Wandheizung - Innendämmung und Taupunkt

12.04.2013



Guten Tag alle miteinander,

es geht mir um die Wandsanierung eines Erdgeschosses.

Das Haus ist nicht unterkellert und leidet zur Zeit an aufsteigender Feuchtigkeit. Die Ursache für die Feuchtigkeit ist in unserem Fall unstrittig und im extrem hohen Grundwasserpegel (ca. 50 cm) mit fehlender Horizontalsperre und Wänden aus sehr gut saugendem Material (Hohlblock - Leichtbeton) zu suchen.

Zur Zeit sieht der Wandaufbau wie folgt aus:

(Aussen)
Kalkzementputz (2cm)
Hohlblock-Leichtbeton (32cm)
Luftschicht (10cm)
Gipskartonplatte (1,25cm auf Metallständerwerk)
(INNEN)

Die Gipskartonplatten stellen aufgrund fehlender Dämmung bisher kein Problem dar und sind auf der Rückseite auch nicht von Schimmel befallen (Untersuchung wurde durch einen
Bausachverständigen mittels Kamera an sehr vielen Stellen durchgeführt).

Die gemauerten Wände sind jedoch leider sehr feucht (und das waren sie auch, bevor die Gipskartonwände 2005 installiert wurden).
Aufgrund fehlerhafter Beratung haben wir damals leider keine Horizontalsperre eingebaut.

Geplant ist nun der nachträgliche Einbau einer Horizontalsperre mittels Mauersägeverfahren.
Die Gipskartonwände sollen komplett entfernt werden.

Auf der nackten Wand soll anschließend eine Wandheizung installiert werden.
Der Lehmbauer empfahl mir eine Innendämmung mittels 60mm Holzfaserdämmplatten durchzuführen.

Der Aufbau wäre also wie folgt:

(Aussen)
Kalkzementputz (2cm)
Hohlblock-Leichtbeton (32cm)
Lehmputz zur Einbettung der Holzfaserdämmplatten (1cm)
Holzfaserdämmplatten (6cm)
Lehmputz mit Einbettung der Wandheizung (3cm)
(INNEN)

Im Rahmen meiner Überlegungen bin ich auf die Webseite u-wert.net gestoßen (unter anderem deshalb, weil ich vor hatte, die Sanierungsmaßnahme als energetisch sinnvolle Maßnahme über einen Kredit der KfW zu finanzieren).

Dort habe ich mit den unterschiedlichen Wandaufbauten experimentiert.
Der ursprüngliche Wandaufbau mit Gipskartonplatten bescheinigt mir einen U-Wert von 0,92 und keinerlei Probleme mit Tauwasser.

Wenn ich den neuen Wandaufbau zur Hand nehme sieht es jedoch ganz anders aus.
Dann erreiche ich zwar einen U-Wert von 0,38, habe jedoch lt. Diagramm mit Tauwasserproblemen im Bereich Übergang Dämmplatte-Wand und im Mittelfeld der Steinwand zu kämpfen.
(Wohl bemerkt, wenn man mit Außentemperaturen im Minusbereich und 80% Luftfeuchtigkeit ausgeht).

Das scheint mir nicht sehr günstig zu sein. Hinzu kommt, dass es offensichtlich utopisch ist, die geforderten Werte der KfW-Fördermittel zu erreichen.
Dort wird ein U-Wert der Wand von 0,20 vorausgesetzt.
Mit einer Innendämmung praktisch nicht zu erreichen.

Mein Bausachverständiger empfiehlt mir konsequenterweise ein WDVS im Außenbereich auf Polysterol-Basis.
Wenn ich allerdings die kontroversen Berichte über WDVS lese, möchte ich von dieser Möglichkeit Abstand nehmen, ganz davon abgesehen, dass die Kosten bei 300m² Außenfläche für uns nicht tragbar wären.

Andererseits habe ich gelesen, dass die Berechnungen zum U-Wert bei Wandheizungen nicht herangezogen werden können, bzw. die Wandheizung den Taupunkt nach außen verschiebt.
Zu welchem Preis? Werden die Heizkosten dadurch unbezahlbar?

Wir haben das Nachbarhaus (32cm Vollziegel) ebenfalls saniert und sind ohne Dämmung, dafür mit
Luftkalkmörtel im Innenbereich und Fußbodenheizung nach erfolgtem Einbau einer Horizontalsperre in die Wände sehr zufrieden und auch nachhaltig begeistert.

Der Einbau einer Fußbodenheizung im vorliegenden Objekt scheitert jedoch an der Aufbauhöhe, so dass wir gerne zur Wandheizung greifen würden.

