Innendämmung bei Wandheizung notwendig ???

09.01.2013



Hallo,

vielleicht könnt Ihr uns weiterhelfen.

Wir sanieren ein ca. 60 Jahre altes Haus und planen eine Wandheizung an die Außenwände anzubringen. Angebote hierfür haben wir uns bereits eingeholt. Allerdings rät uns jeder vor Verlegung der Wandheizung eine Innendämmung anzubringen. Diese wollten wir eigentlich vermeiden (aus Kostengründen, Aufwand, Angst dadurch Bauschäden zu verursachen).

Kurz zu Info: wir haben im EG ein 36iger Mauerwerk mit Putzfassade und sind gerade dabei die Außenwände innen mit Lehm zu verputzen.
Die Wohnräume sind alle zum Süden ausgerichtet. Das Haus ist freistehend. Wir haben in südlicher Richtung freien Blick auf eine Ackerfläche. Obwohl die Wetterseite (Westen; Giebel) teilweise durch unseren Nachbarn, dessen Haus ca. 8 m entfernt ist, geschützt wird, ist es öfters ziemlich windig auf unserem Grundstück.

Im Forum haben wir etwas von Lehmdämmputz gelesen. Diese Variante könnten wir uns unter Umständen vorstellen, da wir ja sowieso mit Lehm verputzen. Hat jemand schon damit Erfahrung gemacht? Welche Stärke müsste man aufbringen, um eine "Entkopplung" der Wandheizung mit der Außenwand herzustellen?
Diese Entkopplung riet man uns bei Anbringen der Wandheizung, um nicht einen zu großen Wärmeverlust zu erhalten. Oder ist das alles nonsens?

Bei anderen ökologischen Dämmstoffen sind wir bezüglich der Zuschlagsstoffe/ Bindemittel/ Brandschutzmittel skeptisch. Außerdem sind diese bei einigen Herstellern (Holzfaserdämmplatte) oftmals nicht eindeutig deklariert.

Uns kommt es letztlich darauf an, dass die Bude warm wird, die verwendeten Materialien ökologisch und gesundheitlich unbedenklich sind und wir wunderbare Strahlungswärme genießen können.

Viele Grüße

David



Hallo David,



ich würde eher das Wort empfehlenswert bezüglich der Dämmung verwenden.

Bei der Innendämmung ist weniger mehr, das Wort entkoppeln passt da gut. Mit Lehm läßt sich kaum ein Dämmputz herstellen da das Material zu schwer ist. Wenn da viele Leichtzuschläge reinkommen hält der Putz nicht mehr.

Aus Kostengrüneden empfehle ich als Minimaldämmung eine 2 cm Weichholzfaserplatte die auch putzfähig ist.

Gerne mehr...

Grüße Gerd





Hallo,

spendieren Sie etwas mehr, es lohnt sich. 40 bis 50 mm sind die optimale Dämmstärke für Ihr 36er Mauerwerk. Sie ziehen die Tauebene damit noch nicht zu tief ins Mauerwerk und vermeiden die unnötige Aufheizung der wärmeübertragenden Aussenwand.
Die Angst vor Bauschäden ist unbegründet, wenn Sie ein paar einfache Regeln beachten:
Keine zu dünnen Dämmungen verlegen, denn diese neigen zum Schüsseln.
Wandheizung auf maximale Vorlauftemperatur von 45 bis 50 Grad auslegen, das gilt dann für 20 Grad Minus Außentemperatur.
Flache Heizkurve einstellen, also 06 oder gar 04.
Heizung durch Anbieter oder Fachingenieur berechnen lassen !
Hydraulischen Abgleich korrekt durchführen.
Merke: Die Heizschlangen liegen waagerecht, nicht senkrecht, wie in vielen Bildern hier gezeigt.
Putz mehrlagig ausführen und nach Einfahrprogramm der Heizung nachbehandeln, denn es werden jetzt charakteristische Rissbilder zu sehen sein. Die gehören aber dazu, man muss sie nachbehandeln.

