Badezimmer Wandaufbau Innen (und Deckenaufbau)

27.10.2021 Konrad


Hallo liebe Fachwerk.de Community,

ich benötige Unterstützung bei dem Wandaufbau im Badezimmer.
Es handelt sich um ein altes Fachwerkhaus, das nach der NRW-Flut nun teilsaniert wird. Zeit pressiert, da wir wieder einziehen müssen. Das hindert uns daran alles zu 100% komplett neu aufzubauen.
In der Hauptsache geht es um eine Außenwand, die "unveränderlich ist".
Decke ist noch ein Nebenschauplatz.

Das Bad befindet sich im EG. Das Haus ist nicht unterkellert. Über dem Bad befindet sich ein Schlafzimmer, soll aber zukünftig auch zum Bad umgebaut werden. Das Bad war komplett gefliest.

1) Wand
Wir haben eine Außenwand, wo sich die Badewanne befand und auch wieder befinden wird. Hier wird auch geduscht.
Die Wand ist von Außen ab einer Höhe von ca. 1m verschiefert, der 1m-Streifen unten nur verputzt (Kalk-Zement ? Auf jeden Fall keine historischen Materialien)
Die Wand selber ist mich weichgebrannten Ziegeln ausgemauert.
Ansonsten aktuell innen nackt.

Lehm will ich vermeiden. Ich will von innen die Wand mit Multipor dämmen. Angeblich sollen die Platten explizit für Fachwerke geeignet sein. Diese Platten will ich dann mit Kalkputz verputzen.
Im Bereich der Badewanne einen Fliesenspiegel aufbringen.

Ich tue mich schwer mit der Bewertung der Diffusionsoffenheit Schieferwand, bzw. ob diffusionsoffen an der Wand aufgrund der Verschieferung eher abträglich ist (Gedanke: Eindringen von Feuchte von innen in die Wand, aber aufgrund Schieferwand kein vernünftiger Abtransport der Feuchte nach Außen) ?

Ist mein geplanter Aufbau so in Ordnung ? Reicht einfach vernünftiges Lüften ?
Oder habe ich einen gravierenden Denkfehler ?



2) Decke
An der Decke waren Rigipsplatten o.ä. (Feuchtraumplatten?) verschraubt-verputzt-gestrichen (herkömmliche Wandfarbe).
Die Decke haben wir herausgerissen. Die Deckenbalken waren komplett trocken und im einwandfreien Zustand. Darüber befindet sich aktuell unser Schlafzimmer, Boden mit Laminat und Trittschall belegt.

Da dieser Aufbau anscheinend gut funktioniert hat würde ich dazu tendieren ihn genauso wieder zu verbauen.
Allerdings erwägen wir das Schlafzimmer zum zweiten Bad umzubauen (wir sind ein 4 Personen-Haushalt).
Es ist noch offen, ob der Boden dann gefliest wird, ich gehe aber aktuell davon aus.

Oben dann auf den Boden eine Dampfsperre, um Durchdringen von Feuchtigkeit in den Zwischenraum zu verhindern ? Von unten (Decke unteres Bad) Rigips-/Feuchtraumplatten weiterhin OK ?
Was ist noch weiter zu beachten ?



Ich danke im Voraus für eure Antworten :).



Re: Badezimmer....



