Außenwand richtig dämmen

05.01.2014 Jens S.



Ich baue gerade meinen ehemaligen Heuboden zum Wohnbereich um. Da mein ursprünglicher Bauplaner (der auch die Planerstellung und Bauantragstellung begleitet hat) leider das zeitliche gesegnet hat und andere zu Rate gezogene Bauplaner und Architekten jeder etwas anderes hochlobt, wollte ich mir nochmal ein paar andere Meinungen einholen.

Folgende Ausgangssituation:
Es handelt sich um ein ca. 15cm Holzständerwerk (ohne Beplankung) mit Kehlbalkendach zwischen 2 36er Brandschutzwänden aus Ziegel als Giebel. Dem Holzständerwerk ist ein 12er Vollziegelmauerwerk als Außenwand vorgesetzt.

Den ursprünglichen Plan sah folgenden Wandaufbau vor (von außen nach innen):
- 12er Vollziegelmauerwerk von außen verputzt
- Gefache mit 160mm Mineralwolle ausfüllen
- Dampfsperre
- Ständerwerk-Trockenbauwand mit Gipskartonplatten

Diesen Aufbau habe ich mittlerweile jedoch verworfen, da ich von Gipskarton nicht sonderlich überzeugt bin und eine 100% Dichtheit kaum herzustellen ist durch die Kehlbalkenkonstruktion mit den Kopfstreben, Zangen, usw. und baubiologisch nicht sonderlich vorteilhaft ist.

Da ich die Innenwände weitestgehend aus Porenbeton erstelle, kam mir die Idee (auch Vorschlag eines anderen Bauplaners) die Gefache mit Porenbeton auszumauern und zu verputzen. Je nach Stärke der Porenbetonsteine/-blöcke könnten die Balken der Dachkonstruktion an den Giebelwänden dann sichtbar bleiben und zum Teil bündig in die Wand einfügen. Die Wand wäre somit diffussionsoffen und tragfähig für Hängeschränke z.B.

Alternativ wurde auch eine Vorsatzinnenwand aus 7,5-10cm Porenbeton (z.B. Ytong Trennwandelemente) mit dahinterliegender Dämmung (z.B. Holzfaser oder Zellulose) genannt.

Welche sinnvollen Wandaufbau einer innengedämmten Außenwand gibt es noch für diese Ausgangslage ?

Vorab schon mal vielen Dank für eure konstruktiven Antworten...



Ergänzung zum Holzständerwerk...



Das Holzständerwerk ist in Skelettbauweise mit aufgesetzter Kehlbalkendachkonstruktion und mit einem nichttragenden Vollziegelvorsatzmauerwerk ausgestattet.



schwierige Frage



dies ist eine schwierige Frage, die letztendlich nicht im Forum abzuklären ist. Aus meiner Sicht entsteht eine gewisse Schwierigkeit durch die Tatsache, dass das Fachwerk von außen nicht erreichbar ist, so dass man die Gefache nach außen nur sehr schwer schließen kann.
Der Teufel steckt hier wie so oft im Detail.
Zunächst aber interessiert mich, wie groß der Abstand zwischen der äußeren Mauerschale und dem Fachwerk ist und ob die Möglichkeit besteht diesen Spalt ausreichend zu belüften.
Gasbeton ist für mich auf jeden fall keine Lösung. Der Stein nimmt Feuchtigkeit gerne auf, braucht aber sehr lange um sie wieder abzugeben. Dies kann für ein Holzwerk tödlich sein.



Vorsatzmauerwerk wird verputzt



Hallo Herr Heim, vielen Dank für Ihre Ausführungen. Porenbeton fällt somit also schon mal raus...
Der Abstand zwischen der Vorsatzwand und dem Fachwerk liegt bei ca. 0,5-4cm. Die Vorsatzmauer sowohl auch die eine äußere Giebelwand (die andere trennt das restliche Stallgebäude vom Wohnbereich ab und ist nicht witterungsbelastet) werden von außen verputzt und sollten somit weitestgehend von Feuchtigkeitseintritt von außen geschützt sein. Auf dier Innenseite der Vorsatzmauer wurde der Putz vollständig entfernt da größtenteils lose gewesen ist.