Grüße



Teekanne



Kürzlich war in diesem Forum bezüglich der Frage: dämmen oder lieber nicht - der Vergleich mit einer Teekanne zu lesen.
Gefiel mir sehr gut.
In einer Porzellankanne wird der Tee recht schnell kalt.
In einer Thermoskanne bleibt er deutlich länger warm.
Wenn dann noch der Deckel zugeschraubt wird kann man sich noch nach Stunden drann verbrennen...
Meine Meinung: Auf jeden Fall eine Innenwanddämmung unter die Wandheizung.
Bei richtig ausgeführter Dämmung werden durch die Wandheizung werden nahezu alle Gefahrenquellen ausgeschlossen.
Als Material empfehle ich Holzweichfaser oder gesprühte Zellulose.
Am sichersten fährt man wenn der geplante Wandaufbau einmal mit einem Feuchtesimulationsprogramm berechnet wurde.
LG
SB



Innendämmung bei Wandheizung...



... ist nicht grundsätzlich zwingend notwendig, allerdings macht es Sinn, die Außenwand auf einen U-Wert von max. 0,5 W/qmK zu bringen, andernfalls ist ein wirtschaftlicher Betrieb der WH keinen Sinn. Auch die Oberflächentemperatur der Wand würde u.U. ins physiologisch unangenehme steigen (müssen) und der Strahlungsanteil sinkt.

Nach Deiner Beschreibung wird Deine vorhandene Wand meilenweit davon entfernt sein, daran wird auch eine Innendämmung in der üblichen praktikablen Stärke nur mit Ach und Krach rütteln können, von der Problematik mit Wärmebrücken ganz zu schweigen.

Weiter ist im Vorfeld planerisch zu ermitteln, ob die vorhandene Fläche überhaupt ausreicht, genügend Wärme in den Raum zu bekommen. Pi mal Daumen ist bei komfortabel ausgelegter WH (16er Rohr, 10cm Abstand, 30mm Putz, Vorlauftemperatur 35°C) von 85W/qm Wandfläche auszugehen. Wird das System richtig ausgelutscht, mit den negativen Begleiterscheinung von oben, sind auch 160W/qm möglich. Bitte bei der überschlägigen Berechnung berücksichtigen, dass gewisse Abstände zu Boden, Decke, Wänden, Fensteröffnungen, usw. eingehalten werden sollten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es Eurem Fall nicht ohne Dämmung gehen wird, allerdings wäre eine Außendämmung die eindeutig bessere Wahl.

MfG,
sh



Thermoskanne



Ein m.E. nur bedingt brauchbares, da zu primitives Beispiel. In Räumen, in denen Menschen leben sollen, geht es um mehr, als nur darum, die Wärme krampfhaft festzuhalten.
Was ist mit der Feuchtigkeit, mit Frischluft, mit dem "Wohlfühl-Effekt"?
Nicht jede/r findet Sauna- oder in diesem Falle sprichwörtliches Treibhausklima besonders angenehm.

@Gerd Meurer: Ist das oben erwähnte Schüsseln bei zu dünnen (2 cm starken?) Weichholzfaserplatten in Verbindung mit Wandheizung allgemein bekannt?
Gibt es hier besondere Herstellerempfehlungen, wo der Effekt evtl. wenig bis gar nicht auftritt?

@Dietmar Beckmann: Haben Sie zu den Angaben, insbesondere Taupunktverschiebung und Vergleich zwischen den verschiedenen Stärken der Weichholzfaserplatten Referenztabellen oder ein Berechnungsmodell (jenseits der bekannten U-Wert-Rechner)?





Hallo,

ja, sicher. Ich rechne üblicherweise mit Dämmwerk.
Es gibt aber auch Programme, die das unter Berücksichtigung der Stoffeigenschaften machen.Dafür lasse ich dann meinen Bauphysiker rechnen.
Erfolgreich und zur Zufriedenheit der Bewohner habe ich mehrere Massivbauten ausführen lassen:
Ein Einfamilienhaus von 1956 und eine Villa von 1935.
In letzterem Fall 50 mm Holzweichfaserplatte und darauf Wandheizung von Roth, Alu-Verbundrohre 14 mm, Halter durchgedübelt, Putz Weber 172/Glätte Weber 178, mehrlagig.
Einfahrprogramm nach 3 Monaten gefahren, Crashtest mit max. Vorlauf + 5 Grad, dann nachbehandelt. Bis heute rissfrei.

