Nachhaltig dämmen

02.02.2012


Hallo zusammen!
Das Wort ist ja in aller Munde und sollte eigentlich jeden interessieren. Also ich meine das mit der Nachhaltigkeit. Ich habe hier http://www.nachhaltigleben.de/bauen-sanieren/nachhaltiges-daemmen jetzt einen Artikel übers Internet gefunden, in dem auch von der Herstellung der Dämmprodukte gesprochen wird. Hier geht es auch viel um die Umweltbelastung, über die Herkunft der Dämmstoffe oder den Energieverbrauch bei der Produktion.

Holzdämmung ist nachhaltig, weil aus heimischen Sägeabfällen, gleichzeitig guter Hitzeschutz einiger ökologischer Dämmstoffe wie recycelte Zellulose, etc. Und das ist für mich schlüssig. Was meint Ihr dazu? Sollte man das Thema Nachhaltigkeit nicht stärker in den Fokus rücken? Also ich überlege ernsthaft, wirklich auch aus den genannten Gründen auf ökologische Dämmstoffe zu setzen.
Was meint Ihr dazu?
Viele Grüße
Jürgen



Nachhaltigkeit - Was ist das?



Hallo

Nicht mal DAS ist Nachhaltigkeit!

Nachhaltig heisst für mich vor allem auch Langlebigkeit, minimale Technik und Abhängigkeit davon, einfache Methoden und auf Erfahrung beruhend, nicht allein auf "Berechnungen"!

Ich wage die Äusserung, dass in 100 Jahren kein einziges Haus mehr steht, das ab den 50 Jahren gebaut worden ist; dass keine Baumassnahme im "dämmtechnischen Gebiet" dann noch als Einzelteil Bestand hat und existiert!

Unsere geistes- und fleischeskranke Gesellschaft gebiert immer neue Krankheiten, die sie dann als "Innovation" als "absolutes Muss" deklariert aber nur weiter dafür sorgt immer abhängiger von gewissen Herstellungsformen und Gesellschaftsgruppen zu werden.

Die "Alten" haben es uns eigentlich vorgemacht, wie es "nachhaltig" geht!
Denn die Bauerzeugnisse dieser Könner stehen meist immer noch - ausser "Gläubige" der Handwerks-, Planer- und Beraterzunft haben dem Gebäude den Garaus gemacht, in dem sie es entweder abreissen haben lassen oder mit gutem Gewissen moderne Bauerzeugnisse verabreicht haben, dass es mittlerweile Schrott ist!

Das wird in 50 Jahren auch so gesehen!

Und dann kommt wieder das Verkäufermärchen: "Ja DAMALS war man noch nicht so weit wie wir heute sind!"
Und werben dann für wieder andere, modernere und natürlich BESSERE Produkte - die Vermeintlich immer wieder Arbeitsplätze schaffen …
dann kommt Riester 4, oder Hartz 17 oder Merkel 15 als Gesetz heraus und wir haben laut dieser Papiere und Unterlagen VOLLBESCHÄFTIGUNG! (für 50 cent am Tag darf nein MUSS man arbeiten!!!!!!)

"Dir passiert nichts sagt der Schlachter zum Schlachtvieh - es wird alles gut oder besser!"

siehe auch Mladens Beitrag über ACTA!
http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/183481$.cfm

FK





Nachhaltigkeit ist, die Bedürfnissen der jetzigen Generation zu entsprechen,
ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können.





Hallo FK!
Klar, würde ein langlebiges Fachwerkhaus zum Beispiel nichts taugen, dann gäbe es wohl auch dieses Forum nicht! ;-)
Ich gebe Dir recht, wenn Du von Langlebigkeit, geringen Technikeinsatz, etc. sprichst. Aber muss man dann nicht genau die erwähnten ökologischen Dämmstoffe, die auch wirklich empfehlenswert sind einsetzen?! Wie will ich sonst die "Welt retten" - oder ein bißchen besser machen?!
Mit brennendem, auf Erdöl basierendem Polystyrol doch sicher nicht, oder?! (Habe ich kürzlich Warunung des Verbandes Privater Bauherren gelesen.)Zumal die ersten Häuser die damit gedämmt sind, scheinbar massive Probleme haben. Denke auch, dass so ein "Pfusch" in 50 Jahren nichtmehr steht...
DANN sind doch die natürlichen Dämmstoffe - ergo auch Baustoffe - besser?! Die schonen das Klima und sorgen für geringere Heizkosten, der Bau hat mehr Substanz, sorgt damit auch für weniger Umweltverschmutzung...
VG, J.





