Abdichtung Balkendurchgänge an Außenmauer?

14.04.2009



Hallo Zusammen,

mich beschäftigt derzeit eine für mich interessante Frage:
Die Geschossdecke in meinem Altbau ist eine Fehlbodendecke (mit Lehmschüttung).
Die Balken der Decke durchstoßen die Außenmauer (von Außen noch nicht gedämmt und ohne Putz) und enden bündig mit der Fassade. Das Ausmauern zwischen den einzelnen Balken erfolgte früher (ca. 1945) nicht so genau und mit einem Mörtel, der wohl nur aus Wasser und Sand bestand.
Müssen die Balkendurchführungen Dampfdiffusionsdicht abgedichtet werden? Wenn ja, wie?
Ich befürchte evtl. ein Verrotten der Balkenköpfe durch Kondenswasser im Mauerwerk (Taupunkt).

Folgende Info zum Haus:
Neues Dach mit Dämmung und Dampfsperre. Neue Fenster. 24er Außenmauer aus Tuffstein. direkt auf den Balken Ringanker aus Beton. Als Trennschicht zw. Beton und Balken -> Styropor.

Vielen Dank schon mal für Eure qualifizierten Ratschläge.

mfg





Schnulli, wenn du die Balkenköpfe diffusionsdicht abdichtest, wie du das geschrieben hast, wird genau das eintreten was du eigentlich verhindern möchtest und das 50Jahre lang nicht eintrat. Die Balkenköpfe werden verfaulen weil die Feuchtigkeit dann nicht mehr entweichen kann.

Gruß JHS



Abdichtung Balkendurchgänge an Außenmauer?



Hallo Jens,

damit hast Du sicher recht. Nur war das gesamte Haus noch vor einigen Jahren komplett diffusionsoffen. Durch eine komplette Renovierung/Sanierung des Gebäudes (auch im energetischen Sinn) werden nun schließlich die "Öffnungen" geschlossen (Dach, Fenster, etc.)

Meinem Verständnis nach käme auch nur eine Abdichtung auf der Innenseite in Frage, damit der Dampf gar nicht erst nach außen dringen und im Mauerwerk kondensieren kann.
Deshalb meine Frage:
Bei der Abdichtung des Hauses geht es doch vor allen Dingen um den entweichenden Dampf, welcher die Bauschäden durch Diffusion und Kondensatbildung verursacht.
Demnach müßten doch eigentlich auch die Durchdringungen der Balken an der Außenmauer dampfdiffusionsdicht geschlossen werden um ein faulen der Balkenköpfe zu verhindern, zumal durch die dichtere Bauweise nun mit einem höheren Dampfaufkommen zu rechnen ist?
Sehe ich das falsch?

Viele Grüße





Nicht zu Kompliziert denken.
Dein Mauerwerk kommt sehr gut mit feuchtigkeit zurecht solang es sich um normale Belastungen handelt.
Die Dinge werden erst Kompliziert wenn ohne Verstand begonnen wird zu dämmen meist auchnoch von innen mit Styropor etc. Dann wird entweder die Diffusion zu stark behindert, der Taupunkt nach innen geholt bzw. das Klima des Steines so nachhaltig gestört das dem nurnoch der dauerfeuchte Zustand bleibt.
Ich konnte bisher nix lesen das da ein WDVS an der Wand ist. Was du mit dem Dach machst ist für die Wand irrelevant.



