Bad unterm Dach: Dampfsperre oder Dampfbremse

03.07.2014 Pelikan



Hallo allerseits,

ich saniere gerade ein Haus aus den Sechzigern. Das Dach ist dicht und gut in Schuss, es soll nicht erneuert werden. Stattdessen kommt eine Zwischen- und Untersparren Dämmung rein.
Nach alter Bauform ist das Dach NICHT diffusionsoffen, es ist unter den Ziegeln mit einer Bitumenbahn Feuchtigkeitsdicht isoliert. Deshalb werde ich über die Rigips-Platten eine variable Dampfbremse statt einer Dampfsperre einbauen.

Nun meine Frage: Die Dampfbremse wird ja durchlässig bei hoher relativer Feuchte. Das funktioniert im Normalfall sicher gut. Im Bad aber, das direkt unter dem offenen Dach liegt, entsteht doch sehr oft eine extrem hohe Feuchtigkeit, die dann besonders im Winter ohne Widerstand in die Dachkonstruktion eindringen kann. Wäre es da nicht besser, NUR IM BAD eine Dampfsperre mit möglichst hohem sd-Wert einzubauen? Die Feuchtigkeit im Dach über dem Bad könnte immer noch seitlich in die Nebenräume diffundieren und dort auch durch die adaptive Folie zurück in die Raumluft.



Bad



1. Lüften sie das Bad bei und nach der Benutzung!
2. Heizen Sie das Bad im Winter ordentlich durch!

Bei Einhaltung dieser beiden Regeln kommen Sie sogar ohne Dampfsperre oder -Bremse aus. Da man das aber nicht voraussetzen kann wäre die nächste einzuhaltende Regel:

3. Herstellen einer Luftdichtigkeitsebene in der Decke!

Dafür reicht es schon die Deckenunterseite durchgehend zu Verputzen oder bei einer Trockenbaudecke die Übergänge zu den Wänden ordentlich mit Kellenschnitt und Acryl zu schließen.
Damit ist der Feuchteanfall auf ein Minimum reduziert, denn nicht durch Diffusion sondern durch Konvektion,also durch Luftströmung, gelangt der überwiegende Teil von Feuchte in die Dämmlage. Wenn das ein Kaltdach ist kann eingedrungene Feuchte über eine an der Außenseite diffusionsoffene Dämmlage ablüften; es sei denn Ihre Dämmung liegt direkt innen an der Schalung an.
In diesem Fall kommt die letzte Regel zum Tragen:

4. Einbau einer Dampfsperre

Wenn Dampfsperre dann aber richtig einbauen, das heißt DICHT!
Die Dampfsperre ist die ultima ratio, der Sicherheitsgurt. Die soll dann helfen wenn Regel 1 bis 3 versagt haben. Das sollten Sie vermeiden.





Hallo Ingenieurbüro Böttcher,
vielen Dank für die Antwort.

Bei mir kommt dann wohl die letzte Regel zum Tragen (Punkt 4), da eine ausreichende Lüftung nicht gegeben ist. Die Dämmung liegt direkt unter der Schalung, über der 4 cm Kork und dann eine dichte Bitumenbahn angebracht ist.

Ihre Schlussfolgerung hatte ich von Anfang an geteilt und meine Frage war im Grunde, ob diese Folie über dem Bad, wie im Rest des Hauses eine "Variable Dampfbremse" (PA-Folie) sein sollte, oder - wegen des besonders hohen Anfalls an Feuchtigkeit im Bad - lieber eine Dampfsperre (PE-Folie)?



Bad



Ich wiederhole mich:
Lagern sie die Feuchte gar nicht erst nicht in die Dämmung ein bzw. verlassen Sie sich nicht auf die Funktion fechtevariabler Dampfbremsen. Wenn Sie nicht richtig heizen und lüften dann KANN eingedrungene Feuchte nicht wieder ausdiffundieren. Das Ergebnis ist dann ein Schimmelrasen auf der Dampfbremse. An den Dachschrägen kann Kondensat auf der Innenseite der Schalung entstehen.
Über der Baddecke befindet sich sicher ein (kalter)Luftraum. Der sollte belüftet werden, damit hat die Decke die Möglichkeit abzutrocknen.

Viele Grüße
Georg Böttcher





Natürlich wird im Bad geheizt und gelüftet, das versteht sich ja von selbst... und ja, wir werden und Mühe geben auch die Rehgipsdecke selbst so dicht wie möglich zu bekommen (schon aus ästhetischen Gründen).
> Über der Baddecke befindet sich sicher ein (kalter)Luftraum.
Über Rehgipsdecke und Folie befindet sich sehr viel Dämmung. Da ist es nicht kalt, aber eine Lüftungsebene ist da nicht. Feuchtigkeit wird trotzdem eher in Richtung Außenseite der Dämmung entstehen und die kann vermutlich nicht nach außen verdunsten.

Als Schlussfolgerung daraus nochmal meine Frage: verschlechtere ich diese Situation mit einer variablen Dampfbremse eher und sollte deshalb lieber eine (fachgerecht dicht angebrachte) Dampfsperre einbauen? Das wäre meine Vermutung. Ein Vertreter einer PA-Folien Firma behauptete aber das Gegenteil .

Oder ist die variable Dampfbremse sogar vielleicht besonders wichtig hier, denn trotz aller Bemühungen um Dichtigkeit wird immer Feuchtigkeit eindringen, und die muss dann zwingend wieder IN DEN RAUM zurück können, da das Dach von oben ja komplett dicht ist?



Badbenutzung



Ich glaube wir reden da etwas aneinander vorbei was heizen und lüften betrifft.
Wenn Sie das ordentlich machen kommen Sie sogar OHNE Dampfbremse oder -Sperre aus. Lassen Sie erst gar keine Feuchtigkeit in die Konstruktion- so einfach ist das. Duschen, 5 min Fenster auf, beim Herausgehen Fenster zu und Heizung abdrehen ist nicht das was ich meine.
Dampfbremsen funktionieren nur wenn es innen wärmer und trockener als in der Dämmlage ist. Dazu muß das Bad immer warm und trocken sein. Was denken Sie was passiert wenn Sie die oben beschriebene Variante praktizieren? Die Lufttemperatur sinkt, das sich noch an den Fliesen befindliche Wasser verdunstet- schnell ist die Raumtemperatur im Winter unter 16°C gefallen und die Luftfeuchte steigt auf über 90%. Kondensat fällt an kälteren Bauteilen aus. Wie soll da eine Dampfbremse austrockenen? Wahrscheinlich nur im Sommer. Ob das reicht die Dämmung trocken zu kriegen? Bis dahin sprießt der Schimmel auf der Folie. Deshalb mein Vorschlag eine Sperre einzubauen und zwar richtig.





Vielen Dank, dass Sie sich so intensiv mit meiner Frage beschäftigt haben.

> Deshalb mein Vorschlag eine Sperre einzubauen und zwar richtig.

Diesen Satz wollte ich hören, weil genau das meine Vermutung ist. Ich muss mich damit aber über die Auskunft des Folien-Produzenten hinwegsetzen, der explizit auch im Bad eine PA-Folie verbaut haben will. Die Anfrage hier im Forum diente deshalb vor allem dem Zweck, mich zu vergewissern, dass ich mal wieder alles besser weis :-)

Gibt es denn irgend jemandem hier im Forum, der für eine PA-Folie stimmen würde?