Holzbalkendecke

23.07.2014 mruehrig



Hallo, ich hab mir vor kurzen ein Sandteinhaus (um 1820) gekauft und habe eine paar erste Fragen zur Renovierung.
Da der Fussboden in OG etwas durchhängt, habe ich jetzt mal die Decke von unten stückweise an der Wand geöffnet auf der die die Querbalken aufliegen. Der Befund ist soweit folgender: Es handelt sich (war klar) um eine Holzbalkendecke, die Holzbalken haben eine Breite von ca. 15 cm. Von unten sind auf die Holzbalken Rechteckige dünne Schwarten mit ca 10 mm Abstand genagelt. Auf den Schwarten liegt einen Schicht aus Lehm/Stroh Gemisch. Von unten sind die Schwarten (wohl mit Kalkputz) verputzt. Frage zum Verständnis der alten Techniken: Wie hat man den Lehm eingebracht? -Erst die Schwarten aufgenagelt und dann den Lehm von oben draufgepackt?
Wenn ich diesen Unterbau entferne, kommt die nächste Ebene. Diese besteht auf ca 20 cm breiten Brettern, die ca. 10 cm oberhalb der Unterkante Holzbalken quer zu diesen liegen. Von unten sehe ich keine Längsleisten, auf denen die Bretter aufliegen (wie ich es von einem Fehlboden erwartet hätte) sondern die Bretter scheinen in Nuten eingeschoben zu sein. Ob das so ist, kann ich von unten nicht erkennen, die Bretter liegen aber absolut eben auf und Nuten sind keine zu erkennen. Auch seitlich keine Anspitzungen an den Brettern.
Als nächstes werde ich die Decke wohl mal von oben probeweise öffnen. Ich vermute auf den Querbrettern ist auch noch mal einen Schüttung.

Positives Ergebnis der ersten Sondierung war, dass die Balken nicht feucht waren, wo sie in der Außenmauer liegen. ich hatte Bedenken, weil die Decke von oben stark durchhängt. Im EG ist innen vor die Sandsteinaußenwand eine Ziegelwand (aus ca. 8 cm starken aufgestellten Tonziegeln) gemauert. Dazwischen ist ein Hohlraum. Die Vormauerung geht vom Boden bis unter den Putz der Decke und wurde offensichtlich später eingebracht. Putz und Lattung reichen bis an die Außenwand. Ich hatte Bedenken, dass durch Konvektion im Raum hinter den Ziegeln die Balkenauflager durch Feuchte angegriffen sind. Dem scheint nicht so zu sein.
Ein besseres Bild bekomme ich sicher erst, wenn ich ganze Decke und die Außenwände freigelegt habe. Ich habe auch einen befreundeten Architekten, der mir mit Tipps und Ratschlägen zur Seite steht. Im Moment bin ich noch bei eigenen Vorüberlegungen und Planungen.
Ich habe als nächstes vor, die Vormauerung zu entfernen und den Deckenunterbau runter zu reißen. Geplant ist, die Außenmauern mit Holzweichfaserplatten oder evtl. Multipor) innen zu dämmen, die schönen alten Balken würde ich gerne von unten sichtbar lassen und auf die Fachung von unten zwischen die Balken Gipskarton kaschierte Hartfaserplatten (zur Wärmedämmung zu schrauben Das unten eingesparte Gewicht (Putz, Lehm, Holz) würde ich zur Trittschalldämmung oben auf die Decke packen (z.B. als Split oder als mineralisches Dämmgranulat und darauf schwimmend auf einer Holzunterkonstruktion die alten (aufgearbeiteten) Dielen auslegen.
Fragen die ich habe:

1) Kann mir jemand mehr über den ursprünglichen Aufbau der Holzbalkendecke sagen - wie wurde der Lehm eingebracht, wie sind die Querbretter/Fachung) befestigt.
2) Sollte die Innendämmung im Bereich der Zwischendecke bis über die Balken ausgeführt werden oder nur soweit, dass die Balken bzw. Auflager noch von Luft umspült werden. Die Balkenlager habe ich noch nicht genauer untersuchen können. Ich habe vor diese mit Hanf auszustopfen. Sollten die Balken im Bereich der Dämmung behandelt werden. Die Stirnflächen die wohl kritischsten Stellen sind ja nicht zugänglich.
3) Sollte ich die Schüttung oberhalb der Fachung ebenfalls entfernen und durch neues Material ersetzen. Spricht etwas dagegen, zusätzliches Material von oben einzubringen bis die Balken überdeckt sind und auf diese Ausgleichsschüttung den Fussboden( z.B. Trockenestrich oder Dielenboden) schwimmend zu verlegen. Ich denke, so könnte ich das Gesamtgewicht der Decke ungefähr so einstellen wie vorher. D.h. statisch sollte es keine Probleme geben) Durch den schwimmenden Aufbau erhoffe ich mir eine bessere Trittschaldämmung als derzeit, wo die Dielen direkt von oben auf die Balken genagelt sind. Außerdem könnte ich damit den etwas durchhängende Boden im OG relativ einfach nivellieren. Durch die Schüttung und die Platten in den Fachungen von unten erwarte ich auch eine bessere Wärmedämmung.
4) Ist irgendwo eine Dampfbremse einzuziehen oder sollte der Boden durchgängig diffusionsoffen sein. Statt der Gipskaschierung, die mir derzeit am praktikabelsten erscheint könnte ich die HWF Platten auch mit einem dünnen Kalk oder Lehmputz versehen.





