Austreiben von Calciumnitrat

13.01.2019 Herr WieD



Hallo zusammen,

ich habe einen alten Stall mit wunderschönen Gewölben geerbt.
Leider ist die Nitratbelastung nicht von schlechten Eltern (habe einen Nitrattest vom Tierhandel gekauft).
Opferputz ist sicher Plicht, allerdings möchte ich die Vorbelastung so weit wie möglich reduzieren.
Ich hätte eine indirekte Gaskanone im Raum aufgestellt und mittels eines Ventilators einen Luftaustausch mit der Winterluft hergestellt.
Im nächsten Schritt würde ich die Wände befeuchten und die Heizung einschalten.
Mein Grundgedanke ist die relative Luftfeuchtigkeit unter die Deliqueszenzfeuchte zu bringen (Ziel wäre knappe 30 Prozent) und die hoffentlich austretenden Salzausblühungen zu entfernen.
Leider habe ich im Internet keine Erfahrungsberichte dazu gefunden und daher würde ich gerne in diesem Forum fragen, ob schon jemand so etwas versucht hat bzw. ob die Methode überhaupt funktionieren kann.
SG
David



entsalzung



ich habe das so ähnlich im alten Waschhaus so probiert. Gasheizung allerdings produziert Feuchte Luft, ich habe dann ein Elektrogebläse benutzt bzw. ölradiator. Allerdings hatte damals die Winterluft nicht so eine geringe Feuchte, es hat also nur bedingt funktioniert. Daher habe ich einen Bautrockner im Phasenwechsel mit der Beheizung benutzt. Das alles mit Zeitschaltuhren gemanagt.
Zwei Dinge gibt es zu beachten:
- vorher die fugen auskratzen, tiefe wie Breite. In den Fugen sammelt sich viel Salz, Den Mörtel sammeln und entsorgen. ( ich habe Folie ausgelegt)
- durch die Kristallisation der in Lösung vorhandenen Salze kann es zu Absprengungen im Ziegel kommen, weil sich die Kristalle ausdehnen bei ihrer Bildung. Bei mir war das nicht so heftig.
-die ausgefällten Salze habe ich fortlaufend abgesaugt.

Wichtig ist natürlich, dafür zu sorgen (falls vorhanden), dass keine Feuchtigkeit aus dem angrenzenden Erdreich, (bei mir wars im Keller) nachkommt. Gegenwärtig steht das Mauerwerk noch offen, die Absaugzeiträume verlängern sich auf 1x im quartal. Ich will dann erstmal einen Lehmputz als Opferputz auftragen, der läßt sich später einfacher wieder entfernen ( hoffe ich).
Ein Bekannter, der Steinrestaurator ist, arbeitet mit Zellulosepackungen, die er feucht hält und immer mal wechselt. Das ist aber sehr aufwändig, scheint aber auch zu funktionieren.



Entsalzung



Gelöste Salze aus dem Mauerwerk sollten nicht an dessen Oberfläche offen auskristallisieren, da die Kristalle durch deren Volumenzunahme in den Kapillaren kurz vor der Oberfläche die Materialstruktur aufsprengengen und damit die Steine (Ziegel) irreparabel schädigen. Das kannst Du vollständig verhindern, indem Du einen Opferputz einsetzt. Sehr gut geeignet ist dafür Lehmputz, am besten rein mineralischer grober Bewurf mit mindestens 15 mm Schichtstärke und rau strukturiert, um eine möglichst große Oberfläche zu erhalten. Den Putz nach der Beschichtung kontinuierlich trocknen, gern mit Raumluft- Entfeuchter . Die Salzausblühung erfolgt an der Putzoberfläche und nicht am / im Ziegel. Ca. 2 -4 Woche nach der Beschichtung den Putz weitestgehend wieder entfernen und sogleich mit neuem Lehmputz wie vor beschrieben beschichten und trocknen. Nach der wiederholten Entfernung des Materials beobachten und prüfen, ob noch Ausblühungen entstehen. Wenn nicht, kann das Mauerwerk trocken gereinigt, repariert und ggfs verfugt werden. Letzteres am Besten mit (farbigem) Lehmmörtel. Die Ziegel vorher bei Bedarf mit neutralisierender Lauge behandeln. Dabei genau beachten, um welche Salze es geht. Entstehen noch stärkere Kristalle sollten diese gleich angelöst und ein erneuter Verputz angelegt werden. Üblicherweise sind zwei Durchgänge aber ausreichend.
Frohes Schaffen und viel Erfolg wünscht Andreas Wugk



Austreiben von Calciumnitrat



Das mit dem Lehm klingt auch nicht schlecht. Wie viel Salz kann den Lehm so zirka aufnehmen?
Warum ist das Salz eigentlich in den Fugen konzentriert?
SG
David



Kapillare



Lehm verfügt über den höchsten Anteil an Kapillaren unter den üblichen Putzmörteln, auch ein sogenannter Sanierputz kann da nicht mithalten. Die Kapillaren transportieren die gelösten Salze an die Bauteil-Oberfläche bei der Desorption bzw von ebenda ins Bauteil bei der Adsorption / Kondensation. Hat der Fugenmörtel üblicherweise einen höheren Anteil an Kapillaren als das Mauerwerk, lagern sich dort auch mehr Salze ein bzw können dort besser transportiert werden.



