Innendämmung Ziegelwand, Fachwerk uvm.

27.02.2012



Ich bin seit längerem stille Mitleserin und habe auch schon einiges hier mitbekommen. Jetzt hoffe ich auf ein paar Berichte oder Erfahrungen von Menschen die vielleicht ein vergleichbares/n Haus oder Wandaufbau haben.

Wir haben ein älteres Haus gekauft und stecken gerade mitten in der Sanierung. Wir haben jetzt die meisten Wände freigelegt und wissen nun auch endlich was sich hinter den Putzschichten verborgen hat. Nun kommt die Frage nach der Dämmung auf und nachdem wir uns auf verschiedenste Weise erkundigt haben sind wir nun nur noch verwirrt!

Das Haus hat folgenden Aufbau:
Untergeschoss: ca. 60cm Sandstein (mit Bruchsteinen und Kieselsteinen ;-))
Obergeschoss: Westwand Ziegelsteine (Stärke ca. 24cm)
Südwand Fachwerk ausgemauert mit Ziegelsteinen (Stärke ca. 18cm)
Nordwand Ziegelwand mit vorgemauerten Bimsplatten?
Ostwand vermutlich Ziegelsteine (Ist in der bestehenden schon fertigen Wohnung die so belassen werden soll)

Die Balkendecken sollen mit Mineralwolle (böse?) gedämmt werden. Zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss ohne Dampfbremse, zum Dachboden dann mit Dampfbremse. Da wir das Dach komplett neu eindecken und sowie zusätzliche Balken einziehen müssen, möchten wir gerne in einem Zug zwischen den Sparren mit Mineralwolle dämmen. Außerdem sollen im ganzen Haus doppelverglaste Kunststofffenster (hab schon gelernt - sehr böse ;-), habe aber kein verlangen alle paar Jahre 30!! Fenster zu streichen) eingebaut werden.

Im Erdgeschoss wird ein großer Raum entstehen der Wohn-/Esszimmer und Küche beinhalten soll. Die Wände bestehen aus ca. 60cm Sandstein (ab und zu sind auch in die kleinsten Löcher Kieselsteine gesteckt ;-). Wir wollen die Wände nicht dämmen (auch nicht von außen. Der Fußboden soll natürlich gedämmt werden, denn hier ist eine Fußbodenheizung geplant. Ich wünsche mir zusätzlich noch eine halbhohe Wandheizung (dann die Fußbodenheizung natürlich kleiner dimensioniert) damit der Sockel und die Sandsteine Trocken bleiben und wegen der Strahlungswärme. Derzeit sieht man keine Feuchtigkeit aber wir haben direkt neben dem Haus einen Mühlbach (stellenweise 60cm von der Hauswand) und ich bin skeptisch. Der Gewölbekeller der unterhalb des Niveaus vom Bach liegt ist derzeit trocken – zu Hochwasserzeiten (dann ist der Bach leer aber das Grundwasser natürlich da) bestimmt nass.

Ins Obergeschoss kommen dann die Schlafräume und das Badezimmer. Hier sollen normale Heizkörper verbaut werden. Hier sind die Wände eben das Problem. Die Westliche Ziegelwand ist recht dünn und bisher gab es verschiedene Vorschläge:
A: Fugen ausbessern. Mit 7,5 Ytong vormauern und den Hohlraum mit Mineralischer Schüttung auffüllen.
B: Wand mit Zementputz verputzen. Vollflächig Kalziumsilikatplatten aufkleben.

Da wir den Giebel neu aufbauen wollen (Fachwerk ist nicht mehr ok, Balken werden ersetzt und Fächer wieder aufgemauert) müssen wir zwangsläufig die Fassade (derzeit Putz) erneuern. Wir haben uns für eine Holzverschalung entschieden (für das gesamte Obergeschoss und die Giebel, Erdgeschoss wird nur neu verputzt) und hätten dann die Möglichkeit von außen zu dämmen – allerdings erst später wenn wir Innen fertig sind und nicht völlig Pleite sind?!

Deshalb die Frage: Warum jetzt nicht einfach die Wände von Innen ganz normal (oder meinetwegen auch mit einem Dämmputz) Verputzen (welcher Putz ist am sinnvollsten für die Fachwerkwand?) – und dann später von Außen dämmen. Ich habe verstanden das Innendämmung immer heikel ist, außerdem stellt sich mir die Frage wie viel Einsparung die Dämmung wirklich bringen würde? Wenn ich von 200€/Jahr Einsparung ausgehe (und das ist glaube ich nur für die Wanddämmung mehr als übertrieben) hätte ich die Innendämmung nach 10 Jahren wieder drin?!

Wenn ich ohne jemanden zu Fragen entscheiden könnte ;-), würde ich die Außenwänden aus Ziegelsteinen und Fachwerk mit einem geeigneten „Dämmputz“ verputzen und dann halt später von außen Dämmen. Solange bezahle ich halt mehr Energiekosten. Da die Zwischendecken, Fenster und das Dach erneuert und gedämmt werden wären wir wohl trotzdem auf dem richtigen Weg.

