Dämmung im reinen Holzhaus ohne Hinterlüftung?

01.02.2011


Hallo,

ich habe ein kleines Holzhaus im Spreewald gekauft.
Es ist extrem simpel aufgebaut: Fachwerk, das von aussen und innen mit Holz direkt auf die Balken verschalt ist. Die Hohlräume in der Mitte schliessen ab. Es gibt also keine Hinterlüftung. War bis jetzt auch nicht nötig, da es keine Dämmun gab. Die möchte ich gerne addieren und suche nach einem Weg dies ohne Hinterlüftung zu tun. Ist so etwas denkbar?

Habe an eine Pavatex Holzdämmung + variable Dampfbremse + Gibskarton Innenverkleidung gedacht?

Die Aussenwand ist durch Nut und Feder Latten zwar verschlossen, aber meines Erachtens immer noch atmungsaktiv.

Bin leider völlig Ratlos und hoffe hier auf eine Eingebung?



Das Problem ...



dürfte die alte Verbretterung sein, die wahrscheinlich nicht schlagregendicht oder winddicht ist bzw. auch ev. vermorscht und keinen verlässlichen Wetterschutz darstellt. Grundsätzlich bildet die Verbretterung eine Dampfbremse mit einem sd-Wert von über 1. Konventionell bauphysikalisch betrachtet (Glaser-Verfahren) bildet sich im Winter zwischen neuer Dämmung und der Innenseite der Bretter Tauwasser in unzulässiger Menge, trotz üblicher Dampfbremse/Dampfsperre auf der Rauminnenseite. Neuere Untersuchungen vom Fraunhofer Institut emfpehlen für derart nicht hinterlüftete Konstruktionen stattdessen rauminnenseitig eine feuchtadaptive Dampfbremse (PA-Folie), die im Sommer bei der sog. Umkehrdiffusion von außen nach innen das "Sommerkondensat" wieder in den Innenraúm zurückdiffundieren lässt. Wäre also machbar -sofern auch hier eine 100% (!?)dichte Verklebung der PA-Folie an alle benachbarten Bauteile erfolgt. In der Praxis kaum durchführbar, erst recht nicht im Altbau. Das Problem ist aber eher die nicht geeignete alte Verbretterung. Wenn Sie sich durch ein bauphysikalisches Essay dazu beißen wollen:
www.enev-weka.de/energieeinsparverordnung/waermeschutz/
dampfsperre-dampfbremse. Sehr informativ.



Innendämmung Nein danke!



Jegliche Innendämmungen bei diesartigen Holzhäusern ist m.E. Substanz-Mord auf Raten.

Alle Rechnereien und Zauberfolien werden das auf lange Sicht nicht halten, was sie versprechen.

Wenn überhaupt eine Dämmung machen, dann AUSSEN!

Bringt es dämmen überhaupt?
Und WAS?

FK





innere Schalung entfernen, die Gefache ausmauern mit Ziegel, innen mit Stauss Fassadengewebe überspannen und mit Luftkalkmörtel verputzten. Der Putz dient als Feuchtigkeitsausgleichsschicht und Luftdichtung.
Aussen für sicheren Schlagregenschutz sorgen.

billig war gestern vernünftig ist heute.

Grüsse Thomas



thomas



vom Prinzip nicht schlecht
da hätte ich Probleme mit Statik und der äusseren Brettschicht falls die nicht be- und hinterlüftet würde!

FK



Moin Casper,



Erstmal Herzlichen Glückwunsch, das sieht ja richtig schnuckelig aus.....

Ich würde die Gefache mit Hanf, Weichfaserplatte oder Leichtlehmsteinen dämmen und innen Holz drauf, ölen, lasieren, oder so lassen ganz nach Geschmack. Alternativ Gipsfaserplatten, Streichputz, Silikatfarbe, falls du die Holzoptik innen nicht magst.

Aussen die alte Farbe runter, da im Zweifelsfall nicht diffusionsoffen und durch einen diffusionsoffenen Anstrich ersetzen.

