"Möchte-gern-Fachwerk"

22.12.2011



Liebe Experten,

wir haben folgendes Problem:

Wir haben uns vor kurzem ein Haus gekauft.
Es ist Baujahr 1966 und hat einen Wandaufbau, bei dem wir bisher nur Kopfschütteln erlebt haben.

Von innen nach außen:

- Rigips 12,5 mm
- Holzständer ca 130 mm (vermutlich Fichte)
- Zwischen den Holzständern ist alte Mineralwolle
- Bitumenbahn o.ä.
- Fassade aus Holzverkleidung
(ob hinterlüftet wissen wir z.Zt. noch nicht.)

Die Wände schimpfen sich Balken-Fachwerk-Fertigwände...

Wir haben inzwischen zig Meinungen eingeholt, von Handwerkern, die schon viele Fassaden gedämmt haben, von einem guten Fachmarkt mit Beratern für alle Themen (kein Obi o.ä.) und wir hatten einen Energieberater im Haus.

Jeder sagt etwas anderes und wir verzweifeln immer mehr.

Bisher haben wir folgende Meinungen:

1. Von innen eine Dampfsperre auf die Rigips-Platten, dabei alle Zwischenwände und Decken aufsägen und die Folie komplett durch das Haus ziehen.
Dann die Wände von innen aufdoppeln damit man auch mal eine Schraube in die Wand bekommt und von außen mit Mineralwolle und einer hinterlüfteten Fassade arbeiten.
Diese Variante ist uns etwas zu aufwändig und wir scheuen uns etwas vor dieser Folie, da wir alles selbst machen werden.


2. Die alte Wolle drinnen lassen, von außen auf die alte Wolle einen Dampfsperre, dann nocheinmal 12 cm Wolle oben drauf und dann die hinterlüftete Fassade.
Hier würde sich laut unserem Energieberater der Taupunkt so weit nach außen verschieben, dass wir keine Schimmelgefahr hätten. Allerdings sagt er selber, dass er dafür nicht die Hand ins Feuer legen würde, da dies doch etwas gepfuscht wäre.


3. Alte Wolle drinnen lassen, darüber die Dampfsperre, darüber Schienen, in die wir dann Styroporteile stecken (wohl eine Art hinterlüftete Styropor-Fassade...
Doch von der kombination Styropor und Holz raten viele ab?!

4. Und bisher die scheinbar beste Variante: Die Rigpips-Platte bleibt wo sie ist, die alte Wolle kommt weg, die Holräume mauern wir im Sommer mit ytong aus. Hierauf sollen wir etweder die hinterlüftete Styropor-Variante aufbringen oder Holzfaserplatten mit Lattung und einer hinterlüfteten Fassade (Holz oder Schiefer).

Bei der Styropor-Hinterlüftung sagt unser Berater, es wäre nicht gut, da die kalte und die warme Luft sich in der Hinterlüftung treffen und es schwitzt.

Und sonst.... Tja, er rechnet und grübelt und eine vernünftige Antwort lässt auf sich warten.

Von der Idee mit ytong haben wir bisher nur positive Rückmeldung bekommen und ein Bekannter hat sein Haus auch von 10 Jahren mit disem Stein ausgemauert und ist noch immer zufrieden, doch in diesem Forum haben ich nun viel schlechtes gelesen.

Ich hoffe, Sie steigen durch meine Auflistung durch und können uns helfen.

Wie viele Berater sollen wir nun noch hinzuziehen??
Es wird immer schlimmer, statt besser!

Ich hoffe, Sie können uns helfen.

Vielen Dank und beste Grüße
M. Knebel



....



...Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass auch alle Fenster und Türen erneuert werden und dass das Haus einen Kriechkeller hat.
Es besteht weiterhin aus Erdgeschoss und komplett ausgebautem Dachgeschoss.