Da wir aber Laien sind, wollen und müssen wir uns „Fachleute/Spezialisten“ holen und uns deren Anregungen/Vorschläge anhören – leider sagt jeder etwas anderes und wir sind nicht immer sicher ob‘s auch wirklich immer „Wissende/Erfahrene“ sind. Konrad Fischer wäre gleich um die Ecke, ich habe auch schon viel bei ihm gelesen – allerdings schreckt mich teilweise die Schreibweise ab – wenn mir auch viele Dinge logisch erscheinen, sich mir aber eben nicht alles erschließt.

Deshalb noch mal die Bitte: Bitte schreibt uns doch eure Vorschläge/Hinweise/Vorgehensweisen/Erfahrungen mit den einzelnen Materialien usw. Das wäre wirklich sehr nett!

Vielen Dank.



Hier noch ein paar Bilder ...



zur verdeutlichung



noch ein Bild



die Ziegelwand



hier noch eine Gesamtansicht



vielleicht hilfts ja ...



erst planen dann handeln



Hallo

so alles aus dem Bauch und alleine (und www) wird das m.E. nicht hinhauen mit dem Sanieren.

Mal ein paar Wände raus, ein paar Decken mal so und oder so behandelt, dann ein bisschen Dämmung hier etwas dort, Heizung Fenster wies gerade "gut" ist, dann ordentlich aufs Budget geachtet … fertig ist die zukünftige Bauruine.

Macht ein schlüssiges Konzept entweder mit oder ohne jemanden, der sich damit auskennt (Frage: zu welchem Arzt geht ihr, wenns zwickt?) oder fliegt Ihr auch gerne mit der "never come back-Airline".

Manchmal kann es sinnvoll sein mit Fachleuten zusammen zu arbeiten, allerdings kann ich auch die Verwirrung verstehen, die bei Ihnen entstanden ist.
Das ist heikel und schade.

Ich würde weder innen Dämmen, noch Konvektoren einsetzen, noch Glas oder sonstige Wolle verwenden, dann würde ich auch keine Fenster aus Plastik verwenden und auch nicht alle paar Jahre 30 Fenster streichen müssen …

Viel dieser Geschichten sind Fabeln und Märchen und Angstmachereien derer die mit Sch... Geld verdienen wollen.

Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Sparsamkeit sieht anders aus.

Energie, Sparen, Dämmen, …

Alles Angstmacher! Wie Rauchen, Krebs, Sünde, Ausländer …


Konzept und dann Schritt für Schritt abarbeiten, nicht hoppla hopp alles auf einmal und ganz schnell mit einem ach so billigen Kredit!!!

Wieder so ne Falle die aufgestellt ist!

Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Gutes Gelingen

FK



Eine komplexe Situation ...



... wie Sie sie beschreiben, sollte von einem Architekten und Gebäudeenergieberater im Bestand erfasst und nach Ihren Vorstellungen mit den verschiedenen Ausbau- und Dämmvarianten durchgeplant werden.

Mit einer geeigneten Software sind mögliche Energieeinsparungen und der dazu nötige finanzielle Aufwand gegenzurechnen - als Annäherung an die Realität.
Ein Zeitraum von 10 Jahren für die Amortisation gilt heute als angemessen.

Die meisten Ihrer Punkte zur Energieeinsparung werden sich in diesem Zeitraum ökonomisch nicht rechnen. Innendämmungen können jedoch sinnvoll sein, um das Raumklima behaglicher zu gestalten (höhere Oberflächentemperaturen) und zugleich die Gefahr von Tauwasserausfall+Schimmelbildung an zu kalten Stellen der Innenwand zu minimieren.

Konrad Fischer und andere Forumsteilnehmer vertreten begründete,aber recht radikale und z.T. auch fundamentalistisch formulierte Ansichten. Man kann sie als Anregung sehen, heute gängige Lehrmeinungen zu hinterfragen und einen eigenen Standpunkt zu suchen.

Die "Energieeinsparoffensive" des Bundes ist bekanntermaßen unter engagierter Mitwirkung der Dämmstoffindustrie entstanden.



genau das Planen ist ja das Problem



Hallo Herr Kurz,

vielen Dank für Ihre Antwort. Leider war diese jetzt auch nicht wirklich hilfreich - nur weiter verwirrend. Ich wusste auch nicht das unsere bisherige Planung anscheinend so konfus ist?

In der Planungsphase befinden wir uns ja gerade. Aber ich habe eben "zweifel" an den hinzugezogenen Fachleuten. Genau diese raten eben zur Dämmung mit den Kalziumsilikatplatten oder zum Porenbeton. Und alleine Planen oder nur mit Hilfe des WWW ist natürlich sch.... Deshalb suchen wir uns ja "Experten". Ich kann ja aber auch nicht immer alles in Frage stellen?! Wer viel fragt bekommt viele Antworten!
Mein Problem ist das ich sehr viel Geld für Planungen ausgeben kann die sich dann am Ende als Falsch herausstellen - dann hab ich aber am Haus noch nichts getan. Und ich bin Laie und muss natürlich erst mal glauben wollen. Auch wenn ich vieles hinterfrage und mir immer wieder erklären lasse.

