Backstein/Ziegelstein Wand im schlechten Zustand wieder herrichten

07.08.2018 Garlock


Backstein/Ziegelstein Wand im schlechten Zustand wieder herrichten

Hallo Liebe Fachwerk Community, ich habe jetzt lange mit gelesen und schon vieles gelernt und umsetzen können.
Was mir aber bisher nicht ganz klar wurde und ich auch nichts machen möchte was nachher vill. nicht das richtige war.
Hier mal meine Frage was kann ich tun um diese schlimme Wand zum einen reparieren und zum andern zu verputzen.
Meine Denkensweise wäre die Fugen auskratzen und Säubern und z.b mit Sumpfkalk Mörtel wieder auffüllen.

kann man einfach Holzfaserdämmplatten davor machen und dann verputzen? Dann hätte ich zum einen noch ne natürliche Dämmung und es wäre alles relativ grade und Sauber.
Das Haus hat rundum eine Wandstärke von ca 80cm nur der hintere Teil auf dem Foto ist ein bisschen dünner was man im Winter auch merkt.
oben ist ein Fachwerk aufgesetzt.

Bin noch relativ neu in dem Thema und möchte gerne viel dazu lernen um mein mir angeeignetes Wissen auch weiter geben zu können.

Was meinen die Fachleuchte zu meinem Problem?





Wenigstens das Mauerwerk solltest du konsolidieren um weiteren Schaden zu vermeiden. Hierzu reicht ein Kalkmörtel, aus Kalkhydrat, mit dem die tief ausgewaschenen Fugen verfüllt und die Ersatzsteine eingemörtelt werden.

Putz kann man machen. Bei der Dämmung sind halt die Anschlüsse zu prüfen. Allerdings dämmt eine trockene Wand schonmal viel besser. Ggf. auch mal den luftdichten Einbau des Fensters prüfen, der Bauschaum an Licht und Luft wird irgendwann wie Staub aus den Fugen fallen.



Sumpfkalk?



Warum Sumpfkalk....du hast sicher genug andere Stellen, an denen du viel Geld für Materialen benötigst.
Verfügen mit einem Mörtel aus Weißkalkhydrat und Sand und gut ist...

Warum sollte man die "dünne" Wand im Winter besonders merken? Nach meinem Empfinden habe ich immer die arschkalten dicken Wände gemerkt, weil die kaum warm zu bekommen sind...



Kalkputz



Okay danke schonmal für die antworten.
Dann werde ich die Wand jetzt säubern von allem was nicht fest ist und da nicht dran gehört.

Und dann mit normalen Kalkputz die komplette Wand verputzen oder die fugen neu machen.

Dann lese ich mich mal in die Materie ein soweit ich weiß wird hier mit ober und Unterputz gearbeitet.



Außenputz



...ICH würde dort wohl mit einem Kalkzementputz arbeiten...beim Selbstmischen also etwas Zement hinzugeben und gut...



Kalkputz



Hallo, ich stimme meinen "Vorschreibern" zu, klassischen Kalkputz. Einen Tipp am Rande, ich würde den Weißkalkhydrat ruhig längere Zeit einsumpfen. Es war hier im Forum schon Streitpunkt, aber wer es selbst schon gemacht hat, wird feststellen, das der Putz wesentlich besser wird und man ihn auch magerer einstellen kann, hängt natürlich vom vorhandenen Sand ab. Im Sprizwasserbereich würde ich eine geringe Menge Zement zusetzen und für den Zement auch noch etwas mehr Sand.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Einsumpfen



...ja, es wird geschmeidiger nach dem Einsumpfen. Man kann aber auch Sand und Weißkalkhydrat im Mischer mit Wasser länger laufen lassen und zum Ende hin erst den Zement zugeben...dann wird das auch recht geschmeidig....



Weißkalkhydrat



Okay die Mehrheit ist jetzt doch für Weißkalkhydrat ohne Zement was auch eher mein Gedanke ist.
Dann besorg ich mir doch endlich mal ein Betonmischer da geht dann doch mehr Masse auf einmal.

Wegen dem Sand soll es da was bestimmtes sein oder geht da normaler Sand den ich beim bauhof bestellen kann?



