Was kostet ein Energieausweis und was bringt es?

04.04.2008



Brauchen wir zum 1. Juli 2008 für Immobilieneigentümer bei der Vermietung, Verpachtung oder Verkauf den Energieausweis?
Und was soll erreicht werden?
Den Verbrauchsausweis kann man schon direkt online bestellen. Das Ausfüllen ist einfach, kostet zwischen 20 und 90 € ist sehr einfach strukturiert und dauert nur ca. 10 Minuten.
Der Ausweis ist, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, zehn Jahre lang gültig.
Darf denn das wahr sein?



Der Enernergieauseis als Verbrauchsausweis



(hab ich auch schon für 10 Eur gesehen, normalerweise nur für Mehrfamilienhäuser oder sanierte EFHs, bis Oktober aber auch für unsanierte) ist im Prinzip eine nach einem bestimmten Schema eingegebene Heizkostenabrechnung, in so fern sind selbst 10 Eur zu teuer.

Wer wissen will, was so dabei rauskommt: Schön gemacht hat das dieser Anbieter hier online zur Voransicht.

Für diejenigen, die nur die gesetzlichen Auflagen bei Vermietung/Verkauf erfüllen müssen, besteht der Nutzen gerade noch darin sich die energetische Lage seiner Immobilien in den Schubladen grün bis rot zu vergegenwärtigen.

Der von den Ergebnissen her nicht recht vergleichbare, teure Bedarfsausweis (ca. 150/500 Eur) gibt wenigstens noch eine energetische Schwachstellenanalyse her, ist nur etwas für "Sanierungswillige".



Der Energieausweis soll



dem Mieter oder Käufer die Möglichkeit geben verschiedene Miet oder Kaufangebote gem. ihrem energetischen Standard einzustufen und zu vergleichen.
Aus meiner Sicht ist hierzu der sogenannte verbrauchsorientierte Energieausweis wenig geeignet und ich empfehle den bedarfsorientierten Ausweis, der auch immer Sanierungsempfehlungen beinhalten soll. Außerdem sollte immer eine Inaugenscheinnahme zu einem qualitativ guten Energieausweis gehören. Das man dieses nicht für 150 € bekommen kann ist eigentlich klar. Der Preis hängt darüber hinaus noch vom weiteren Arbeitsaufwand ab. So spielt es natürlich eine große Rolle, ob dem Aussteller detailierte Zeichnungen zur Verfügung gestellt werden können, oder ob ein aufwändiges Aufmaß mit der Erstellung von Bestandszeichnungen erforderlich ist.
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Der Ausweis ist 10 Jahre gültig, aber lediglich um nach 10 Jahren festzustellen, ob es Veränderungen am Gebäude gegeben hat. Die Verlängerung dürtfte also nach einem ersten sicherlich aufwändigen Erstellen des Ausweises, wesentlich günstiger sein.



Bedarf/Verbrauch



Darüber gab & gibt es auschweifendste Diskussionen, was denn nun "besser" sei.
Natürlich will ein Käufer die Schwachpunkte einer Immobilie kennen und wird, notfalls auf eigene Kosten, das Objekt unter die Lupe nehmen.
Aber was soll eine Schwachstellenanalyse für ein Objekt das wenig Energie verbraucht, und dessen Besitzer gar nichts geplant hat / kein Geld hat? Den Zwang, hier einen teuren Bedarfsausweis erstellen zu müssen, wurde vom Gesetzgeber Gott sei Dank noch abgemildert.

Zu kritisieren sind an den Ausweisen meiner Meinung nach noch paar andere Dinge:
Die Bewertungsmaßstäbe sind viel zu lax: mit 150 kWh/m2/a ist eine Immobilie nach heutigen Maßstäben eben nicht im "grünen" Bereich.
Verbrauchs- und Bedarfsausweise geben andere Ergebnisse aus. Der Endverbraucher, der damit ja beglückt werden soll, da der den ganzen Aufwand sowohl in der Gesetzgebung als auch für die Ausweise bezahlt, kann überhaupt nicht nachvollziehen, was dieser Wert nun bedeutet. Geschweige denn daraus irgendwelche "vernüftige" Werte wie seinen Energieverbrauch daraus berechnen.