Bei Holzweichfaser erübrigt sich die Berechnung des Taupunktes, bzw. das Ergebnis relativiert sich, weil die kapillare Feuchteabfuhr schneller ist als die diffusionsbedingte Kondensation. Und im Winterfall funktioniert die Verdunstung wg.der Heizung immer.

Viel Erfolg



@ die Meinung



ich kenne BV´s bei denen eine 2 cm Schilfrohrdämmplatten oder 2 cm Weichholzfaserdämmplatten eingesetzt wurden. Ein schüssel ist mir nicht bekannt. Vorrausetzung dafür ist natürlich die richtige Verarbeitung.

Ich empfahl das Material als Minimaldämmung!

Alternativ könnte als ein Kalkdämmputz eingesetzt werden.

@ Simon Büschen
Welches Programm ist in der Lage die Bauphysik eine Innendämmung in Kombination mit einer Wandheizung richtig zu simulieren?

Grüße



Delphin



Ich lasse mit Delphin rechnen.
Inwieweit die Einwirkung von Wandheizungen simuliert werden können weiß ich nicht.
Ich habe das Programm nicht selber.
Aber wenn es ohne Wandheizung keine kritischen Zustände gibt wird es diese mit WH erst recht nicht geben.
LG
SB



Aber



es kommt auch vor, dass die Programme einen kritischen Zustand fetsstellen der aber in der Praxis gerade in Kombination mit einer Wandheizung nicht eintritt.

Grüße



Für manchen Bauherrn, ...



... dem von Bauexperten irgendwas zwischen gar nicht dämmen, nur Heraklithplatten statt Dämmung, eher weniger Dämmung oder eher mehr Dämmung bei Wandheizung empfohlen wird, nicht wirklich hilfreich.

Auch die Bedenken, von "da kann man nicht viel verkehrt machen, das System ist sehr tolerant" bis hin zu "nur sorgfältigste und ganzheitliche Planung mit Software, über die nur Ingenieurbüros verfügen, sonst sind schwerste Bauschäden sicher vorprogrammiert" verlangen schon eine gehörige Portion Standvermögen, wenn man sein Ding trotzdem durchziehen will.



Wenn



Du die gleiche Frage 10 "Bauexperten" stellt erhälst Du i. d. R. 10 unterschiedliche Aussagen, gerade in einem solch speziellen Bereich wie Innendämmung mit Wandheizung.

Das ist so!

Ich denke mann sollte seine Empfehlung auch erklären und begründen können, das sprengt hier aber teilweise den Rahmen.

Erfahrungen und schadensfreie Referenzen können da auch hilfreich sein.

Grüße



Holzweichfaserplatten



mit einer max. Dicke von 80mm sind als Innendämung möglich. Ich habe bei mir eine Platte von 60mm direkt mit Lehmmörtel auf die Innenseite der Aussenwand vollflächig geklebt. Bei unebenen Wänden können sonst Hohlräume entstehen. In diesen kann sich Kondenswasser sammeln und Wand/Dämmung schädigen. Anschließend die Wand mit Lehmgundputz und eingelegtem Jutegewebe dünn (2-3mm) verputzt. Es geht möglicherweise auch mit faserarmiertem Lehmfeinputz. Damit dürften bei sorgfältiger Ausführung keine Fugenrissbildung auftreten.



Wandheizungen sind nicht so ganz einfach zu konzipieren !



So sollte man wissen, dass sowohl die Innenwandoberflächen- als auch die Betriebstemperatur für das Maß der rückseitigen Wärmeverluste bestimmend sind.
Je höher die v. g. Temperaturen und je niedriger die Außenlufttemperatur ist, desto höher sind die potentiellen Wärmeverluste durch Transmission.


Der Transmissionswärmeverlust bei einer gegebenen Temperaturdifferenz innen-außen kann für einen Wandaufbau nach der Formel

QT = A • U • Delta-T

berechnet werden.

