Keller feucht, ungeschützte Aussenwände, Sockel unter Erdreich

17.08.2013 herrenhaus



Hallo zusammen,

wir besitzen seit ein paar Jahren ein altes Haus aus dem Jahre 1865. So langsam wird es Zeit, den Keller anzugehen:

- wir haben Ausblühungen (Salze) in den Wänden
- in den Ecken teilweise Moos
- der Vorbesitzer hat in den 80er Jahrn mit einem mir unbekannten Mittel Injektionen durchgeführt. Scheinbar ist das ein Mittel gewesen, daß kein Silikon enthält. Es lässt sich z.B. mit einem Messer rauskratzen.
- wir haben vor 7 Jahren die Fallrohre erneuert
- wir haben vor 6 Jahren eine Drainage in 1,20m Tiefe legen lassen, leider war niemand von uns dabei, so daß wir den Wandschutz nicht kontrollieren konnten.

Ich habe nun mehrere Löcher ausgehoben und gesehen, daß die Aussenwände im Erdreich ungeschützt sind. Wie man auf dem einen Bild sieht, sind im Erdreich gelbe Steine verbaut und es geht in (weichen) Ziegelstein über.

Zudem ist vor dem alten Boteneingang (kennen wir selbst nicht mehr) noch der Ziegelstein im Erdreich.

Im Inneren ist meiner Meinung nach zu den Injektionen auch noch falscher Putz auf den Wänden (sieht teilweise zementartig aus).

Die Kellerfenster sind aus Metall und Glas und sollen nicht erneuert werden.

Ich würde folgendermaßen vorgehen wollen:
- Erdreich ausheben und ein paar Tage die Wände trocknen lassen
- Aussenwände mit Kiesol und Bitumen versehen (nicht mehr, kein Styropor)
- ggf. Drainage erneuern (bzw. zusätzliche Oberflächendrainage)
- Innenwände komplett von Putz befreien
- Innenwände mit Kiesol vorstreichen
- Innenwände mit Sanierputz verputzen
- Innen an der Luftumwälzung mit Lüftern arbeiten
- Vor den Fenstern von Innen ein zusätzliches Glas mit kleinem Rahmen einbauen.
- warten....!

Würde das ausreichen? Welche entsprechenden Mittel würden Sie empfehlen?

Danke im voraus und Gruss von der Nordseeküste
Stephan (Witt)

PS: es soll kein Wohnkeller werden!



Zusätzliche Bilder



Das mit dem Bilderupload habe ich noch nicht ganz verstanden. In meinem Profil befinden sich zu meiner Frage 4 Bilder.

Danke nochmal.



Kellerabdichtung



Da läuft einiges durcheinander bei Ihrem Vorhaben.
Die Wand aufgraben, reinigen ist ok, dann aber bitte bis Oberkante Fundament. Kiesol auftragen auch. Eine Bitumendickbeschichtung(KMB) empfehle ich Ihnen nicht aufzubringen, davon muß man Ahnung haben außerdem ist es damit allein nicht getan. Bleiben Sie lieber bei mineralischen Abdichtungen.
Ich schlage ihnen folgendes vor:
Tragen Sie nach dem Kiesol eine Dichtkehle mit Dichtmörtel am Übergang zum Fundament auf.
Dann einen zweimaligen Auftrag einer mineralischen Dichtschlämme auf die Wand, z.B. Sulfatex von Remmers.
Darauf dann als Anfüllschutz einen einfachen Pinselputz PIII (Zementputz). Ich hoffe Ihre Dränanlage wurde ordentlich verbaut und angeschlossen. Sie können davon mal ein paar Fotos einstellen.
Dann auffüllen mit Kiessand, oben einen dichteren Belag mit Gefälle vom Haus weg.
Innen entweder Kiesol oder Sanierputz.
Ich schlage ihnen vor erst mal abzuwarten bis die Wände auf die neue Gleichgewichtsfeuchte abgetrocknet sind.
Überprüfen Sie die Grundleitungen und Standrohre Ihrer Dachentwässerung!