Damit nicht genug: Es herrscht ein völliges Durcheinander bei den verschiedenen Berechnungsverfahren des Bedarsausweises, natürlich mit unterschiedlichen Ergebnissen, und nächstes Jahr kommt mit der EnEv 2009 noch ein weiteres hinzu. Das ganze hat den Anschein eines vom Gesetzgeber verordneten Irrenhauses.

Zur Erinnerung:
WSchVO 1985: 11 Seiten
EnEV 2007 + Erläuterung des BMVBS: rd 270 Seiten.

Mehrnutzen = Energieeinsparung = 270/11 = 240% ??? ;)

Für den vermutlich in Zukunft am meisten erstellten Verbrauchausweis hätte in den meisten Fällen genügt: Energieverbrauch / Wohnfläche / Jahr verglichen mit dem Referenzwert der vorhandenen Heizspiegel. Die Werte kann jeder aus der Gas/Öl/Heizkostenabrechung ablesen und sind leicht nachzuvollziehen.



Irrenhaus



Es herrscht ein völliges Durcheinander bei den verschiedenen Berechnungsverfahren des Bedarsausweises, natürlich mit unterschiedlichen Ergebnissen, und nächstes Jahr kommt mit der EnEV 2009 noch ein weiteres hinzu. Das ganze hat den Anschein eines vom Gesetzgeber verordneten Irrenhauses.

:-))) Genauso isses! Wenn die Fachleute bei der Rechnerei schon nicht mehr durchblicken, was soll der Laie dann noch verstehen können.

Gruß
Willi



@Willi Rotex



Wo habe bitte behauptet, dass die Fachleute nicht durchblicken?



Leider abgemildert und verwässert



Zitat: "... was soll eine Schwachstellenanalyse für ein Objekt das wenig Energie verbraucht, und dessen Besitzer gar nichts geplant hat / kein Geld hat? Den Zwang, hier einen teuren Bedarfsausweis erstellen zu müssen, wurde vom Gesetzgeber Gott sei Dank noch abgemildert."
Der Ausweis dient in erster Linie nicht dem Besitzer sondern dem Mieter oder Käufer. Wer keinen Mieter oder Käufer sucht, braucht auch keinen Ausweis erstellen zu lassen. Wenn bei diesem Ausweis noch ein paar Tips heraus kommen sollte sich jeder Auftraggeber darüber freuen und er hätte mehr von dieser Berechnung, wenn die Ausweise vergleichbar wären. Dies ist aber mit der Billigvariante nicht möglich, bzw. durch die Tatsache, dass es unterschiedliche Verfahren für die Erstellung des Ausweises gibt.
Hier hat sich die Politik mal wieder selber ein Ei gelegt, weil die Meinung aus der Wirtschaft wichtiger ist wie Verbraucherschutz.



Bedarfsausweis = Verbraucherschutz ?



Das wird gebetsmühlenartig wiederholt und ist deshalb auch nicht immer richtig.

Im Optimus-Projekt der Uni Wolfenbüttel stellte man bei einem Vergleich fest: Altbauten wurden im Verbrauch im Schnitt 35% zu schlecht gerechnet, Neubauten 10% zu gut.
Hier stimmt offensichtlich das Rechenmodell nicht und des wird auch nie ganz stimmen. Und wenn nicht mal eine Korrelation mit dem Verbrauch hergestellt wird sind alle Berechnungen und Rentabilitätsrechnungen(!) für die Katz.