(Das Dach soll auch auf kurz order lang neu gedämmt werden, aber das möchten wir noch ein wenig verdrängen ;-) )

Gruß, Mona Knebel



Haussanierung



Hallo Mona,
Sie brauchen keine weiteren Berater sondern einen guten Planer, der Ihnen die Sanierung durchplant, Leistungsverzeichnisse erstellt, bei Bedarf auch einen Bauantrag fertigt, Angebote prüft, die Vertragsverhandlungen führt und die Baubetreuung übernimmt. Wenn Sie die Außenwände so grundhaft sanieren verfällt der Bestandsschutz; die aktuellen Bestimmungen hinsichtlich Brand,-Schall- und Wärmeschutz müssen beachtet werden.
Der Neuaufbau der Wände ist ohnehin nicht als Einzelmaßnahme planbar, er sollte im Zusammenhang mit den anderen zu lösenden Sanierungsaufgaben gesehen werden. deshalb kann es hier auch keine konkrete Antwort auf Ihre Frage geben wie der neue Wandaufbau denn nun aussehen muß.

Viele Grüße

p.s. gibt es denn konkrete Schäden an sden Außenwänden?



...



Hallo Georg,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Dann werden wir wohl besser noch jemanden ins Boot holen...

Schäden gibt es nicht, aber da das Haus unzureichend gedämmt ist, und wir die Fassade eh erneuern wollen, dachten wir uns, wir machen dies in einem Zuge.

Gruß



Moin,



bei umfangreichen Sanierungsarbeiten ist es sehr wichtig einen guten Planer zu haben, ich möchte betonen, dass die Sanierung von Gebäuden unabhängig von Art und Typ des Hauses zur Königsdisziplin im Bauwesen gehören da man immer auf das Bestehende eingehen muss während bei einem Neubau alles aufeinander abgestimmt ist(sein sollte)



Haussanierung



Statt diverser "Berater" wäre es für Sie vorteilhafter, einen sachkundigen Architekten+Gebäudeenergieberater hinzuzuziehen und alle geplanten oder noch zu planenden Arbeiten aufeinander abzustimmen.

Ich würde in Ihrer Situation die Lösung "tabula rasa" bevorzugen: die gesamten Aussenwände bis auf das Ständerwerk zurückbauen, alle Bekleidungen und Dämmungen entfernen, das Ständerwerk auf seine Tauglichkeit hin untersuchen (Feuchteschäden/Verrottung/Schädlingsbefall).

Die Ständer eventuell verstärken (größere Tiefe wg. Dämmung) und die gesamte Wand inkl. Dämmung und hinterlüfterer Fassade neu aufbauen.

Vorhandenes Material von unbekannter (und meist nicht mehr vorhandener Qualität) wieder verwenden zu wollen, ist baukonstruktiv oft eher nachteilig und finanziell unergiebig. Die meisten Kosten sparen Sie mit einer guten Vorplanung.



Planer, Berater, Gutacher, Fachmann...



Vielleicht kann mal eine unabhängige Person darüber aufklären, wer genau hier jetzt zuständig ist.
---
Wenn evtl. der alte Dämmkram sowieso raus soll und ggf. eine Aufdoppelung des Holzständerwerks angedacht ist, könnte man ja mal über so etwas nachdenken, ergänzt durch Holzfaserplatten:

http://biolehmhaus.de/grundkonstruktionen.html

Natürlich nur, wenn die Grundsubstanz es technisch erlaubt, dazu: s.o.



Fachwerk



Sehr geehrter Herr Bisping,
Will Pickertz schrieb:
..."einen sachkundigen Architekten + Gebäudeenergieberater hinzuzuziehen und alle geplanten..."
Ist Ihnen Will Pickartz nicht unabhängig genug?
Oder die Aussage nicht eindeutig genug?

Viele Grüße



Alle Berater sind gleich, nur manche sind gleicher?



Also ist ein "Gebäudeenergieberater" etwas anderes als ein diverser "Berater", oder wie sollen wir das verstehen?
---
Herr Böttcher,
denken Sie doch mal an das nahende Fest der Liebe und denken Sie auch daran, dass bei Kriegen und Konflikten in aller Welt während der Festtage die Waffen schweigen. Wäre das nicht auch mal eine Option für ihre kleinen Privatkriege?

In diesem Sinne:
"Frohe Feiertage!"