Viele Grüße



Erdbereich



Wenn Sie schon dabei sind, nehmen Sie ringsherum um das Gebäude das Erdreich in 1 bis 2 Meter ,mindestens 30 cm tiefer. Das ist im Laufe der Jahrhunderte unmerklich angewachsen.- Nur so nebenbei !



Innen Kiesol ODER Sanierputz?



Hallo Herr Böttcher, lieber Gastleser,

erstmal vielen Dank für die Antworten.

Herr Böttcher, Sie schreiben: Innen entweder Kiesol ODER Sanierputz.

Beides wäre unsinnig? D.h. wenn ich Kiesol nutze, dann kann anschliessend einen normalen Putz verwenden (nach Abtrocknungsphase)?

Zu der Außenwand:
Wie gehe ich mit dem alten Treppensockel des Boteneinganges um? Komplett weg?

Wie sieht es mit einem zusätzlichen "Lehmrahmen" zu Ihren Vorschlägen aus? Macht das Sinn?

Mit der Drainage hoffe ich auch, daß diese gut verbaut wurde. Ansonsten raus...! Müsste die nach dem Wandschutz überhaupt erneuert werden? Das Gelände fällt eigentlich sehr gut ab.

Vielen Dank für die Tipps und Gruss
Stephan Witt



Auf die Wand mit Aufwand



Kleines Wortspiel vorweg. Dann die Fragen die ich mir stellen würde:
Wozu wird der Keller genutzt, wie hoch ist er?
Teilkeller oder Voll unterkellert?
Zustand der Wand von Innen?
Wasser im Keller nach langem Regen?
Wandputz ist wie alt,gibt es Abplatzungen?
Wenn Drainage vorhanden ist, so ist das gut.
Wozu dann noch die Außenwand behandeln, ist doch ein altes
Haus und gab es in der Vergangenheit Probleme?
Den Keller von innen untersuchen und hier Maßnahmen treffen ist sicher zielführender als von Außen mit hohem Aufwand zu arbeiten. Kiesol ist auch nicht gerade wenig bei Backstein und man fragt sich wo der teure Stoff denn hin soll wenn die Wand Dauerfeucht ist. Erfüllt das Kiesol dann überhaupt die Funktion der Durchtrocknung der Wand? Ich denke nicht. Wie und über welchen Zeitraum soll denn letzteres stattfinden? Kosten-Nutzen Aufwand prüfen. Meines Erachtens sind hier Zweifel angebracht.





Hallo Herr Steiner,

danke für Ihre ausführliche Antwort.

Ich versuche einfach mal aus meiner Sicht die Fragen zu beantworten:

> Wozu wird der Keller genutzt, wie hoch ist er?
Reiner Keller, Lager, Werkstatt; Halbhoch: ca. 1,20 unter der Erde.
> Teilkeller oder Voll unterkellert?
Vollkeller.
Zustand der Wand von Innen?
> siehe Bilder. Salze an 1/2 der Aussenwände, 2 Räume mit Moos
> Wasser im Keller nach langem Regen?
Nein, angeblich früher nach dem Kriege ja. Nach Erzählungen Knöcheltief!
> Wandputz ist wie alt,gibt es Abplatzungen?
ca. 1980 (Bauakte spricht von hier von Umbau im Haus). Keine Abplatzungen, nur schlechter Putz (zerbröselt teilweise)
> Wozu dann noch die Außenwand behandeln, ist doch ein altes
Haus und gab es in der Vergangenheit Probleme?
Früher: Ja, Wasser (s.o.)
Heute: Kein Wasser, mehr oder weniger keine Probleme. Ich kann allerdings die Beschaffenheit der Steine (siehe Bild => gelbe Steine unter der Erde) nicht beurteilen. Zudem arbeitet das Haus sehr stark. Im Keller haben wir Rundbögen und einer ist vor 2 Jahren gebrochen. Das zeigt mir, daß das Kellergeschoss sehr stark arbeitet (Wasser, Unterspülung??). Weitere Probleme haben wir nicht.

Anbei nochmal ein Bild von aussen. Die Treppe rechts vom Wintergarten herunter wird übrigens in den nächsten Wochen abgerissen. Das ist ein ziemlicher Angriffspunkt für einen Kellerraum. Der ehemalige Boteneingang ist vorne und hier nicht sichtbar.