Dabei stehen:

QT für den Transmissionswärmeverlust in W
A für die Wandfläche in m²
U für den Wärmedurchgangskoeffizient der Wand (U-Wert) in W/m²•K
Delta-T für die Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außenbereich in K



Im Fall von Wandheizungen ist bei der Berechnung jedoch zu berücksichtigen, dass der Wärmedurchgangskoeffizient U unter besonderen Maßgaben zu ermitteln ist:
Es darf lediglich der Wandaufbau zwischen der Installationsebene, also der Wärmequelle, und der Wandaußenseite in die Berechnung einbezogen werden.
Dies bedeutet, dass mit der Berechnung gewissermaßen im Wandaufbau und nicht wie ansonsten üblich an der Wandinnenseite angesetzt werden muss.
In der Folge ist der raumseitige, innere Wärmeübergangswiderstand zwischen Raumluft und Wandoberfläche, der sogenannte Rsi-Wert, in der Berechnung nicht anzusetzen. Über diesen Rsi-Wert fließt im Regelfall der Widerstand in die Berechnung ein, der sich der Temperaturübertragung von der Innenluft auf die Wandoberfläche entgegenstellt.


Was bedeutet das in der Praxis?

Betrachten wir als Beispiel mal eine für Wohngebäude aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts typische Außenwand mit folgendem Aufbau:

1,5 cm Kalkinnenputz
12 cm Ziegelvollstein, Rohdichte 2.000 kg/m²
6 cm Luftschicht, ruhend, Wärmestrom horizontal
12 cm Ziegelvollstein, Rohdichte 2.000 kg/m²
2 cm Kalkaußenputz



Ausgehend von einer normalen Konvektionsheizung ergibt sich für diesen Wandaufbau nach der normierten Berechnung ein U-Wert von 1,562 W/m²•K.

Legt man hingegen eine direkt auf den Innenputz montierte Wandheizung zu Grunde, ist der Rsi-Wert nicht in die Berechnung mit einzubeziehen.
Bedingt durch das Entfallen des inneren Wärmeübergangswiderstandes verschlechtert sich der U-Wert der vorhandenen Wandkonstruktion auf 1,960 W/m²•K.

Gleichzeitig ist aber auch noch die den Wärmeverlust beeinflussende Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außenbereich in Ansatz zu bringen.
Die Außentemperatur soll für das Berechnungsmodell einheitlich mit -12 °C zu Grunde gelegt werden.
Im Fall der Konvektionsheizung werden 20 °C Innentemperatur angesetzt, wonach sich eine Temperaturdifferenz ?T von 32 K ergibt.
Für die Wandheizungsvariante wird eine mittlere Wassertemperatur von 35 °C angenommen. Die Temperaturdifferenz ?T beträgt somit 47 K.

Danach errechnen sich folgende Transmissionswärmeverluste pro m² Wandfläche bei den vorgegebenen Temperaturdifferenzen:

QT = 49,98 W für die Konvektionsheizungsvariante
QT = 92,12 W für die Wandheizungsvariante

Gegenüber der Konvektionsheizung würde eine Wandheizung auf der Innenseite der Außenwand unter den vorangehend beschriebenen Randbedingungen etwa 84 % mehr Wärmeverlust zur Folge haben.

Um dies zu verhindern, d. h. wenigstens auf einen mit der Konvektionsheizungsvariante vergleichbaren Wärmeverlust zu kommen, müsste eine Dämmung der Außenwand vorgesehen werden.
Die Dämmung könnte prinzipiell hinter der Wandheizungs-Installationsebene angeordnet, ggf. als nachträgliche Kerndämmung eingeblasen oder als Außendämmung, z. B. in Form eines Wärmedämmverbundsystems oder einer gedämmten, hinterlüfteten Vorsatzschale, aufgebracht werden.
Da im Regelfall die Wandheizung nicht träge sein soll, empfiehlt es sich, die Dämmung vorzugsweise direkt hinter der Wandheizungsebene anzuordnen.

Um bei dem v. g. Wandaufbau zu bleiben, müsste mit der Dämmung mindestens ein U-Wert von 1,06 W/m²•K erreicht werden, um eine energetische Verschlechterung vermeiden zu können.