Die beste Wand ist m.E. immer in beide Richtungen offen und du willst ja keine Dampfsauna betreiben, also wozu Folie.

Über Folie würde ich allenfalls im Deckenbereich nachdenken, je nach Aufbau.

Gruss, Boris





Wird das ein Wochenendhaus oder soll das gute Stück ganzjährig bewohnt werden?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Bestandsbausanierung



ist eben nicht so einfach wie man immer denkt.
Da gebe ich Dir Recht Florian, die Statik sollte überprüft werden und ein entfernen und Hinterlüften der Fassade ist die sinnvollste Variante.
Ein experimentieren mit irgendwelchen Folien wäre mir hier zu gewagt, weil sich jeder Fehler schhlussendlich auf die Bausubstanz auswirkt. In diesem Fall hier auf die Tragwerkskonstruktion.vernünftiges Konzept gefragt und die richtige Auswahl der Baustoffe.

Grüsse Thomas



Dämmung Wände



Hallo Herr Kapitän,

hier wäre eine super Vorrausseetzung für das neue System von Isocell gegeben.Es handelt sich um Renocell.(www.isocell.at)Hierbei wird Zellulose von innen an die Wand gesprüht und anschließend überputzt mit einem Kalkputz.
Fertig ist die Wand (nur noch Streichen oder tapezieren.
Dämmwerte kann ich Ihnen gerne ausrechnen, wenn sie mir Wandstärke sagen. Hierbei ist zu betonen, das bei diesem System keinerlei Dampfbremse oder Sperre nötig ist.
Sollte ich Hier Ihr Interesse geweckt haben,mailen sie mich an, da ich ein lizensierter Verarbeiter des Systems bin.

Es grüßt Sie

M.Bönneken





Mmmh,

dafür würde ich meinen Kopf als Planer nicht über Jahrzehnte hinhalten. Ich kann das rechnen wie ich will: durch die dünne Holzaußenschale kommt es an deren Innenseite zwangsläufig zum Kondensatausfall – selbst beim Einsatz von durchschnittlichen Dampfbremsen. Einzig mit einer Alufolie oder vergleichbaren können Sie die Wand soweit absperren das sich keine Durchfeuchtung zeigt. Aber wo soll das denn hinführen.
Der Diffusionswiderstand sollte im Bauteil von Innen nach außen stets abnehmen, damit mehr Feuchtigkeit nach außen abgegeben werden kann als im Normalbetrieb von Innen nachfolgt. Die außen liegende Holzlage hat den höchsten Diffusionswiderstand in solch einem Aufbau. Es muss damit gerechnet werden, dass das Bauteil in der warmen Jahreszeit nicht vollständig austrocknet.

Zur Zellulose. Auch wirkt es zumindest für mich etwas unsinnig die Raumfeuchte durch die Zellulose hindurch diffundieren zu lassen und von dort, nach dem Tauwasserausfall, durch die Zellulose an die Raumluft wieder zurückzuschicken. So verstehe ich das jedenfalls bei der Renocell-Erklärung. Das bedeutet: Während ein Teil der Raumfeuchte in der Dampfphase noch durch den Dämmstoff zum Taupunkt hin diffundiert, ist ein anderer Teil kapillar transportiert auf dem Rückweg zur Raumseite? Ich bitte um Aufklärung.
Der "definierte" Tauwasserausfall findet an der Außenschale statt und dabei ist es in diesem Falle unerheblich wie stark die Dämmlage ist.

Auch ist es nicht ausreichend nur die Wand zu betrachten. Boden und Dach müssen in ein gemeinsames System passen, sonst führt dies zu Schadensfällen an den Anschlusspunkten. Ein hinterlüftetes System wäre die bessere Wahl.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



In den USA



ist das eigentlich genau DIE Standardsituation... und da wird seit 40 Jahren fröhlich mit Glaswolle gedämmt, als Dampfbremse nur papierkaschiert, keine Abdichtung irgendwelcher Anschlüsse. Nur bei deutlich neueren Häusern (Baujahr zumindest nach dem 1. Weltkrieg) gibt es außen eine doppelte Bretterschalung mit dazwischenliegender Dachpappe als Schlagregenschutz.

