Unterspannbahn und Unterdeckplatte, braucht man beides?

29.03.2013 StefanK



Hallo liebe Forumsteilnehmer,

ich habe hier schon ein wenig gestöbert und tolle Tips bekommen, stehe aber nun vor einer Frage, die ich so nicht beantwortet bekommen habe.
Ich plane mein Dach mit Holzfaser neu zu dämmen. Ursprünglich war hier aus Kostengründen die "halbe" Variante, also nur Holzfaserdämmung mit Abstandslatten zwischen den Sparren vorgesehen.
Nun bietet sich aber die Möglichkeit, das Dack umzudecken und die UD-Platte vollflächig auf die Sparren aufzulegen.
Dachgeschoß bewohnt (Heimbüro/Gästezimmer)
Hier jetzt meine Frage:

Hersteller 1 sagt, seine HW-UD-Platte reicht aus (bei Dachneigung >20°) um alle Anforderungen des Dachdeckerhandwerks zu erfüllen;
Hersteller 2 sagt, auf HW-UD muss/sollte noch eine UD-Bahn.

Da man ja bzgl. der Haltbarkeit von UD-Bahnen nicht nur Gutes liest (Zerbröseln, UV, etc..), reicht die UD-Platte aus Holzfaser aus? (lt. Hersteller latexierte Holzfaser 22mm)

Soweit man die Eckdaten der beiden vergleichen kann, tut sich da bei den wichtigen Daten nichts (sd-Wert etc...)

Wenn ich jetzt die UD-Bahn noch auf die Platte lege, müsste ich ja eigentlich auch noch das Nagelband nehmen, sonst ist es ja wieder nicht 100%?
Aber was ist schon 100%? Regelmäßige Kontrolle des Dachs muss doch eh sein...

Mein geplanter Aufbau a->i
- Dachziegel
- Traglattung S10 50/30
- Konterlattung S10 50/30
- UD-Platte Isolair 22mm
- Sparren (Länge max 4m, Pfette bei 1,5/2,5m) 12/10 cm angelascht mit 24/180-Brettern.
- Dazwischen Hw-Flex 180mm
- Dampfbremse sd 3.5
- Konterlattung 40/60 mit Hw-Flex 40mm
- Gipsfaserplatte

Wie seht ihr das mit der UD-Bahn auf der UD-Platte?

Viele Grüße und schöne Ostertage.

Stefan



Nein.



Beides is doppelt gemoppelt: Gürtel UND Hosenträger.
Die UD-Platte bringt aber auch nochmal Dämmung. Ich favorisiere Weichfaserplatten immer, weil sie mit Cellulosedämmung harmonieren.
Ralph Schneidewind



Unterspannbahn



Die UD-Platte Isolair kann nach Herstellerangabe 3 Monate frei bewittert werden.
Eine Ziegeldeckung ist jedoch nicht wasserdicht, sondern nur regendicht.
Je nach Wetterlage kommt Wasser oder Schnee unter die Ziegel; aus diesem Grunde ist eine Unterspannbahn empfehlenswert; sie muss aber diffusionsoffen sein. Pavatex bietet entsprechende Bahnen an. Die Lebensdauer der UD-Platte verlängert sich dadurch.
Viel Erfolg.
SG



Guten Abend SteffanK,



auch ich würde eine Unterdeckbahn empfehlen. Gerade bei Dachflächen mit Kehlen, Erkereinbauten, Traufensichtschalung und Dachfenster lassen sich mit einer Unterdeckbahn alle kritischen Details sicher lösen.
Was die Unterdeckbahnen angeht, manche Hersteller haben den Zusatz ND auf ihren Bahnen( steht dann auch auf den Bahnen drauf).
Die Abkürzung ND steht für Nageldicht, bei diesen Bahnen können Sie sich das Nageldichtband o.ä. sparen und somit auch Zeit und etwas Geld.
Für die Traglattung in Ihrem Aufbau würde ich 40/60 S10 Dachlatten empfehlen, oder haben so sehr kleine Sparrenabstände?!
Unterdeckbahnen= diffusionsoffen
Unterspannbahnen= diffusionsdicht

Mit Grüßen
Danilo





Ja, die Sache mit Hosenträger und Gurt habe ich auch im Kopf...

