Holz (Sparschalung oder Nut und Feder) statt OSB -> Trocknungsprobleme ?

08.03.2012



Hallo zusammen,
wir möchten ein Stück Fachwerkwand (kleines Badezimmer) von innen dämmen (4 cm Holzfaser oder Hanf statt bisher Styropor ;-) ).
Damit wir an die Wand etwas dranhängen können möchte ich zunächst eine Holzschicht und dann Lehmplatten (oder Fermacell) .
Für die Holzschicht statt OSB (Kleber ...) lieber eine dicht gesetzte Sparschalung oder Nut und Feder Bretter.
Ich habe bedenken, dass ich durch Trocknung der Holzschicht Probleme mit den raumseitigen Platten bekomme.
Muss ich mein Holz in einem speziellen Trocknungsgrad besorgen ?
Sind Nut und Feder deshalb ungünstiger als Sparschalung?
Oder muss ich zunächst die Holzschicht eine Weile austrocknen lassen bevor ich die Platten anbringe ?

Lieben Dank für Eure Tips !

Erik



Badwand



Ist das eine Innen- oder Außenwand?
Wird sie mit Spritzwasser belastet?
Was wollen Sie dranhängen?

Viele Grüße



Badwand aussen



Hallo Herr Böttcher,

danke der Nachfrage nach Details,
dranhängen soll "nur" ein Heizkörper und Handtuchhalter /Stange, kein Spritzwasser an dieser Wand (na ja, eigentlich doch, wenn die Kinder baden ist alles möglich aber das wollen wir mal beiseite lassen dann müssten wir ne Gummiwanne bauen ...)
Es kommen keine Fliesen drauf, ist natürlich Aussenwand (Fachwerk -> Aussendämmung nicht zulässig wg. Denkmalschutz)

Grund der eigentlichen Frage:
Nach meinem Verständnis sind Lehm- oder auch Fermacellplatten nicht ausreichend um so was dranzuhängen, daher stabile Schicht darunter !?

Viele Grüße,
Erik



Badwand



Bei dieser Konstellation:
- Außenwand Fachwerk,
- betreffende Wandfläche klein zur Gesamtfassadenfläche,
- hohe Belastung durch flüssiges Wasser und Luftfeuchte
würde ich zu einer wasserfesten und dampfdichten Trockenputzplatte greifen, die einen Moderaten Dämmwert aufweist. Geeignet sind Wedi- oder Aquapaneelplatten kleiner bis mittlerer Dämmstärke.
Die Bauteilinnentemperatur kann damit aus dem Tauwasserbereich gehalten werden, die Auffeuchtung von innen wird verhindert, die Rücktrocknung der Fachwerkwand nach außen nicht komplett vom inneren Wärmenachschub abgeschnitten.
Das System funktioniert nur bei
HOHLRAUMFREIER VERLEGUNG!
Wandfläche vorher bei Bedarf glatt putzen (Kalk- bzw.Kalkzementputz), auf die ebene Fläche die Platten im Buttering- Floatingverfahren aufkleben, Fugen verspachteln. Als Kleber keine gipshaltigen Materialien verwenden, sondern Fliesenkleber. Danach Beschichtung nach Wahl.
Mit der Befestigung haben Sie in dem Untergrund keine Probleme.

Viele Grüße
Georg Böttcher



natürliche Baustoffe



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank, auch ein interessanter Ansatz (die Platten sind mir auch schon mal begegnet, spannend was man damit machen kann).

Je mehr ich aber in unserem alten Haus ("relativ alt" ;-)) , nur von 1935) arbeite umso mehr bin ich Fan von natürlichen Baustoffen geworden -> riechen gut, fühlen sich gut an und reines Holz geht beispielsweise direkt in den Ofen wenn man es nicht mehr braucht.
Das ist auch der Grund, weshalb ich lieber reines Holz als OSB verbauen will, so auch eher nicht Polystyrol ...
Nicht dass ich die Wand gleich wieder entfernen will, aber trotzdem denke ich innerlich immer an meinen "Nachfolger in einigen Jahrzehnten"

Viele Grüße,
Erik



Badwand



Gerade weil ich an Ihre Nachfolger als Nutzer denke habe ich diesen Aufbau vorgeschlagen.
Ein altes Fachwerkhaus ist für Bäder nicht konstruiert, entweder man geht bei Beibehaltung der klassischen Materialien sehr sorgsam mit dem Bad um oder man benutzt dafür adäquate Baustoffe.
Meine Arbeit als Sachverständiger und Planer hat mich gelehrt, sich nicht auf kluges, bauphysiklalisch richtiges und vorausschauendes Verhalten von Nutzern und Eigentümern zu verlassen.