Zum Verbraucherschutz: Der Bedarfsausweis besagt nichts über die Heizkosten die tatsächlich anfallen. Bei einem Altbau-MFH kamen 210 kWh/m2/a Endenergiebedarf heraus, der Verbrauchsausweis lieferte Werte von 90. Bezahlen wird der Mieter aber nur die 90. Der in der Theorie richtige, in der Praxis offensichtlich falsche Bedarfswert ist für ihn wertlos. Den Mieter dieser Immobilie interessieren keine Schwachstellen wie z.B. eine fehlende Perimeterdämmung, er will möglichst wenig Energiekosten zahlen. Dass wird er aber am einfachsten aus einer Heizkostenrechnung ablesen und mit andern Objekten vergleichen können. Dazu braucht er weder den einen noch den andern Ausweis.

Dem Käufer wiederum ist anzuraten, das Objekt selbst unter die Lupe zu nehmen, wer weiß mit welchem Verfahren und welchen Grundannahmen im Ausweis gerechnet wurde.

Der Bedarfsausweis hat unbestritten seine Berechtigung bei der Neubau und Modernisierung: hier lassen sich die Schwachstellen und die effektivsten Maßnahmen bestimmen. Aber auch hier gilt: wenn wenig verbraucht wird gibts auch wenig einzusparen. Dem Modernisierer vorzugaukeln, dass sein Bedarfswert um 70% sinkt bedeutet halt noch lange keine Einsparung von 70%!



Nun ja ...



"Der Bedarfsausweis besagt nichts über die Heizkosten die tatsächlich anfallen." Nun, das ist richtig und wird niemand bestreiten. Aber eine Berechnung auf gleichen Grundlagen ist die einzige Möglichkeit Vergleiche anzustellen. (Wenn man von standardisierten Messverfahren absieht, was in einem Wohngebäude keinen Sinn macht.) Gerade Verbrauchsdaten sind aber zum Vergleich denkbar ungünstig, weil sie sehr stark vom Nutzerverhalten abhängen. Und wenn die Daten dann noch selber ermittelt werden, wer will die Dinge dann noch kontrollieren.



@Herr Heim



Herr Tiefensee bei der Vorstellung des Energieausweises: "Wer in Zukunft eine Wohnung mietet oder ein Haus kauft, kann die Energiebilanz des Gebäudes und damit die absehbaren Verbrauchskosten in seine Entscheidung einbeziehen." Wie ich schon oben schrieb: ein Blick in den "Heizspiegel" hätte hier auch genügt und gibt mehr her.

Aber eine Berechnung auf gleichen Grundlagen ist die einzige Möglichkeit Vergleiche anzustellen.
Die Berechnungsgrundlagen sind ja schon nicht nicht mal die gleichen:
Bedarfsausweis nach EnEV 2002
Bedarfsausweis nach EnEV 2007 mit den "Optionen"
* Vereinfachtes Verfahren Heizperiodenbilanz
* Verfahren Monatsbilanz
* vereinfachtes Verfahren mit Daten aus "Gebäudetypologie" (sehr "gefährlich" bei Teilmodernisierung)
* Anlagentechnik nach Diagrammverfahren
* Anlagentechnik nach Tabellenverfahren
und jedes mal erhalten wir ein anderes Ergebnis...

Die Vergleiche der Energieverbäuche sind gang und gäbe: siehe Heizkostenspiegel Co2Online und ergeben sehr brauchbare repräsentative Hinweise.

Gerade Verbrauchsdaten sind aber zum Vergleich denkbar ungünstig, weil sie sehr stark vom Nutzerverhalten abhängen.
Das stimmt in MFHs (und darauf Bezog sich mein Beispiel) eben gerade nicht mehr. Gerade hier sind die Bedarfsausweise richtig teuer und (s.o. Beispiel) unbrauchbar, wenn der Verbrauch nicht korreliert.



Durcheinander



Ja, Markus, Du hast geschrieben:

Wo habe bitte behauptet, dass die Fachleute nicht mehr durchblicken?

Aber Du sagstest doch:
...Es herrscht ein völliges Durcheinander bei den verschiedenen Berechnungsverfahren des Bedarsausweises, natürlich mit unterschiedlichen Ergebnissen,...