Leider kenne ich in unserer Nähe keinen ausgebildeten Baubiologen oder Energieberater, der sich mit der Materie hinreichend auskennt. Der Standort der Immobilie ist Solingen.

Unabhängig von der fachlichen Beurteilung, hat jemand Ahnung von Fördermitteln für solche Maßnahmen (von der NRW-Bank gibt es einen Kredit, der wohl auch die Behebung von Baumängeln abdeckt, mehr habe ich leider nicht gefunden).

Ich bin für jegliche Hilfe sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Luke



In



Solingen findest du den Markus Mattonet,auch hier im Forum vertreten.

Grüße aus der Nachbarschaft
Martin



unstrittig … sehe ich nicht so …



Hallo

Dieses "unstrittige" annehmen sehe ich nicht so …

auch nicht die Überlegungen mit den Innendämmungen etc … 

machen Sie es wie im anderen Haus mit dem LKM.

Dann schauen Sie sich mal die folgenden Seiten an …

http://www.slow-house.de/slow-house/I-3.html

über Temperierung …

Florian Kurz



Vielen Dank...



für die Empfehlung an Martin

und den Link auf die Website an Florian Kurz.

Ich werde mir die Links am Wochenende zu Gemüte führen.

Noch zur Information:
Von der Wandheizung würde ich mir einen erhöhten Wohnkomfort versprechen (ähnlich der FBH) und einer Schimmelbildung an den Außenflächen vorbeugen wollen.
Die aktuelle Heizung besteht aus Konvektionsheizkörpern der Firma Jaga und heizt praktisch ausschließlich über die Luftzirkulation.

Achso, und der Annahme wegen der aufsteigenden Feuchte ist eine Analyse durch einen Bausachverständigen vorausgegangen.
Daher der Begriff "unstrittig".





Wenn der Gipskartoninnenausbau seit 2005 überstanden hat ohne aufzuweichen oder zu schimmeln, dann sind die Wände m.E. nicht problematisch feucht.
Einen vergleichbaren Aufbau hat in meinem Haus jemand vor die Kellerwände gestellt. Ergebnis: stark angerostetes Ständerwerk, verschimmelter und aufgeweichter Gipskarton.

Ich würde den GK entfernen und die Wände mit Kalkputz verputzen. Ggf. ist der Putz hinter dem GK noch nicht mal so schlecht.

Heizung würde ich so umbauen lassen, dass VL und RL entlang aller Außenwände möglichst knapp über der Sockelleiste verlaufen.

Warum wurde mit 80% Luftfeuche gerechnet?
Herrscht die tatsächlich in den Räumen?
Dann stimmt irgend etwas ganz erheblich nicht.



Wandheizung und Glaser



Hallo Lukejack,
Den "U-Wert-Rechner" können Sie in Ihrem Fall vergessen.
Geeignete Programme sind: WUFI , Delphin oder Cond

Hier mal was aus meinem "Fundus":
Bei der energetischen Sanierung von Bestandsbauten muss man die Gebäude immer ganzheitlich betrachten.

Das gilt besonders für Fachwerkhäuser.
Je besser ein Bauteil gedämmt wird , desto größer wird der Unterschied zum „Nachbarbauteil“.

Die warme, gesättigte Raumluft sucht sich dann immer die kälteste Stelle im Raum um zu kondensieren: Gefahr von Schimmelbildung.

Innendämmung der Aussenwände.
Die energetische Aufwertung von Gebäuden richtet den Focus immer stärker auf den Bestand. Insbesondere bei denkmalgeschützten Fachwerkhäusern kann in der Regel nur von innen gedämmt werden. Eine sehr gute Möglichkeit ist die kapillaraktive Innendämmung.
Stand der Technik ist aber auch noch die diffusionsbremsende Methode mit konventionellen Dämmstoffen.
Hier ist aber 120% Ausführungsqualität gefragt??

Geeignete Materialien: Leichtlehmvorsatzschalen mit den verschiedensten Zuschlagstoffen: zb. Holzhackschnitzel, Holzspäne, Perlite, Liapor, Stroh, Kork usw. In Lehm eingebettete Schilfrohrmatten . Holzweichfaserplatten , Korkplatten Magesitgebundene Holzwolle-Leichtbauplatten. Calziumsilikatplatten. Platten aus gepresster Perlite Mineralschaumplatten, hydrophil eingestellt.

Verarbeitungsgrundsätze
Beim Einbau der Materialien ist darauf zu achten, dass keine HOHLRÄUME eingebaut werden.
Kapillare Anbindung ist der Fachbegriff. In Hohlräumen würde ein „Kleinklima“ entstehen. (Nebel, Wassertropfen ungebunden)

Die Systemhersteller bieten einen Kleber an ,der einen größeren Diffusionswiderstand hat als die Platten: kontrollierte Kondensationsebene.

