Elektrik und Holzweichfaserinnnendämmung

31.08.2012 bunnyrocks



Hallo zusammen,

ich kaufe gerade ein Fachwerkhaus mit Nebenhaus (zusammen 490qm Wohnfläche) von 1913 mit Ziegel und Bimssteinausmauerung.
1999 ist das gesamte Schönheitssaniert worden und die Elektrik komplett erneuert worden.
In einem Teil des Hauses werde ich die Fenster austauschen und eine Innendämmung (6cm Holzweichfaserplatten und Claytec®-Lehmputzsystem) und Wandheizung (WEM®) anbringen.
Da ich nicht eine relativ neue Elektrik abreissen will, und so auch Zusatzkosten entstehen, würde ich gerne vermeiden die Elektrik zu erneuern.
Ist es möglich die vorhandene Elektrik in den Aussenwänden zu erhalten und wenn ja, wie sieht das genau aus (z.B. Durchdringung der Dämmung nach innen).

Grüße

bunnyrocks



Ich bin zwar kein Elektriker...



... aber es sollte durchaus möglich sein unter Nutzung der vorhandenen Installationsdosen die Leitungen 10 cm oder so nach vorne zu verziehen... ich weiß aber nicht, ob das alles dann so seine Ordnung hat (VDE, DIN & Co.)...
Alternativ lassen sich sicher die vorhandenen Elemente incl. Kabel eher einfach ausbauen und wiederverwenden, die Längen dürften ja mehr oder weniger die gleichen bleiben, hier ließe sich auch vielleicht noch optimieren...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Die Tücke liegt hier ...



... im Detail.

Die erste Frage ist, ob Steg- oder Mantelleitungen verlegt sind.

Sind es Stegleitungen, kommt nur eine Neuverlegung in Betracht, da diese ausschließlich unter Putz und nicht in brennbaren Dämmstoffen verlegt bzw. durch diese hindurch gezogen werden dürfen.

Sind es Mantelleitungen (NYM), wäre zu klären, ob die Kabel in den vorhandenen Schaltern, Steckdosen und Abzweigdosen lang genug sind, um in die in der neuen Wandschicht unterzubringenden Dosen gezogen zu werden (der Kabelmantel muss bis in die neue Dose reichen!).
Vermutlich wird dies nicht der Fall sein. Dann hat man prinzipell zwei Möglichkeiten: Entweder "stückelt" man ein Kabel mittels einer Schrumpfmuffe an oder man setzt eine UP-Abzweigdose, in die man das alte Kabel einbindet und von der man ein neues Stück Kabel in die neue UP-Gerätedose für Schalter bzw. Steckdose zieht. Beim Setzen einer UP-Abzweigdose ist dann allerdings darauf zu achten, dass deren Tiefe der Stärke der neuen Wandschicht entspricht. Weiterhin müssen UP-Abzweigdosen, die sich im zugänglichen Bereich befinden, einen verschraubten Deckel besitzen.

Egal ob mit UP-Abzweigdosen oder mit Schrumpfmuffen gearbeitet wird, werden Aufwand und Kosten erheblich sein. Auch besteht die Gefahr, dass über die UP-Verteilerdosen bzw. entlang der durch die Dämmung geführten Kabel Luft zieht. Hier die erforderliche Winddichtigkeit herzustellen ist immer ein schwieriges Unterfangen, was selten von Erfolgt gekrönt ist.

Generell ist es im Zusammenhang mit Innendämmungen ein Problem, die Elektroinstallation "verträglich" zu bewerkstelligen.
Gerade die tiefen UP-Gerätedosen, die erforderlich sind, wenn Kabel von einer zur anderen Dose geschleift werden, durchdringen die Putz- und Dämmschicht oft so weit, dass die verbleibende Dämmungt - wenn überhaupt - nur noch "hauchdünn" ist. Somit schafft man sich Schwachstellen im System.