Abdichtung Balkendurchgänge



Für mich klingt das alles ziemlich grauslig.
Deckenbalken wurden und werden nie! im Massivbau durch die Außenwand geführt.
Sie liegen innen auf einer Mauerlatte oder einem Auflager von einem halben Stein Tiefe auf.
So ist das Hirnholz des Balkenkopfes vor Bewitterung geschützt und das Balkenauflager ist ein Gelenklager.
Sie haben eine Einspannung- statisch ein anderes System.
Üblich waren und sind bei Balkendecken Verankerungen, die in Form von Kopfbändern die Verbindung zwischen Decke und Wand sichern.
Die Bänder wurden auf die Hirnhölzer der Balken aufgenagelt.
Diese Begrenzung der Knicklängen von Außenwänden sind üblich, seit der Mathematiker Leonard Euler vor ein paar hundert Jahren dazu die theoretischen Grundlagen entwickelt hat.
Deshalb ist der Ringanker aus Beton darüber eigentlich unsinnig.
Vor allem durch die Trennschicht aus Styropor, die eine Übertragung von Querkräften durch Reibung behindert.
Sinn macht diese Konstruktion nur, wenn es kein Ringanker sondern ein Ringbalken ist.
Deshalb würde mich interessieren, was es denn nun mit diesem Bauteil genau auf sich hat bzw. was sein Zweck ist.
Das Problem mit den herausstehenden Köpfen hätte man übrigens beim Bau dieses Balkens billig und unkompliziert durch Einkürzen und neu ummauern mit lösen können- wieso eigentlich nicht?

Viele Grüße



Bilder wären nicht schlecht,



das man sich mal ein Bild machen kann.

Grüsse



Bilder der Balkendurchgänge



Hallo Zusammen,

vielen Dank schon mal für die rege Beteiligung.

Hier ein paar Bilder zur Verdeutlichung des Problems.

Zur Info:
Das Haus soll irgend wann einmal von außen gedämmt werden.
Eine Dämmung von innen ist keinesfalls angedacht. Es geht darum, ob an den Balkendurchgängen von innen eine Dampfsperre angebracht werden muß, um ein faulen der Balkenköpfe zu vermeiden?

Viele Grüße



Autsch.



Hallo Schnulli,

das sieht erst mal gar nicht gut auf Deinen Bildern aus. Wenn Dein Anschlusspunkt Dach-Ringanker-Mauerwerk mit hervorstehenden Balkenköpfen nicht 120%-ig sauber gelöst werden ist das Ende der Balkenköpfe => Balken bereits zu abzusehen.

Hier liegen in dichter Nachbarschaft: Holz, Beton, Styropor, Vollziegel, Poroton und Gasbeton – alle in nahezu einem Bauteil. Das muss so belassen zum Tauwasserausfall kommen.

Ohne eine gute Konzeption der Fassade führt das zum GAU. Das eingeschäumte Fenster ist ein eigenes Thema.

Da anscheinend das Dach erhöht wurde werden ja jeweils Planer für Genehmigung, Statik und Wärmebedarf usw. mit im Spiel sein. Was sagen die denn dazu?

bauchschmerzlichst grüßt aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer

P.S.: Letztlich wäre möglicherweise die viel zu selten angewandte Theorie des Prof. Dr. Sack umzusetzen.



Balkendurchgänge



Hallo Christoph,

für den Umbau des Hauses gibt es lediglich eine Genehmigungsplanung. Ansonsten wurde alles mit Hilfe eines Bauarbeiters aus der Familie durchgeführt.
Da geht dann natürlich alles ruckzuck und nach dem Motto: "Das haben wir schon immer so gemacht", sodaß man als völlig unbedarfter immer hinterher hinkt. In der momentanen Baupause habe ich mich mal ein wenig schlau gemacht, was Wärmedämmung und Feuchtigkeit am Bau betrifft. Deshalb ja auch meine Frage.

Nun bin ich allerdings total verunsichert.
Ist es also mit einer innenseitigen Dampfsperre an den Balkendurchgängen nicht getan?
Außenseitig ist - je nach Geldbörsenlage - irgendwann mal eine Dämmung mit folgendem Aufbau geplant:
- Glas- bzw. Steinwolle
- diffusionsoffene Unterspannbahn
- Luftzirkulationsschicht
- Holzverkleidung

Könnte das so funktionieren, oder sind kostspielige Maßnahmen nötig um das Problem zu lösen?



Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint"



Nein, damit ist es nicht getan, eher im Gegenteil.

Es gibt einmal Feuchte im Innenraum die in die Konstruktion gelangen kann, zum anderen ist aber gerade am Bauteil Ringanker/-balken, Fenstersturtz etc. mit Kondenswasserausfall zu rechnen. Die Fassade sollte bald ausgeführt werden. Es ist aber damit nicht genüge getan einfach Glaswolle an die Wand zu tackern, dass muss berechnet werden. Von der Glaswolle mal abgesehen.