Hierzu einige Beispiele:

0,990 W/m²•K mit einer 20 mm starken Holzfaserdämmplatte der WLG 040
0,990 W/m²•K mit einer 30 mm starken Calciumsilikatplatte der WLG 060
0,965 W/m²•K mit einer 50 mm starken Heraklith-Platte des Typs BM (WLG 095)

Damit würde man energetisch aber nur den Status quo beibehalten können und noch keine Verbesserung erzielen.
Eine Verbesserung ist aber in genau diesem Fall nach der EnEV gefordert.
Sobald nämlich Dämmschichten eingebaut werden, gilt als Höchstwert des Wärmedurchgangskoeffizienten (Umax) 0,24 W/m²•K.

Dies bedeutet, dass über die Dämmung zur Erhaltung des energetischen Status quo hinaus noch zusätzlich zu dämmen ist.
Um bei den vorherigen Dämmvarianten zu bleiben, bedeutet dies im Einzelnen die Realisierung folgender U-Werte und Gesamtdämmstärken:

0,235 W/m²•K mit 150 mm starker Dämmung aus Holzfaserdämmplatten der WLG 040
0,235 W/m²•K mit 225 mm starker Dämmung aus Calciumsilikatplatten der WLG 060
0,237 W/m²•K mit 335 mm starker Dämmung aus Heraklith-Platten des Typs BM (WLG 095)

Allen Innendämmungen ist nun aber gemein, dass der Taupunkt in der Außenwand weiter nach innen verlagert wird, was wiederum erhebliche Auswirkungen und Folgen haben kann.
So kann davon ausgegangen werden, dass bei allen drei o. g. Dämmungen Tauwassermengen ausfallen, die bauschädlich sein können.
Dem könnte nur durch den Einbau raumseitiger Dampfbremsen, u. U. sogar Dampfsperren entgegengewirkt werden.
Doch spätestens in diesem Zusammenhang stellen sich einige entscheidende Fragen:

An welchen Stellen fällt Tauwasser aus?
Ist die Tauwassermenge tolerierbar?
Auf welcher Ebene im Wandaufbau ist eine Dampfbremse / Dampfsperre einzuziehen?
Wie ist die Dampfbremse / Dampfsperre auszulegen?
Wie verhält sich der Wandaufbau in der Nichtheizperiode, d. h. bei Umkehrung des Diffusionsstromes?



Hierzu ist zu sagen, dass eine verlässliche Berechnung gem. DIN 4108 und DIN EN ISO 6946 zur Festlegung eines bauphysikalisch einwandfreien Wandaufbaus unter den besonderen Randbedingungen von Wandheizungen jedoch nicht möglich ist. - Dies wurde uns auf Anfrage von einem der führenden einschlägigen Software-Unternehmen bestätigt.
Der Grund hierfür liegt schlicht und ergreifend in der systemimmanenten Tatsache, dass die Innenwandoberfläche in der Heizperiode wärmer ist als die Raumluft. Rechnerisch lässt sich dies unter den normierten Randbedingungen nicht erfassen bzw. darstellen. Auch lässt es das normierte Berechnungsverfahren nicht zu, eine Wärmequelle in den Wandaufbau zu legen.
Im Fall des Einbaus von Wandheizungen sind folglich besondere bauphysikalische Analysen durchzuführen, bzw. muss auf nicht normierte methodische Berechnungsansätze zurückgegriffen werden.

Ob dies im Einzelfall immer erfolgt bzw. gelingt, ist zu bezweifeln. Insoweit besteht ein nicht zu unterschätzendes Konflikt- bzw. Bauschadenpotential.

Bauherren, die sich mit dem Gedanken tragen, eine Wandheizung einzubauen, kann somit nur dringend geraten werden, die Planung und Ausführung in professionelle und verlässliche Hände zu geben und alle Parameter akribisch abzuklären.

Quelle:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/88-wandheizung-bauphysikalische-besonderheiten

Grüße in die Runde

i. V.