mehrere Dinge



@joergen er wird nicht nur geschmeidiger. Er erschließt sich durch das einsumpfen besser, selbst wenn man in die Bautafeln schaut, wird man es feststellen Kalkteig (Sumpfkalk) MV 1 : 4, Weißkalkhydrat 1 : 3. (Schneider Tafel 7.5). Die Diskussion hatte ich hier schon mehrmals und manche schlauen Antworten habe ich stehen gelassen, weil einige scheinbar einen anderen Chemieunterricht gehabt hatten. CaO ist ein sehr schwer wasserlösliches Oxid. Unsere Vorfahren haben ihn jahrelang gesumpft und auch die modernen Methoden verändern daran wenig. Es ist nicht nur eine Kalkverschwendung, denn es reagiert nur der gelöste Kalk (CaOH). Das heißt nur dieser erhärtet auch , damit will ich sagen, wenn die restliche Kalk wieder trocken wird, vergeht eine lange Zeit, weil er ja eben schlecht Wasser aufnimmt, bis er abbinden kann. Damit erleben wir den typischen Fall, es bildet sich eine Sinterschicht und dahinter ist alles weich. Ist der Kalk nachgelöscht und zwar mindestens 1 Woche und abgedeckt, dann erreiche ich eine bessere Carbonatisierung des Mörtels.
Sand: Was auch in Vergessenheit geraten ist das es auch beim Sand eine Sieblinie gibt und sie entscheidend für die Festigkeit verantwortlich ist, ähnlich wie beim Beton. Die gängigsten sind 0 bis 4 mm und 0 - 2 mm. Man kann auch mit 0 - 8 mm putzen, aber da braucht man schon ein wenig Übung. Für außen empfehle ich 0 - 4 mm. In der Regel, da Sand ein natürliches Sediment ist, kann man davon ausgehen, das die Zusammensetzung stimmt. Schlecht sind oft Flußsand, da sie keine gute Abstufung haben, also zu fein sind. Feinere Sande brauchen einen höheren Bindemittelanteil. Am Besten ist vorher eine Probefläche putzen.
Gerade bei Weißkalkhydrat etwas Zement zusetzen, s. o. weil er gegenüber dem Sumpfkalk nicht so weit aushärtet. Als Alternativer kann man dem Putz auch Leinöl zusetzen, bessere Verarbeitung und bessere Enthärte.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Kalk



...ob aus Weißkalkhydrat Sumpfkalk wird, kann ich nicht sagen...Weißkalkhydrat ist einfach mit einer gerade so notwenigen Menge Wasser industriell gelöscht, während eben der Sumpfkalk nun mal aus Branntkalk mit Wasserüberschuss gelöscht wird....ich denke nicht, dass man das 1:1 vergleichen kann...

Ich habe bisher keine Kalkputze im Verhältnis 1:3 mit Weißkalkhydrat gelöscht...bei mir hier im Elbe-Saale-Winkel gab es gewaschenen Sand 0-2mm und ich habe keine "Raketenwissenschaft" daraus gemacht...ich wüsste auch nicht, dass das früher jemand so gemacht hat (ich meine zu DDR-Zeiten, als noch selbst gemischt wurde)



Keine Raketenwissenschaft - Basiswissen



Wenn Weißkalkhydrat CaOH ist und Sumpfkalk auch, dann verstehe ich die Frage nicht. Der Unterschied ist ob man sich dafür interessiert, mit was man arbeitet oder es nicht so wichtig nimmt, denke ich. Wenn Sie WKH lange genug sumpfen, wird es Sumpfkalk, vielleicht nicht ganz so rein und tralla. Faustregel, egal was ich nehme ist je länger ich ihn einsumpfe um so besser ist sein Bindevermögen und das wollte ich damit nur für den, den es interessiert,erwähnt haben. Wenn Sie aus WKH Farbe herstellen, werden Sie feststellen, das er nicht abriebfest ist. Nehmen Sie 5 Jahre gelagerten Kalk, werden Sie feststellen, das er abriebfest ist. Und warum? Weil der Kalk besser aufgeschlossen ist. Diesen Prozeß kann man durch physikalische Methoden leicht beschleunigen, mehr aber auch nicht. Am Ende der DDR-Zeiten waren wir auch nicht besser, eher schlechter, weil wir Handwerk als unwesentlich betrachtet haben und so sahen eben die Städte auch aus, leider.
Mit freundlichem
Michael Schmidt



CaO



VORSICHT mit dem Vorwurf, andere hätten im Chemieunterricht geschlafen :-)

Du schreibst: CaO ist ein sehr schwer wasserlösliches Oxid. Unsere Vorfahren haben ihn jahrelang gesumpft und auch die modernen Methoden verändern daran wenig. Es ist nicht nur eine Kalkverschwendung, denn es reagiert nur der gelöste Kalk (CaOH).

Das ist so leider nicht korrekt. CaO ist Calciumoxid, auch Branntkalk genannt. Dieser geht beim Löschen gar nicht in die sogenannte Lösung, sondern er REAGIERT mit dem Wasser unter Wärmeabgabe (exotherm)! Das ist etwas ganz anderes. Zudem ist CaO sehr reaktiv in Verbindung mit Wasser (nicht nur mit Wasser, weswegen er in vielen Zweigen der Industrie benutzt wird).

Das Wasser geht erst nach dem Löschen mit dem Kalkhydrat in Lösung (beim Sumpfkalk)...dabei entsteht die Kalkmilch, die man "lagert"....
Chemisch gesehen dürften Weißkalkhydrat und Sumpfkalk im Putz so ziemlich identisch sein....die Unterschiede liegen in der Kristallisation.