Hallo Oliver!
Da ich mich etwas damit beschäftige, also mit Nachhaltigeit, sehe ich die Definition ähnlich wie Du.
ICH finde aber, dass das Thema Nachhaltigkeit - daher mein Beispiel mit den Dämmstoffen und im letzten Kommentar mit dem, meiner meinung nach "Unsinn" mit Polystyrol-Dämmungen - im Bauwesen generell viel zu gering beachtet/benutzt wird.
Im Gegenteil, es wird ja sogar staatl. das eigentlich nicht nachhaltige Bauen gefördert!





Nun,

es gibt die “Deppen” die alles glauben und alles machen was ihnen gesagt wird.
Es gibt die “Geiz ist Geil” Fraktion und es gibt militante Grüne und Ökos die immer meinen die Welt retten zu können und/oder müssen.

Nachhaltigkeit fordert auch Kompromissbereitschaft, genau die müssten grüne und ökos erstmal noch lernen, die anderen sind ja wie gesagt zu dumm oder zu geizig dazu.

Ich denke schon das Kunststoffe durchaus auch Nachhaltig seien können, nur eben nicht als Dämmstoff im Bauwesen, dafür haben diese schon viel zu viel Primärenergie verbraucht bis sie an der Wand sind, von der Entsorgung noch gar nicht gesprochen.





Tz, was für Mengen alleine an dem Wiesbadener Hauptquartier verbaut werden und dann das Neubaubeispiel in Köln! Schimmel nach ein paar Wochen!!! Wahnsinn. Und jeder fast verbaut das Zeug...

Daher war ich ja auch auf der Suche nach Alternativen, also zum dämmen und die Angaben unter dem Link oben in meinem Zitat fand ich interessant. Was wäre Dein Tipp, Oliver, für eine Dämmung, gerade, wenn ich ein zu sanierendes Haus dämmen möchte?! Was für eine beim Neubau?





Für einen Altbau würde ich erst einmal eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung machen lassen.
Dann weis der Bauherr was er einsparen kann und kann so selbst entscheiden ob sich diese Investition überhaupt in einem angemessenem Zeitraum auszahlen kann.
Neubau ist ein ganz anderes Thema, da geht fast alles auch ohne WDVS und trotzdem EnEv konform.



Als



öffentlich bestellter Gutachter geht für mich der Schadensfall oft mit dem Thema dämmen einher. Ich stelle fest das gerade im Zusammenhang mit Weichholzfaserdämmstoffen die Schadensquote klein ist, was nicht heißt das hier keine Fehler vorkommen oder auf eine gründlich Planung verzichtet werden kann.

Aber dieser Dämmstoff ist diffusionsfähig und kapillar und das unterscheidet das Material von vielen anderen.

Grüße



Dann ist Holz also doch nachhaltig zum dämmen?



... lautet den Sachverständigen-Erfahrungen? Heimisches Holz, wenig Energieaufwand wohl in der Produktion und wenig Schäden, das klingt doch prima!
Sind beispielsweise richtig dicke Außenwände, statt die meist sehr dünnen Wände mit WDVS EnEV konform? Oder was müßte man noch beim Neubau machen, um auf Plastik zu verzichten?



Nachhatligkeit von Naturfarben...



... die Frage der Nachhaltigkeit ist mit ein Grund, warum wir vor vielen Jahren auf Naturbaustoffe umgestellt haben und warum wir die Naturfarben vertreiben.

Allerdings braucht es immer wieder ein Abwägen und Erinnern daran. Zu gerne bestimmen uns Modetrends. Zu schnell lassen wir uns blenden. Immer schneller streben wir Veränderungen an.

Da gefällt mir der Slogan von Florian Kurz: slow-house

Nicht billig, schnell und rationell - sondern eben altbewährt, gut überlegt, langfristig orientiert.

Nur, wer will schon noch in 10 Jahren den gleichen Bodenbelag haben? - Wer will schon noch in 20 Jahren die gleiche Zimmeraufteilung nutzen?

Die Trockenbauer rechnen mit einer durchschnittlichen Raumveränderung bei Industriebauten von ca. 8 Jahren.

Bei uns wird ein Supermarkt abgerissen, der gerade mal 38 Jahre stand. Warum?

"Der Zustand des Marktes sei nicht mehr zeitgemäß, eine Renovierung scheide aus wirtschaftlichen und energetischen Gründen aus ..."