Unterspannbahn empfehlenswert? Ich dachte immer, die Unterdeckplatte kann die Funktion der Unterspannbahn übernehmen?
--> Deswegen sind die speziellen UNterdeckplatten im Gegensatz zu "normaler" Aufsparrendämmung doch auch latexirt/bitumeirt, o.ä.?
Und was heißt denn längere Lebensdauer der Holzfaserplatte wenn die UD-Bahn dabei ist? Gibt es da Erfahrungswerte?
Das vorhandene Dach wurde angeblich etwa 1999 schon einmal saniert, wie es scheint ist da auch mal der Dachstuhl getauscht worden. Die "Unterspannbahn" - sicher nichts "modernes" diffusionsoffenes (weiß/gelblich mit Gitterverstärkung, Hersteller keine Ahnung....)ist auf jeden Fall völlig zerbröselt.
Hält die UD-Platte also mit UD-Bahn länger als sagen wir mal 15 Jahre? Oder soll ich diese als "Opfer"-Bahn gegen die Umwelteinflüsse sehen? ;)
Mehr Schichten bedeuten auch mehr Fehlerstellen...und wenn es die Sache nicht wirklich verbessert?
Bin mir auf jeden Fall unsicher.
Ich nehme mir hier eher die die "keep-it-simple"-Fraktion des Forums zum Vorbild. Was sein muss, wird auch gemacht, auch gerne mit hochwertigen Materialien. Ich bin eher ein Freund von 1x Kaufen/bauen statt oft billig.

Bitte nicht falsch verstehen, am Geld und der Arbeit soll es nicht scheitern....





Guten Abend Danilo,
da habe ich glatt Ihre Antwort überlesen.
Natürlich meine ich auch eine Unterspannbahn = diffussionsoffen auf Unterdeckplatte aus Holzfaser = diffusionsoffen.
Bzgl. der Lattenstärken: Sparrenabstände liegen bei 45-50cm, deswegen und vor allem weil es sich um ein "Zwillingshaus" handelt, will ich den Dachaufbau nicht zu weit nach oben/außen verändern. Zur Straßenseite gibt es auf jedem Haus eine große Gaube, das sieht dann irgendwann zu unsymmetrisch aus... soll ja auch was für´s Auge bleiben, hehe...
Ja, Traufanschlüsse wären ein Argument.
Wenn ich allerdings die vorliegende mangelhafte Ausführung anschaue, ist die UD-Bahn bestimmt genau so fehlerträchtig wie die UD-Platte (Sauber gesägt, Stöße sorgfältig mit Bitumenband verklebt, etc...)
Die vorliegende UD-Bahn war absolut stümperhaft verlegt. Sie endete AUF dem Kehlblech, dazu noch mit einigen Falten, die dann das Wasser bei starken Regengüssen sauber aus dem Kehlbelch in die Dachstuhlkonstruktion geleitet haben. Mit dem Ergebnis, dass der Kehlbalken völlig durchgefault und zu allem Übel noch von kleinen Holzliebhabern (Holzbock?) befallen war....



Unterspannbahn/Unterdeckbahn



Die Bezeichnung variiert je nach Landschaft.
Sie muss in dem beschriebenen Aufbau diffusionsoffen sein.
Der Dachdenker schrieb dazu ja noch weiteres.
Die Gitterbahn ist von der billigen Fraktion und in der Tat nicht lange haltbar.
So eine Bahn hat ja auch einiges an Temperaturunterschied wegzustecken.
Mit Pavatex habe ich keine Erfahrung; gilt aber als solider Hersteller.
Ich habe Dörken bevorzugt und die halten locker über 20 Jahre.



Was



Sie jetzt auf dem Dach haben ist eine Unterspannbahn( Gitterfolie ) diffusionsdicht und nicht sehr langlebig.
Da traue ich den Unterdeckbahnen ( diffusionsoffen) schon mehr zu.
Der Unterschied UD/US- Bahnen ist in den Dachdeckerfachregeln genauer beschrieben.

...(Sauber gesägt, Stöße sorgfältig mit Bitumenband verklebt, etc...) und genau da sehe ich das Problem, in der Verarbeitung und der Haltbarkeit von (Bitumen)Klebebänder auf manchmal feuchten und von Sägestaub behafteten Unterdeckplatten. Kann funktionieren, bei eim gewissenhaften Dachdecker, aber habe da auch schon anderes gesehen.

