Bach, Schlafzimmer, Wärmepumpe

28.01.2015 Rigo



Hallo,

ich habe bereits sehr viel hier gelesen und möchte nun meine erste von vielen offenen Fragen stellen. Eine kurze Beschreibung zum Haus ist in meinem Profil zu finden.

Wie es der Titel schon andeutet konnten wir uns noch auf kein Heizsystem festlegen, deshalb frage ich hier einfach mal in die Runde was ihr unter den gegebenen Umständen empfehlen würdet.

Bis circa 1995 wurde das Haus über 2 kleine Öfen mit Holz und Kohlen beheizt. Ab 1995 bis 2001 wurden diese Öfen durch Ölöfen ersetzt. Ab 2001 wurde gar nicht mehr geheizt. Der Schornstein ist in einem sehr schlechten Zustand und müsste je nachdem für welche Heizung wir uns entscheiden ersetzt werden.

Die Wohnfläche beträgt je Etage 35 m² und die Raumhöhe liegt ja nanch Raum bei 175 bis maximal 220 cm. Der zu beheizende Rauminhalt ist also sehr überschaubar, dafür betragen die Wandstärken aber auch nur 15 bis 20 cm (Balken, Lehm, Innen- & Außenputz).

Die Raumnutzung ist wie folgt geplant:

EG: Wohnküche (20 m²) - Bad (8 m²) - Flur (7 m²)
OG: Schlafzimmer (11 m²) - Schlafzimmer (11 m²) - Schlafzimmer (6 m²) - Flur (10 m²)
DG: Spiel/Kreativraum (25 m²)

Im Dachbereich ist eine Zwischensparrendämmung geplant. In EG und OG werden wir wohl nichts zusätzlich dämmen, da eine Außendämmung kaum möglich ist und wir uns mit der Variante Innendämmung bisher noch nicht anfreunden konnten (das wird nochmal ein eigenes Thema). Nun noch einige Rahmenbedingungen:

- Gasanschluss ist noch nicht vorhanden. Würde 2300 Euro kosten.
- Für eine Fußbodenheizung sind uns die Räume in OG und DG zu niedrig, da wollen wir eigentlich auf keinen cm verzichten. Außerdem wollen wir im OG und DG Holzfußböden was sich ja nicht gut mit einer Fußbodenheizung vereinbaren ließe. Im EG ist Stein / Fliesen geplant, hier wäre eine FBH denkbar.
- Mit Heizkörpern hätten wir aber auch kein Problem
- Für normales Feuerholz wäre draußen ein einfacher Schuppen vorhanden
- Im Haus ist für große Heiztechnik wenig Platz und für ein Lager für Pellets, Öl gar kein Platz. Bei diesen Varianten müsste ein Raum angebaut werden.
- 5 Meter neben dem Haus verläuft ein Sommer wie Winter 8 °C "warmer" Bach. Könnte man in dessen unmittelbare Nähe eine Luft-Wasser Wärmepumpe stellen, da die Luft über dem Bach im Winter ja nicht so stark abkühlt wie der Rest. Im Winter dampft der Bach schon mal. Macht das Sinn oder ist die Kombination Wärmepumpe und Fachwerkhaus totaler Quatsch? Für eine Wasser-Wasser WP ist das Wasser im Bach übrigens viel zu Hart.
- Auch über elektrisches Heizen (Konvektion oder Infrarot) und elektronischen Durchlauferhitzer haben wir schon nachgedacht. Natürlich nur unterstützend zu einem oder zwei Holzöfen. Hier sind die laufenden Kosten natürlich höher dafür aber in der Anschaffung viel günstiger als Gas, Pellets, Öl oder Wärmepumpe.
- Solar zur Warmwassererzeugung oder Vorlauftemperaturerhöhung wollen wir eigentlich nicht es sei denn es wäre die ultimative Lösung

Sorry, ist ein wenig lang geworden aber vielleicht hat es ja jemand bis zum Schluss geschaft und kann uns ein paar Tipps geben. Wichtig ist uns eben auch, dass die Heizung zum Haus passt. Haben keine Lust auf die tollste Heizung wenn uns dann die Wände schimmeln.

Vielen Lieben Dank.





Wegen dem Schornstein empfehl ich euch einen Anruf bei Spann
Wir haben dort 2012 knapp 100€ pro Meter gezahlt. Plus Baustelleneinrichtung, Kopf und Reinigungsklappe.
Empfehlung kam vom freundlichen Feger.
Wegen Platz wäre die Gastherme doch sicher das sinnvollste. Der Preis fürn Gasanschluss liegt im normalen Bereich. Wir hatten Glück. Mitgas hat ne Aktion gefahren wo wir nur 1000 bezahlt haben.