Nach vielem lesen hier und im Net könnte ich mir noch folgenden Aufbau vorstellen (von außen nach innen):
- Außenputz
- Vorsatzmauerwerk 12mm vollziegel
- Fachwerkdämmung mit Holzweichfaserplatte/-matte ca. 140/160mm
Variante 1
- OSB-Platte 22/24mm auf Unterkontruktion
- Holzfaserplatte 10-20mm als Putzträger
- Innenputz
Variante 2
- Lehmbauplatte 25mm auf Unterkontruktion
- Innenputz

Diese beiden Varianten sollten diffusionsoffen sein und Feuchtigkeit in beide Richtungen wieder abgeben können...
Macht eine Klimamembran-Dampfbremse (keine Dampfsperre!) hier Sinn ?



Nun dann



bleibt aber das Hauptproblem. Bei einem Abstand von 0,5-4 cm zwischen Fachwerk und Vormauerschale bekommt man keine Hinterlüftung hin. Damit werden wir eine Innendämmung haben mit dem Problem des erheblichen Kondensatanfalls an der äußeren Mauerschale.
Dies bewerte ich zunächst als äußerst problematisch. Ihre Konstruktionsideen werden so nicht durchführbar sein.
Ich werde mir ein paar Gedanken darüber machen. Vielleicht können sie ein paar Fotos einstellen.



Evtl. Alternative?



Hallo,

soll die Vorwand nur zum Verputzen errichtet werden um innen Fachwerk Sichtbar zu lassen? Wenn ja, gibts da auch ne möglichkeit von Diffutherm. Diffusionsoffene Aussendämung aus Holzfaser...nur als bsp. Wenn das System passt was Diffutherm anbietet, nicht zu viel erwarten, der Laden glänzt nicht mit Service und hat auch als einziger das Patentrecht für die Systeme. Wir suchen zb. noch nach alternativen für ne Aussendämung für unsere mitte des 16ten Jahrhunderts errichteten Hoffreite.

Wollen sie das Haus nach Aussen sichtbar gestallten haben wir zb. ne art Schnellbauvariante genutzt. Gefache mit Lehmbausteinen ausgebessert, Holzfasermaten 140mm stark mit einer Holzkonstruktion aus Dachlatten an den Balken auf Druck verankert damit keine Hohlräume entstehen. Danach an den stellen wo zb. Schalter, Stecker, Heizkörper oder Lampen angebracht werden sollten mit OSB Platten Verstärkt und auf das ganze System Leichtlehmbauplatten (vom Namen nicht irritieren lassen, die sind alles andere als Leicht) aufgebracht und mit Lehm verputzt. Nachteil, man muss sich vorher überlegen wo man evtl. was hinhängen möchte, oder die Verlatung Dokumentieren.



Hinterlüftung



Die Ansichten über ausreichende Hinterlüftung sind nicht überall die gleichen. Siehe z.B. http://www.buildingscience.com/documents/insights/bsi-038-mind-the-gap-eh , http://bricks-and-brome.net/33c11.pdf . 3/8 inch sind knapp 1 cm...

Für mich wäre folgende Lösung erwägenswert:

Vollziegelmauerwerk
Luftspalt
Fachwerk, diffusionsoffene Luftdichtbahn von innen in die Gefache geklebt
flexible Holzfaserdämmung in den Gefachen
Querlattung mit 50 mm ausgedämmter Installationsebene
Dampfbremse (auf keinen Fall Dampfsperre)
Gipskarton



Bilder und mehr...



Hier ein paar Bilder von der Baustelle:



Außerdem noch eines von der statischen Berechnung als Anhang.