Nach dem Zeugs, das Du hier so zusammenschreibst, kann man als unbedarfter Mitleser schon den Eindruck bekommen, dass selbst ein Fachmann wie Du sich manchmal auch etwas schwertut.

Ich als einfacher „Endverbraucher“ lese natürlich solche Diskussionen gerne, zeigen sie doch oftmals auf, daß selbst die ausgewiesenen Fachleute sich ständig eingehendst mit der Materie befassen müssen. Wie soll es denn dann erst uns armen „Endverbraucherlein“ gehen, wo wir doch so wenig Ahnung haben???

Die Informationen auf www.konrad-fischer-info“ zu „Verbrauchsausweis“ / „Bedarfsausweis“ brauche ich Dir ja nicht mehr herauszusuchen – die kennst Du als Fachmann ja sicher schon.

Schwarz Willi



@Willi Rotex



Herr Rotex schrieb:"Nach dem Zeugs, was du hier so zusammenschreibst"

Ich kann mich nicht entsinnen, Ihnen jemals das "Du" angeboten zu haben, und werde es wohl auch nicht tun. Sie müssen mein Zeugs auch nicht lesen oder verstehen.

Mit Herrn Fischer unterhalte mich mich da lieber, der hat wenigstens Stil, auch wenn wir inhaltlich eher selten einer Meinung sind.



...verblüfft...



Ich bin verblüfft, eine solche Antwort hätte ich wirklich nicht erwartet!

Mit Herrn Fischer unterhalte mich mich da lieber, der hat wenigstens Stil, auch wenn wir inhaltlich eher selten einer Meinung sind.

Wie Sie meinen, Herr Göb. :-)

Schönen Sonntag und Gruß

W.Schwarz



@Markus Göb



Nun, Herr Tiefensee ist Politiker (!!!)
und ich habe gar nichts dagegen, wenn wir uns auf ein einheitliches Verfahren festlegen. Da aber der Verbrauchsausweis wie sie sagen nur bei größeren Miethäusern zu guten Ergebnissen führt (ich werde mir das in einer ruhigen Stunde auf CO2online noch zu Gemühte führen) sind wir doch wieder beim Bedarfsausweis.
Die Kostenseite sehe ich etwas anders. Je größer das Wohnhaus um so geringer wird der finanzielle Einsatz betrachtet auf die Wohneinheit.



@Herr Heim



Ich stimme Ihnen voll und ganz zu: wenn ein Verfahren schon niemals immer richtig sein kann, dann wenigstens eines!

@Herr Tiefensee ist nicht "nur" Politiker, sondern auch Diplomingenieur - aber auch das hat nichts geholfen :(

@Aufwand pro Wohnung in MFH: Der Vermieter muss sich die Mühe aber schon bei einer einzigen Neuvermietung machen - also rd. 500 Eur für Bedarfsausweis - oder 15 Eur Verbrauchsvariante. Was ist in so einem Fall wohl richtig was ist "ehrlicher", was ist ökonomisch sinnvoll?

Sehr schön hat das Dilemma meiner Meinung schon ein Beitrag aus dem Jahre 2005 (!) im TGA-Fachplaner vorausgesehen.