Ich gebe mal ein Foto bei



Liegt schon lange zurück, aber hatte ich damals schon mal ausgeführt.
Lehmputz auf salzbelastete Wände!
Bester Sanierputz.



Ohje das geht schief



Wie soll denn der Raum später genutzt werden?
Wenn geheitzt wird kommen durch die Abtrocknung immer wieder Salze an die Oberfläche und sprengen den Verputz ab. Weiter kommt es zu einer Geruchsbelästigung im Raum.
Dabei hilft auch kein - wie auch immer aufgebrachter "Opferbelag".
Ich rate dazu die Oberflächen dampfdicht zu bearbeiten und dann einen Dämmputz aufzubringen.



Salznachschub



was ich jetzt gerade nicht verstehe ist, wo der ständige, fortdauernde Salznachschub herkommt?



Sanierung



Eine Entsalzung hat zum Ziel, die das Salz bildenden Stoffe zu entfernen und dem Baukörper die ursprüngliche Funktion wiederzugeben. Das Abdecken der Ursache für die Ausblühungen kann eine Weile funktionieren, das Problem ist aber eben nicht beseitigt. Mit der wie von mir beschriebenen Vorgehensweise werden die salzbildenden Nitrate weitestgehend aus dem Mauerwerk entfernt, die Salzbildung erfolgt dabei an der Oberfläche des Opferputzes und wird mit diesem zusammen entfernt. Eine Geruchsbelästigung tritt dabei zu keinem Zeitpunkt ein, da diese Salze geruchlos sind und andere Quellen nicht vorhanden sein sollten.



Nun was riecht man im Stall - doch nicht das Salz ?



Was über Jahrzehnte eingebracht wurde geht nicht so schnell heraus.
Wenn allerdings die Steine alle ausgebaut werden und in einem Fluss eine gewisse Zeit gelagert werden können diese Salze auch ausgewaschen werden und wieder verwendet werden..



Versalzung



bei einem Befund dieses dargestellten Ausmaßes allerdings würde ich auch über einen Ausbau, falls möglich und die Fläche nicht zu groß, nachdenken bzw. ist Herrn Bromms Vorschlag überdenkenswert.



Austreiben von Calciumnitrat



Vielen Dank für die Anregungen. Hier scheint es regelrechte Glaubensrichtungen zu geben.

Wenn ich das richtig verstanden habe, kann man einerseits die versalzte Wand von innen abschotten (Sperrputz, Folie, Schilfmatten?, Sanierung, ect.) und so Feuchteschäden verhindern. Mein Vater hat es seinerzeit mit Zementputz versucht, leider entstanden über die Zeit Risse und das Salz trat aus bzw. der Putz bekam Hohlstellen (das Gleiche galt für den Sanova Sanierputz und Kalkzementputz). Lehm hatten wir nicht.

Der Opferputz (Kalk, Lehm,Kompressen aus Betonit und Zellulose) erscheint auf ersten Blick nachhaltiger, allerdings können (nach eigener Rechnung) ein paar Kilogramm Salz pro Quadratmeter Wand enthalten sein. Ein Opferputz von 15mm wird vermutlich öfter zu tauschen sein, bis eine merkliche Reduktion stattfindet. Ich glaube auch, dass das meiste Salz durch das Anmachwasser in den Putz gelangt (Salze gehen in Lösung und werden mobilisiert). Die Salzwanderung wird allerdings nur bis zum Konzentrationsausgleich zwischen Ziegel und Opferputz zum Opferputz gerichtet sein. D.h. der Opferputz ist bei hohen Salzkonzentrationen am äußeren Rand zur Rauminnenseite (bedingt?) effektiv.

Ich hätte einen weiteren Vorschlag:
Man könnte einen Wasserkreislauf installieren, der mittels Sprühdüsen die Wand benetzt. Das Wasser läuft von oben nach unten, wird aufgefangen und mittels einer Pumpe zu den Sprühdüsen befördert. Das Wasser dringt in den Ziegel ein und löst die Salze. Die Lösung wird sich (mehr oder weniger gleichmäßig) durch die Kapillarwirkung im Ziegel ausbreiten. Ich nehme an, dass die treibende Kraft des Konzentrationsausgleichs vielfach größer ist als die Kapillarkraft (osmotische Druck sind oft viele bar, Kapillareffekte im Bereich von mbar) , daher sollte die Salzlösung in Richtung des Wasserlaufs ausserhalb der Wand wandern (zum frischen Wasser den Konzenrationsausgleich suchen). Das Salz verlässt den Ziegel und geht in den Wasserfall. Natürlich muss das Wasser regelmäßig erneuert werden. Mir erscheint das Prinzip gleich wie das einer dauerfeuchten Kompresse.
Der Vorteil der Wasserbeschickung ist ein stetig salzarmer "Opferputz", der damit immer Salz aufnehmen kann.