Bei Innendämmungen rate ich von daher immer dazu, die Kabel auf und nicht unter der Dämmung zu Verlegen und AP-Geräte (Schalter / Steckdosen) sowie AP-Abzweigdosen zu verwenden.
Für den Altbau bieten sich hier Produkte aus Porzellan, Bakelit und Duroplast an, die u. a. von Manufactum, Replicata oder von der Thomas Hoof Produktgesellschaft vertrieben werden.



oh wie einfach



… wäre es, wen man einfach NICHT dämmen würde?

Dann hätte man DIESES Problem schon einmal nicht8 und die Risiken einer Innendämmung gäb es auch nicht.

Das Leben wär so schön einfach, wen man es sich nicht so kompliziert machen würde.

Weder die Kosten der Aufwandselektrik noch die der Dämmmaßnahme werden sich amortisieren.

Warum neue Fenster?

Konzept in der Gesamtheit evtl mal überdenken.

Florian Kurz
www.slow-house.de


P.S.
Haben Sie es schon gekauft?
Sollten lieber noch mal einen versierten Blick auf die Bausubstanz werfen (lassen).
Gerade die "schönen" frisch sanierten Teile bergen so manche Sprengladung, die nicht im Boden stecken sondern eher in den Wänden!



Oh ja ...



... hier kann ich Florian Kurz nur zustimmen.

Wären Heizleisten eine Alternative zu der Innendämmung mit Wandheizung? - Vom Aufwand und von den Kosten her dürfte dies mit Sicherheit deutlich günstiger sein!

Wir haben die Installation von Heizleisten bei uns noch keine Sekunde bereut und sind damit höchst zufrieden.
Bei fast 1.200 m³ umbauten Raum, 480 m² Brutto-Geschossfläche, knapp über 280 m² Nutzfläche und Raumhöhen bis zu knapp 6 m liegen wir bei einem Energieverbrauch für die Heizung je nach Härte des Winters am Rande des Thüringer Waldes auf etwa 450 m Höhe so zwischen 18.000 und 19.000 kWh/a. - Und das bei Sprossenfenstern alter Bauart!

Mehr zu Heizleisten im Allgemeinen und Besonderen findet sich unter:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/47-hd

Interessant dürfte auch dieser Beitrag sein, der sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Energieeinsparung im Altbau beschäftigt:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/49-hd2



Ohh Jaaa!



neben Heizleisten gäbe es noch das:

http://www.slow-house.de/slow-house/I-3.html

zweiter Link

Beratung, Konzeption und Planung kann ich Ihnen gerne machen.

Aber überprüfen Sie unabhängig von Ihren "optischen Eindrücken" mal die Bausubstanz!
Da werden Sie wahrscheinlich am meisten sparen können!

Florian Kurz
www.slow-house.de



Was will man machen...



... wenn die Forums-Platzhirsche unisono Heizleisten oder Temperierungen à la Großeschmidt verteufeln und sich in einer Mischung aus Guerilla- und viralem Marketing die Bälle der allein seligmachende Lösung, bestehend aus Holzweichfaserplatten der Fa. X, Wandheizung der Fa. Y, Fenster von Meister Y und so weiter zuschanzen?

Der ratsuchende User, der eine Alternative zu dem üblichen konventionellen Empfehlungen der örtlichen Baufirmen sucht, wird glauben, nur diese Lösungen wären die Entscheidung der Wahl, zumal hier andere Wege ja auch üblicherweise als Blödsinn etc. abgetan werden.

Schade drum. Einseitigkeit und Dogmatismus haben noch nie einem Forum gut getan.

Das heißt natürlich keineswegs, dass diese Lösungen nix taugen, das Gegenteil ist der Fall, aber was soll ein Fragesteller, der sich, wie man an seiner Entscheidung gesehen hat, immerhin eingehende Gedanken gemacht hat, davon halten, wenn statt der Beantwortung seiner eigentlichen Frage das ganze System hinterfragt wird.?