Auch Zellulose wird dort in solche Bauten sehr gerne eingeblasen.

Von Problemen (außer durch undichte Dächer o.ä. natürlich) habe ich eigentlich noch nie gelesen, und ich beschäftige mich seit einigen Jahren recht intensiv mit amerikanischen Heimwerker-Renovierungen.



Gewagte Konstruktion



die Dämmung direkt hinter die Witterungs- und Schlagregenbelastete Fassade in Verbindung zu bringen.
Ein Holzschalung ist in keinster Weise so dicht, dass keine Feuchtigkeit in die dahinterliegende Dämmung eintreten kann.
Dazu kommt noch der Tauwasserausfall und das organische Material. Also ME ist das eine sehr gewagte Konstruktion, für die auch ich nicht den Kopf auf lange Sicht hinhalten würde.

Grüsse Thomas



das Land der unbedeutenden Möglichkeiten



Sie schreiben:
"und da wird seit 40 Jahren fröhlich mit Glaswolle gedämmt, als Dampfbremse nur papierkaschiert, keine Abdichtung irgendwelcher Anschlüsse. Nur bei deutlich neueren Häusern (Baujahr zumindest nach dem 1. Weltkrieg) …"
Wann war vor weniger als 40 Jahren der erste Weltkrieg?

Schäden an USA-Bauten - Man hat gehört, dass dort drüben der E-Bedarf bei weitem höher ist als hierzulande im Allgemeinen!

Dort sind die Alltagsimmobilien anders "bewertet" als bei uns.

Dort kommen die Fussleistenheizungen her.

Ohne Hinterlüftung würd ich's nicht machen - auch nicht ohne Konzept - allerdings auch ohne INTERNET!

FK



Überwertet



"Dort sind die Alltagsimmobilien anders "bewertet" als bei uns."

:-)) Weshalb muss ich jetzt an "Fannie Mae" und "Freddie Mac" denken ...

In den USA werden zum Teil Gebäude errichtet, die keinem unserer Standards hinsichtlich Schall-, Wärmeschutz etc. entsprechen. Oft sind es zunächst ansehnliche Gebäude, die nach ein paar Jahren im Barrackenklima enden, ich suche mal ein paar Bilder aus dem vergangene Jahr heraus.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Ok ich präzisiere...



da sind mir ein paar Sachen in der Verkürzung durcheinandergeraten.

Eine Schlagregenabdichtung gibt es seit etwa den 1920ern.
Seit ca. 40 Jahren werden Neubauten, aber auch fröhlich Altbauten von vor 1920 mit Glaswolle gedämmt.

Natürlich herrscht in den USA eine völlig andere Mentalität als bei uns, ich bewege mich aber hauptsächlich in Kreisen, die Häuser überwiegend der Baujahre 1780 (frühe Siedlerhäuser) bis 1920 schätzen und (mehr oder weniger) behutsam renovieren. Dort ist Dämmung, eventuell ohne den gesamten Innenputz erneuern zu müssen, ein massives Thema (Verputzen ist in den USA seit Jahrzehnten eine nahezu unbekannte Kunst, Gipskartonplatten haben schon in den 50ern Verputz komplett verdrängt).

Von Schäden lese ich regelmäßig durch undichte Dächer, undichte Fensteranschlüsse und Ungeziefer (besonders Termiten), aber von Problemen durch fehlende Schlagregendichtung der Fassade habe ich bislang noch kaum gelesen (lediglich einmal eine Diskussion, in der es um eine Scheune mit großzügigen Astlöchern u.ä. ging und somit das Eindringen von Feuchtigkeit akut zu befürchten war).
Ich gebe aber zu, daß ich auch kein 100% gutes Gefühl habe - mit dem Abreißen der alten Schalung aber noch viel weniger.