Frohe Ostern



Ich sehe das etwas anders als meine Vorredner



ich sehe keinen Sinn darin, zu der ohnehin regensicheren Unterdeckplatte noch zusätzlich eine Unterspannbahn zu verlegen, es sei denn, man wolle seine Baukosten in die Höhe treiben.
Und sicher kann man eine Unterdeckplatte sauber verlegen...es gibt entsprechende Werkzeuge, die auch Doppelgehrungsschnitte für Kehlen erlauben.
Wichtig ist dabei allerdings die DN...die Ultratherm von Gutex z.B. schreibt eine zusätzliche Unterspannbahn erst ab einer DN unter 15 Grad vor. Darüber gilt die Unterdeckplatte als regensicher, auch ohne Nagelbänder. Durchdringende Bauteile (Kamin, Dachfenster) werden mit speziellem Klebeband und entsprechendem Voranstrich (Primer) regensicher gemacht.
Benötigt wird die Unterspannbahn also nur in dem Bereich, in dem nicht gedämmt wird (Traufvorsprung bis zum Mauerwerk, Giebelüberstand).
Bei sauber verlegten Dachziegeln dürfte sich kaum Schnee oder Wasser auf die Unterdeckplatte gelangen wegen der Verfalzung. Bei Dachsteinen aus Beton sieht die Sache etwas anders aus.
Was jetzt im Grunde noch fehlt, sind Langzeiterfahrungen. Gutex, Pavatex, Steico und Inthermo werben ja damit, daß man ihre Abfälle direkt auf dem Kompost entsorgen kann...da kann schonmal die Frage aufkommen, wie lange eine solche Unterdeckplatte dann tatsächlich hält.
Hier darf man aber auch die Freibewitterung nicht mit Situation vergleichen, nachdem die Dachziegel aufgebracht wurden. Bei Freibewitterung ist diese Unterdeckplatte oft stundenlangem Regen und anschließend wieder direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Später übernehmen die Dachziegel diese Funktion. Zudem macht eine direkte UV-Bestrahlung des Materials natürlich mehr zu schaffen als die spätere Wärme unter dem Dach, zumal sich diese bei einer sauber ausgeführten Dachentlüftung über Konterlattung und Entlüfterfirst relativ in Grenzen hält.

Ich würde die Unterdeckplatte übrigens etwas stärker wählen...die 22 mm Platten sind etwas zu leihwindig für meinen Geschmack.

Gruß Andreas



nochmal Unterdeckbahn



Man kann trefflich darüber streiten, ob man eine UD-Bahn nimmt oder darauf verzichtet.
Andreas Herpich würde sie nur in ausgewählten Bereichen nehmen.
Das ist aufwendiger, als wenn das ganze Dach damit eingedeckt wir.
Wenn das Dach gedeckt ist, kann man es nicht mehr ändern.
Je nach Wetterlage kommen Wasser (in geringen Mengen) und Schnee auch durch Falzziegel.
Es hat schon seinen Grund, dass ein Dach als "regendicht" und nicht als "wasserdicht" bezeichnet wird. Letzteres trifft für ein Flachdach zu.



Hmm,



ich weiß ja nicht, wie eine Dachschalung in Ihrer Region aussieht. Hier bei uns wird im Trauf- und Ortgangbereich eine Sichtschalung aufgebracht, meist aus 19 mm Fasebrettern. Sicher kann man das komplette Dach mit Unterdeckplatten beplanken und spart sich dadurch zusätzliche Arbeit, dann hat man allerdings die Unterseite der Unterdeckplatten als Sichtseite.
Klar, auch das läßt sich umgehen...es ist denkbar, die Sparren um diese 19 mm auszuklingen und die Unterdeckbahn über der Sichtschalung anzubringen. Das erscheint mir jedoch noch aufwendiger zu sein.
Daß auch bei einem Tonziegel gelegentlich Flugschnee und bei extremen Windverhältnissen auch mal etwas Regenwasser eindringen kann, ist unbestritten. Aus genau diesem Grund sollte ja auch eine zweite, regensichere Ebene eingebaut werden. Es heißt ja nicht zum Spaß, daß durch die Verwendung von Unterdeckplatten die Regensicherheit sichergestellt ist.
Mir persönlich ist es egal, ob jemand noch zusätzlich eine Unterspannbahn aufbringen möchte...wie das dann in der Praxis gehandhabt wird (wie wird z.B. die Unterspannbahn auf der Unterdeckplatte aufgebracht ? Wie bringt man sie zum Halten, bevor die Konterlatte befestigt wird ? Welche Standsicherheit hat man als Handwerker auf so einer Unterspannbahn, die lose auf einer Unterdeckplatte verlegt wird ?), muß jeder für sich selbst beantworten.

Gruß Andreas