Vom Gefühl her: die gelben Steine erscheinen mir noch weicher als der rote Backstein. Von daher wäre es eine Bautenschutzmaßnahme von außen plus Sanierung von innen. Wenn einmal dabei, dann ordentlich. Ich möchte ungern in ein paar Jahren das Haus abstützen müssen :-).

Ich lasse mich aber gerne eines besseren beraten. Und ehrlich gesagt: ja, ich hatte auch schon Zweifel, ob das mit dem Kiesol wirklich die Lösung ist.

Bin dankbar für jede Meinung.

Danke und Gruss
Stephan Witt





Zu den gelben Steinen: Die sind im nicht sichtbaren Bereich verbaut worden, weil diese damals als Material vorhanden waren. Kann mir kaum vorstellen, das hier ein Problem vorliegt, bzw, Sie müssen sich vorstellen, was es an Arbeitsstunden bedeutet diese Steine herauszunehmen und was es bringen soll. Das Haus steht seit 150 Jahren und hat gute Substanz. Bei Sorgen, einen seriösen Maurer vor Ort fragen.
Die Außensanierung ist mit einer Drainage erfolgt, ein großes Plus. Die allgemeine Feuchte ließe sich mit hohem Aufwand verringern. Wobei die Frage ist ob das sein muss, oder anders gefragt, wieso wurden diese schönen Häuser ohne Sperrschichten gebaut.
Die Befürchtungen in ehren, aber daraus Schlüsse zu ziehen, die der Ursache und ihrer Bewertung nicht entsprechen.
Sie schreiben: Zudem arbeitet das Haus sehr stark. Im Keller haben wir Rundbögen und einer ist vor 2 Jahren gebrochen. Das zeigt mir, daß das Kellergeschoss sehr stark arbeitet (Wasser, Unterspülung??
Das sollten Sie nicht zwingend Schlußfolgern. Der Frage auf den Grund zu gehen, weshalb ein Rundbogen reißt, heißt noch lange nicht, das Haus wird unterspült.
Frohes schaffen, Steiner



Grundwasser



Dein Haus liegt in der Marsch und damit in einem Gebiet mit sehr hohem Grundwasser. Ich fürchte, dass dich die ganze Abdichterei deshalb nicht weiterbringen wird. Dass nach dem Krieg das Wasser so hoch stand, könnte damit zusammenhängen, dass eben alles brach lag, auch die Entwässerung der Marsch.

Gibt es eigentlich ältere Häuser mit Keller auf deiner Ecke?
Oder ist dieser halbe Keller ein Trick des Architekten um das Haus höher und imposanter wirken zu lassen, obwohl nur zweistöckig zu bauen erlaubt gewesen wäre?

Grüße von der anderen Seite des Kanals

utaca



Hmmm,



Hallo Stephan,

viele haben hier schon einiges geschrieben, was ich auch für sinnvoll halte, jedoch denke ich hier ist Planung der Gesamtsituation und Ziele wichtig.

Ein Anstrich der freigelegten und gereinigten Aussenwand mit "Kiesol" hat nur die Wirkung einer Hydrophobierung heißt Wasser abweisende Wirkung an der Bauteiloberfläche.Kommt es jedoch trotz Drainage (weil vielleicht verkehrt eingebaut) zu Druckwasser hilft Sie nicht. Desweiteren verhindert Sie kein aufsteigendes Wasser in tieferen Wandbereichen. Dies geht nur mit einer horizontalen Abdichtung mit Injektionsstoffen. Für eine äussere Abdichtung halte ich die zweilagige Beschichtung mit KMB für eine gute Sache(natürlich nur unter vorherigen Vorarbeiten wie säubern verfüllen der Risse,etc. Innen den salzhaltigen Putz abzuschlagen macht nur Sinn, wenn du eine für viele Jahre saubere Oberfläche möchtest,da der Sanierputz die Funktion der Kristallisation von Salzen innerhalb der Putzebene zur Aufgabe hat.Welcher Sanierputz und einlagig oder zweilagig hängt auch von der Salzbelastung ab.Wenn du dort vorher jedoch einen Kiesolanstrich vornimmst, hat das fatale Folgen für das Sanierputzsystem (Funktion stark eingeschränkt)Dein angesprochenes Lüftungskonzept stelle ich in Frage, denn im Sommer holst du dir mehr Feuchtigkeit in den Keller und zum anderen verstärkst du die Verdunstung der Feuchtigkeit an der Wandoberfläche und somit verstärktes Auskristallisieren der Salze.