Klugscheißmodus aus :-)



Wissenschaft



Ja, bei der Farbe gebe ich Dir recht...das liegt eben an der Art der Kristallisation...beim Sumpfen setzen sich verschiedene Bestandteile zudem unten ab...das ist doch aber beim Putzen unerheblich. Man kann auch mit Weißkalkhydrat aus dem Sack einen ordentlichen Putz herstellen - der wird auch fest!

Aber auch Farbe aus Weißkalkhydrat muss nicht unbedingt kreiden - das habe ich selbst schon probiert, jedoch eignet sich der länger gelagerte Sumpfkalk da definitiv besser.



kleiner Nachsatz



es geht mir nicht um Klugscheißerei. Was die Anfangsreaktion betrifft, haben Sie völlig Recht, aber das Löschen ist keine linearer Prozeß, er verlangsamt sich. Wenn Sie unter wikipedia nachlesen, werden Sie finden, das CaO eine schwer wasserlösliche Verbindung ist. Bei WKH geht es vielleicht ein wenig schneller, weil gegenüber dem Brandkalk gemahlen, aber dazu habe ich keine Erfahrungen.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Wiki



Auch wenn Wikipedia nicht immer korrekt ist - ich habe gerade mal geschaut...ich habe nichts zur Wasserlöslichkeit lesen können. Auch hier steht etwas von der hohen Reaktionsfreudigkeit in Verbindung mit Wasser!!



Raketenwissenschaft



Nochmal ein Nachtrag zur Raketenwissenshaft...ich bezeichne damit immer Dinge, die unnötig verkompliziert werden, die unnötig überwichtig betrachtet werden...und genau das sehe ich immer wieder in der Herstellung selbstgemischter Kalkputze/Kalkmörtel. Da wird hier eine regelrechte Religion daraus gemacht...Sumpfkalk sollte verwendet werden...Sieblinien sollten bestimmt und beachtet werden...und und und. Klar, kann man machen, aber ich bin mir sicher, dass kaum einer das gemacht hat und mit dieser Bestimmung etwas anfangen kann, geschweige denn diese ändert! Nein - im Gegenteil, man zieht über die Putzhersteller her, die genau dies tun, um eine immer gleichbleibende Qualität zu gewährleisten!
Man nehme Putzsand....wenn man bekommen kann, dann idealerweise Dresdner Putzsand und Teil 1 der Raketenwissenschaft ist abgehakt...

Dabei ist es eben keine Wissenschaft, einen Kalkputz auch aus Weißkalkhydrat herzustellen, der fest wird und nicht an der Wand "explodiert" :-)....

Aus eingesumpften Weißkalkhydrat wird leider kein Sumpfkalk...auch wenn beides chemisch gesehen identisch ist. Sumpfkalk sehe ich in der Restaurierung und dem Wandanstrich...im normalen Mörtel rausgeworfenes Geld!

Sicher ist, dass die Verarbeitung des eingesumpften Kalkhydrats etwas einfacher sein mag, weil der Mörtel ein wenig geschmeidiger wird, aber die Mischungstabellen, die Sumpfkalk besagen, meinen Sumpfkalk und nicht eingeweichtes Weißkalkhydrat. Ich bin mit dem Verhältnis 1:4 in den Jahren meiner Bauerei sehr gut gefahren...



Löslichkeit



Nun habe ich das rechts in der Tabelle gesehen...da CaO sofort mit dem Wasser reagiert, kann es eigentlich gar nicht gelöst werden!



Keine Unterstellung



Wie gesagt ich unterstelle niemanden etwas, aber vieles verschwindet aus den öffentlichen Gedächtnis oder es wird nicht mehr für so wichtig erachtet. Ich habe vieles auch erst durch Zufall oder jetzt erfahren und war verwundert über die Zusammenhänge. Ich wollte damit nur ausgedrückt haben, das hier Lagerzeit und anschließenden Qualität in eine gewissen Verbindung steht.
Hier der Eintrag von Wiki, man kann den Wert auch in anderen Tabellen finden: Löslichkeit
schwer in Wasser (1,65 g·l-1 bei 20 °C, heftige Reaktion). Es kann auch jeder selbst überprüfen, ein Sack WKH 40 Liter Wasser einsumpfen, rühren und zwei Tage später schauen was daraus geworden ist. Man kann dann noch einmal 5 Liter nachfüllen wieder Rühren und in drei bis fünf Wochen nachsehen. Er wird feststellen das der Prozeß nicht abgeschlossen ist. Gleichzeitig wird er merken das der Mörtel einen ganz andere Konsistenz hat und anders abbindet, schneller besser karbonatisiert.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Eine Möglichkeit zur Fassadendämmung



Hallo,
um nochmal die Möglichkeit einer Holzfaserdämmung auszugreifen. Um sich umständliche Ausgleichsarbeiten zu ersparen wäre das UdiRECO System der UdiDÄMMSYSTEME GmbH (https://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/community/a/showMitglied/18918$.cfm) eine Möglichkeit. Hier passt sich die flexible Holzfaserschicht dem Untergrund an und sorgt für eine hohlraumfreie Montage.