Warum



ist den der Energiepass eigentlich Pflicht bei Neuvermietung oder Verkauf? Wenn z.B. der neue Mieter einen sehen will gut, dann soll er ihn bezahlen. Wenn der Vermieter ihn nicht zeigen kann, dann muss man aber auch nicht dort mieten. Wenn z.B. meine Uroma als Erstmieter in eine sanierte Wohnung von mir einziehen würde, müsste ich einen Energieausweis machen lassen. Ihr sind aber die Energiekosten ziemlich egal, sie müsste ggf. altersbedingt zur Familie ziehen. Die Pflicht ist schon Unsinn.
Verbrauchs-Ausweis... wie kommt man an die Verbrauchsdaten der Mieter? Die müssen keine Auskunft geben. Ohne deren Genehmigung bekommt man die auch von keinem Versorger.
Bedarfs-Ausweis... Beispiel Reihenhaus, Nachbarhaus ist leerstehend. Da aber bestimmungsgemäß zum beheizen gedacht, fällt in der Berechnung die dünne Brandschutzwand weg. Dann kommt ggf. ein prima Ausweis heraus, nur stimmen tut er nicht für'n 5er. Amtliche Mieter-Verar...!
Den ganzen Mist sollte man einfach vergessen. Was nützt der schönste Energieausweis wenn der Mieter immer bei offenen Fenster schläft aber im Nachbarzimmer seine Wüstenkriechtiere es immer mindesten 24°C warm haben müssen?
Da bringen beide Varianten nur falsche Werte.



Keine Pflicht zur Vorlage wenn es niemand interessiert



EnEV: spricht vom Zugänglichmachen, wenn der potentielle Mieter das verlangt, an den Kosten bleibt in jedem Fall der Vermieter hängen.

Natürlich interessiert mich als Mieter der Energieverbrauch einer Immobilie. Die Idee des Energieausweises ist grundsätzlich zu befürworten, die Realisierung in D leider daneben. In Zukunft wird der Ausweis auch in Mietspiegeln eine Rolle spielen, die Stadt Bochum macht es gerade vor (dort wahlweise Bedarf/Verbrauchsausweis).

Und dass das Verhalten eines Endverbrauchers nicht vorhersagbar ist ist auch kein Grund den Ausweis mit Bausch und Bogen zu verwerfen, hier wird der Verordnungsgeber dann doch etwas "überfordert". Wenn der Ausweis in sagen wir mal 90% der Fälle +/- 20% ein vernünftiges Ergebnis liefert, wäre das schon was.

Die Verbrauchsdaten kann man vom Gasversorger bekommen, mit (und bei Weigerung teilweise auch ohne) Einverständnis des Mieters.



Der Energieausweis.



Wer braucht das gute Stück? Niemand! Zunächst natürlich nur.

Im großen Bereich der Einfamilienhäuser wird der Energieausweis erst interessant, wenn das Haus wieder verkauft werden soll. Da will ich jetzt gar nicht weiter darauf eingehen, wer wann was braucht, das wurde ja ausreichend diskutiert.

Ob der Energieausweis beim Verkauf überhaupt ein Verkaufsargument sein wird, wird die Zukunft beweisen, denn inhaltlich ist der derzeitige Ausweis für Laien kaum nachzuvollziehen und – außer im direkten Vergleich - zudem noch recht aussagelos.
Da inzwischen noch nicht jeder, in Kürze aber viele die den Ausweis benötigen, wissen werden, dass man sich die Dinger schon jetzt für 9,99 € im Internet bestellen kann, ohne dass je ein Berater das Haus gesehen hat, wird über die Seriosität und das Verkaufsargument noch zu diskutieren sein – das ist genau betrachtet somit schon jetzt hinfällig.
Letztendlich ist das ein verwerfliches Papier, das nur Geld kostet und zu enormen Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter führt. Wenn ich also als Vermieter meinem potenziellen Mieter einen Ausweis zugängig mache, sehe ich doch zu, bei der Berechnung einen kälteliebenden, duschfaulen und stets die Fenster schließenden Mustermieter zu berechnen, die Daten im Internet einzutippen und für laues Geld ein schickes Papier im grünen Bereich zu erhalten. Wenn später die Gasabrechnung höher ist, liegt das natürlich am Nutzerverhalten, oder den zu geringen solaren Gewinnen in diesem Jahr :-))

Das die Ausweise Pflicht werden weiß jeder und für so manche seriöse, am Bau beteiligte Handwerker gilt es als Selbstverständlichkeit, den Ausweis auszustellen ohne auch nur einen Cent dafür zu nehmen.