Zu 1): Schieferdeckungen sind auf vollflächige, mit Dachpappe/Bitumenbahnen abgedichtete Bretterbeplankungen genagelt. Wenn diese Beplankung nicht mit einer Konterlattung hinterlüftet ist, sondern direkt auf das Fachwerk genagelt ist, ist die Wand von außen dicht. Diffusionsoffenheit ist dann nicht gegeben.
Von daher musst du mit der Innendämmung vorsichtig sein! Auf ein "vernünftiges Lüften" würde ich mich nicht verlassen. (Wann wäre wie oft lüften vernünftig?) Am Besten lässt man sich eine Innendämmung individuell, d. h., objektbezogen, berechnen.
Multipor auf Fachwerkwände halte ich für eher suboptimal. Denn die Platten sind einerseits extrem brüchig, andererseits starr. D. h., es besteht das Risiko dass sie die Bewegungen des Fachwerks nicht voll umfänglich mitmachen und irgendwann brechen. Ich verwende auch in Bäder außerhalb des Spritzwasserbereichs lieber Holzweichfaserplatten, weil die elastischer sind. Fürs Waschbecken, die Dusche und die Badewanne würde ich entweder eine (mit Dämmstoff gefüllte) Montagevorwand stellen, in der auch gleich die Rohrinstallationen (und evtl. sogar die Steigleitungen für das neue Bad im OG) verschwinden, oder Multipor an die Wand und darauf wasserfeste Platten (Aquapanel, Fermacell) Kleben und in der Wand verdübeln. Diese Zonen werden nachher sowieso mit einer Flächenabdichtung gestrichen und evtl. auch noch gefliest. Da macht ein Kalkputz keinen Sinn. Mal abgesehen davon, dass auf Kalkputz gem. einschlägigen Vorschriften keine Fliesen geklebt werden dürfen. Es geht zwar, aber ein Fliesenleger wird da keine Gewährleistung übernehmen.
Zu 2) Die Erfahrung hat dir gezeigt, dass an der Decke GK-Platten funktioniert haben. Also, warum nicht wieder? Wenn überhaupt, bevorzuge ich zwar GF-Platten, weil die stabiler sind, aber das ist Ansichtssache.
Eine Dampfsperre auf der Decke kannst du dir sparen, wenn du von unten nicht auch einbaust. Feuchtigkeit, sprich Dampf, kommt von beiden Seiten in die Decke. Was aber grundsätzlich kein Problem ist, da die Decke von beiden Seiten beheizt ist. Es entsteht kein schädigendes Kondensat.
Wenn überhaupt, dann solltest du den Boden im OG-Bad eher mittels einer an den Wänden ca. 5 cm hoch gezogenen "Folienwanne" gegen auslaufendes Wasser abdichten. Aber auch das ist nur eine einem gewissen Sicherheitsdenken entsprungenes "Nice-to-have", kein Muss. Auslaufendes Wasser läuft dann unter der Tür raus......



Re: Re: Badezimmer....



Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, das ist schon mal sehr hilfreich.

Multipor ist nervig in der Verarbeitung, das musste ich feststellen. Es wird noch flächig armiert, was Rissen vorbeugen sollte.
Ich habe mich hierfür entschieden, da ich eine Dämmung haben wollte, die ich bei erneutem Hochwasser nicht rausreißen muss (könnte bei uns in der Gegend eventuell nochmal vorkommen). Daher wollte ich z.B. nicht mit Holzfaserplatten arbeiten.

Als wasserfeste Platten habe ich von Fermacell die "Powerpanel H2O" gefunden.
Falls das Wasser nochmal bei uns im Haus stehen sollte können die glücklicherweise drin bleiben.

Was meinst du mit "Von daher musst du mit der Innendämmung vorsichtig sein!" ?
Augrund der Verschieferung außen die Innenwand besser vollflächig diffusionsgeschlossen ?



Re: besser vollflächig diffusionsgeschlossen ?



