Aussendämmung Wetterseite

29.09.2012



Hallo und guten Morgen,

ich möchte die Wetterseite meines kleinen Fachwerkhauses dämmen und bin gerade in der Vorbereitung. Material habe ich schon besorgt (als Dämmung 100mm Holzfaser flex Wls 040 und eine Klimamembran Pro Clima Intello PLUS).

Abschließend soll eine Holzvorhängefassade (Boden Deckel) hinterlüftet angebracht werden.

Allerdings hat mit der "Fachhandwerker" der die Installation durchführen soll, ein wenig irritiert, mit der Aussage ich müsste eine solche Klimmembran doppelt anbringen. Also ein direkt auf die Aussenwand anschließend besagte Dämmung, danach erneut jene Klimamembran?

Zum Wandaufbau von Innen 12,5 GKB + 20 mm EPS DI auf Konterlattung 3 cm Abstand zur Wand) Lehmfachwerk teilweise mit Leichtlehmsteinen ausgemauert Dicke ca. 14 cm.

Wäre super dankbar für einen Tipp bevor ich mir ein Aquarium einrichte :-)

Besten Dank und Gruß Peter



Intello Plus bei vorgehängter Fassade



Die Intello Plus ist an der Stelle einfach fehl am Platz.

Was Du brauchst ist eine Wandschalungsbahn - Bei ProClima z.b. die Solitex WA mit einem offenen SD-Wert. Die Intello hat da zuviel sd-Wert.

Besser wäre nach meiner Auffassung gar keine Bahn sondern eine durchgehende feste Holzdämmplatte (z.B. GUTEX Multitherm) mit Nut- und Feder auf der Konstruktion für die Flex-Platten. Anschließend die Konterlatte und Traglattung für Boden- Deckel. Natürlich bräuchtest Du dann 80er Flex und 20er Multitherm.

Was die Innenseite Deiner Außenwand angeht - da ist es hilfreich, dass Du außen etwas machst. Aber ich würde GKP (B?) und EPS möglichst abräumen - vor allem, wenn Du das auch bei den Außenwänden hast, die nicht geschützt werden.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Intello plus und Alternativen



Hallo Frank,

besten Dank für die schnelle Info. Verstehe nicht ganz das der SD Wert zu Hoch ist, meintest du zu dicht? Gilt nicht:

Kleiner SD-Wert Hoher Feuchtigkeitsdurchlass
Hoher SD-Wert Geringer Feuchtigkeitsdurchlass

Wie wäre denn der richtige Reihenfolge bezogen auf Dämmung und Einsatz einer Wandschalungsbahn und den bereits vorhanden Materialien ?

P.s: Klar GKP mit EPS für die Innenwand nicht das ideale wird auch imm kommenden Jahr sukzessive wieder zurückgebaut.

besten dank
gruß
peter



Zwischen Fachwerk und Holzfaserdämmung ...



... würde ich keine Folie anbringen. Vielleicht hat da noch jemand einen besonderen Gedanken - aber ich kann keinen Sinn darin sehen.

Auf der Dämmung als Winddichtung vor der Konterlattung macht das gerade noch Sinn. Aber dann eben eine Wandschalungsbahn Solitex WA mit sd-Wert 0,01.

Die Intello hat 0,25 bis 10m (!) und ist ausschließlich für Innen gedacht.

Wesentlich besser wäre für mich eine Arbeit ohne Folie. Die Winddichtung erreichst Du auch mit so einer Holzdämmplatte.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Aufbau



Hier noch mal der Aufbau von Innen nach Außen:

GKP und EPS werden entfernt
Lehmputz wird erneuert
14cm Fachwerk mit Leichtlehmsteine

80er Holzständer mit Holzflexplatten dazwischen (bei Dir wäre es 100er Holzsänder mit 100er Holzflexplatten)

20er GUTEX-Multitherm mit Nut- und Feder durchgehend (bei Dir wäre es die ProClima Solitex WA)

Konterlattung = Hinterlüftungsebene
Traglattung
Boden
Deckel

--> Ich hoffe sehr, dass Du diese Einzelmaßnahme auf der Grundlage von einem Gesamtkonzept durchführst.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Mit dem vorgesehenen Aufbau ...



... wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Aquarium.

Auf eine - wenn auch diffusionsoffene - Folie würde ich nach Möglichkeit gänzlich verzichten.

Wenn eine Luftdichtheit nach den anerkannten Regeln der Technik gewünscht wird, könnte eine Vlies-Luftdichtheitsbahn unter der Dämmung eingezogen werden, z. B. PAVATEX LDB 0.02.
Das v. g. Vlies hat einen sd-Wert von 0,02 m. - Kein Vergleich zu den sd-Werten der Intello Plus: mittlerer sd-Wert = 7,5 m / feuchtevariabel 0,25 - 10 m.

Statt der Flex-Bahn würde ich eine "normale" Holzfaserdämmplatte mit ober- / vorderseitig integrierter Unterdeckplatte einsetzen, da diese flächig, d. h. ohne Durchdringung durch Kanthölzer (Tragwerk für die Konterlattung) angebracht werden kann. Geeignet ist z. B. PAVATHERM PLUS.

Die Konterlattung kann dann direkt auf die homogene Dämmschicht aufgebracht und mit dem Untergrund verschraubt werden.

Eine Vergleichsberechnung hat unter Ansatz des beschriebenen vorhandenen Wandaufbaus (für die Ausfachung wurden Lehmziegel mit einer Rohdichte von 1.200 kg/m³ angesetzt, der Feldanteil wurde mit 75 % angenommen und es wurde der mittlere sd-Wert der pro clima Intello Plus zu Grunde gelegt) z. B. folgende Ergebnisse gebracht:

1 - Variante Flex-Dämmung 100 mm:
U-Wert im Feldbereich = 0,262 W/m²K
U-Wert im Balkenbereich = 0,349 W/m²K
U-Wert gesamt = 0,307 W/m²K

2 - Variante PAVATHERM PLUS 100 mm:
U-Wert im Feldbereich = 0,269 W/m²K
U-Wert im Balkenbereich = 0,222 W/m²K
U-Wert gesamt = 0,260 W/m²K

3 - Variante PAVATHERM PLUS 120 mm:
U-Wert im Feldbereich = 0,237 W/m²K
U-Wert im Balkenbereich = 0,200 W/m²K
U-Wert gesamt = 0,230 W/m²K

Mit der Variante 3 würde - nicht uninteressanterweise - die Anforderung der EnEv erfüllt.

Für die Variante 1 wurde für den Feldbereich ein Tauwasserausfall ermittelt (0,284 kg/m²) der nur knapp unter der möglichen Verdunstungsmenge (0,288 kg/m²) liegt.
Im Balkenbereich sieht es etwas günstiger aus: 0,071 gegen 0,129 kg/m²

Bei den Varianten 2 und 3 tritt kein Tauwasserausfall auf.

Da nun aber die Flex-Dämmung schon da ist und wohl auch verbaut wird, würde ich statt einer Unterdeckbahn eine Unterdeckplatte (z. B. PAVATHERM ISOLAIR L 22) einbauen.

Vorteil: Kein Tauwasserausfall!!!
U-Wert im Feldbereich = 0,235 W/m²K
U-Wert im Balkenbereich = 0,302 W/m²K
U-Wert gesaqmt = 0,270 W/m²K

Beim Einsatz einer PAVATEX ISOLAIR L 52 ließe sich sogar die Anforderung der EnEV erfüllen:
U-Wert im Feldbereich = 0,206 W/m²K
U-Wert im Balkenbereich = 0,256 W/m²K
U-Wert gesaqmt = 0,232 W/m²K



Die Styropor-Innendämmung mit der GK-Beplankung ist zwar baubiologisch / raumklimatisch "verwerflich", bauphysikalisch aber zumindest nicht schädlich.



Befestigungsprobleme



"Die Konterlattung kann dann direkt auf die homogene Dämmschicht aufgebracht und mit dem Untergrund verschraubt werden."

Bei Fachwerk mit Leichlehmsteinen in der Ausfachung würde ich da ein Kantholz zwischen den Holzflexplatten als die bessere Variante für eine spätere Befestigung einer vorgehängten Fassade ansehen. Wie soll man bei dem "Untergrund" eine sichere Verschraubung erreichen wollen, wenn man nur noch Holzämmplatten vor sich hat und das Fachwerk nicht mehr sieht?