Wenns mich zwickt gehe ich zum Arzt und erwarte das mit geholfen wird oder ich überwiesen werde - Erwarten kann ich ja viel ;-). Erfüllt werden Erwartungen eben oft nicht!
Die Frage ist: Wer kennt sich aus?!? Die Experten oder die Verbraucher/Geschädigten?!? Wir möchten eben nicht erst durch Schaden klug werden und auch nicht aufgrund eines günstigen Kredites alles hoppla hopp machen!

Würden Sie denn selbst bei so dünnen Aussenwänden Obergeschoss zu Wand/Fußbodenheizung raten? Dann wahrscheinlich mit Aussendämmung?
Und sind Kunststofffenster grundsätzlich schlechter als Holzfenster - also gibt es gravierende Nachteile? Oder ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks?

Sehr nett wären konkrete Antworten. Dann könnten wir weiter die Vorsicht walten lassen als die Nachsicht!!

Vielen Dank!

MfG Angie



Hallo Angie,



" leider sagt jeder etwas anderes und wir sind nicht immer sicher ob‘s auch wirklich immer „Wissende/Erfahrene“ sind "
Das beschreibt die Komplexität der Situation.
Es gibt in der energetischen Sanierung keinen pauschalen Ansatz!
Es gibt aber eine individuellen, auf das Gebäude, den Nutzer und auf den Geldbeutel des Nutzers abgestimmtes Konzept.

Warum nimmst Du statt Mineralwolle nicht Flocken aus Zellulose oder Holzfaser?

Statt Zementputz würde ich Kalk oder Lehmputz nehmen. Statt der Kalziumsilikatplatten mal über putzfähige Holzfaserplatten nachdenken, die zum einen besser dämmen und auch günstiger sind.

Natürlich können die Wände auch von innen z. B. mit einem Kalkdämmputz geputzt werden.

Grüße aus Koblenz



Innendämmung Ziegelwand



Hallo Angie,

Innendämmung geht z.B. mit einer Holzfaserplatte wie Glunz Agepan Funktionsholz (www.agepan.de), sie ist auch verputzbar.
Einfach mal auf deren Seite vorbeischauen.

Mineralwolledämmung in den Deckenbalken ist für mich O.K.(Brandschutz),
auch Kunststofffenster, aber bitte nicht holzfarben.

Viele Grüße, Gerhard



Danke für die bisherigen Antworten!!



Hallo Herr Meurer,

vielen Dank für Ihre Antwort. Genau nach diesem Individuellen auf das Gebäude und die Nutzer und natürlich auch auf den Geldbeutel des Nutzers abgestimmt Konzept sind wir auf der Suche!

Warum nimmst Du statt Mineralwolle nicht Flocken aus Zellulose oder Holzfaser?
Unsere Decken müssen aus diversen Gründen abgehangen werden. Da mein Bruder Trockenbauer ist und wir nicht noch mehr Holz haben möchten, haben wir uns für Rigipsdecken entschieden. Für Flocken müssten wir wohl eine zusätzliche Decke einziehen damit die Flocken irgendwo zum liegen kommen (wenn ich es richtig verstanden habe?!) Deshalb wollten wir uns das sparen. Ich wüsste aber natürlich gerne was die Nachteile von Mineralwolle (hab ich leider noch nicht so richtig herausfinden können?) und was die Vorteile der anderen sind. Und gibt es Holzfaser denn auch als klemmfilz?

Statt Zementputz würde ich Kalk oder Lehmputz nehmen.
Unser Maler hat zu Kalkzementputz geraten. Auf meine Nachfrage wegen Zement im Kalkputz hat er gesagt das in den üblichen Kalkputzen (ich weiß es nicht mehr 100%tig) 5-8% Zementanteil wären, das wäre seiner Meinung nach vernachlässigbar. Da die Fugen in der Ziegelwand (Obergeschoss) so aussehen sollten wir diese Fugen eben erst mal mit Zementputz verschließen. Lehmputz wurde im Untergeschoss abgeraten, weil a) teurer und b) falls ja Feuchtigkeit kommen sollte dieser „verrottet“ ? oder anfälliger ist. Wir tendieren also

Statt der Kalziumsilikatplatten mal über putzfähige Holzfaserplatten nachdenken, die zum einen besser dämmen und auch günstiger sind.
Die Kalziumsilikatplatten wurden vermutlich vorgeschlagen wegen der Schimmelresistenz und weil er meint das er damit gute Erfahrungen gemacht hat und wir diese selber Verarbeiten könnten wenn er uns eingewiesen hat. Darüber werden wir nochmal mit sprechen. Danke für den Hinweis. Auch den Kalkdämmputz werden wir mal ansprechen.


@Gerhard: Die Fenster werden weiß – so sind sie jetzt auch.

Gruß Angie