Dünne, doppelwandige Mauer mit Hohlraum - was nun?

26.08.2012 Gumbo



Bei unserem Haus aus 1949 mußten wir im Rahmen eines Anbaus feststellen, dass die Außenwand aus zwei 11,5cm breiten Mauern mit 8 cm Hohlraum dazwischen besteht. Rohbauer und Architekt ist diese Bauart unbekannt. Die Backsteine sind mit einem bröseligem Sand-Zement-Gemisch verbunden.

Uns treiben nun folgende Fragen:
1.) Warum wurde eine solche Aufbaukonstruktion gewählt? Wärmeschutz?
2.) Hat eine solche Doppelwand statische Nachteile gegenüber einer durchgehenden Wand?
3.) Sind Probleme zu erwarten?
4.) Macht es Sinn, den Hohlraum zu verfüllen (Zement zur Stabilisierung oder Styropor als Wärmedämmung)? Auf der Außenwand befindet sich bereits eine 10cm dicke Styropordämmung, die auf dem Bild nur wegen des Anbaus entfernt wurde.

Kennt ihr den Aufbau? Könnt ihr uns helfen?

Vielen Dank!



Hohle Wand - Was nun?



Hallo

Wenn der Architekt und der Handwerker diese Art von Konstruktion nicht kennt spricht nicht unbedingt für deren Reputation.

Wenn der Mörtel bröselt ist es meist kein Zement sondern Kalk.

1. "billigeres Bauen" Ersparnis
2. statisch ist die in Ordnung so lange es genügend Verbinder-Steine gibt (die sollten Sie noch in der offenen Schnittebene ersetzen)
3. das kommt drauf an - was ist denn geplant, was ist oben drauf, wer hat denn die Öffnung geplant, wie wurde ausgeführt????
4. Verfüllung m.E. nicht sinnvoll, nur ein paar Verbindersteine noch einsetzen / ergänzen

JEDE Maßnahme sollte geplant werden - und das heisst nicht, das ein Plan gezeichnet werden muss, sondern eine Planung vorher stehen soll: Was, Warum, Mit was, etc.

Vorsicht anstatt Nachsicht!

Gutes Gelingen

Florian Kurz
www.slow-house.de



Ruhe bewahren



Eine solche Konstruktion ist doch erst mal nix Außergewöhnliches in Nord- und Mitteldeutschland, außergewöhnlich ist lediglich, dass Dein Architekt damit überfordert ist... eigentlich wäre er der erste Ansprechpartner zur Lösung des "Problems"...

Der Grund liegt tasächlich im Wärmeschutz und statisch hätte eine wie auch immer im Verbund erstellte Mauer in der Tat Vorteile...

Die statische Eignung hat das Mauerwerk jetzt doch gute 60 Jahre nachgewiesen, wenn Ihr also nicht allzugroße Eingriffe plant, dann ist doch alles OK... die Fugen sehen allerdings nicht wirklich lecker aus...

Zement/Beton als Verfüllung ist ausgeschlossen, damit drückt Ihr unten das Mauerwerk auseinander, Styropor als Plattenware wird rein arbeitstechnisch nicht gehen, eine Einblasdämmung auf Zellulosebasis könnte sinnvoll sein --> vor Ort entscheiden...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Früher..



in den norddeutschen Gauen wurde der Schalenzwischenraum auch schonmal mit Torf verfüllt!



Ein Rechenexempel ...



... sowohl im Hinblick auf die energetische Verbesserung als auch hinsichtlich der Amortisation.

Im vorhandenen Zustand dürfte eigentlich kein Tauwasser ausfallen.

Durch das Einblasen einer Dämmung (z. B. Isofloc L) wird sich der U-Wert verbessern. Je nach Rohdichte der Steine und der WLG des Styropors in unterschiedlicher Größenordnung. Nach einer überschlägigen Berechnung vermute ich mal so um 0,1 W/m²K. Allerdings könnte dann aber sowohl im Grenzbereich zwischen der Kerndämmung und der äußeren Mauerscheibe als auch innerhalb der Styropordämmung Tauwasser ausfallen.

Für eine diesbezügliche Konkretisierung sollte m. E. im Fall des Falles also eine fundierte Wärme- und Dampfdiffusionsberechnung durchgeführt werden.

In diesem Zusammenhang könnte dann auch gleich mit abgeklärt werden, in welchem Zeitraum sich das Einblasen einer Kerndämmung amortisieren würde.



Dünne, doppelwandige Mauer mit Hohlraum



Sie haben ein zweischaliges verputzes Mauerwerk, was in ihrer Region nicht aussergewöhnlich ist.
Wenn Sie den Hohlraum verfüllen wollen rate auch ich Ihnen von Beton und dergleichen ab.
Als Füllstoff eignet sich hier angesichts der vorhandenen EPS Dämmung Perlite durch ihre Eigenschaft verrottungssicher zu sein (z.B. ThermoFill S)am Besten und bringt eine zusätzliche Verbesserung der Luftdichtheit.



Grüsse Thomas





Vllt. ist dieser Thread interessant:

http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/165614$.cfm

(Link kopieren und einfügen)

Besonders die Erläuterung von Herrn Kornmayer sind sehr treffend.