Dirk Meisinger



Heizlast bei Wandheizung



Die Aussage, dass der Rsi-Wert bei einer Wandheizung unberücksichtigt bleibt und dadurch die Heizlast auf fast das Doppelte steigt, stimmt nicht.
Eine Wandheizung sollte mit möglichst niedrigen Temperaturen gefahren werden.
Und eine Innendämmung mit 40 bis 60 mm Holzfaserplatten ist i.R. unproblematisch.
Allerdings ist die Außendämmung grundsätzlich die bauphysikalisch bessere Variante.
SG
Paul



@ Hans-Paul Esztermann



Es würde mich nun schon brennend interessieren, auf welchen grundlegend neuen physikalischen Erkenntnissen Ihre Aussage basiert, dass der Rsi-Wert bei der Ermittlung des Wärmedurchgangs / -verlustes zwischen einer im Wandaufbau befindlichen Wandheizungs-Installationsebene und der Kalt-Außenseite doch zu berücksichtigen ist.
Bisher war es m. E. allgemeiner Konsens, dass der Rsi-Wert für den Wärmeübergangswiderstand von der Raumluft zur Bauteiloberfläche (Warmseite) steht.

Mir freundlichem Gruß

i. V.

Dirk Meisinger





Liebe Mitdiskutierende,

können wir an dieser Stelle den thread beenden ?
Es nützt auf der Anwenderebene niemandem, wenn Berechnungsgrundlagen und ihre Berechtigung diskutiert werden.

Besten Dank !



Nachtrag Wandheizung



@ Dietmar Beckmann
Ich respektiere Ihren Wunsch den Thread zu beenden.
Jedoch gestatte ich mir noch eine letzte Antwort zu geben.
@ Dirk Meisinger
Es ist allgemeiner Konsens in Fachkreisen – und keine neue Erkenntnis, dass die Heizlast unabhängig von der Heizungsart berechnet wird.
Sollten Sie mit meiner Antwort nicht zufrieden sein, könne wir gerne per Mail weiterdiskutieren.
SG
Paul



Vielen Dank...



für die vielen Antworten.

Unser Naturbaustoffhändler hat uns auf die Idee gebracht, Strohmatten als Innendämmung zu nehmen. Diese Variante würde uns auch zusagen, da hier keine weiteren Zusatzstoffe enthalten sind. Ist also alles rein ökologisch!

Wie Gerd bereits geschrieben hat, würden wir eher bei der Minimaldämmung bleiben. Also 20 mm Strohmatten mit Lehm einschlämmen und an die Innenseite der Außenwände anbringen. Darauf kommt dann die Wandheizung (ebenfalls mit Lehm verputzt).

In den Aufenthaltsräumen (Küche, Essbereich/ Wohnzimmer) steht ein Grundofen sowie ein Kamin. Es kommt demzufolge von der Innenwandseite her ebenfalls Strahlungswärme.

Bei einer Außenwanddämmung würde doch die Kraft der Sonne verloren gehen, die an schönen Tagen unsere Außenwand erwärmt, die dann diese Wärme auch speichert. Demzufolge würde sich doch die Heizdauer im Haus verlängern, oder? Also anstatt bspw. schon im März aufzuhören mit Heizen, müsste man dann vielleicht noch bis in den April/ Mai die Heizung laufen lassen?

Hat denn jemand Erfahrung mit einer Wandheizung, die an einer ungedämmten Außenwand bzw. wenig gedämmten Außenwand angebracht ist? Uns würde es als Laie mehr helfen, wenn uns jemand seine praktischen Erfahrungen mitteilt, als die Konstruktion theoretisch zu berechnen. Letztendlich müssten doch neben dem eigentlichen Aufbau der Wand noch soviele andere Faktoren beachtet werden (Südlage, Möblierung, Fenster, Grundofen, Speichermasse der Wand etc.)

Viele Grüße

David



Innendämmung



Was verstehen Sie unter Strohmatten?
Was meinen Sie mit Einschlämmen?



Ich kann nochmals nur dringend ...



... davor warnen, nicht ohne eine fundierte Analyse - und das schließt eine mit einem Simulationsprogramm wie z. B. WUFI durchgeführte Berechnung des Wärmedurchgangs und des Dampfdiffusionsverhaltens mit ein - an eine Innendämmung, insbesondere in Verbindung mit einer Wandheizung heranzugehen.