"Was meinst du mit "Von daher musst du mit der Innendämmung vorsichtig sein!" ?"
Naja, das Problem ist die Dachpappe/Bitumenbahn hinter dem Schiefer. Diese ist absolut dampfdicht.
Wenn zwischen der Dachpappe und der Wand keine Hinterlüftungsebene ist, kann die Feuchtigkeit nicht nach außen verdunsten und "staut" sich dort.
Ich versuche mal es laienverständlich zu erklären: Momentan ist es so, dass die meiste Feuchtigkeit nach innen raus verdunsten kann und ein geringer Anteil durch die von innen in die Wand kommende Wärme und das Temperaturgefälle in der Wand auch nach außen "gedrückt" wird. Wenn an deinem Haus die Holzverschalung hinter der Bitumenbahn völlig intakt ist, zeigt das, dass der Abtransport der Feuchtigkeit bis jetzt funktioniert. Wenn du jetzt eine Innendämmung an die Wand baust, verändert sich das Temperaturgefälle im Wandaufbau extrem. Die Wand wird viel kälter und der Weg den die Feuchtigkeit Richtung Innenseite überwinden muss, wird länger, d. h., der Widerstand wird größer. Die Feuchtigkeit kann nicht mehr so schnell raus, der Feuchtegehalt wird in der Wand höher. Zusätzlich verschiebt sich in der Wand der Taupunkt, also der Übergang vom dampf-/gasförmigen Zustand zum flüssigen, weiter nach innen. Eben weil weniger Wärme in die Wand strömt. Da das Volumen von flüssigem Wasser gegenüber Dampf (Gas) um den Faktor ca. 1000 kleiner ist, sammelt sich entsprechend mehr Feuchtigkeit im Wandgefüge an. Ist die Verschieferung nicht hinterlüftet und die Holz-Verschalung liegt (mehr oder weniger) press an der Wand an, kann das Fachwerk und die Verschalung von innen/hinten her verrotten. Ist die Verschalung genügend hinterlüftet, ist Verdunstungsrate an der Wandoberfläche viel höher. Die Feuchte in der Wand kann schneller raus. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass durch die Innendämmung der Taupunkt weiter in die Fw-Wand verschoben wird und dadurch der Feuchtegehalt auf jeden Fall höher wird. Die "Kunst" ist jetzt, die richtige Balance zwischen "bestmöglicher" Innendämmung und "größtmöglicher" Rücktrocknung der Wand zu finden. Das meinte ich mit "vorsichtig sein".
Natürlich wäre eine dampfdichte Abdichtung der Wand von der Innenseite her das Beste. In der Praxis ist dazu aber beim Einbau größte Sorgfalt nötig, damit die Wand auch wirklich überall und rundum, also an den einbindenden Wänden, Decke, Boden, Rohr-/Kabeldurchdringungen, usw., 100% dicht verklebt/abgedichtet wird. Aber ganz oft, um nicht zu sagen "meistens" wird das schon beim Einbau nichts, oder es hält nicht lange, weil irgendwann irgendwer dann doch Löcher in die Abdichtung bohrt/schraubt/nagelt......
Vielleicht kannst du deine beiden, übereinander liegenden Bäder so planen/einrichten, dass im EG eine raumhohe Montagevorwand vor die gesamte Fachwerkwand kommt. Dann könntest du die Fw-Wand mit einer dampfdichten Folie überspannen und die Installationen nur an der Montagevorwand befestigen. So hättest du nur das Problem die Folie dicht anzubringen. Sie würde aber anschließend nicht mehr vom Installateur gleich wieder "perforiert" werden. Den Hohlraum könntest du dann mit Dämmstoff füllen. Was dann auch die Rohrisolierungen überflüssig macht... ;-)

Dem Ganze widerspricht, bzw. das Ganze verkompliziert aber dein Gedanke an das nächste Hochwasser. Ich befürchte, egal wie du es machst, das Ganze wird nicht so zu bauen sein, dass beim nächsten Hochwasser nicht doch die Brühe irgendwo, entweder in die Montagevorwand oder in die Innendämmung eindringt. Auch die Multiporplatten können seeehr viel Wasser aufnehmen. Du müsstest geschlossenzelliges Dämmmaterial verwenden, das kein Wasser aufnimmt/durch lässt. Z. B. Glasschaumplatten, o. ä......und genau wissen dass die Fw-Wand an sich von außen her absolut dicht ist, damit das Hochwasser nicht durch die Wand kommt.