schaust Du hier

http://www.holzfragen.de/seiten/holzbalkendecken.html



Holzbalkendecke



Danke, die Seite hatte auch Google schon gefunden. Allerdings scheint da mein Deckenaufbau nicht dabei zu sein.. Bei mir befindet sich das Lehm/Strohgemisch auf derjenigen Lattenlage, an der von unten die Putzschicht aufgebracht ist. Das finde ich bei keinem der Beispiele. Über der Lehmschicht kommt ein Hohlraum, und dann die Querbretter zwischen den Balken. Dass die seitlich so eingekeilt sind bezweifle ich fast, da ich keine Anspitzung bzw. Rundung sehe. Wie werden die da eingeschoben? Kann ja nur von der Deckenmitte nacheinander nach außen geschoben werden. Von unten sieht die Nut (wenns denn eine ist) absolut passgenau aus. Gab's denn um 1820 schon Maschinen, die so perfekte Nuten Fräsen konnten. Sieht auf jeden Fall nicht aus, als wärs von Hand gehauen. absolut perfekter Sitz.
Endgültig weiss ich wohl erst Bescheid, wenn ich den Fehlboden von oben inspiziert habe und die Balken bis zum mittigen Auflagebalken freigelegt habe. Dann sehe ich ja auch, ob oben auf dem Fehlboden auch noch mal Lehm ist..





Könnte es nicht sein, dass die Schüttung aus dem oberen, bis jetzt nicht geöffneten Fach, über die Jahre einfach nur in das untere Fach durch gerieselt ist?

Auch in unserem Haus (allerdings Fachwerk) gab es abschnittweise eine solche vorgesetzte Wand, die sicher nicht original war. Die seinerzeitigen Umbaumaßnahmen sind in den zwanziger Jahren erfolgt, meines Wissens hat man damals auch bei Neubauten ähnliche Vorsatzschalen zum Zwecke der Dämmung errichtet.

Solange der Luftspalt trocken ist, insbesondere am Wandfuß, würde ich mir ernsthaft überlegen, ob die innen-Wand tatsächlich abgerissen werden muss. in unserem Falle hatte allerdings diese Bauweise dazu beigetragen dass der Schwellbalken nahezu überall ersetzt werden musste. Auch wenn der Luftspalt zum Zeitpunkt der Sanierung augenscheinlich trocken war.
Bei einer Sandsteinaußenwand dürfte das Risiko aber gering sein.
Bisweilen war hier schon diskutiert worden, einen solchen Zwischenraum mit einer Schüttung aufzufüllen oder ausblasen zu lassen. Dabei ist entscheidend, ob es überhaupt möglich ist eine solche Füllung Hohlraum frei einzubringen.

Die Antwort auf die Frage zwei hängt im Wesentlichen davon ab wie die zukünftige Decke geplant ist. Ich persönlich würde eine Konstruktion, bei der die Balken eine Dämmebene nach außen durchstoßen für risikoreich halten.

Zu Frage drei würde ich spontan sagen, dass die Schüttung eigentlich da bleiben sollte wo sie ist. Die Frage, ob die Decke an der Ober- oder Unterseite begradigt werden muss, hängt (unabhängig vom Vorliegen echter Schäden, die dann aber wohl anders behoben werden müssen) eigentlich nur von subjektiven Vorstellungen ab.
Wie man das dann macht, hängt wiederum vom geplanten Fußboden ab. Das wird bei Trockenestrich sicher anders ausgeführt als bei Dielenboden.

Da der Trittschall bei der Frage offenbar eine Rolle spielt, handelt es sich oben und unten wohl um dauerhaft genutzte -also beheizte- Räume. Da kommt ein Kondensat Problem nicht vor, daher wäre eine Dampfsperre eigentlich überflüssig.

Das mit den graden Nuten in Handarbeit halte ich für absolut möglich. Man betrachte mal die Handwerkliche Qualität von Möbeln aus dieser Zeit!

Ein Haus das fast 200 Jahre überdauert hat, benötigt m.E. Verbesserungen nach der Maßgabe:
so wenig wie möglich und nur soviel wie unbedingt notwendig.

Viel Freude wünscht G