Praktische Erfahrungen können im einen oder anderen Fall auch weiterhelfen, müssen es aber nicht!
Zu groß können die Unterschiede auf allen zu betrachtenden Ebenen sein, angefangen bei der Art bzw. Beschaffenheit der Baustoffe (allein bei Lehm gibt es da erhebliche Unterschiede; siehe MASEA-Baustoffdatenbank) bis hin zum Nutzerverhalten.

Eine zu geringe Dämmung unter der Wandheizung, sprich auf der der Kaltseite zugewandten Seite, können erhebliche Wärmeverluste zur Folge haben, wobei ich in diesem Zusammenhang nochmals ausdrücklich darauf hinweisen möchte, dass die U-Werte von Wandkonstruktionen mit integrierter Heizungsinstallationsebene unter besonderen Randbedingungen zu ermitteln sind.

So führen Berechnungen des U-Wertes aber auch der Heizlast, die i. d. R. unabhängig von der Heizungsart berechnet wird, nach den normierten Verfahren unweigerlich zu nicht realitätsnahen Ergebnissen!
Gerade die Thematik "Heizlastberechnung" ist in meinen Augen äußerts kritisch zu sehen, da zum Einen die offenkundigen Unzulänglichkeiten der Norm, wie z. B. die Nichteinbeziehung innerer und solarer Gewinne, das Außenvorlassen von bauteilspezifischen Speicherwirkungen, das Nichtberücksichtigen von Nutzungseinflüssen, Absenkbetrieb, Beheizungs- und Lüftungsverhalten usw. die Ergebnisse in Frage stellen, zum Anderen aber auch so wichtige Faktoren wie halt der Einfluss der Beheizungsart nicht in Ansatz gebracht werden.

Gerade für diejenigen Planer und fachlich versierten Ausführenden, die sich mit Wärmedurchgangs- und Dampfdiffusionsberechnungen auseinandersetzen und somit auch Wandaufbauten bauphysikalisch zu beurteilen haben, greifen hier die aktuellen Normen viel zu kurz.
Blind auf diese zu vertrauen, kann nicht nur erheblichen Ärger mit sich bringen, sondern auch finanzielle (Haftungs)Folgen haben. Dabei sind Planer gegenüber den Ausführenden zwar insoweit im Vorteil, da die von Ihnen verursachte Schäden zumindest teilweise von der Haftpflichtversicherung übernommen werden - was bei Ausführenden nicht so ist - aber den guten Ruf schädigt es allemal.

Ich bin der Auffassung, dass gerade, wenn es um die Beurteilung von Wandaufbauten - insbesonder im Zusammenhang mit Innendämmungen - geht, Scheuklappen abgenommen und deutlich über den Tellerrand gehende Blicke riskiert werden sollten bzw. müssten.

Von daher ist ein Termin, der vor Kurzem mit einer erfahrenen Baupysikerin bei uns im Büro mit dem Ziel einer Vertiefung der Problematik "Bewertung von Wandkonstruktionen mit Wandheizungen oder Innenoberflächen mit über der Raumlufttemperatur liegender Temperatur" stattgefunden hat, für uns nicht nur interessant und aufschlussreich gewesen, sondern hat uns noch weitergehende Denkanstöße geliefert.

So ist von der Sachverständigen eindeutig konstatiert, und damit unsere Auffassung bestätigt worden, dass bei Heizungssystemen, die in der Wand bzw. auf der inneren Wandoberfläche Temperaturen bedingen, die über der der Raumluft liegen, die Rsi-Werte nicht wie allgemein üblich anzusetzen sind.

Insoweit ist es - zumindest für mich - Fakt, dass bei Wandheizungen der Rsi-Wert für die Ermittlung des U-Wertes für den zwischen der Heizungs-Installationsebene und der Wandaußenseite liegenden Wandaufbau immer mit 0 anzusetzen ist, was in der Regel rechnerisch kein Problem ist.
Schwieriger wird es hingegen bei Heizungssystemen, die nur die auf der Warmseite befindliche Wandoberfläche erwärmen, da sich hier unterschiedliche Zonen ausbilden können (Zone mit Wandtemperatur > Raumlufttemperatur, Zone mit annähernd gleicher Temperatur wie die der Raumluft und ggf. eine Zone mit Wandtemperatur < Raumlufttemperatur), wobei die Übergänge fließend sind.
Folglich verlangen derartige Situationen immer auf das jeweilige Objekt bezogene Betrachtungen und in der Folge auch die Festlegung spezifischer Rsi-Wert-Ansätze.