Luftraum



zwischen den beiden Wänden war so gewollt - wie hier schon erwähnt, wurde so vielfach in Norddeutschland gebaut. Wichtig war, dass keine Verbindung zwischen beiden Mauern bestand. So ist zum Beispiel die im Bild gezeigte Situation (bröckelnde Steine/Mörtel) angeblich für Feuchtgkeitstransport zuständig. Eine Einblasdämmung wäre sicherlich Mittel der Wahl - bloß keine "feste" Verfüllung! Gut beraten lassen - und die Innenwände gegen Austreten der Füllung sichern (Steckdosen, Stöße, Risse etc.) sonst hast Du Spaß beim Staubputzen :-)



DANKE an alle - Nachfrage...



Danke für die vielen tollen Beiträge. Das beruhigt schon mal und gibt Perspektive.

Doch noch eine Nachfrage: uns wurde vom Rohbauer geraten, wegen der bröseligen, 60 Jahre alten Kalkverfüllung zwischen den Backsteinen das Mauerwerk durch einen Spritzzement zu verfestigen: Also im Innenraum den derzeitigen Kalk-Lehm-Putz abschlagen, Spritzzementputz aufbringen, erst dann den üblichen Innenputz aufbringen.

Zwei Fragen treiben uns um:
1. Macht das Putzabschlagen Sinn?
2. Braucht es den Spritzzement wirklich zum Verfestigen des Mauerwerks? Oder kann man auch gleich den Innenputz aufbringen (und einen Arbeitsschritt und Kosten sparen)?

Schon mal ganz lieben Dank!!!

Viele Grüße
Gumbo



Klimabericht



Hallo

anscheinend verfährt der Handwerker nach der Devise, dass er geistige oder handwerkliche Windstille durch operative Hektik ersetzt.

Das Rumspritzen bringt wohl nichts ausser Kosten.

Ersetzen Sie den Handwerker und suchen Sie sich jemanden der sich damit auskennt.

In wie weit der Innenputz runter oder weg muss kann man nur vor Ort entscheiden - da wären mir die Verbindersteine in Mauerebene wichtiger.

Florian Kurz
www.slow-house.de



Zementputz in Innenbereich ...



... wäre m. E. ein Frevel hoch zehn.

Beim Abschlagen des vorhandenen Putzes würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Schaden - u. U. sogar erheblicher - im "weichen" Wandgefüge angerichtet.
Die erhoffte statische, d. h. die Wand zusammenhaltende Funktion des Zementputzes wird dieser nie erfüllen können.
Zudem ist er viel zu hart und unnachgiebig, um auf der arbeitenden Wand überhaupt rissfrei halten zu können.

Im Übrigen würde ich Zementputz im Innenbereich unter bauphysikalischen Aspekten nur in absoluten Ausnahmefällen einsetzen.





Hallo,

ich sehe doch Köpfe im Mauerwerksverbund, also gibt es einbindende Steine, typischerweise 7 bis 11 auf den Quadratmeter, die für den statischen Verbund sorgen. Anders
hab ich das bei meinen rheinischen Hohlwänden zwischen 1900 und 1956 nie kennengelernt. Lassen Sie die in Ruhe und kümmern Sie sich um die Außendämmung. Diese sollte tunlichst leicht und gut verdübelt sein. Damit scheiden Holzweichfaser und Steinwolle-Lamelle aus. Ich erwähne dies, weil Sie bei der Statik der Wand (Summe der Momente gleich Null) Probleme kriegen könnten. Angesichts der nicht vorhandenen Festigkeit des Mörtels scheidet für mich ein Ausblasen des Hohlraumes in jedem Fall aus.
Zum Putz: Warum läßt sich der Kalk-Lehmputz nicht reparieren ? Schädlich ist alles was zu fest ist, vor allem was Zement enthält. Im Zweifel machen Sie einen neuen kalk-Lehmputz.

Grüße vom Niederrhein



Ausblasen mit Zellulose ....



... oder mit anderen Materialien wurde jetzt hier schon ab und zu erwähnt.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies bei diesem Hohlraum mit den Verbindungssteinen ordentlich erfolgen kann.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



noch ne Frage



Hallo

das zweite Bild mit dem "Was nun??" drauf!

Ist das Ihre Wand?
Wer hat die Löcher da rein gemacht?
und warum?

Ihr "Handwerker"?

Florian Kurz
www.slow-house.de



Zementspritz auf doppelwandiger Mauer?



Danke an alle für die Beiträge.

Ich habe verstanden, dass ein starrer Zementputz keine Sinn macht. Also Finger weg...

Wenn wir andererseits den besteheden Putz nicht abschlagen sollten, müßten wir die bestehenden Risse ausbessern und eine Lösung für Stellen finden, an denen sich der bestehende Putz vom Mauerwerk gelöst hat.

Ein Handwerker vor Ort schlug als Alternative vor, den bestehenden Putz mehrfach mit TIEGENGRUND zu behandeln.

Frage an die Experten: Macht Tiefengrundbehandlung (und Ausbessern des bestehenden Putzes mit Lehmputz) Sinn?

Nochmals vielen, vielen Dank.


P.S.: @ Florian Kurz: Die Löcher haben Handwerker in jene Wand geschlagen, die im Rahmen einer Anbaumaßnahme abgerissen werden muß.



TIEFENGRUND für poröses Backstein-Mauerwerk?



Liebes Forum,

ich muß nochmals die Experten um Rat bitten: können wir unsere Häuserwände (siehe Bild) und den bestehenden Lehmputz im Innenbereich mit Tiefengrund verstärken? Macht das Sinn, um den Backsteinwänden mit bröseliger Kalk-Verfüllung mehr Stabilität zu verleiten?

Ganz lieben dank!




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