Holzwurm in alten Möbeln




Hallo,

vor drei Jahren habe ich meine Liebe zu alten Möbeln entdeckt. Damals habe ich meinen ersten alten Schrank (ca. 100 Jahre alt) abgebeizt, geschliffen und mit Wachs gestrichen. Dieses Stück habe ich als offenes Regal in unserem neuen Haus (Bj. 2003) gestellt. Nach wenigen Wochen ist mir Bohrmehl aufgefallen.
Mein Mann war außer sich, und meinte raus mit dem Teil, bevor dieser Wurm in unserem neuen Sichtdachstuhl übergeht. Der Versuch mit Chemie brachte keinen Erfolg. Der Schrank stand ein Jahr in der Scheune, wo der Wurm stetig weiter fraß. Ein befreundeter Schreiner erzählte mir, man könnte den Schrank in eine Trockenkammer bei einem Sägewerk bringen. In dieser Trockenkammer wird das Holz bei 70° getrocknet, was die Larven im Schrank nicht überstehen. Gesagt getan und es hat funktioniert. Es waren keine Aktivitäten mehr zu erkennen.
Mittlerweile zieren viele dieser alten Stücke unser Haus. Die meisten von ihnen habe ich auch in der Trockenkammer gehabt. Einige jedoch nicht.
Bei diesen Stücken habe ich wieder Bohrmehl entdeckt und habe sie mit „Holzwurm Ex“ behandelt. Seit zwei Monaten ist kein Bohrmehl mehr ausgetreten.
Zu meinem Entsetzen habe ich heute einen lebenden Käfer (Anobium punctatum) entdeckt.

Meine Fragen:
1. Ist noch Aktivität in den Stücken?
2. kann dieser Käfer in unserem neuen mit Wachs gestrichenen Dachstuhl übergehen und sich vermehren?
3. Kann er auch wieder in die wurmfreien Möbelstücke übergehen?
4. Stimmt es das sich in zentral beheizten Wohnungen die Larven nicht mehr entwickeln können?



Holzwurm



Hallo

zu1. Ja
zu2. Ja, wenn Ihr gepfuscht habt beim Wachsen
zu3. mit Sicherheit, wenn die Bedingungen stimmen (googeln)
zu4. Würde ich mich nicht drauf verlassen, die Tierchen mögen auch trocknes Holz


Andreas



bei wertvollen (möbel-)stücken



empfiehlt sich -statt hitze- eine kältebehandlung, ist schonender und durchaus bezahlbar! googeln unter "kältebehandlung holzschädlinge",
z.b.: www.hawlikgmbh.de
gruß, carmen



Hat man Ihnen



nicht gesagt, das man das mit Holzwurm Ex zu streichende Objekt gut tränken sollte und dann mindestens 2-3 Wochen luftdicht einpacken???
Wenn'se das nich machen versagt auch die Chemie, nach der Behandlung das auslüften bitte nicht vergessen.

Grüsse Hein



Märchenstunde mit Andreas und Hein?



zu 1. Das könnte ich, trotz langer Berufspraxis, auch dann nicht sicher entscheiden, wenn ich vor dem Schrank stünde.

zu 2. Wachse oder Öle sind kein Schutz gegen Anobien

Zu 3.+4. Erforderlich für einen Befall ist eine Mindestholzfeuchte von 10%, bevorzugt werden kühlere Temperaturen. Die Befallswahrscheinlichkeit in zentralbeheizten Räumen ist somit sehr gering - man sollte jedoch auch auf das Mikroklima an bestimmten Stellen achten: Ein Schrank, zu nah an eine mindergedämmte Außenwand gerückt, bietet auf der Rückseite oft beste Bedingungen für die Tierchen. Oft wird ferner angenommen, daß altes Holz weniger oft befallen würde.

Das Auffinden eines Anobiums beweist im übrigen keineswegs, daß es aus den Möbeln stammt, es kann genusogut von draußen kommen.

Bei mir hat sich zu Kontrollzwecken bewährt, Alle Oberflächen zu bearbeiten (leicht zu färben, zu ölen, zu wachsen...) und dabei sicherzustellen, daß alle Bohrlöcher mit überfärbt bzw. geölt wurden. Neue Bohrlöcher sind somit zweifelsfrei zu identifizieren. Selbst das Auftreten von Bohrmehl ist nicht immer ein Zeichen eines Befalls - manchmal rieselt es auch aus alten Löchern.