Wie von Florian Kurz schon beschrieben, würde ich zuvorderst einen Augenmerk auf die "Schönheitssanierung" legen und überprüfen, ob zwischen Ziegel/Bimsstein und Balken alles in Ordnung ist, bevor ich mich an die Dämmung/Heizung machen würde.

Bezüglich der schon installierten Kabel sehe ich auch keine andere Lösung als eine Verlängerung via Schnellverbinderclips. Reine Fleißarbeit, aber machbar.
P.S.: Sind Stegleitungen heutzutage überhaupt noch üblich?



Elektrik hin oder her jetzt einmal...



...gehen tut es, habe diese Lösungen auch schon mehrfach mit erarbeiten müsse, doch kommen viele Ungereimtheiten dann dazu!
Wo und wie laufen die Leitungen, damit diese beim nachherigen mechanischen befestigen der Plattensysteme nicht getroffen werden und zusätzlich dann auch noch einmal die Heizkreisbefestigungen schadlos überstehen.
Zusätzlich müssen die Dosen verlängert werden.
Auch auf den Einsatz von Gips ist zu verzichten!!

Doch worauf ich hier mit hinaus möchte, ist die Holzweichfaserebene.
Konnte in den letzten Wochen und Monaten einige kritische Aspekte zu diesen systemen erfahren und diese machten mich nachdenklich.
Gerade was das Thema Schimmel und Fäulnis betrifft.
Außerdem braucht man in fachwerkhäusern nicht unbedingt sich den wahnwitzigen Vorgaben der Politik und Gesetzlichkeit unterwerfen.
Ist steige jetzt mehr und mehr auf magnesithgebundene Heraklithplatten um.
Diese sind mittlerweile auch als A2 Baustoffe deklariert worden und zusätzlich noch schimmelresist!!
Und für die Beputzbarkeit im Dickschichtverfahren mit Lehm wesentlich problemloser!

Stehe gern für weitere Infos parat.

Gutes gelingen bei Ihren Entscheidungen



@ Udo Mühle



Was die Verwendung von Holzfaserdämmplatten als Innendämmung von Außenwänden betrifft, bin auch ich etwas skeptisch - insbesondere wegen des nicht immer problemlosen Aufbringens von Lehmputz.
Von daher würde es mich sehr interessieren, welche Erfahrungen Sie im Hinbklick auf Schimmel / Fäulnis, auf die Sie angedeutungsweise hingewiesen haben, gemacht haben.

Was mich vor der Verwendung von HWL-Platten bislang etwas zurückschrecken lässt, ist deren fehlende Kapillarität.
Zwar haben wir - gewissermaßen als Selbstversuch - die Fachwerkfassade im Obergeschoss unseres Bürogebäudes im Jahr 2005 mit magnesitgebundenen HWL-Platten ausgefacht und auf diese nicht weiter behandelten Lehmputz aufgebracht, was sich bis jetzt problem- schadlos zur vollsten Zufriedenheit bewährt hat, d. h. schon dem einen oder anderen Schneesturm mit Pappschnee und Schlagregen getrotzt hat, aber im Innenbereich haben wir HWL-Platten als reine Dämmung noch nicht eingesetzt.

Es wäre mir insoweit sehr an einem Informations- / Erfahrungsaustausch gelegen.



@ Udo Mühle



Mich würden die kritischen Aspekte der HWP Platten als Innenwanddämmung bezüglich Schimmel und Fäulniss interessieren.
Und zwar Fakten.
Dokumentierte analysierte Schadensfälle und deren Ursachen.

Wir dämmen regelmäßig Innenwände mit HWP Platten und Lehm oder gesprühter Zellulose und Lehm.
Zum einen haben wir keine Schwierigkeiten den Lehm auf die Platten zu bekommen, und zum anderen lasse ich solche Innenwanddämmungen durchrechnen. Und zwar nich statisch nach Glaser sondern instationär mit WUFI oder Delphin.
Und dann gibt es Ergebnisse an Hand derer wir entscheiden: Dämmen oder nicht.
MfG
SB