Fazit nach all diesem Schrieb: Damit die Ursachen und deine Nutzungsvorstellungen alle unter einen Hut gebracht werden können, rate ich dir einen Sachverständigen mit der Planung zu beauftragen. Hat den Effekt: Erfolg der gesetzten Ziele und oftmals geringere Kosten.

Gruß aus dem Bergischen
M.Bönneken



Kiesol wurde schon verwendet...



Hallo zusammen,

nochmal vielen Dank für die vielen Antworten. Auch wenn ich noch unschlüssig bin, was zu tun ist, so habe ich schon einige Anregungen erhalten.

Aber, hier Neuigkeiten:
mir fiel heute morgen ein, daß in der hintersten Ecke im Keller noch alte Materialien/Farben des Vorbesitzers stehen. Und siehe da: ein Kanister Kiesol.

Ich vermute deshalb, daß der Vorbesitzer bereits Kiesol als Injektionsverfahren verwendet hat (siehe auch das eine Bild hierzu) und es nicht geholfen hat oder falsch angewendet wurde.

Deshalb: ich möchte gerne die Wände wenigstens vom schlechten Putz befreien, lasse dann erstmal die Wände eine Zeitlang offen und trocknen. Von aussen mache ich erstmal nichts (ausser die schlechte Außentreppe abreißen) und warte...

In der Zwischenzeit habe ich Zeit und überlege mir eine Lösung bzw. schalte einen Sachverständigen ein. Wobei ich da etwas zweifle: habe schon 2 Maurer hier gehabt und einen vom Bautenschutz. Jeder hat mir etwas anderes erzählt.

Spricht etwas gegen meine Überlegung zu warten?

Und ja utaca, unser Grundwasserspiegel ist sehr hoch und wir haben auch Probleme bei Starkregen mit dem Wasserablauf auf dem Grundstück. Vielleicht sollte ich hier mit einer Oberflächendrainage im Garten arbeiten - auch wenn es nicht unbedingt meinem Kellerproblem hilft.

Nordische Grüße
Stephan



Kiesol oder Sanierputz



Ohne genaue Kenntnis der Wirkungsweise solcher Baumaterialien kann man sie nicht einsetzen.

Zur Erinnerung:
Sie wollen Ihre Kellerwand senkrecht von außen abdichten.
Eine innere Abdichtung (Kiesol ist ein Bestandteil solcher Systeme) wäre dann überflüssig bzw. kontraproduktiv. Sanierputz ist ein Materialsystem, das nur bei bestimmten Konstellationen sinnvoll ist:
Die Feuchtezufuhr der Wand muß unterbunden sein und der Raum soll schnell einer hochwertigen Nutzung zugeführt werden (z.B. Aufenthaltsraum).
Sanierputz sorgt dafür, das sich eine niedrigere Gleichgewichtsfeuchte in der Kellerwand einstellt ohne das dabei Schäden durch Salzausblühungen entstehen. Das überschüssige Wasser in der Wand kann an der Grenzschicht Ziegel- Sanierputz in die gasförmige Phase übergehen und verdunsten, Salz wird in große Poren eingelagert. Wenn Sie vorher ein Dichtmittel auf die Wand schmieren funktioniert das natürlich nicht mehr und der teure Sanierputz wäre sinnlos.
Aufsteigende Bodenfeuchte sollte kein Problem darstellen wenn die senkrechte Abdichtung ordentlich verbaut wurde und kein Druckwasser entstehen kann.
Wenn der Keller nicht hochwertig genutzt wird brauchen Sie auch keine Mehrfachverglasung, dafür aber eine Dämmung der Kellerdecke.

Viele Grüße