Ich würde ernsthaft über eine leichte Außendämmung nachdenken. 15cm Wand ist wirklich wenig. Du musst ja keine 20cm Styro dran pappen. 10cm sollten schon einiges bringen. Wie schaut denn der Außenputz aus?



Nicht die ultimative Lösung,



aber ein paar Gedanken:

Bei einem Dach in Süd- (SW-, SO-)Lage helfen Kollektoren sehr. Bei uns übernehmen ca. 8 m² Kollektorfläche die komplette Warmwasserversorgung im Sommer und in großen Teilen der Übergangszeit.

Schonmal über Fußleistenheizung nachgedacht?

Wenn Sie Zeit und Lust zum Holzmachen haben, ist freilich ein Holzvergaserofen preiswert und effizient. Bei dieser Hausgröße und ungedämmt müssten Sie mit 20 Raummetern Hartholz im Jahr rechnen. Da der Schornstein eh neu gemacht werden muss, lohnt sich die Überlegung, ihn zweizügig hochzuziehen, dann ließe sich die Holzheizung später mal ergänzen, z.B. mit einer Gastherme oder mit einem Wärmetauscher.

Auf einen Wärmetauscher über den Bach würde ich mich alleine nie verlassen, könnte allenfalls eine Ergänzung sein.

Und ja, denke ich auch, eine vernünftige Dämmung würde sehr helfen.

Wie gesagt, nur ein paar vielleicht hilfreiche Gedanken, die ein Gesamtkonzept natürlich nicht ersetzen können.

Schöne Grüße und viel Glück beim Bauen!





Erst einmal vielen Dank für die beiden Antworten ;-)

@fabig: Eine Außendämmung wäre vermutlich recht aufwändig und bestimmt auch sehr schwer gegenüber der Denkmalschutzbehörde durchzusetzten. Innendämmung in Form von Holzfaserdämmplatten wären vielleicht auch noch eine Variante aber im Moment plane ich tatsächlich erst einmal ohne zusätzliche Dämmung. Ging ja 250 Jahre auch ohne und die hatten weder Gas noch Strom. Meine Oma hatte einen kleinen Ölofen in ihrer Stube und ich erinnere mich gut daran, dass es auf Grund der kleinen Räume immer so schnell extrem Warm wurde das sie die Zimmertür öffnete und den Rest des Hauses noch mit heizte.

Die Wandstärken habe ich nochmal vermessen und sie sind im Schnitt 18 cm. Das mit der empfohlenen Gastherme ist neben der Kombination Kamin / Infrarotstrahler momentan die aussichtsreichste Variante. Wärmepumpe, Pellets, Öl sind so glaube ich aus dem Rennen.

@Erik: Kollektoren werden nicht nur mit der Denkmalschutzbehörde schwierig (aber nicht unmöglich) sondern auch unsere Ortsgestaltungssatzung untersagt diese wenn sie von der Straße aus Sichtbar sind und Straßenseite ist ausgerechnet die Südseite.

Das mit der Fußleistenheizung schaue ich mir auf jeden Fall mal an.

Habe keinen eigenen Wald und müsste das Holz ganz normal im Handel kaufen. 20 SRM Buche frisch kosten bei uns tagesaktuell 58 € also 1200 Euro im Jahr plus Durchlauferhitzer für Warmwasser plus hier und da zusätzlich Infrarotstrahler.



Fachwerkhaus sanieren



Hallo Essig?
Habt ihr die Schräglage vom Haus vermessen und weißt du, ob sich's noch bewegt?
Das würde ich zuerst abklären, dann Zustand der Schwellen, des Fachwerks und der anderen verbauten Hölzer.
Vielleicht dazu mit dem Denkmalamt Kontakt aufnehmen.

Alle anderen Fragen würde ich erst danach genauer überlegen- grundsätzliche Möglichkeiten lassen sich natürlich schon vorher ermitteln.
Du kannst mir gerne Pläne, Bilder etc mailen, soweit du welche hast-
ich sehe mir das dann an und kann dir danach mitteilen wieweit ich dir helfen könnte.
Einzelfragen lassen sich aber auch im Forum besprechen.
Das ist auf jeden Fall ein umfangreiches aber interessantes Projekt.
Andreas Teich



Wärmepumpen..



arbeiten nur dann wirklich sinnvoll, wenn man sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen betreibt, also bei Flächenheizungen wie z.B. Fußbodenheizung.
Natürlich benötigt man dafür auch einen WW-Speicher, der irgendwo hingstellt werden muss.

Die Aufzählung der Räume lässt vermuten, dass der 20 qm Raum im EG der Hauptaufenthaltsraum ist.
Die Schlafzimmer im OG werden sicher weniger Heizleistng brauchen.

Ein Konzept könnte sein, in der Wohnküche einen Holz-Ofen mit Wassertasche aufzustellen, der WW Speicher und die Gastherme (kleines Gerät als Reserve + WW im Sommer)können ohne weiteres in's DG, Da gibt's auch Kombigeräte.