Diesbezüglich sind bei dem v. g. Termin in unserem mit Heizleisten beheizten Büro verschiedene Messungen durchgeführt worden, die im Weiteren noch analysiert und bewertet werden sollen.


Grüße in die Runde von

i. V.
Dirk Meisinger



Kleiner Schreibfehler...



ich meinte natürlich Schilfmatten und nicht Strohmatten. Habe mich verschrieben.

Ein "Lehmbauer" gab uns den Tipp, auf die Schilfmatten vor dem Anbringen an die Außenwand eine mittelfette Lehmschlämme aufzubringen (1 Sack Baulehm 1:1 mit Wasser verrühren, 30 min quellen lassen, wieder rühren und dann auf die Schilfmatte rauf.) Man kann es auch ohne machen.

Viele Grüße





Hallo,

zu den praktischen Aspekten meiner bisherigen Wandheizungen auf innendämmung:
1. Die Heizkreise sollten annähernd gleich groß sein, eventuell so aufteilen.
2. Heizwände kann man nicht groß möblieren, deshalb vorher einen Einrichtungsplan aufstellen.
3. das obere Wanddrittel sollte mit Heizschleifen unbelegt bleiben.
4. es sollen ausreichend Bewegungsfugen vorgesehen werden.
5. der Putz kann nur zu dünn werden, deshalb reichlich aufputzen, nur Putz geringer Druckfestigkeit verwenden, kein Zement !
6. Maximale Vorlauftemperatur minimieren !
Alles andere steht eigentlich in den Merkblättern.

Grüße



Auf den Schilfrohrplatten



vor den Anbringen eine Lehmschlämme aufzubriungen halte ich aus mehreren Gründen für falsch.

-Fetter Lehm schwindet stark. D. H. die Platten werden nach der Trocknung der Schlämme keinen kraftschlüssigen Kontakt zur Wand haben.
-Auch werden die Platten sehr schwer, übliche Abmessungen bei diesen Platten sind 1x2 m und lassen sich schlecht montieren.

Ich würde statt der Schilfrohrplatte eine Weichholzfaserplatte empfehlen.
Dann einen abgemagerten Lehmputz auf die Wand auftragen, mit der Latte abziehen und die Platten in den plastischen Mörtel Kleben und mit Dübeln befestigen.

Die Weichholzfaserplatten lässt sich einfacher Verarbeiten und ist bezüglich der Rücktrocknung etwas sicherer.

Habt Ihr schon eine Kalkulation für die Wandheizung?

Grüße Gerd





Hallo,

auf die Verdübelung der Weichfaserplatte kann verzichtet werden, weil die Halterungen der Wandflächenheizungen angedübelt (durchgedübelt) werden. Dies bewirkt mechanische Fixierung auch der Weichfaserplatte.

Grüße



Könnte



dann z.B. so aussehen.

Grüße



Könnte



dann z.B. so aussehen.

Grüße



Wandheizung...



... auf ungedämmtem Massivmauerwerk mit u-Wert jenseits von gut und böse ist energetisch gesehen nicht sinnvoll, daran ändert auch die Schilfrohrmatte, die ja eher ein Putzträger ist, wenig; die Zusammenhänge sind dargelegt worden.

Auch der zwar nicht genannte, aber auf dem Foto oben erkennbare Anbieter bspw. empfielt einen u-Wert von max. 0,5W/qmK.

Damit ist die geplante Maßnahme unter den Gesichtspunkten "ökologisch" und "nachhaltig" in Frage zu stellen, weil unwirtschaftlich.

Auch die Kombination mit "Grundofen" und "Kamin" muss sich eine Hinterfragung gefallen lassen.

Das Argument mit den Einbußen bei solaren Gewinnen unter Berücksichtigung einer Außendämmung ist prinzipiell richtig, allerdings kompensiert das bei weitem nicht die Verluste durch weitgehenden Verzicht auf Wärmedämmung.

MfG,
sh