Viele Grüße



Bewunderung



Werter Herr Böttcher,

ich bin immer wieder begeistert, mit wieviel Fachwissen, Geduld und Liebe zum Detail Sie die Anfragen von uns Laien beantworten. Stets bemüht, dieses Wissen den Laien näher zu bringen, verständlich zu machen, die Fragen bis ins Detail zu beantworten um schwere Fehler und deren Folgeschäden zu vermeiden.

Gleichzeitig bin ich erstaunt, mit wieviel Chuzpe sich der Laie darüber hinweg setzt. Der Laie fragt den Fachmann um Rat, der Fachmann nimmt sich Zeit, schreibt unbezahlt eine Antwort in die er sein Wissen investiert um dem Laien zu helfen. Der Fachmann bemüht sich, die bestmögliche Antwort auf die Frage zu geben und begründet dies auch.

Und was macht der Laie? Er antwortet "Nein, so will ich das aber nicht".

Danke, Herr Böttcher, dass Sie sich davon nicht entmutigen lassen.

Grüße aus dem
Hessenland



Missverständnis ?



Hallo Herr Böttcher,

nach etwas Verwunderung glaube ich zu kapieren!
Entschuldigen Sie, ich fürchte ich bin hier etwas missverstanden worden und wir haben aneinander vorbei diskutiert!
Mit "Trocknungsproblemen" meinte ich mitnichten den "üblichen Badbetrieb" und die Feuchte Raumluft und Tauwasserausfall in der Wand etc., sondern es ging mir rein darum, dass ich
- neue Holzschalungsbretter einbaue (Restfeuchte 20 % ?)
- darauf steife Platten (Lehm, Fermacell) schraube
- die Holzschalung langsam trocknet (nach dem was ich gelesen habe stellt sich irgendwann eine Restfeuchte <= 10 % ein ?) und damit schwindet, ich fürchte es können sich Spannungen (und sogar Risse ?) in den Lehm- oder Fermacell-Platten ergeben ?
Für diese Frage ist es erstmal weniger wichtig ob der Raum ein Bad ist oder nicht !
Eine solche Konstruktion (Holzschalung und Putzfaserplatten) habe ich übrigens im Haus vorgefunden, damals wusste man wohl worauf zu achten ist...

Vielleicht geben Sie mir als noch mal ein Chance ?
Ich hätte wohl genauer lesen sollen und nicht neben der Arbeit antworten ...

Viele Grüße und gute Nacht,
Erik



Wandaufbau



Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich das es außerordentlich wichtig ist, ob:
das eine Außen- oder Innenwand ist,
das es Sichtfachwerk ist,
das die Fläche der Badwand unbedeutend im Verhältnis zur Gesamtfassadenfläche ist,
ob es eine geringe oder hohe Feuchtebelastung im Raum gibt,
ob man eine Innendämmung hohlraumfrei oder nicht anbringt,
ob diese Innendämmung kapillaraktiv und diffusionsoffen oder nicht ist.

Falls Sie in Ihrem Bad eine kapillaraktive Innendämmung an die Außenwand setzen wollen, dann:
- mit integrierter Wandheizung,
- hohlraumfrei,
- mit einem Kleber, der einen höheren Diffusionswiderstand wie die Außenwand hat,
- mit Vermeidung von Kondensatebenen an einbindenden Innenwänden und der Decke,
- mit einer bauphysikalisch sorgfältigen Ausführung des Laibungsanschlusses am Fenster.

Viele Grüße

p.s. Vielleicht mag es Ihnen entgangen sein, aber Ihre Ausführungsvariante ist nicht hohlraumfrei und insgesamt etwa 130 mm dick.
Meine ist hohlraumfrei und etwa 40 mm dick.