2800m² Verkaufsfläche aus der Mode gekommen. Weg damit. Nun wird mit "energetischer" Förderung ein neuer gebaut - gleiche Größe - aber moderner eben. Bauzeit ca. 7 Monate.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Warum denn überhaupt DÄMMEN?



Dieser Frage werden Sie - Herr Buhmann - entgegensetzen:
Ja zum Energiesparen, weniger Heizkosten, etc. … ist doch alles bekannt und unbestritten …!

Das antworte ich: "eben nicht!"

Nichts ist so klar wie der Nebel, den die Protegisten um die Konkurrenz machen!

Es geht um viel - vor allem um viel Geld bei dieser Angelegenheit - und vor allem NICHT ums Energiesparen!
Denn was da verpulvert und wirklich zerstört wurde und wird passt auf keine Kuhhaut.
Stellen Sie sich vor, wenn alle auf NULL ihren Energiehaushalt reduzieren würden! Wer wäre dann Pleite?
Da könnten Sie sehen warum man das alles veranstaltet!
Da will wer - und nicht nur EINER - Geld verdienen - und das am besten nicht einmal sondern gleich und am besten immer!

Da ich doch immer die "Alten" immer so hoch leben lasse:

Können Sie mir eine Bauart, ein Bausystem nennen, das in der Architekturgeschichte überlebt hat und Dämmstoff an sich angewendet hat?

bin gespannt!

FK





Hm, Antowrt weg, nach Netzausfall... dann nochmal.
Also, ich bin alles andere, als ein Befürworter von zB betonbauten. Unsere beiden Kids haben in einem klassisch vermurksten Beton-MFH gewohnt. Und hatten Schimmel. Der Film auf You Tube zeigt das ja auch.
Zu dem schnellen Wechsel bei den "Wohngewohnheiten". Also ich habe im Haus einen 40 oder 50 Jahre alten Massivholz-Parkett-Boden. Schick und unverwüstlich. Wollte nicht wissen wie zB Laminat dann aussehe... Was ist nachhaltig? Das auf jeden Fall.

Auf den Orkneys, zu dem Überleben in der Architekturgeschichte, habe ich mal ein Hügelgrab besichtigt. Das war letztlich mit einer dicken Grassodenschicht "gedämmt". Okay, kein Wohnhaus, aber die darin verborgenen Dinge haben die Jahrtausende super überlebt. EWin Beispiel für sinnvolle und nachhaltige weil natürliche Dämmung? In Island gibt es ja auch diese jahrhunderte alten Häuser mit Grassodenwänden. Und, wer mal nach Earthship-Häusern schaut, die sind sogar aus recycelten Reifen... Okay, Baugenehmigung in Dt., vergiss es



@Buhmann



Sind Grassoden wirklich - DÄMMUNG?

Hier sind Dämm-Materialien so Gespinste, Wollen oder Flocken?

Grassoden ist MASSE!

denn

DIe Masse macht's!

FK





Dämmung nicht, weiß ich gerade noch als Laie ;-)
Aber, eben!, die Masse macht`s wie Sie sagen! Ne Dämmung ist es nicht, aber es dämmt! Hier auf dem Land, ein paar Orte weiter, hat jemand sein altes Massiv-Haus einfach nochmal ummauert zum isolieren. Stichwort Masse...



Der Nachbar



hat es begriffen (vielleicht) wenn er es "richtig" gemacht hat!

Dann sollten Sie aber schreiben: "es wirkt" anstatt "es dämmt"!

Denn Dämmung, dämmt zwar aber nicht richtig - und vor allem mit immensen Risiken und Kosten!

Man kann auch Energie sparen, wenn man keine Luft warm macht - das ist nämlich seit den Tagen der frühen Unterrichtung in der Schule schon bekannt, dass Luft weder Wärme gut leitet noch gut speichert.
Aber diese fundamentalen Fakten werden von der Heizindustrie negiert und in Gesetze umgewandelt und jeder praktizierende Bauherr sollte sich nicht länger verarschen lassen …

Die Dämmgespinste sind vom System her einfach falsch - ob nun aus Glasfasermineralgemisch oder mit Ökolatschen und grünem Aufdruck auf braunem Papier!!!

Nicht nur Sex sells - sondern auch "Unwissenheit" oder "Identifikation" mit einer "guten Sache"!

Kein einziger Eisbär, kein einziger Gletscher wird durch die Dämmerei gerettet - eher endgültig vernichtet.

