Backsteinfassade Innendämmung

26.08.2014



Liebe Foristen, als Besitzer eines Hauses mit schöner Backsteinfassade und Fachwerk-OG möchte ich das EG innenseitig dämmen, nachdem ich die Fenster gegen neue Holzsprossenfenster ausgetauscht habe, die Heizkörper erneuert habe und die Bodendecke neu mit Parkett verlegt habe (vorher mit Schüttung gegen Kellerdecke gedämmt).
Die Außenwände sind 55 cm stark, ich habe das Haus neu verfugt. Der ursprüngliche Kalkputz war innen mit Tapeten zugekleistert. Die Räume sind 38 qm und 28 qm groß, haben jeweils 2 Fenster von 180 cm Höhe, die Zimmer sind 320 cm hoch. Ich dachte jetzt an Holzlattung, dahinter Dämmstoff (welcher), dann Holzfaserplatten oder Lehmbauplatten, dann Putz...oder ist eher ein 3 cm starker Kalkdämmputz zu empfehlen. Danke



Backsteinfassade Innendämmung



Bei dieser Wandstärke musst du keine Innendämmung anbringen, diese Wand ist so dick, die isoliert mit Dämmung auch nicht besser. Das haben mir mehrere Experten bestätigt. Diffusionsoffen mit Lehmputz verputzen, Sumpfkalkfarbe drauf und fertig. Dann können die Wände gut atmen.Lieber oben, wo die Wände dünner werden oder auf der Wetterseite mal schauen.
Wir haben dort mit Holzfaserdämmplatten gedämmt und sind sehr zufrieden.



Dämmung



Wie "atmet" eine 55 cm dicke Außenwand?
Was passiert im Bereich von Wärmebrücken?



Irgendwie



… die falsche Reihenfolge...
Lieber alles zusammen bedenken und planen...
Ein paar Zentimeter Dämmputz bringen es nicht wirklich, und eine Vorsatzschalung innen ist außerordentlich anfällig für Fehler.
Ich würde das nicht groß anfassen wollen... "rechnet" sich auch in zwei Leben wohl nicht...





Eine Wand atmet, indem sie Raumfeuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt, wenn man diesen Prozess verhindert, kann Schimmel entstehen. Kältebrücken entstehen nur bei unfachgerechter Verbauung der Holzfaserdämmplatten. Unsere Dämmplatten und der Aufbau ist von Steico und dort kann man auch die Verarbeitungsrichtinien nachlesen. Wir haben einen Lehrgang mitgemacht, was uns sehr geholfen hat.



Feuchtehaushalt


Feuchtehaushalt

Zur Feuchteaufnahme einer Wand:
Das was der Volksmund mit "atmen" bezeichnet ist die Sorption von Wasserdampf aus der Innenraumluft. Hohe relative Luftfeuchte kann so kurzzeitig (aber eben nur kurzzeitig) abgepuffert werden. Ohne Lüftung nützt das gar nichts, denn dann erfolgt keine Abgabe. Die Wand feuchtet auf, es stellt sich ein immer höheres Feuchteniveau ein wenn mehr hineingelangt als wieder verdunstet. Relative Luftfeuchten um die 80% können schon - ohne Kondensatausfall- Schimmelwachstum fördern. Höhere Sorptionsfeuchte bedeutet schlechtere Wärmedämmung- damit sind wir beim Thema Wärmebrücken. An den kälteren Stellen der Wand fällt Kondensat aus, flüssiges Wasser das kapillar eingelagert wird. Noch weniger Dämmwirkung- noch mehr Kondensat. Jetzt wird die Wand richtig feucht. Ohne radikale Änderung der Heizungs- und Lüftungsgewohnheiten wächst Schimmel an den kälteren Stellen- das sind z.B. die Wärmebrücken.
Lehm kann zwar Feuchte durch Sorption aufnehmen aber bei flüssigem Wasser wird er weich!

Kommen wir jetzt zu dem Vorschlag von Mario:
Lehmputz kann kuzzeitige Feuchtespitzen durch Sorption abpuffern.
Gegen Schimmel hilft weder Lehmputz noch Sumpfkalk, wenn der durchcarbonatisiert ist.
Der entsteht an einer ungedämmten, thermisch trägen Außenwand im Bereich der Wärmebrücken wenn man nicht mit viel Wärmeenergie, kontinuierlichem Durchheizen, Konvektion und Lüftung arbeitet. Die meisten Nutzer machen das nicht.
Eine Innendämmung hilft a) Wärmeenergie zu sparen und
b) Schimmelwachstum durch eine höhere Innenflächentemperatur zu mindern.
Innendämmungen setzen die thermische Trägheit herab, man kann auch diskontinuierlich heizen da nicht mehr die gesamte Masse der Wand auskühlt bzw. wieder aufgeheizt werden muß.
Also:
Weder das Zauberwort "atmen" noch Lehmputz noch Kalkanstrich noch dicke Ziegelwände sind eine Versicherung gegen Schimmelwachstum und Salzausblühungen.



Echt?



So atmen Wände? Kein Wunder, dass die kaum vom Fleck kommen...
Ersetze bitte den Begriff „atmende Wand“ durch „diffussionsoffener Aufbau“, dann weiß wirklich jeder, was gemeint ist...
Und bei „Steico“ werden also „Kältebrücken“ prinzipiell vermieden? Es kann sie also gar nicht erst geben? Fantastisch, irre und toll gemacht...



bisherige Beiträge Danke aber...



Danke für die bisherigen Anmerkungen, wenn ich Herrn Böttcher verstehe, vertritt er schon die Meinung, dass eine Innendämmung also doch sinnvoll ist. Da er die Vorschläge der anderen kritisch sieht, bleibt die Frage, welche Alternativen zu Lehm, Sumpfkalk bestehen. Doch die Holzfaserplatten?

Danke



Dämmung



Die Alternative ist eine kapillaraktive, hohlraumfrei aufgebrachte Innendämmung unter Beachtung der Schwachpunkte Wandanschlüsse, Decken, Übergang zum Fußboden, Fensterlaibungen. Material dafür kann sein Mineralschaum, Calciumsilikat, Weichholzfaser, Polyurethanschaum (IQ- Therm).



Hmmm...



Der rechnerische Wärmedurchgangskoeffizient der Wand lässt sich durch Anbringen einer sinnvollen Innendämmung vielleicht halbieren bis dritteln, damit auch die Wärmeenergie, die beim Heizen durch die Wand „entschwindet“...
Aber halt nur als Transmission durch die Wand, keinesfalls kann die energetische Betrachtung für den Raum gelten, geschweige denn für das Gebäude. Hier spielen andere Faktoren mit ein, nicht nur die „anderen“ Flächenbauteile... vor allem die „Verluste“ durch notwendige Lüftung sind weitgehend konstant.
Fakt ist, dass Dämmung Heizenergie spart, Fakt ist ebenso, dass das mitunter teuer erkauft wird, auch in der gesamten Bilanz, wie auch immer das „errechnet“ wird oder werden kann.
Dazu kommt noch ein gewisses Risiko bei Planung und Ausführung, was mitunter zu Schädigung der Bausubstanz führen kann.
Ich würde „gefühlt“ dazu raten die Ziegelwand gar nicht erst „anzufassen“... zumal dann auch noch die viel gehasste EnEv im Hintergrund auf Anwendung lauert...