Meine Frage ist: treibe ich das Salz dadurch noch weiter ins Mauerwerk? Ich möchte zu bedenken geben, das in das Innere des Mauerwerks nur Salzlösung gelangen kann; daher sollte zu jeder Zeit ein Konzentrationsgefälle zum "frischen" Wasser herrschen.

Habe ich einen Denkfehler?
Wo irre ich mich?



Klingt plausibel



aber wie solls an der Decke gehen. Herr Bromm hat ein eigens Verfahren entwickelt um feuchte Wände zu sanieren. Mal googlen. Sein Ansatz (so wie ich ihn verstanden habe): Wenn die Salze in Lösung bleiben, können sie beim Ausfällen keine Absprengungen verursachen



Das Salz bleibt



Nach einiger Literaturrecherche bin ich für mich zum Schluss gekommen, das die Salzbelastung in einem alten Stall vermutlich nicht auf vernünftige Weise zu beseitigen ist. Alleine die Trocknung von dem 90 cm starkem Ziegelmauerwerk würde 6 Jahre dauern (selbst wenn kein Putz drauf ist, dauert die Diffusion ewig).
Das wird auch das Problem beim Auswaschen sein. Man müsste sehr lange den Wasserfilm fließen lassen und die Trocknung dauert vermutlich noch länger.
Kompressen wirken maximal an der Oberfläche, daher ist bei einer durchgehenden (für Nitrate nicht unüblich) Versalzung keine langfristige Verbesserung zu erwarten.
Ich werde die sehr mürben Steine durch neue ersetzen und so die Wände anfangen zu reparieren.



Sicher ist das machbar - denn machbar ist Vieles



Glauben Sie daran, dass es dann auf Dauer nicht mehr riecht?
Wie verhindern Sie, dass das Salz und der Geruch nicht in die neue Steinreihe einwandert?
Viel Arbeit für wenig vernünftiges.
Woher kommt die Angst - wenn Salze in Lösung bleiben?
Lesen Sie auch noch: https://www.landwirt.com/Forum/187744/Keller-verputzen.html
Keine gegenteiligen Kommentare!



Salze bleiben in Lösung...



Auf dem Bild ist es sehr gut zu erkennen.
Ich kann mir ehrlich nicht erklären woher die Angst kommt wenn ein Baustoff feucht bleibt.
Es wird alles Mögliche unternommen um einen "trockenen" Baustoff zu erhalten. Dies ist jedoch nicht möglich. Sicher wird die Wärmeleitfähigkeit mit Zunahme der Feuchte stark verändert, aber das kann ja einfach eliminiert werden. Ob dies erforderlich und in welchem Umfang dies notwendig ist hängt u. a. von der Nutzung ab.
Dies ist jedoch nur eine Thematik - viel wichtiger ist meiner Meinung nach die Geruchsproblematik. Deswegen aber auch aus vielen anderen Gründen habe ich das I-Bausystem in solchen Fällen ausgeführt.



I-Bau System



Ich habe keine Angst vor nassen Wänden, wünschen tue ich sie mir auch nicht.
Was sie beschreiben ist ein flexibler dampfdichter Sperrputz. Ich bin ehrlich gesagt kein Freund von Baufolien, womit ich ihr System allerdings in keinster Weise bewerten will/kann.

Den Geruch würde ich eher erwarten, wenn der Stall erst kürzlich von Tieren frei wurde, da noch leicht flüchtige Verbindungen im Gemäuer vorhanden sein können. Das Salz alleine hat keinen nennenswerten Dampfdruck; folglich wird es auch nicht stinken. Der Rest raucht aus (So erkläre ich es mir; riechen tue ich nichts). Ich habe dieses Problem nicht.



Ich weiß natürlich nicht wieviel Ställe Sie schon saniert haben...



..ich jedenfalls sehr viele.
Meine Erfahrungen seit 1970 sind erstmal für mich wichtig. Dies gebe ich auch gerne an Interessierte weiter. Ob dies auch für Andere wichtig ist sei dahingestellt. Ich empfehle Ihnen beauftragen Sie jemand der Ihnen dabei mit einer guten sachgerechten Planung auch helfen kann. Es sollte jedoch jemand sein der solche Ställe schon öfters Instandgesetzt hat und dessen Erfahrung auch viele Jahre zurückreicht. Natürlich auch mit einer Nachschau/Kontrolle nach mehr als zehn Jahren.
Dazu noch ein Beispiel: ich habe ein sehr schönes Münchner Stadttor (1971) saniert, vorher jedoch einige Firmen gefragt wie soll ich vorgehen. Lange Rede kurzer Sinn - ich fragte noch Referenzen... von einer Liste mit 21 Objekten besichtigte ich 17, davon waren 15 in einem schlechten Zustand.
Aber was mich noch interessiert, wie machen Sie Ihren Bodenaufbau mit welchen Belag?
Und noch was zum einlesen: http://wta-international.org/verein/ueber-uns/die-gruendungsgeschichte/
Viel Erfolg.



Das neue Bild dazu



Ist zwar kein Stall, obwohl auch hier das Thema Salz und Feuchte ein wichtiges Detail war.



Austreiben von Calciumnitrat



Danke, ich werde Ihren Rat beherzigen.




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