Apropos Gletscher:
http://alpen.sac-cas.ch/de/archiv/2004/200406/ad_2004_06_12.pdf

Viel Spass

Frage am Ende:
Wie kam Hanibal über die Alpen?
In Goretex und dick vermummt?

FK



@Florian



Gegenfrage: Wie hoch waren Hannibals Verluste in den Alpen?



Ich war nicht dabei?



und Sie?

damals waren die Alpen so gut wie gletscher- und eisfrei … und die Brennerautobahn und der Gotthard-Tunnel noch nicht fertig!

FK





Die Art, wie heute gebaut wird, ist bezeichnend für unseren "Lifestyle". Minergie-Häuser (wie sie bei uns in der Schweiz ja heissen) sind die einzige Möglichkeit, unser Zuviel an Komfort und Bequemlichkeit zu rechtfertigen. Selbst wenn ich vollkommen "nachhaltig" (ich verzichte darauf, den Begriff näher zu definieren, weil die Begriffsverwirrung vollkommen ist) bauen und dämmen könnte - ich würde es nicht wollen. Dämmen ist ja das eine, sie nützt aber nur, wenn ich auch "isoliere", also abschotte. Das heisst: nur noch "Komfortlüftung". Und damit abhängig von Steuerung und Stromversorgung. Auch das liesse sich vielleicht "nachhaltig" bewerkstelligen. Aber: Es ist wie das Leben im Taucheranzug, ich kann nur noch mit Mund und Nase atmen. Ich tausche mich aber auch mit der Haut ständig mit der Aussenwelt aus. Das Haus lebt und atmet auch über seine Hülle. Dämmung funktioniert aber nicht ohne Abschottung. Es braucht eine Dampfbremse, weil sich sonst Kondenswasser bildet. Die Dampfbremse könnte von Hand mit Hanf gestrickt sein - ich würde sie nicht wollen. Denn sie muss, um ihre Funktion sicherzustellen, Luftdichtigkeit gewährleisten.
Diese "Energiesparhäuser" können eigentlich nur "funktionieren", wenn das Haus als ganzes gedämmt wird. Ich halte es für meine Gesundheit und Vitalität indes für wesentlich, dass ich im Winter in einem kalten Schlafzimmer nächtige. In der Küche ist man ja meist aktiv, hat Herd oder Ofen laufen, da kann's auch kühl sein. (Es heisst ja so treffend: Arbeit ist die beste Jacke). Die Stube ist warm geheizt, wenn ich's mir richtig gemütlich mache, darf's auch mal über 20° warm sein. Dabei ist der Energiespargedanke nur im Hintergrund. Ich arbeit als Zimmermann, will heissen: draussen, auch jetzt bei Tageshöchsttemperaturen von -10° (kann gut und gerne nochmals 10° weniger sein, habe auch schon bei -30° Balkone montiert). Und: Diese frostigklaren wunderschönen glitzrigfunkelnden Schneewinternächte kann ich geniessen. Und noch so manches, wo ach so viele Menschen gleich die Hände verwerfen, birgt nichts abschreckendes in sich, sondern vielmehr jede Menge Genuss und tiefe Eindrücke. Es ist jede Menge Freiheit, die man sich dergestallt verschafft.
Freiheit beinhaltet unter anderem, von Abhängigkeiten frei zu sein. Wir hatten in den letzten Wochen hier mehrmals intensiven Schneefall. Ich fahre einen alten Mercedes - will heissen: Hinterrandantrieb. Das absolute Unding auf Schnee. Was kümmert's mich? Die paar Schneetage. Dann ziehe ich halt Schneeketten auf. Was kümmert's mich? Ist ja keine Hexerei, wegen den paar Minuten. Muss mich halt in den Schnee knien, mit Handschuhen geht's nicht. Was kümmert's mich? Bin ja keine Memme. Da kommt meine Freiheit zur Geltung. Die Finger frieren mir deswegen bestimmt nicht ab, die Hose trocknet wieder. Ich hatte mal zu hören bekommen, es gäbe kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Nicht mal die Kleidung ist so entscheidend. Viel wichtiger ist die Kondition.
Und die Einstellung. Die richtige Einstellung und Kondition bekomme ich zu Hause. Ehrlich gesagt: Ist es soo schlimm, wenn ich aus den warmen Federn in den kalten Gang gehe, in der Stube erst mal einfeuern muss. Ja, es ist schlimm, wenn ich es für schlimm halte. Es ist nicht schlimm, wenn es einfach so ist. Selbst wenn einem fröstelt dabei: Es ist einfach so, wie es ist.

