Balken auf einer Seite des Hauses komplett erneuern - Vorher räumen?

24.04.2016



Wir bewohnen seit einiger Zeit ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus, Bj. 1720. Nun ist es so, das auf der einen Seite des Hauses sämtliche Balken ausgetauscht werden müssen. Statiker war auch schon mal hier. Da war es allerdings noch nicht so arg. Mittlerweile stützen wir teilweise schon die Decken ab. Von der unteren Denmalbehörde war vor ein paar Wochen jemand bei uns. Der meinte dann, wir sollen uns nochmal melden, wenn wir das Haus geräumt haben. Dann könnten wir alles weitere besprechen. Müssen wir nun händeringend nach einer neuen Bleibe suchen? Oder kann man das auch herrichten, während wir drin wohnen? Eichebalken in verschiedenen Längen haben wir bereits. Einen Zimmermann bräuchten wir dann, richtig?
Hoffe auf hilfreiche Antworten.
Danke im Vorraus!



Fachwerkinstandsetzung



Wie konnte es soweit kommen ? Waren die Schäden vor Kauf und Einzug nicht abzusehen ? Die weitreichende Schädigung einer Fachwerkkonstruktion bis zum vollständigen Versagen und der Konsequenz, sie zu erneuern, dauert normalerweise Jahrzehnte und kündigt sich im Detail lange vorher an.

Wenn es tatsächlich so sein sollte, das Sie Decken abstützen müssen, besteht im Grunde akuter Bausicherungsbedarf und das Haus dürfte ggf. nicht mehr bewohnt werden.

Die ganze Sache muß zumindest ein fachwerkerfahrener Statiker beurteilen. Zur Instandsetzung muß ein Sanierungskonzept erstellt werden, das u. a. auch eventuelle, statisch nachgewiesene Sicherungsmaßnahmen = Abfangungen ausweist, die notwendig werden, wenn Sie das Fachwerk einer kompletten Hausseite erneuern wollen.

Diese statisch nicht geringfügingen Eingriffe sind bauantragspflichtig. Es ist keinesfalls damit getan, das Sie die dem Zimmermann einige zufällig vorhandene Eichenbalken vor die Maschinen legen.

Auch müssen die Maßnahmen mit der Unteren Denkmalbehörde abgesprochen sein; somit ist die Forderung nach einer fachwerkgerechten, restauratorischen Instandsetzung mit alten Zimmermannsverbindungen zu erwarten. Die wiederum werden nicht von allen Zimmerern beherrscht. Die Arbeiten müssen ausgeschrieben, vergeben und bauüberwacht werden.

Ich empfehle Ihnen, die Situation von unabhängiger Seite begutachten und ein Sanierungskonzept erstellen zu lassen und keinesfalls übereilt Beauftragungen auszusprechen.

Gerade, wenn akute Gefahr im Verzug sein sollte, ist Besonnenheit anzuraten und nicht überstürzter Aktionismus.
Die Instandsetzung kann nur geplant, nicht improvisiert werden.





Die Wände waren verputzt, daher sah man nicht wie schlimm es wirklich war. Das Haus stand mind. 10 Jahre leer. Habe mich vielleicht unglücklich ausgedrückt. Die Decke wurde abgestützt, weil die Holzlättchen und der Putz runterkommen. Die Böden darüber sind o.k. Es ist nicht so, dass die Decke zusammenbricht. Es bröckelt alles, da "Bewegung" ins Haus kam, wie der Statiker meinte. War bisher stiller Mitleser hier im Forum und habe einen Statiker herbestellt, der hier im Forum mehrfach "beworben" wurde. Nein, es besteht keine Gefahr für Leib und Leben. Es ist auch nur auf der einen Seite. Wie schon geschrieben, war jemand von der unteren Denkmalschutzbehörde bei uns. Wir müssen nichts ausschreiben etc. Das wurde bereits geklärt. Die Balken wurden übrigens extra für das Haus angeschafft. Lagen nicht zufällig irgendwo herum. Da haben wir uns schon vorher kundig gemacht. Die sind richtig!
Ich möchte einfach nur wissen, ob die Balken ausgetauscht werden können, während wir in dem Haus wohnen. Hat das schon mal jemand gemacht?
Danke!



Fachwerksanierung



Betrifft es eine Traufseite (da wo die Dachrinne dranhängt) oder eine Giebelseite?



Fachwerkwand austauschen



Zur Beantwortung deiner Frage brauchst schon mehr Infos wie auch Fotos, Pläne, Größenangabe etc. und Angabe des Raumes mit der auszutauschenden Wand. Wie ist der Wandaufbau? Sichtfachwerk?

Wenn's im einzigen Bad wäre wird's schwierig ohne,
wenn's einen Raum im Gebäude mit 10 Zimmern betreffen würde ist die Situation eine andere.
Du müßtest das ohnehin mit der Zimmerei besprechen, die den Austausch vornimmt.
Zur Beschleunigung der Arbeiten ohnehin soviel vorbereiten wie möglich,
Installationen trennen, Decke abstützen, ggf erhaltenswerte Fenster/ Türen demontieren, Putz abschlagen, Bereiche als Schmutzschleuse abtrennen etc.
Das Aufmaß so genau erstellen, dass evt die gesamte Wand in der Werkstatt gefertigt und als Ganzes eingesetzt werden kann-
abhängig von der Konstruktion und Ausrüstung.

Solche Arbeiten erfordern sicher Einschränkungen von Euch, Auszug sollte aber bei nur einer Wand (sofern nicht eine komplette Hausseite) nicht notwendig sein.
Anwesenheit kann schon zur Kontrolle der Arbeiten, für Nachfragen und ggf um Einbrüche zu vermeiden sinnvoll sein.

Andreas Teich