Auch auf die Gefahr hin, dass man über mich herfällt: Für einige am "Markt" agierende ist das zumindest im Moment eine gute Einnahmequelle. In Wiesbaden war zu beobachten, wie - drückerkollonenähnlich - sog. Energieberater durch Reihenhaussiedlungen ziehen und den ahnungslosen Eigentümern die bunten Papierfahnen mit dem Hinweis verkaufen, dass der Energieausweis ab 2008 Pflicht sei – bei neugebauten und bei alten Häusern genauso; ohne Hinweis auf Vermiet- oder Verkaufsabsichten.

Da ich selbst einige Altbauwohnungen besitze kann ich sagen, dass man da als Vermieter hin- und hergerissen ist ... (nehme ich nun die 9,99 € Variante oder die präzise für 500 €, die letztlich klarstellen könnte, das mein Gebäude in einem miserablen Zustand ist? Außerdem erfahre ich das erst im Nachhinein)

Letztlich werde ich die ausführliche und für Laien vollkommen unverständliche Berechnung meinen Mietern zur Verfügung stellen, um zu beweisen, das mein Haus im "grünen Bereich" liegt. Ich freue mich schon auf die Diskussionen über die Quadratmeterangaben der Wohnungen ...

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



@Herr Kornmayer



"nehme ich nun die 9,99 € Variante oder die präzise für 500 €, die letztlich klarstellen könnte, das mein Gebäude in einem miserablen Zustand ist"

Wenn Ihr Gebäude so miserabel ist, dann wird korrekt ausgefüllter 9.99er auch keine guten Ergebnisse bringen.

Und mit dem "präzisen" ist das ja auch so eine Sache, s.o.

Dem Mieter ist am Ende eben nur mit einem Ausweis gedient, mit dem seine Energiekosten ungefähr abschätzen kann. Er kann selbst normalen Verbrauchsverhalten eben auch in einem "schlechten" Gebäude wenig bezahlen, oder in einem "guten" viel.



Energieauseiweiß



Hallo Herr Göb,

hier geht es weniger um den Zustand meines exemplarischen Gebäudes als um den beispielhaften Willen des Vermieters oder Verkäufers sein Gebäude/seine Wohnung in möglichst gutem Licht darstellen zu können. Die Neigung zum "kleinen Betrug" ist halt landläufig unerhört groß.

Dem Mieter/Käufer bringt das Papier letztlich gar nichts außer dem mehr oder minder guten Gefühl bei der Vertragsunterzeichnung.
Mit größter Wahrscheinlichkeit ist das noch nicht einmal justiziabel – da freue ich mich schon den ersten Prozess zu beobachten.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Dem Käufer



würde ich auch raten, hier selbst Hand anzulegen.

Das der Ausweis gar nichts bringt: So weit würde nicht mal ich gehen. Das Problem bezüglich des Mieters ist, dass er eben mit dem bunten Papier erst mal nicht nachvollziehen kann, was sich hinter den Begriffen verbirgt.

@Betrug: Beim Verbrauchsausweis liegen ja immerhin Heizkostenabrechnungen zu Grunde - da wir es ggf. schon kriminell, wenn etwas absichtlich falsch eingegeben wurde, da kommt man durch nachrechnen relativ leicht dahinter.



Energieauseis



Hallo Herr Göb,

im Prinzip haben Sie vollkommen recht. Aber:

Wenn ich als Vermieter nun die Heizkostenabrechnung eines Mieters zu Grunde legen muss, der permanent bei 28°C gelebt hat bedeutet das dann für mich, dass ich dem nachfolgenden Mieter einen verbrauchsorientierten Energieausweis vorlege, der sich weitaus schlechter darstellt als hätte der Vormieter "normal" gelebt?