Und als Schlusswort: Dämmung, ob nun öko oder nicht, ist sowohl Ausdruck als auch Auslöser von körperlicher und geistiger Verfettung.





sehr interessante studie! dann ist die antwort wohl in jedem fall: hannibal scheint nicht durch gletscher gestapft zu sein :-)





Viele gute Argumente aus der Schweiz! Und, raus in den kalten Gang am Morgen = Hallowacheffekt :-)
Wie ist dann Ihr Haus in der Schweiz gebaut?



Die schlimmsten Feinde...



... wirklicher und zu Ende gerechneter Nachhaltigkeit und echten ökologischen Bewusstseins sind außer den Betonköpfen der Branche m.E. Öko-Identifikationsfiguren wie Martin Unfried:
http://oekosex.eu/

Wahrscheinlich wird eher das Ruhrgebiet grün, als das Musterländle mit dem grünen Ministerpräsidenten, wo die Bauern sich riesige leerstehende Ställe oder Scheunen hin bauen, nur um aufs Dach Solarpanels zu installieren.





Das Haus ist 150 Jahre alt, hat massive Steinmauern, ca. 50cm dick. In der Stube sind Boden, Wände und Decke aus Holz (Riemenboden aus altehrwürdiger Berg-Fichte, bis 60cm breit; Kassettentäfer). Für heutige Verhältnisse eher dunkel, aber in meinen Augen überhaupt nicht ZU dunkel, vielmehr urgemütlich und: Das Wärmeempfinden hängt auch von der Wandoberflächentemperatur ab. Deshalb fröstelt so viele auch in 22° warmen Zimmern, die so riesige Fensterflächen haben. Mit 18°, die ein Specksteinofen (die Steine stammen nicht aus Südamerika, sondern sind etwa 100 km von hier gewonnen worden) produziert, bin ich eigentlich schon ziemlich zufrieden. Und zum auf dem Sofa rumlümmeln leg ich einfach noch ein paar Scheiter nach. Und wenn der Strom ausfallen sollte - was vermehrt vorzukommen scheint - so fallen weder Steuerung noch Umwälzpumpe aus.
Die Fenster sind aus den 70er Jahren - ich plädiere ja nicht für einen Rückschritt in die Steinzeit, zu Höhle und Keule. Die Jahre und Jahrhunderte haben bis heute immer wieder durchaus begrüssenswerte Errungenschaften zu Tage gefördert; nur ist nicht alles moderne gut. Und oft wurde schlicht über das Ziel hinausgeschossen. In meinen Augen sind die doppeltverglasten Fenster aus jener Zeit das Optimum - einigermassen dicht, aber nicht vollkommen dicht. Die Scheiben sind günstig und können mit wenig Aufwand ausgewechselt werden. Es braucht für die Herstellung ausser einem einigermassen talentierten Schreiner eine mittelmässig eingerichtete Werkstatt und keine Spezialmaschinen und aufwändige Zeichenprogramme. Spezialmaschinen und Zeichenprogramme sind für mich Ausdruck einer Klassengesellschaft - die gescheiten, hochwohlangesehenen und ebenso bezahlten Ingenieure und Konstrukteure auf der einen, die tumben Büezer auf der anderen Seite.
Was ich nicht abschliessend verstehe, ist, wieso der Estrichboden (sagt man Dachbodenboden?) nicht gefüllt wurde. Der besteht aus 8von unten) verputzte Decke, Balkenlage mit freien Zwischenräumen und Riemenboden. Den habe ich mit Stroh ausgestopft. Winddichtigkeit habe ich nicht hergestellt. Ich habe schon eine Theorie, wieso das unterlassen wurde: Stroh und Heu war zu früheren Zeiten sehr wertvoll. Und in den oberen Zimmern hat man ja nur geschlafen. Wieso also so einen grossen Aufwand betreiben? Das muss für die Leute so gewesen sein, wie wenn wir Landjäger in den Zwischenboden gestopft hätten. Und sie müssen es so empfunden haben, wie wenn wir etwas unternehmen, um statt 23° deren 25 zu haben. Die zu erreichbare "Verbesserung" lag einfach im Komfortbereich. "Nice to have." Mit anderen Worten: Luxus.
Was in den alten Häusern halt ist: Es gibt Zimmer. Kompartimentiert, mit Tür und Wänden. Keine Loft, keine 3.5 Meter Raumhöhe, keine Galerie und keine Wohn-Ess-Schlaf-Werkküche.
Alles in allem: Es war einmal herrschaftlich (vor anderthalb Jahrhunderten), heute dürfte man wohl nicht mal mehr Asylanten hier unterbringen. Es ist kein Haus, das dem Selbstzweck des Wohnens dient. Es ist nicht eine Ausgeburt von Bequemlichkeit, von "Wellbeing" und Gummibärchendenken. Es taugt nicht zum Inszenieren und Herzeigen. Es ist ein Haus zum Leben, für aktive Menschen, ein schützendes Nest, mein Rückzugsort. Und wenn sich Kinder im Villa-Kunterbunt- Estrich vergnügen, da tönt es im Erdgeschoss wie bei einer Elefantenhochzeit.