Ob Isolair von Pavatex oder Mulitherm von Gutex, das sind die gleichen Systeme.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Da gibt's ...



... ein ganz einfaches Mittel: Einen Bestandsplan, nach dem man die Lage der Balken auf der Dämmebene abtragen kann.

Und ich vermute mal, dass man ein Bestandsaufmaß, einen Bestandsplan und den Aufriss des Gebälks schneller hinbekommt als die Montage der vorgesetzen Kanthölzer / Bohlen.
Im Übrigen erhält man keine Wärme- / Kältebrücken.



Die Produkte ...



... PAVATHERM-PLUS und GUTEX-MULTITHERM weisen doch einige Unterschiede auf.

So ist das PAVATEX-Produkt eine Kombination aus der "normalen" Dämmplatte PAVATHERM und der Unterdeckplatte ISOLAIR (hier 20 mm stark).
Bei GUTEX-MULTITHERM handelt es sich hingegen um ein einschichtiges, homogenes Material.


PAVATHERM enthält max. 0,5 % Paraffin und max. 2 % Weißleim zur Schichtenverklebung bei Dicken ab 30 mm.
ISOLAIR beinhaltet max. 5 % Latex.

MULTHITHERM enthält 4 % PUR-Harz und 1 % Paraffin.


Auch die Bemessungswerte zur Wärmeleitfähigkeit sind unterschiedlich anzusetzen:
PAVATHERM: WLG 0,040
ISOLAIR: WLG 0,050
MULTITHERM: WLG 0,042

Zu den Rohdichten finden sich folgende Angaben:
PAVATHERM: ca. 140 kg/m³
ISOLAIR: ca. 240 kg/m³
MULTITHERM: 140 kg/m³

Große Differenzen gibt es hinsichtlich der Druckbelastbarkeit:
PAVATHERM: 20 kPa bei 10 % Stauchung
ISOLAIR: 200 kPa bei 10 % Stauchung
MULTITHERM: 70 kPA
PAVATHERM-PLUS: 100 kPa bei 10 % Stauchung

Hinweis: Alle v. g. Angaben sind den derzeit verfügbaren Anbieterunterlagen entnommen worden.

Die höhere Druckfestigkeit von PAVATHERM-PLUS bringt m. E. Vorteile beim Aufbringen der Konterlattung.



Nach Übertrag eines Bestandsplanes auf die Dämmung ...



... durch 100mm oder 120mm Dämmung das Holz treffen ...

Na gut Glück bei einem Fachwerk! Wenn der Ausführende besonders geschickt ist, dann gibt es tatsächlich Wärmebrücken. Aber nur, wenn er ehrlich ist. Sieht ja keiner, wenn die Schraube durchdreht ... wird trotzdem irgendwie halten...

Holz würde ich nicht wirklich als "Wärmebrücke" zählen. Klar, es ist dichter. Aber es wird ja auch noch gedämmt und die Luftdichtigkeit erreicht man durch die Isolair oder Multitherm.

Also, mir wäre von der Praxis her die Holzkonstruktion sicherer.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



..Aussendämmung..



Guten Morgen zusammen,

vielen lieben Dank für die nützlichen Tipps. Ich habe verstanden , das eine zusätzliches einbringen einen Wandschalungsbahn eher nicht von Vorteil ist (hatten die Erbauer vor gut 500 Jahren ja auch nicht). Und wenn ich Glück habe (und anständig Arbeiten lasse) wachsen mir auch keine Kiemen :-).

..Beste Grüße..
Peter



Wanschalungsbahn verzichten ....



Auf die Wandschalungsbahn (= Winddichtung - also auf der Dämmung vor der Konterlatte) kannst Du aber nur verzichten, wenn Du als Alternative eine durchgehende Holzdämmplatte mit Nut- und Feder als Winddichtung verwendest (z.B. GUTEX-Multitherm - oder eben Isolair).

Auf eine Winddichtung würde ich aber nicht verzichten.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de