Aussenwand sanieren

18.02.2018 Heiko



Hallo zusammen,
meine Frau und ich haben und vor 2 Jahren ein Fachwerkhaus gekauft.
Das Untergeschoss verfügt über Bruchsteinmauern - ohne Holzeinsätze.
Dieses haben wir bereits saniert. Dabei haben wir alle Wände bis aufs Mauerwerk freigelegt und mit Lehmputzen neu verputzt.
In diesem Zuge wurden auch gleich neue Elektrik und Wasser/Heizungsleitungen verlegt.

Mittlerweile haben wir der Mieterin, die bislang im OG gewohnt hat gekündigt und eine Bestandsaufnahme gemacht.

Wir wollen einen Raum vergrößern und müssen eine Wand entfernen (Statiker ist eingeschalten).
Der Fußboden muss erneuert werden - hier wollen wir auf Trockenestrich (mit holzfaserdämmung) setzen. Die Bestandsdielen wurden leider durch den Vorbesitzer versaut, indem er Spanplatten (mit Sand drunter) im OG verlegt hat und diese geschraubt wurden. Leider wurde das ganze ohne Rieselschutz gemacht wodurch der Boden jetzt sagen wir interessant ist.
Heizungsleitungen, Strom und Wasser werden imOG auch erneuert.

Zu den Fragen:
Vor der Uaasenwand sitzt bislang mit ca 5-7cm Hohlraum eine trockenbauwand. Diese ist mit Styropor gedämmt.
Dass diese besser heute als morgen raus muss ist mir klar.
Die Frage ist, was dann? Wir wollten die Heizungsleitung an der Außenwand entlangführen (wie bisher auch). Elektrik ebenfalls.
Wir dachten an eine Stampflehm-blähglas Wand weil man dort wohl die Leitungen verstecken kann.
Darauf dann normaler Lehmputz - ist sowas praktikabel?
Wie dick müsste der stamplehm sein?
Gibt es bessere Möglichkeiten?

Im Anhang ein Bild wie es zur Zeit an der Wand aussieht.


Danke und viele Grüße
Heiko





Solch eine Bestandskonstruktionen findet man häufig in Fachwerkhäusern, dass ist aufdringlich aber nicht zweckmäßig. Wenn man Glück hat noch ohne Schimmel.

Macht doch eine Wandheizung. Innendämmung (magnesitgebundene Holzwolle o.Ä.) Verbundrohr verputzt mit Lehm oder Kalk, Armierungsgewebe Feinputz.

Da habt ihr Windichtigkeit, Isolation, Heizung, feine Oberfläche und aufgeräumte Optik, recht harmonisch erledigt. Mit der Wandheizung ist auch die Tauwassergeschichte weniger bedeutsam.

Die Heizung kann man auch über ein Rücklauftemperaturbegrenzer (RTL) in eine Anlage mit höherer Systemtemperatur integrieren.

Da könnt ihr mal den Udo vom Lehmhandwerk hier in der Community ansprechen, der verarbeitet das oft und gerne.

Ich war da vor zwei Wochen erst auf einer Baustelle von ihm. Da war selbiges eingebaut worden. Trotz Frost, kurzer Einschaltdauer und Baufeuchtigkeit war da gleich ein angenehmes Raumklima. Wirklich ganz famos ich würde mir nichts anderes mehr (selbst-) bauen.



Wandheizung



Hallo Mario,

Danke für die prompte Antwort.
Das mit der Wandheizung habe ich mir jetzt hier im Forum bereits ein paar mal angesehen.
Wir sind uns da - auch auf kostenebene - noch nicht ganz sicher. Die Info, dass das per RTL auch mit einer Bestandsheozung eingebaut werden kann ist auf jeden Fall schon mal sehr viel wert.

generell war der Plan:
Alles was auf dem Bild zu sehen ist raus, die Gefache sollen bleiben, allerdings alles was lose ist rauskratzen.
Danach den Einbau von Blähton Leichlehm in eine Holzschalung (ca 8-12cm) je nach Wandbeschaffenheit.
Danach ein (feiner?) lehmputz, allenfalls ein normaler lehmputz und anschließend ein Lehmoberputz.

Ist dein vorgeschlagener Wandaufbau prinzipiell auch ohne Wandheizung so realisierbar?

Danke und Grüße
Heiko





Für die Wandheizung kommt ja (nur) noch das Verbundrohr, die Klemmschienen und Armaturen dazu, alles kostet kein zu großes Vermögen.

Ansonsten ist der Material- und Arbeitsaufwand ähnlich, der Nutzen und Wert ggf. größer. Auf das eingeputzte Heizungsrohr, mit oberflächlich eingebetteter Gewebearmierung, wird nur noch der Feinputz (ca. 3mm) aufgetragen und ist dann "malerfertig".

Eine Flächenheizung ist perspektivisch für moderne Energienutzung vorteilhaft. wenn sie für geringe Vorlauftemperaturen ausgelegt ist.

Bei der Schale aus Blähton-Leitlehm muss man halt auch wegen der Lastabtragung gucken, der bringt ja 700 kg je Kubikmeter. Eine Hanf-Lehmmischung wäre nur halb so schwer.