Besorge Dir ganz ganz dringend jemanden der sich das ansieht. Hier ist neben der Altbauerfahrung auch eine Bauvorlageberechtigung erforderlich, denn da gibt es noch ein ganz anderes Problem:

Mit Baubeginn wird eine sogenannte "Baubeginnsanzeige" fällig. Wenn diese nicht erfolgt wird die genehmigende Behörde die Akte nach einer Wartefrist (in Hessen 3 Jahre) der Entsorgung zuführen und trotz der gültigen Genehmigung wäre ein Schwarzbau entstanden.

Der Baubeginn ohne rechtzeitig erfolgte Anzeige ist glaube ich bereits eine Ordnungswidrigkeit.

Besonnenheit ist erst einmal gefragt.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Abdichtung Balkendurchgänge



Langsam lichtet sich der Nebel,
aber besser wird es deshalb auch nicht.
Mit Verwandten bauen ist so eine Sache, Kritik kann man da nur schwer äußern.

Ich kann nur vermuten, das die Deckenbalken einmal über die Außenwand ausgekragt haben und ein Sparrendach trugen. Durch die Auskragung, die mit einem Traufkasten verkleidet war, ergab sich ein größerer Dachüberestand.
Das die Balken nachträglich abgesägt wurden, sieht man an den unterschiedlichen Schnitten.
Die Mauerlatte bzw. der Rähm, der als Auflager diente, ist wahrscheinlich das Holz über dem Sturz.
Falls meine Vermutung stimmt, frage ich mich, worauf der riesige Ringbalken denn traufseitig aufliegt. Ich hoffe nicht nur auf den Deckenbalken, kann aber nichts anderes als Auflage auf den Fotos erkennen.

Was kann man zu dieser ungewöhnlichen Bauweise sagen:

1. Der Ringbalken wird sich traufseitig verformen. Die Risse werden aber bei der geplanten Vorhangfassade außen keine Rolle spielen.

2. Auch über dem neuen Fenster werden sich Verformungen ergeben, da der Rähm bzw. die Mauerlatte allein die Last aus den Balken nicht tragen kann. Der neue Sturz ist nicht geeignet, Punktlasten aufzunehmen.

3. Die Einbausituation des Fensters sollte geändert werden.

4. Kondenswassereintrag an den Deckenbalken wird nicht eintreten. Die Gefährdung liegt an den Ringbalken, die trotz der vorgestellten Heraklithplatte eine höhere Wärmeleitfähigkeit als das Holz der Balken und das Mauerwerk haben. Hier kann Kondensat ausfallen und auf die Balkenoberseiten gelangen.
5. Es besteht die Gefährdung der Hirnhölzer der Deckenbalken durch Bewitterung. Da sie gleich unter dem Dachüberstand liegen und später einmal verkleidet werden sollen, spielt das aber keine große Rolle.

Viele Grüße



Balkendurchgänge



Hallo Zusammen,

zu Christoph Kornmayer:
natürlich ist eine Baubeginnanzeige erfolgt!

zu Georg Böttcher:
Die angestellten Vermutungen Stimmen.
Der Ringbalken wurde über die Deckenbalken (mit Zwischenlage aus Styropor) und deren Ausmauerung gegossen, so daß er lastmäßig eigentlich nicht nur auf den Deckenbalken aufliegt. Der Ringbalken wurd natürlich auch mit reichlich Stahl bewährt (Korbgeflecht mit eingebundenen Einzelstählen).Das mit der angesprochenen Verformung des Ringbalkens bzw. des Fenstersturzes verstehe ich deshalb nicht ganz.
Wäre aus Ihrer Sicht eine Kondenswasserbildung durch ein Anbringen einer Dampfsperre um die Balkendurchgänge (innenseitig) abwendbar?

Vielen Dank nochmal für die rege teilnahme an der Diskussion.