Ich würde...



wenn´s meine wäre, die Schalung von innen mit einer dünnen Schicht Lehm vorspritzen (nur mineralisch)und die Gefache homogen an die Schalung mit einem mageren Lehmleichtstein ausfachen, darauf eine Heraklith oder Krono Indoor Platte 40mm und darauf Lehmputz. Fertsch is de Laube.



Nachträgliche Dämmung



Jetzt weiß ich wieder, das ich mich immerzu wiederholen muß, auch wenn es einen anödet:
Bei einer Sanierung muß man ganzheitlich denken und nicht nach einzelnen Insellösungen suchen.
Heizungsart, Nutzungskonzept... und Bauweise sind aufeinander abzustinmmen!

In den USA werden solche Leichtbauhäuser aus OSB, Brettaussteifungen, Mineralwolle und GK gebaut, aber mit Hypokaustheizungen betrieben.
Diese Art der zwangsgeführten Warmluftheizung schert sich nicht um ein paar Undichtigkeiten und um Kondenswasser.
Deshalb keine der für unser Land typische Schäden.
Wehe man stellt in so ein Haus eine klassische WW- Heizung über Heizkörper oder Fuboheizung.

Viele Grüße



Genau das,



Warmwasser- oder Dampfheizung, gibt es aber in US-Altbauten durchaus. Entweder große Gußradiatoren oder kleine Warmwasser-Heizleisten. Auch Fußbodenheizung wird jetzt gerade unglaublich populär (Heizkörper werden eher nostalgisch gesehen).



@Th. Kehle:



Der von mir empfohlene Aufbau hat sich bei meinem ehemaligen Bauwagen seit 20 Jahren bewährt, trotz zusätzlicher Spritzwasserbelastung bei Fahrten im strömenden Regen.....

Holz wird nass, Holz trocknet auch wieder.....die paar Tropfen die vielleich mal in die Dämmung gelangen auch....

Dass man bei einem Holzhaus öfters nachpflegen muss, als bei einem verputzten versteht sich ja wohl von selbst.

Gruss, Boris



Ist zwar



schon etwas älter, aber ich bin zu neuen Erkenntnissen gekommen.

Wie wäre es denn mit einer hinterlüfteten Dämmung mit Schlagregenschutz von innen?
http://www.steico.com/fileadmin/steico/content/pdf/Application_AWT/Roof/Old_Content/STEICO_Sanierung_Konstruktionsbeispiele.pdf
(Seite 33)

Wird zwar hier für Dächer beschrieben, müßte aber eigentlich bei einer senkrechten Wand umso besser funktionieren.
Und ein Hersteller muß ja wohl den Kopf hinhalten wenn er so ein System detailliert beschreibt und empfiehlt, oder?



Lehm Lösung in Sicht



Nach den vielen Meinungen und Anregungen, für die ich mich nochmals bedanken möchte, konkretisiert sich eine ideale Lösung (von Aussen nach Innen):

1. Vorhangfassade (Holzlattung mit Nut und Feder)
2. Fachwerkonstruktion mit Lehmziegeln aufgefüllt
3. Lehmputz
4. Lehm-Verbindunsputz
5. Holzfaserdämmplatte (60 mm)
6. Putz

So sollte es auch ohne Hinterlüftung gehen ...

Die letzte Hürde, die ich noch nehmen muss:

Der Lehm schrumpft anscheinend mit der Zeit und ich kann weder von Aussen, noch von Innen ausbessern, wenn die verschiedenen Ebenen einmal fertig sind?

Hat vielleicht jemand Erfahrungen damit gemacht?



Lehm



Lehm schrumpft nicht "mit der Zeit"
Er schrumpft wenn er trocknet. Warten Sie die Trocknungszeiten beim Einbau ab, dann schrumpft nichts mehr. Außerdem sollten ein paar Schwindrisse keine Gefahr für die Gesamtkonstruktion darstellen.

Viele Grüße



Schwund



Danke für den Hinweis.

Meine Sorge betraf die Zeit, die nötig ist, damit der Lehm vollständig "geschrumpft"/getrocknet ist und ich nachbessern und dann von innen verputzen kann.

Ich hatte gehört, dass das bis zu einem Jahr dauern kann.