Wenn man selber bauen möchte und Kosten sparen will ist es immer wichtig sich auf bewährte Lösungen zu stützen. Das Ergebnis wenig sorgfältiger Überlegungen habt ihr ja jetzt schon vor der Nase.

Wie gesagt, wendet euch da vor einer Entscheidungsfindung an den Udo hier im Forum. Der ist sehr auskunftsfreudig und weiß wie es geht, davon bin ich jedenfalls überzeugt.



Innendämmung



Leichtlehm hat bestenfalls 30-50% der Dämmwirkung von Dämmmaterialien- vom Aufwand und Raumverlust ganz abgesehen.

ZB könnte vor der Außenwand eine Ständerwand mit Verkleidung aus Lehmbauplatten errichtet werden, in diese kann eine Wandheizung integriert werden.

Hohlraum mit Zellulose dämmen,
was die Dämmung von Warmwasserleitungen verbessert
und ohnehin viel schnellere Installationsverlegung ermöglicht.

Andreas Teich



AW: Innendämmung



Hallo Herr Teich,

danke für Ihre Informationen.
Das hört sich für den "Laien" in der Tat recht gut an.
Lehmbauplatten sind zwar leider etwas kostspielig, sollten aber zumindest lt. deren Datenblätter recht gut handlebar sein.
Was mich hier natürlich interessieren würde (wenngleich mir durchaus bewusst ist, dass eine Ferndiagnose durch das Internet keine Vor-Ort Fachberatung ersetzt) wie dick sollte eine Zellulosedämmung ausgeführt werden?
Mein Sanitärer hat mich dann heute am Telefon gefragt, ob die Wandheizung denn unbedingt sein müsse, denn er sehe da die Problematik mit Bildern an der Wand auf uns zukommen.
Sollte die Wandheizung, dann wie hier auf einigen Bildern zu sehen, wirklich vollflächig ausgeführt werden (bei uns sprächen wir von ca 40-45m2 Wandfläche die im ersten Step gemacht werden müssten) oder kann man da so eine Art "Freiraum" lassen um eine Art "Installationszone" für Bilder o.Ä. zu haben?

Was mich noch beschäftigt, da eine Zellulosedämmung lt. dem was ich beim Recherchieren gefunden habe wohl meist aus "Papier" gefertigt wird. Wie verhält es sich da dann mit Schimmel - da diese Dämmung ja direkt an der Außenwand anliegt und somit nach meinem bisherigen Verständnis Gefahr laufen könnte, durch Tauwasser/Kondenswasser feucht zu werden und anschließend zu Schimmeln.


Danke & viele Grüße,

Heiko



Bilder aufhängen



ist nicht das Problem, dachte ich auch erst. Es gibt aber Schienen für die Deckenmontage, ähnlich wie in Ausstellungen oder Museen, die sind viel praktischer, weil man die Objekte dann beliebig hin und herschieben kann, ohne jedesmal die Wand zu durchlöchern.



Innendämmung und Wandheizung



Schimmel ist wegen der enthaltenen Salze überhaupt kein Problem bei Zellulose- in der Hinsicht sind andere Dämmstoffe viel gefährdeter.
Wenn Schlagregen ausgeschlossen ist kann die Dämmung sicher 60 mm dick sein, 80 mm ist leichter auszublasen und wegen der Wandheizung in aller Regel auch möglich.

Auf Ständern können auch mit Lehm verputzte Heraklithplatten befestigt werden wenn Lehmbauplatten finanziell nicht drin sind.
Wandheizungsrohre aus Aluverbund- oder Kupfer sind mit Metalldetektoren leicht aufzufinden, da sie ja direkt unter der Oberfläche verlegt werden.

Kupferbasierte Systeme zB von Wieland-Werke oder Egger/Sera, die sich auch nach Jahrzehnten problemloser reparieren lassen als Kunststoffrohre.

Andreas Teich





Wichtig, immer erst außen gucken und dann innen dämmen. Das Stichwort Schlagregen ist schon gefallen. (Zustand Fassade, Himmelsrichtung, Dachüberstand, Nachbarbebauung usw.) Auch die Winddichtigkeit ist bei Fachwerk immer so eine Sache.

Wenn ihr wieder eine Hohlraumdämmung machen wollt, sollte die Ausführung von Steckdosen in der Konstruktion sorgfältig geplant sein. Besser nicht an den Aussenwänden installieren.

So "Fertigteilkonstruktionen" aus Lehm mit Wandheizung sind preislich nicht ohne Anspruch.

Wenn man was selber machen möchte um sich wirtschaftliche Spielräume zu erschließen, muss man sich etwas variabler aufstellen.

Wie gesagt eure Situation ist eine typische, die wird täglich irgendwo gut und zuverlässig gelöst. Es gibt also genügend Erfahrungsschatz von dem profitiert werden kann. Etwas Aufgeschlossenheit gehört aber dazu. Wenn schon euer Installateur versucht mit etwas obskuren Argumenten die Wandheizung auszureden, dann klingt das schonmal nicht so gut.