Statt Hein's Universaltip sollten Sie besser die Packungsbeilage lesen, und noch besser völlig auf chemischen Holzschutz im Innenraum verzichten. 2 akzeptable Kompromisse gibt es aus meiner Sicht: Zum einen die Behandlung mit Holzschutzmitteln auf Bor - Basis (nicht ausgasend, funktioniert bei furnierten Möbeln nicht so gut, oder die Behandlung mit natürlichen Pyrrethroiden (Chrysanthemenextrakt). Ein Handelsname zum letzteren wäre z.B. "Pistal". In jedem Fall punktgenau mit der Kanüle, statt das Teil zu fluten.

Neben dem Vorschlag von Carmen und einer geregelten Wärmebehandlung (von der Trockenkammer halte ich nichts) geht es auch oft recht preiswert, wenn man den Kontakt zu örtlichen Schädlingsbekämpfern pflegt. Getreidemühlen werden recht oft begast, ferner z.B. Kirchen. Für ein paar Groschen kann man da zuweilen seinen Schrank mit hineinstellen.

Grüße

Thomas



Märchenstunde???????



Grundsätzlich bin ich ja Ihrer Meinung aber wenn weit und breit keine Gertreidemühle, Kirche oder Museeum da ist, die gerade ausgegast (auch chemische Keule) wird, sollte man doch wohl eine andere Lösung finden.
Wieso also Märchenstunde??

Gruss Hein



Gut gesprochen Herr Böhme



Grundsätzlich bin ich ja Ihrer Meinung aber wenn weit und breit keine Gertreidemühle, Kirche oder Museeum da ist, die gerade ausgegast (auch chemische Keule) wird, sollte man doch wohl eine andere Lösung finden.
Wieso also Märchenstunde??

Gruss Hein



Reismehlkäfer statt Nagekäfer



Hallo an alle,

vielen Dank für eure Antworten.
Der Beitrag von Thomas war sehr aufschlussreich. Nach nochmaliger Begutachtung des Käfers und Googeln habe ich zu meiner Erleichterung festgestellt, dass es sich nicht um den Nagekäfer handelt, sondern um einen Reismehlkäfer.

Was mich trotzdem noch interessieren würde:

1. erfolgt der Bohrmehlauswurf nur beim Schlüpfen des entwickelten Käfers oder allgemein bei Fraßaktivitäten im Holz?
2. können selbst bei längerer Ruhe (ich habe jetzt seit 2 Monaten kein Bohrmehl mehr gesichtet) noch Larven aktiv sein?
3. kann der entwickelte Käfer vom 20 Meter entfernten, stark befallenen Bauernhof, übergehen auf unseren Dachstuhl oder Mobiliar ?


Viele Grüße und Danke
Linda



@ Hein:



Es steht alles schon da: "Statt Hein's Universaltip sollten Sie besser die Packungsbeilage lesen"

Holzschutzmittel sollten, wenn überhaupt, sachgerecht verwendet werden.

Ich muß heute teilweise mit Möbeln arbeiten, die in der Vergangenheit mit Hylotox etc. getränkt wurden, so großzügig, wie Sie das da schreiben. Man nehme einen Schrank, stelle seine Füße auf 4 Teller und gieße reichlich Gift zu. Da sind die Grenzen zwischen Antiquität und Sondermüll fließend. Hylotox (und damit seine Wirkstoffe DDT und Lindan) wäre heute verboten? Sicher, aber vor Jahren war es für Innenräume zugelassen, genauso wie die heute gängigen Mittel.

Grüße

Thomas



Es wurde doch gar nicht



von Hylotox etc. gesprochen. Dass man hier nicht nit Lindan, DDT etc. kommen kann wird ja wohl klar sein. Es gibt ja genügend Mittelchen die den ungebetenen Gast vertreiben. Mal ehrlich, jeder hat seine geheimen Mittelchen, die er einstetzt.
Aber man muss jo nicht alles gleich Preisgeben.:-)

Gruss Hein



meine lieben Herrn



seien sie doch so nett und beantworten Sie bitte meine Fragen, weil Sie wie ich sehe, sich gut auskennen.