Da die Leitungswege wahrscheinlch vergleichsweise kurz sind, dürfte das Aufwand sicher akzeptabel sein.

Grundsätzlich sollte aber mal jemand zuerst die nötige Heizlast berechnen. 20 SRM Buche + 2. Heizsystem bei <100 qm erscheint viel.

Ich kann mich insofern mal outen:

wir bewohnen ein FW Haus, beheizt werden insges. etwa 350 qm in 2 Wohneinheiten.

Davon 50 qm FB Heizung im EG, in allen außenliegenden Räumen Wandheizung auf 6cm Ca-Silikat Dämmplatten, Dachboden kalt, oberste Geschossdecke mit HWF gedämmt, darauf Rauhspund (ohne Folie, also einigermaßen luftig).

Dafür habe ich im letzten Jahr 45.000 kWh Gas (2300€, incl. WW für 4-5 Personen) und 12 RM Buche verheizt (vom Holz war nicht alles verbraucht).
Wenn ich die üblichen 20 kg in den Ofen lege und die Türen in's OG und DG immer offen wären, würde es oben eigentlich keine weitere Heizung brauchen.

(Vor der Sanierung: etwa 3500€ für Öl + 4 RM Holz, dafür aber nur für 225qm beheizt und 2 Personen ohne WW.)

So schön ich das Heizen mit Holz finde, gibt es zu bedenken,
dass so ein Ofen mit Wassertasche einen gewissen Wartungs- und Reinigungsaufwand hat und einen hierfür geeigneten Zug benötigt. Zudem ist das Verhältnis zwischen Wasser und Strahlungsleistung nicht vollkommen frei regelbar, so dass bei hohem WW Bedarf ein kleiner Raum schon einmal überheizt sein kann.

Schließlich wiegen die genannten 20 SRM wenn sie ofenfertig getrocknet sind etwa 7 Tonnen.
Das bedeutet, dass man in einer Heizperiode von Anfang Oktober bis Ende April (= 200 Tage) am Tag im Durchschnitt 35 kg Buche verheizen muss, in der Übergangszeit weniger, im tiefen Winter mehr.
Dafür brauchts einen Ofen, der das auch aufnehmen kann.

Fazit:
Wenn man sich im klaren ist, wie die Räume genutzt werden sollen, zunächst die Heizleistung berechnen und vom Fachmann ein individuell angepasstes System planen lassen, je nach Vorliebe.

Gruß

GE





Herzlichen Dank für die beiden neuen Antworten.

@Andreas Teich: Das Haus ist uns und den Nachbarn jedenfalls schon immer als "schräg" bekannt was nicht heißen soll, dass es sich nicht sehr langsam weiter neigt. Jedenfalls ist diese Schräglage nicht schnell von statten gegangen, zumindest nicht in den letzten Jahrzehnten. Die Neigung beträgt in etwa 25 cm auf 7,30 Hauslänge. Das Thema Neigung ist schon ein "Problem" und deshalb werde ich dazu am Wochenende mal ein neues Thema starten damit hier im Heizungsthema nicht alles durcheinander kommt. Bilder und ein paar laienhaft erstellte Pläne finden sich unter www.3gleichen.de/oma/

@GEhlerding: Vielen Dank für die Hinweise. Ich denke Wärmepumpe ist auch vom Tisch und das mit den 35 kg Holz je Tag war mir so gar nicht bewusst, ist ja schon richtig viel und das dann noch verteilt auf zwei Öfen die gefüttert und gesäubert werden wollen. Dann habe ich nicht 3 kleine Kinder sondern 5 :-) So sehr uns das selbst ärgert aber das schaffen wir nicht und einen Kamin nur zum Wohlfühlen, quasie als Luxusobjekt wollen wir auch nicht.

Ich denke es läuft tatsächlich auf eine Brennwert Kombitherme hinaus und ich hoffe wir machen da keinen Fehler. Das ist zwar vielleicht nicht das richtige Forum aber liege ich mit folgenden Preisen so in etwa Richtig?

2300 Euro - Gasanschluss
2500 Euro - Brennwert Kombitherme
0900 Euro - 6 Flachheizkörper
1000 Euro - Abgasleitung außen
1000 Euro - Installationsmaterial
2000 Euro - Arbeitskosten
9700 Euro - Gesamtkosten

Es ist ja eigentlich nur der Anschluss, Kombitherme dran, 6 relativ kurze Rohre nebst Heizkörper und Warmwasserleitung ins Bad. Vielleicht sogar doch noch einen kleinen Warmwasserspeicher wenn der Platz reicht. Oder gibt es Bedenken gegen diese Art der Heizung und Warmwasseraufbereitung?

Vielen Dank