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Je größer die



Anzahl der Wohnungen um so eher wird sich natürlich der 28° Mieter herausrechnen. Aber der evtl. Mieter, der die Wohnung ohne Dämmung zum Dachgeschoss mit 3 Außenseiten, wird sich natürlich auch wundern, wenn die vorgelegten Verbrauchsdaten mit seinen Heizkosten gar nichts gemein haben.
Ich kenne auch ein Beispiel wie es ca. 20 Mieteinheiten in einem Passivhaus auf den Energieverbrauch eines Niedrigenergiehauses nach WSVO 95 gebracht haben.
Aus diesem Grunde ist mir der Bedarfsausweis lieber. Er gibt zwar keine Auskunft darüber was ich an Enegie benötige - das geht auch gar nicht - aber er macht Gebäude vergleichbar, wenn man sich wie Martin Göb bereits ausgeführt hat auf einheitliche Erstellungsgrundlagen festlegt.



Verbrauch / Bedarf im Zusammenhang mit Mietwohnungen



@Herr Heim:
die Verbrauchserfassung in Passivhäusern ist ja sowieso und richtigerweise eine aussterbende Spezies, weil zu teuer ;)

Unstrittig ist: es gibt immer einen statistischen Zusammenhang zwischen Bedarf und Verbrauch.

Dabei halte ich im Einzelfall Rosinenpickerei durchaus für zulässig, an der Gesetzeslage werden wir ja leider nichts ändern können: wenn die Mieter ihre Möglichkeiten in einem Passivhaus nicht zu schätzen wissen, bekommen sie den Bedarfsausweis vorgesetzt, wobei der Umwelt ja eigentlich nicht geholfen ist.

In einem Gebäude mit entsprechend günstigen Verbrauchswerten "gilt" der Verbrauchsausweis, hier profitieren ja die Bewohner und die Umwelt von ebendenselben.

Und eine Frage in die Runde: wo würden Sie wohnen wollen, wenn dass das entscheidende Kriterium ist: mit niedrigem Bedarf oder niedrigem Verbrauch? ;)

Wobei man sich auch damit abfinden muss: bestraft / belohnt werden alle Mitbewohner, nicht zuletzt via Heizkostenverordnung.



Ich wollte das Passivhaus



hier nicht unbeding hochhalten, es ging mir nur um den Unterschied. (Aber es kann funktionieren und aussterben wird es vorläufig noch nicht!) Hier ging es auch nicht um die Funktion gemäß Berechnung, sondern hier war es definitiv das Nutzerverhalten.



Die Energieversorger geben Verbrauchsdaten



von Mietern auch ohne deren Zustimmung heraus, Markus? Wenn der Vermieter die nicht für mietvertraglich geregelte Abrechnungszwecke benötigt, bewegen die sich m.E. bestenfalls in einer juristische Grauzone. Schon mal was von informeller Selbstbestimmung gehört? Ist aber auch vollkommen egal. In der jetzigen Form ist der Energiepass unsinnig, weil zu viele Ungenauigkeiten und Berechnungsvarianten möglich sind. Somit sorgt er beim Mieter/Käufer m.E. eher für Verwirrung als für verlässliche Information. Er sollte wohl eher "grobe Energieeinstufung" als "Energiepass" heißen. Mit "Pass" wird immer etwas amtliches und korrektes verbunden. Dies ist er aber nun eher nicht.

Gruß Marko



@Passivhaus von Herr Heim



ich bezog mich darauf, dass die Verbrauchserfassung in Passivhäusern bald nicht mehr vorgeschrieben werden soll, da die niedrigen Heizkosten und Kosten für die Verbrauchsmessung in keinem vernünftigen Verhältnis stehen.

Interessant ist in Ihrem Fall: man lügt sich in die Tasche, wenn man meint, mit bedarfsarmen Häusern allein hätte sich das Problem erledigt.



@Passivhaus



Ich stimme hier vollkommen zu - die Heizkosten und die Verbrauchsmessung stehen in absolut keinem vernünftigen Verhältnis - ich hoffe auch, dass diese Verordnung bald fallen wird.

Habe hier eine interessante Seite mit Energieausweis-News gefunden - für die die sich noch mehr informieren wollen!