Viele Grüße



Abdichtung Balkendurchgänge



Hallo Schnulli,
Sie schreiben in Ihrer Frage selber, das sich im Bakenzwischenraum nicht besonders tragfähiges Material befindet. Das war auch in Ordnung, früher brauchten nur die Lücken zwischen den Balken irgendwie ausgefüllt werden, da die Sparren die Dachlast trugen.
Und die saßen auf den Deckenbalken.
Also liegt dieses Riesentrumm von Betonbalken, auf dem auch noch die Fußpfette des neuen Pfettendaches liegt, praktisch nur auf der bröseligen Ausmauerung und den Deckenbalken auf.
Die Deckenbalken liegen nur vorn auf der Mauerlatte auf, der Betonbalken auf den Deckenbalken. Es wird sich also das Holz unter der Last verformen, da auf der Ausmauerung ja eine weiche, verformbare Schaum-PS Platte liegt. Dazu kommen noch Kriech- und Schrumpfspannungen, die sich beim Erhärten des Betons ergeben.
Wie der Balken am Giebel aufgelagert und über Eck geführt wird ist nicht ersichtlich, aber schon hier wird es reißen, da am Giebel sicher eine andere Auflagersituation herrscht.
Auf den Fenstersturz drückt die Last der beiden Deckenbalken und die Auflast aus dem darüberliegenden Betonbalken. Das macht weder der Sturz noch die Mauerlatte ohne Veformung mit.
Die Kondenswasserbildung am Balken kann man mit zusätzlicher Dämmung und einer inneren Dampfsperre vor dem Teil sichern, aber nicht überall, wie z.B. an der Unterseite.

Viele Grüße



Balkendurchgänge



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für ihre Erklärung. Jetzt habe ich das auch verstanden.

Hätten Sie einen Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise, was die Kondenswasserbildung angeht?
Wie könnte denn eine Abdichtung der Balken von innen ausgeführt werden?
Wie könnte das Problem an der Unterseite der Balken aus Ihrer Sicht gelöst werden?

Für Ihre Beantwortung der Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar.


sonnige Grüße aus dem Spessart



Balkendurchgänge



Der Betonbalken sollte von innen, also die senkrechte Fläche, zusätzlich durch eine Mineralschaumplatte gedämmt werden.
Wenn das nicht geht, dann eine Trockenbau- Vorsatzschale mit Miwo- Dämmung und Dampfbremse davor. Ich vermute, das diese Variante ohnehin für den Kniestock und die Schräge vorgesehen ist.
Wichtig ist dabei die luftdichte Ausführung, um Innenluft nicht an das Bauteil zu lassen.
Von unten, also im Bereich der Decke, ist nichts mehr zu machen. Hier muß man dafür sorgen, das sowohl vom unteren als auch vom oberen Wohnraum möglichst wenig Innenluft in die Decke eindringen kann.
Hier steckt der Teufel, wie bei allen Dachgeschoßdämmungen, im Detail.

Viele Grüße

Viele Grüße



Balkendurchgänge



Hallo Herr Böttcher,

danke für Ihre schnelle Antwort.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann muß der Ringbalken innen nochmal gedämmt und luftdicht (von innen) eingepackt werden um Kondensat innenseitig zu vermeiden.

Wäre folgende zusätzliche Maßnahme (innenseitig) für die Balken hilfreich?
1. Deckenfüllungen im Bereich der Balkendurchgänge entfernen
2. Wandunebenheiten mit Mörtel um die Balken ausgleichen, um einen ebenen Untergrund zu erhalten.
3. Dampfsperre (Dach, Kniestock) mit Abdichtung der Balkendurchgänge bis unter die Balken ziehen.
4. Deckenfüllung im Bereich der Balkendurchgänge wieder herstellen (Füllung bis an Dampfsperre einfüllen).

Die Balken sollen von unten sichtbar bleiben. Die Füllung der Decke (Lehm-Stroh-Gemisch und Sand obenauf) soll beibehalten werden. Oben soll ein Dielenboden aufgebaut werden. Von unten zwischen die Balken Holztafeln eingeschoben werden.

Wenn das ginge, gäbe es ja wieder Licht am Ende des Tunnels, sodaß sich die "Bau-fast-leiche" nach recht großem Aufwand doch wieder regeneriert.

Schon mal recht herzlichen Dank an dieses Forum und natürlich an Sie, Herr Böttcher.

Noch einen schönen Abend.

Viele Grüße