@Jörn F.
Offenbar haben Sie mein Anliegen mißverstanden...
Die geschilderte Ausgangssituation steht bereits und das seit ca. 100 Jahren. Das gesamte Ständerwerk wurde in den 70er/80er Jahren aufgrund eines Brandes erneuert. Das bestehende Vorsatzziegelmauerwerk soll nicht von außen gedämmt sondern lediglich verputzt werden.
Die Dämmung soll innerhalb des Tragwerkgefaches erfolgen.
Die Innenwand sollte feuchteregulierend sein und am liebsten auch etwas massiver um auch mal einen Hängeschrank oder Vitrine aufhängen zu können. Gipskarton kann weder wirklich das eine noch das andere.
An den Giebelwänden kann die Holzkonstruktion gern sichtbar bleiben. An den beiden anderen Wänden macht dies wenig Sinn und ist auch nicht wirklich schön...

Ich habe in den letzten Wochen die tollkünsten Wandaufbauten kennengelernt. Sowohl im Netz als auch von diversen Planern. Offenbar hat man dabei ganz vergessen, daß dies auch noch bezahlbar sein sollte. Mir geht es nicht um ein paar € aber wenn Dämmung und Innenwandaufbau 100€/qm überschreitet, ist hier wohl eher mit dem Schinken nach der Wurst geworfen und amortisiert sich auch in den nächsten 30 Jahren nicht...



hm...



Ja, da habe ich sie missverstanden. In dem fall ist mein Vorschlag nicht sinnvoll. Hier wäre mein Ansatz:

Die Lücken zwischen Balken und Mauerwerk mit Holzfasermatte auszustopfen und dann mit Diffuterm UdiIN RECO den Rest des gefachs aufzufühlen.

Dann wären die Balken Sichtbar und laut Datenblatt des Herstellers die Wände auch Tragfähig. Kann leider nur Theoretisch helfen, da das System bei uns keine Anwendug fand. Das ist mir beim vielen Lösungssuchen in die Hände gefallen.

hier mal der Link zum Produkt:
http://unger-diffutherm.de/udi-produkte-systeme/innendaemmung-innenausbau/udiin-reco-neu-mit-langzeitstudie/

Von den Kosten her empfand ich es als ok, soweit ich weis waren wir bei etwa 60€/m².

zum Thema hinterlüftung, hier gehn die Meinungen wirklich weit ausseinander. Ich weis aus der Praxis raus das hinterlüftete Dämmung wirkungslos wird. Gerade in dem fall wie ihrem würde eine hinterlüftung eher negative auswirkungen haben, da jede art Dämmung, ob chemisch oder Biologisch, nur Funktioniert wenn sie auch einer Gewissen Pressung ausgesetzt ist.

Thema Dampfbremse, wir haben sie nur im Dach angewand und aus den Wänden rausgelassen. Ob das richtig war? sehn wir in 20 Jahren wenn wir wieder anfangen das ein oder andere zu reparieren (wie das im eigenheim so ist) Meine Persönliche meinung: Was soll den passieren wenn alles natürliche Diffusionsoffene Baustoffe sind die Feuchte aufnehmen und abgeben. Sollang das Mauerwerk von unten trocken ist, ist alles ok.



Das UdiIN RECO® SYSTEM sieht schonmal sehr...



...vielversprechend aus. Was mir nur nicht ganz einleuchtet ist die mineralische dampfbremsende Spachtel... Klar, damit nicht soviel Luftfeuchtigkeit über die Fläche in den Dämmstoff gelangt. Da die Luftfeuchtigkeit aber auch über die seitlichen Anschlüsse an das Holz eintritt, behindert diese doch auch die Abgabe der gebundenen Feuchtigkeit an die Raumluft im Sommer.





Als Tipp, frag bei Holzdämmstoffen auch mal beim Holzhändler in der Umgebung. Die haben das teilweise im Sortiment und bei uns hier auch zu günstigeren Preisen als der Baustoffhandel.





Hallo,

60 €/m² sind knapp. Rechnen sSie mal 2 bis 2,50 €/m² und cm Dicke in WLG 035 oder äquivalenter höherer Preis und dann noch den Putz.
Eine leichte Innendämmung, bis 5 cm ist unproblematisch. Das gibt aber keinen wirklich guten Wärmeschutz und verstößt gegen die EnEV, es sei denn, es ist ein Denkmal.
Auf jeden Fall würde ich zur Erzielung bester Feuchte-Austauschverhältnisse in reiner Kalktechnik verputzen.

Grüße vom Niederrhein