Feuchte Wände = Lehmputz?? oder besser nicht??

25.02.2013 Lilly



Hallo ihr Lieben,

wie schon öfter geschrieben haben wir ein 200 Jahre altes Sandsteinhaus ohne Keller gekauft. Wir haben das Problem mit aufsteigender Feuchte an den Wänden (hält sich in Grenzen). Deshalb haben wir uns für Lehmputz entschieden. Wir haben auch schon jemanden an der Hand der auf Lehmputz usw spezialisiert ist. Dieser Herr meinte, das der Lehmputz hilft, die Feuchte in den Wänden in Schach zu halten/aus den Wänden zu holen (?) (dazu bringen wir auch noch an den betroffenen Wänden eine Wandzeitung an). Wir wollten uns aber auch noch andere Angebote einholen um Preise zu vergleichen. Diese beiden anderen Herren meinten dann das Lehmputz das schlechteste wäre für feuchte Wände. Es sei gut für das Raumklima, aber nicht für die Wand. Sie wollten uns dann Rotkalkputz aufschwatzen (ist auch Wandzeitung geeignet). Jetzt bin ich verwirrt und brauche mal eure Erfahrungswerte. Was sagt ihr dazu? Die beiden Herren meinten, wir hätten dann immer das Gefühl von feuchten Wänden. Einer sagte aber auch noch, das Rotkalkputz besser geeignet wäre, mann dann aber das Feuchte sehen würde (hä?). Was mich total stutzig gemacht hat.
BITTE HELFT MIR, ICH BIN VOLLKOMMEN VERWIRRT!!!!!!!

LG
Lilly



Das genannte Putzsystem...



.. ist alles andere als ein Kalkputz, Gruppe PII sortiert das als Kalkzementputz ein, wobei der Kalkanteil am Bindemittel (weit) unter 20% liegen dürfte. Der Name ist irreführend.

In Verbindung mit Wandheizung dürfte es feuchtetechnisch weitgehend egal sein, beide Putze dürften funktionieren, die Argumente sind aber schon komisch.

Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht...

Zu einem 200 Jahre alten FW-Haus passt ein PII nicht wirklich...

MfG,
sh



Ist kein Fachwerk



es ist ein reines Sandsteinhaus.

Ich verstehe Ihren ersten Satz nicht. SORRY. Könnten Sie das für mich (Laie) noch einmal genauer erklären.

Verstanden habe ich, das beide Putzarten gut genug für die Wände ist, solange wir bei der Wandzeitung bleiben.



Innenputz



Ich empfehle Ihnen zuerst einmal potentielle Feuchtequellen abzustellen.
Nach meiner Erfahrung ist das der Sockelbereich, über den von außen Regen- bzw. Spritzwasser durch die Lagerfugen eindringt.
Wenn Sie eine Wandheizung einbauen lassen dann ist die Kombination Weichholzfaserdämmung-Wandheizung-Lehmputz eine machbare Kombination.
Unabhängig davon ist Rotkalkputz ein für Innenputze gut geeignetes Material.

Viele Grüße



Gerne



Nach DIN werden vier Putzmörtelgruppen unterschieden:

PI, Kalkmörtel: a)Luftkalkmörtel, b)Wasserkalkmörtel, c)hydraulische Kalkmörtel
PII, Kalkzementmörtel
PIII, Zementmörtel
PIV, Gipsmörtel (a-d), weiteres hier irrelevant

Darüberhinaus gibt es eine Euro-Norm...

Der Rotkalk gehört zur PII und ist damit definitiv kein Kalkputz, sondern ein Kalkzementputz, wobei das Verhältnis Kalk/Zement i.d.R. 2:1 beträgt.

Wenn die Feuchte kein schwerwiegendes Problem darstellt, ist der Rotband gut geeignet, ein Lehmputz aber genauso.

Ich wollte nur kritisieren, dass der Hersteller mit dem Nachwort -kalk auf der "Back-to-the-roots" Welle mitschwimmt, ohne es zu erfüllen... so ganz billig ist das Zeugs nähmlich nicht.

MfG,
sh



Vorsicht



@ SH: Rotkalk und nicht Rotband



Nööö...



... hier brauch' ich nicht vorsichtig zu sein... der Hersteller schreibt ja selber PII ein...

Und PII ist genormt... der Inhalt "...-kalk-..." aber nicht...

Haste?

MfG,
sh



da



ist wohl bei Dir ein Tipfehler Rotband ist Gipsputz - Du meinst aber Rotkalk - nicht dass das falsch ankommt ....
"ist der R o t b a n d gut geeignet ...."



Danke für...



... die Korrektur und das aufmerksame Mitlesen an Olaf.

MfG,
sh



Lehmputz vs Rotkalk



Ist das Haus außen verputzt?

Lehmputz kann sehr gut mit Feuchtigkeit umgehen keine Frage,
aber eine Wand, die im unteren Bereich Feucht ist kann beim Lehmputz Probleme machen. Hier kommt es, wie schon geschrieben wurde, auf den Feuchtigkeitsgrad an den betroffenen Stellen an.
Ich vermute mal, dass es den beiden anderen Herren in diesen Bereichen zu feucht war und sie deshalb auf die Lösung mit dem Rotkalk kamen.
Diese Argumentation ist durchaus nachvollziehbar, es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich der Putz an diesen Stellen löst und weg fällt (Lehmputz wird bei Salz belastetem Mauerwerk zum Opferputz).
Lehmputz nimmt sehr schnell, sehr viel Feuchtigkeit auf und gibt sie auch wieder ab. Schiebt an irgend einer Stelle Feuchtigkeit nach ist auch der Lehmputz irgendwann überfordert.