Ich bin strenggenommen für gar nicht dämmen!



Das Schweizer Haus klingt gut!
Ich weiß schon, worum es vielen hier geht. Und geht mir genauso. Denn, mal ganz nebenbei - und passt etwas zu Schweizer Philosophie oder zur Masse statt Dämmen - warum überhaupt dämmen, Fensterwahnsinn, etc. Die Weltbank hat 600 Mio. Dollar seit 4 Jahren auf Eis liegen. Wofür? Für den Regenwaldschutz. Die Weltbank, plus glaub 3 anderen Orgas wurde diese Aufgabe übertragen. Doch, was passiert? Doch sie nutzen es nicht, um das Abholzen und Brandroden zu stoppen. DASS wäre in meinen Augen nachhaltig. Denn nichts zerstört das Klima so wie diese Geschichte.
Nur als Alternative zu Plastik auf der Fassade habe ich den Link im ersten Beitrag zum nachhaltigen Dämmen mit Natur-Dämmstoffen angefügt...





Über was ich letzthin gestolpert bin, der amerikanische (Alp-)Traum:
http://www.youtube.com/watch?v=HuUjgiyPedU&feature=related

Plastic fantastic...



Nachhaltigkeit



Hallo Leute,

nun ist ja hier schon viel gesagt worden. Über Dämmen und nicht Dämmen und über die Definition von Nachhaltigkeit.
Eine Sache fehlt aber wohl noch!

Auch die sogenannten Ökodämmstoffen sind nicht automatisch dadurch nachhaltig und öko nur weil sie aus Naturstoffen bestehen. Hier lohnt immer auch ein Blick auf die Herstellung und den Ursprung der Ausgangsstoffe. Wenn der Grundstoff für die Holzweichfaser aus sibirischen Wäldern stammt und bei der Verarbeitung im Naßverfahren teuer Energie verbraten oder aber im Trockenverfahren ordentlich VAC-Leime verwendet werden, bekommt die grüne Weste schonmal schwarze Flecken.

Ich stimme dem zu, daß ein großes Potential für nachhaltige Energieeinsparung zunächst im Überdenken unserer überzogenen Komfortansprüche steckt. Viele technische Spielereien, die unter dem Deckmantel der Energieeffizienz an den Mann gebracht werden wollen erübrigen sich auf diesem Weg von selbst. Zielgerichtete, also mit bedacht plazierte Wärmeschutzmaßnahmen (Dämmung) meine ich damit jedoch nicht.

In meinen Augen fordert nachhaltiges Handeln vor Allem erst einmal eine ganze Menge an interdisziplinärem Wissen. Dies für sich allein schon eine schwierige Aufgabe. Mit jedem mehr an Wissen, wird man sich dabei jedoch nicht der 100%igen Erleuchtung nähern, sondern sich eher einer ganzen Reihe zusätzlicher Gewissenskonflikte gegenüber sehen, die es gilt gegeneinander abzuwägen. Da der Mensch es gern bequem hat, wird spätestens dieser Punkt dann für die Meisten der Grund sein, wieder mit der Nachhaltigkeit
aufzuhören. ...

Am Ende wird einem da wohl nur die Gewißheit heraushelfen, daß das eigene Sein auf diesem Planeten nicht ohne Fußabdrücke ablaufen kann, selbst wenn wir wieder in Höhlen hausen würden. Deswegen alles beim alten zu belassen, grenz für mich eher an Egoismus. Es dennoch weiter zu versuchen macht einen aber auch nicht automatisch zum "besseren" Menschen. ... In meinen Augen aber, das Bewußtsein um Letzteres schon!

Gruß aus Berlin,




dämmen-Webinar Auszug


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