Danke
Linda H



kleiner hinweis



zum thema Holzwurm und kollegen:
sehr informative seite:
www.parisek-saniert.de/holzschutz/holzschaedlinge
und auch:
www.holzfragen.de/seiten/holzwurm.html -
dort finden sie auch angaben zu lebenszyklen, zu möglichkeiten der Bekämpfung etc.
was mich immer wieder erstaunt, ist die tatsache, daß auf alles geachtet wird, was man sich so in´s haus holt an unerwünschten stoffen, dann aber mit der chemischen keule auf antiquitäten losgegangen wird, anstatt sich um alternative möglichkeiten zu bemühen. lesen sie mal die datenblätter diverser angebotener holzwurm-TOD-mittelchen!
gruß, carmen



Also wenn es sich um einen Reismehlkäfer handelt,



dann wäre Ihr Möbel gar nicht befallen, denn dieser ist Eigentlich ein Vorratsschädling an Bruchgetreide etc, und könnte man z.B. mit fossilem Plankton bekämpfen.
Ansonsten sollten Sie das Insekt nochmals prüfen.

Gruss Hein



@ Hein



Holzschutzmittel werden offenbar am Kunden getestet. Man nimmt ein Mittel, das gegen Schädlinge wirkt, und macht daraus ein Holzschutzmittel. Vielleicht denkt man noch 'mal darüber nach, ob die Inhaltsstoffe schon 'mal Probleme gemacht haben, und dann beobachtet man im Versuch am Markt, was passiert. Die Wahrscheinlichkeit, daß jetzt zugelassene Mittel irgendwann später vom Markt genommen werden, weil man dann schädliche Nebenwirkungen entdeckt hat, ist zu hoch, als daß man bedenkenlos irgendwas irgendwohin kippen könnte, in hohen Dosierungen zudem, die sich am Ende nicht mal mit den derzeitigen Anwendungsempfehlungen decken.

Geheime Mittelchen? Naja, die Wirkstoffe zugelassener Holzschutzmittel sind ja nicht so unübersichtlich viele, und Hausmittelchen (z.B. Knoblauchsaft, oder Klopfen, bis der Käfer aus dem Loch guckt :-) mögen eher unterhaltend als wirksam sein, zuweilen aber auch gefährlich. Letztens wollte hier einer seinen Dachstuhl mit Diesel besprühen :-(((

@ Linda

Vom Reismehlkäfer und seinen Lebensgewohnheiten verstehe ich nicht mehr, als sie durch googeln selber finden können. Der link zu Lutz Parisek ist gut.

Grüße

Thomas



liebe carmen



vielen Dank für die tips. Meine Möbel sind alle schlichte Bauernmöbel keine wertvollen Antiquitäten. Natürlich haben Sie recht mit der chemischen Keule sollte man sehr vorsichtig sein.Werde mir das Zeug sowiso nicht mehr ins haus holen.

Viele Grüße
Linda



Also da lassen wir doch mal die Kirche im Dorf



den Sichtdachstuhl mit Diesel einsprühen?????
Welcher Wahnsinnige tut das denn? Diesel verfahre ich lieber in meinem Fahrzeug!

Was würden denn Sie nun vorschlagen? Ausser Gasverfahren?

Gruss Hein



Wie schon oben geschrieben,



ersmal gar nichts. Solange nicht sicher ist, daß der Befall noch aktiv ist.

Wenn doch, vorzugsweise punktgenau "Pistal". Natürliches Pyrethrum baut sich recht schnell ab.

Grüße

Thomas



Holzwurm



@ Thomas


den Trick mit dem Diesel kenn ich auch, wenn man etwas Benzin hinzugibt, gibt es einen äußerst guten Brandbeschleuniger... dann ist der Holzwurm garantiert hinüber.
Diesel oder Heizöl mit Kaltanstrich gemischt gibt einen guten Anstrich für Holz im Außenbereich...


Mein Großvater hatte viele solche Rezepte auf Lager: Salzsäure und Zink vermischen gab super Lötwasser für Dachrinnen...

Als DDR Bürger mußte man sich halt zu helfen wissen...


Ich glaub, wir schweifen ab vom Thema...


Andreas



@ Andreas



nix gegen Großväter. Das Lötwasser funktioniert ja auch. Ob man sich für fast nix selber was zusammenmischt, oder im Spezialfachhandel für viele Kröten das selbe bekommt, ist in diesem Fall schon eine Überlegung wert.

Grüße

Thomas



Was noch funktionieren könnte



wäre Terpentinbalsamöl aus Weisstannen z.B. wird oft von alten Schreinern genommen.

Grüsse Thomas