Lach



Guten Tag,
weil das Fest der Liebe ist werde ich mal versuchen die Sache aufzuklären.
Also Herr Pickert meinte imho das es besser wäre einen Architekten + Energieberater in einer Person zu arrangieren, weil es so nicht zu Missverständnissen und Unstimmigkeiten "diverser Berater" kommen kann. Normalerweise sind Architekten unabhängig, selbstverständlich haben auch Architekten ihre eigene Meinung und bevorzugen evtl. bestimmte Dinge.
Fragen und Diskussionen über den Bau oder Umbau mit dem Weltfrieden in den Zusammenhang zu bringen ist schon nicht schlecht.
In dem Sinne schöne friedliche Weihnachtstage :)



Danke



Ich danke Ihnen für Ihr Antworten und wünsche ebenfalls ein schönes Weihnachtsfest!



Planer, Berater etc.



Da Sie bei Ihrer Sanierungsmaßnahme einen Bauantrag stellen müssen, jedenfalls, wenn er in vollem Umfang realisiert wird, sind die Bestimmungen des EnEv 2009 (Energieeinsparverordnung) und des EEWärmeG (Erneuerbaren-Energie-Wärmegesetz) eínzuhalten. Da ist es praktisch, wenn der Architekt auch Gebäudeenergieberater (BAFA) ist und Ihnen einen Energieausweis ausstellen kann.

"Diverse Berater" meint: der Begriff Gebäudeenergieberater ist leider nicht geschützt. Der Zusatz (BAFA)oder demnächst (dena) allerdings schon, weil diese Berater beim BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) registriert sind und ihre Ausbildung/Fortbildung einem definierten Standart unterliegt. BAFA-Berater sind verpflichtet unabhängig, produktneutral und ohne sonstige wirtschaftlichen Interessen zu handeln. Anders als "diverse Berater" örtlicher Baustoffhändler oder Handwerksbetriebe, die sich von der Beratung einen Auftrag erhoffen oder ihr Produkt verkaufen wollen. Die dürfen sich dann auch nicht den Zusatz (BAFA) auf Ihre Visitenkarte drucken.

Allerdings verkaufen nicht-unabhängige "diverse Berater" ihre Beratungsdienstleistung gerne für wenig Geld (einen sog. "Energiecheck" oder "Gebäudecheck" oder wasauchimmer für € 75,- oder € 100,-)und ggf. auch mit wenig Sachkunde.

Interessenten/Bauherren+Baudamen wollen aber für seriöse und umfängliche Beratungs- und Planungsdienstleistungen am liebsten kein Geld zahlen, sondern sich dafür lieber teures Material unkoordiniert einbauen lassen und sich vielleicht auch noch einen veritablen Bauschaden aus der Nichtbeachtung bauphysikalischer Zusammenhänge in´s Haus holen. Der dann von anderen "diversen Beratern" wieder gerichtet werden soll.

Billig ist immer teuer. Das fängt beim Akkuschrauber im Baumarkt für € 29,- an

PS: da das Objekt im Oberharz liegt. habe ich kein persönliches Interesse an einer Beauftragung. Höchstens, wenn die Reisekosten stimmen.

Frohes Fest allen Beteiligten



Ich kann



Sie gut verstehen, bei so vielen Meinungen kann man sehr schnell den Überblick verlieren.

Bei diesem Wandaufbau erscheint es mir sinnvoll, wie schon geschrieben, die Konstruktion freizulegen und neu aufzubauen.
Von der Variante die Gefache auszumauern und Styorpor mit Hinterlüftung rate auch ich ihnen ab, weil zu einen das ausmauern Materialwechsel bedingte Wärmebrücken verusacht und zu andern eine Dämmfassade deren Belüftung sich zwischen Wand und Dämmung befindet keine Dämmwirkung hat.

Einen Wandaufbau mit natürlicher Einblasdämmung ist auf jedenfall den von Ihren bisherigen Beratern vorgeschlagenen Wandaufbauten vorzuziehen.

Grüsse Thomas



Auch als Außenstehender...



... danke an Herrn Pickartz für die erklärende Antwort.