöhe über 3 m. Gibt es dafür eine Alternative?

Beste Gruesse Karola



aller Segen kommt von Oben



Guten Morgen,
Masse bekommt fast nur von Oben in eine Decke, also alte Dielen wenn noch i.O. vorsichtig ausbauen.
Zwischen die Balken Bretter, drauf ein Rieselschutz und dann nach Lust und Laune oder Geld QuarzSand oder Lehm
rein.
MbG
U.Zipfel



Aufbau Decke mit alten Materialien



Hallo Karola,
wenn es wegen der Höhe von oben nicht geht, kann eine Verbesserung der Schallschutzeigenschaften nur noch an der Unterseite erzielt werden. Der Vorschlag von U. Zipfel wird wohl nichts bringen, denn bei einer Einschubdecke, um die es sich hier sicher handelt,ist bereits eine Deckenfüllung vorhanden. Falls sie von irgend einem Heimwerker unsinnigerweise ausgebaut wurde, würdest Du von unten auf die Dielung schauen können. Dann muß natürlich der Einschub und die Füllung wieder eingebaut werden.
Ansonsten muß die Deckenunterseite entweder wieder wie vorher aufgebaut werden, also Sparschalung, Schilfrohr und Gips/Kalkputz oder sie erhält eine Unterhangdecke aus Gipskarton, die ein verbesserte Schalldämmung bewirkt.
Eine Decke putzen ist für Laien nicht ratsam, eine Trockenbaudecke ist in Eigenleistung machbar.



Das Problem ist die Schallübertragung



von Dielen und Balken an die Wände. Das kann man mit abgehängter Decke nicht verhindern.

Kompromiss: Wie schon vorgeschlagen Herstellen eines neuen Einschubes. Wenn es die Balkenhöhe zulässt (wie hoch?), könnte der untere Balkenteil durchaus sichtbar bleiben und der Einschub als Sichteinschub ausgeführte werden. In den Einschub eher keinen Lehm (Der ist beim Einbau i.d.R. zu feucht, und es gibt kein zertiziertes Verfahren festzustellen, wann der Lehm so weit heruntergetrocknet ist, daß er mit einer Dielung belegt werden darf), sondern trockne Lehmsteine bzw. Grünlinge auf Rieselschutz, zur Balkenoberkante abgezogen mit Liapor oder Trockenlehmputz.

Auf die Balken kann ggf. nivelliert, dann sollten noch Streifen aus Holzweichfaserplatte (8-15mm) gelegt werden.

Jetzt kann die alte oder eine neue Dielung verlegt werden, direkt auf die Balken geschraubt.

Das bringt nicht den optimalen Schallschutz, aber im Einfamilienhaus annehmbare Ergebnisse.

Grüße

Thomas



Hallo U. Zipfel,



vielen Dank für Ihre Antwort,

so habe ich mir das schon gedacht - schöne 5,50 m lange Eichen-Dielenbretter hochnehmen - alles in mir sträubt sich dagegen, da der Dielenboden im OG noch 100 % in Ordnung ist - muesste nur geölt/gewachst werden. Wenn es keine andere
Möglichkeit gibt, bleibt mir wohl nichts anderes übrig.
Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf eine alternative Lösung zu finden. Deshalb noch meine Fragen:

Die Holzbretter zwischen den Balken könnte man vielleicht auch von unten anbringen - den Rieselschutz ebenfalls von unten unter den Balken befestigen und dann mit einer Holzverkleidung verdecken???. Könnte man den Quarzsand in den Zwischenraum einblasen - so dass nur 1 oder 2 Dielenbretter herausgenommen werden müssten - und wenn möglich, wie könnte man das bewerkstelligen? Welches Material sollte als Rieselschutz genommen werden, wenn es keine Folie sein soll?

Ich weiss, ich habe tausend Fragen - aber ich bin auf der Suche nach einer Alternative, die das Aufheben der Dielenbretter vermeiden kann.

Mit allerbesten Gruessen Karola



Von unten statt von oben



Liebe Community-Mitglieder,

vielen Dank für Eure Inputs. Wenn ich es richtig verstehe, geht es auch von unten, indem ich wieder einen neuen Einschub
herstelle. Georg, der Heimwerker, der unsinnigerweise den Deckenaufbau herausgerissen hat - war ich !! Wewnn ich unten stehe und nach oben schaue, sehe ich Licht, nämlich das Licht aus dem oberen Raum durch die Dielenritzen.

Wenn ich jetzt von unten wieder aufbaue, dann würde ich zuerst eine Sparschalung zwischen den Balken anbringen mit
einem Zwischenraum zur obigen Dielung. Welches Material
könnte in diesen Zwischenraum eingebracht werden, um den
Schallschutz zu verbessern? Die Idee mit dem Quarzsand hat mir gut gefallen - ist der von oben einblasbar und wie verteilt man ihn so, dass keine Probleme durch nicht ausgewogene Deckenbelastung auftreten? welches trockene nichtbrennbare Material könnte man ansonsten hierfür verwenden? Rieselschutz wie und wo - balkenübergreifend -
also komplett unter den Balken, damit wäre der Ansatz "sichtbare Deckenbalken" vom Tisch ? oder Rieselschutz nur
zwischen den Balken - welches Material ökologisch empfehlenswert aber nicht brennbar?

Die Idee mit Gipskartonplatten zwischen den Balken - so dass
Deckenbalken sichtbar bleiben können - wäre optimal für mich
als Heimwerkerin.

Beste Gruesse Karola



aller Segen kommt von Oben



Hallo Karola,
1.Rieselschutz:Wellpappe, Malerabdeckpappe(gibt es von der Rolle) und kostet nicht die Welt
Beides als "U" zwischen die Balken und ca. 15-20 cm überlappen.
2.Quarzsand einblasen wird glaube ich etwas schwierig wegen der "Masse".
3. wenn Aufbau von Unten, dann würde ich als Einschubbretter trockenen Rauhstunt nehmen, da spart man sich den Rieselschutz
4. wenn du schonmal 2 Dielenbretter rausnimmst, dann geht der rest etwas einfacher und man kann dem Boden wieder eine gute Spannung verpassen, vermindert auch das Schwingen.
5. der Anfang ist mehr ein chirugischer Eingriff, bei den ersten Dielen die Nägel von oben durchschlagen und die Dielen vorsichtig raushebeln.Ab der 3. Diele mit dem Kuhfuß anheben (mit Gefühl) Klotz drauf und Diele wieder runterschlagen dann sollten die Nägel mit Dem Kuhfuß zugreifen sein Brettchen unter den Kußfuß und soweiter...
nur Mut das wird schon.

Mit besten Grüßen
Uwe



aller Segen kommt von Oben



Nochmal Hallo,
wenn du schon Licht durch deine Dielen siehst,dann nimm sie alle raus und besorge dir gleich noch ein oder besser zwei
neue Alte, weil der Boden beim Neuverlegen um einiges kleiner wird.
Gruß Uwe



Wie wäre es



mit Lehmwickeln? Die kann man leicht selbst herstellen, können von unten eingebaut und mit Lehmputz auch problemlos selbst verputzt werden - das gibt dann eine etwas buckelige Oberfläche, was sicherlich besser zur rustikalen Ansicht des Holzes passt, meine ich. Der Aufwand wird sich in Grenzen halten und die Dielen können drinn bleiben - würde fast wetten, daß beim Ausbau wenigstens die Hälfte Schaden nimmt ...