Rotkalk ist hier wie schon geschrieben wurde nicht das geeignetste Material, Luftkalkmörtel hingegen wäre in diesem Falle das Material erster Wahl.
Der Unterschied von Luftkalk zu Rotkalk liegt im Trocknungsprozess, Luftkalk carbonisiert und zieht in diesem Vorgang die Feuchtigkeit aus der Wand. Rotkalk bindet auch unter Wasser ab, ist viel Feuchtigkeit vorhanden wird dieser zwar hart, hat aber dann eine instabile Struktur.

Eine Wandheizung schafft Abhilfe aber nur wenn die Ursache der Feuchtigkeit beseitigt ist.
Ein sinnvoller Aufbau wäre:
-Mauerwerk
-Luftkalkmörtel
-Holzweichfaser
-Wandheizung
-Lehmputz
Allerdings müssen Wärmebrücken, wie Deckenanschlüsse, Innenwände angrenzend an Aussenwände, Fenster- und Türanschlüsse etc., ausgeschaltet werden.

Grüße Thomas

Da keinem hier das Ausmaß der Feuchtigkeit bekannt ist, ist die Beurteilung aus der Ferne sehr schwierig.



schlecht für die Wand …



Hallo

der Prinzipielle Unterschied von Kalk und Lehmputz ist die Güte!

Kalk ist einfach die bessere Wahl.

Lehm ist Biowellenzeug … auch nicht schlecht … aber für gewisse Sachen nicht so gut geeignet …
vor allem für labilfeuchte Wände oder Wandbereiche …

Ich kenne Rotkalk nicht würde da solubel empfehlen …

würde auch keine Wandheizung sondern eine Temperierung empfehlen … und alles nach einem KONZEPT machen und keine Einzelteilkaudawelschbauerei die nichts bringt …

www.thermische-bauphysik.de
www.temperierung.net

gutes Gelingen

Florian Kurz



Feuchte Wände = Lehmputz?? oder besser nicht??



Hallo Lilly,

die klare Antwort auf Deine frage ist: Kommt drauf an!

Bei einem dauerhaft feuchten Untergrund ist ein Lehmputz ungeeignet. Lehmputz nimmt schnell viele Feichtigkeit auf. Wenn jetzt weitere Feuchtigkeit nachkommt kannn der Lehmputz diese nicht mehr abgeben.
Wennn die Wand nur wenig feucht ist kann das klappen.

Grundsätzlich kann ich nur empfehlen unter der Wandheizung eine Dämmung auszubringen. Daraus resultiert, das Du Dich nicht für ein Produkt entscheiden mußt sondern für ein System.

Grundsätzlich würde ich auch einen Lehmputz oder einen Kalkputz der Mörtelgruppe PI empfehlen, dazu wurde ja schon was geschrieben.

Auch meiner Meinung ist der Rotkalk (leider ist der Name irreführend)da nicht der richtige Putz.

Grüße aus Koblenz Gerd





Hallo Lilly,

ich sehe das wie Herr Böttcher. Als erst muss der Grund des Feuchtigkeitseintrages erkannt und abgestellt werden.

Bis dahin ist es müßig darüber nachzudenken, ob mir mein feuchtigkeitsgenährter Lehmputz wegschimmelt, oder der Rotkalk bröselig wird und wieder von der Wand fällt.
Auf einen durchfeuchteten oder Mauerfeuchtenbereich würde ich auch keine Holzweichfaserplatten anbringen.

- Wie sieht den das Gebäude von außen aus? Ist es verputzt (womit?),
- Liegt der Sandstein offen?
- Wird der Sockel beregnet?
- Fließt Oberflächenwasser in Richtung Haus?
Sind alle Räume gleich betroffen oder nur einige?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Sie brauchen ...



... eine professionelle Sanierungsberatung mit einer Bestandsaufnahme, Bauschadensanalyse, Sanierungsplanung und Kostenkalkulation. Insbesondere dann, wenn eine Feuchtbelastung ermittelt, geklärt und behoben werden soll.

Das bekommen Sie nicht zum Nulltarif von Handwerkern und Firmen, die im eigenen Interesse ihre Leistung anbieten, sondern nur von einem unabhängigen Bauingenieur oder Architekten.

Wenn sie "vollkommen verwirrt" sind, dann holen Sie sich wirklich fachkundige Unterstützung. Alles andere ist kostspieliges, zeitraubendes und vollkommen unergiebiges Herumlavieren.



Danke !!!



Also erst einmal Danke an euch allen, für eure vielen und aufschlussreichen Antworten.

Das Wasser kommt vom Grund, er ist recht feucht (auch in den Nachbargebäuden besteht dieses Problem). Die Wände sind nicht triefend nass und auch nicht überall. Wir haben die Wände (nach starkem Regen) messen lassen und es hieß, das es nicht so schlimm wäre.
Die Außenwände sind zum teil verputzt (keine Ahnung mit was). Auch Regenwasser läuft über den Hof durch leichtes Gefälle gegen die Hauswand - wollen im Frühjahr einen Abfluss in den Hof am Haus entlang legen, um das Regenwasser etwas abzufangen. Es liegt nichts gegen den Wänden und die eine Wand, die vom Nachbar gegen unsere Wand gebaut wurde, ist gut belüftet.

Die Feuchtigkeit aus dem Grund zu bekommen, ist wahrscheinlich schwierig und die Wände des Hauses stehen in diesem Grund.. Ich wüsste auch nicht wie wir das ändern sollten. Wir machen eine Bodenplatte. Mehr fällt mir nicht ein.

Wir wollte Schilfmatten als Innendämmung unter die Wandzeitung machen. Was haltet ihr davon???