Beschreibung der Wirkung

Wandkonstruktionen bedürfen laut DIN 4108-3 eines Feuchteschutznachweises zur Begrenzung des Tauwasserausfalls innerhalb der Konstruktion. Für den rechnerichen Nachweis bedient man sich des „Glaserverfahrens“. ( U-Wert- Rechner) Das ist aber ein vereinfachtes Verfahren, das nur Wärmeleitung und Dampfdiffusion unter stationären Randbedingungen berücksichtigt. Wärme- und Feuchtespeicherung werden ebenso vernachlässigt, wie der Flüssig-und Kapillartransport.

Wirkweise der kapillaraktiven Innendämmung

Das Glaserverfahren ist für die Berechnung kapillaraktiver Innendämmungen ungeeignet!! Geeignet sind nummerische Simulationsverfahren, die von der DIN 4108-3 ausdrücklich zugelassen werden. Weil dieser Nachweis rechnerich kompliziert ist, versuche ich es mal mit einer „philosophischen“ Betrachtungsweise:

Aufgrund des Dampfdruckgefälles will die warme gesättigte Luft immer auf die kalte Seite. Der „Motor“ ist die Temperaturdifferenz. Irgendwann trifft sie auf die „kalte Wand“ und es kommt zur Wasserdampfkondensation.

Es entsteht Wasser in flüssiger „Tröpfchenform“ und es entsteht WÄRME. Dieser „Nebel“ wird von den diffussionsoffenen, kapillaraktiven Dämmstoffen schadensfrei eingelagert.

Das ist der erste Feuchtefluss. Siehe Kühlakku oder kalte Sektflasche im Sommer.

Der zweite Feuchtefluss beruht auf Kapillarität und verläuft genau entgegengesetzt. Siehe Zuckerstein berührt Kaffee. Die Feuchtigkeit verdunstet nach innen und es entsteht KÄLTE.
Da im Winter immer etwas Kondensat in der Dämmung verbleibt, gibt es im Winter einen „latenten“ Wärmegewinn. Im Sommer verdunstet das „Restkondensat“ und es entsteht Verdunstungskälte.


Bei kritischen Einbausituationen kann man die Verdunstung beschleunigen, indem man eine Wandheizung einbaut.

Fazit

Diffusionsoffene, kapillaraktive Dämmsysteme haben den Vorteil dass sie das Raumklima aufgrund ihrer Feuchtepuffereigenschaften positiv beeinflussen können. Bei richtiger Ausführung sind sie als fehlertolerant zu bezeichnen.

viele Grüße



Innendämmung und Wandheizung



i.d.R. ist eine 60 mm starke HWF-Innendämmung mit eine Wandheizung unproblematisch.
Für die Inanspruchnahme von KfW-Mitteln ist aber das Gutachten eines Energieberaters erforderlich.
Viel Erfolg.
SG



Die KfW



verlangt ja eine U-Wert Berechnung. Von daher schätze ich mal, dass man die Mittel mit meinem geplanten Aufbau garnicht bekommt.
Ich denke, es ist wirklich am sinnvollsten, wenn ein Energieberater mit Fachkenntnissen in diesem Bereich ein Auge auf die Sache wirft.
Die Wände sind schon ziemlich feucht. Der Sachverständige hatte ein Messgerät mit einer Metallkugel am vorderen Ende dabei und Werte um 130 gemessen. An einer trockenen Referenzwand lagen die Werte bei ca. 60-70, meine ich.

Bei der Berechnung bezieht sich die Luftfeuchte auf den Aussenbereich. Innen wurde mit 20 Grad und 50% relativer Feuchte gerechnet.
Aber diese Berechnung kann ich ja offensichtlich aussen vor lassen.

Vielen dank jedenfalls schonmal für die zahlreichen Hinweise und Tipps.
Ich werde jetzt mal weiter lesen.



Stand der Dinge



So, an dieser Stelle noch mal aktuelle Informationen.
Das Projekt ist mittlerweile angelaufen.
Alle Rigipswände wurden entfernt.
Die Rigipsplatten selbst waren frei von Flecken oder Schimmel, auch auf der Rückseite. Ebenso war das Ständerwerk nicht angegriffen von Oxidation oder Sonstigem.
Allerdings ist auf allen Außenwänden Schimmel zu erkennen.
Das äußert sich in der Form, als das es scheint, dass sich überall dort, wo sich Staub sammeln konnte, Schimmel gebildet hat. Sprich, auf allen Erhebungen, Unebenheiten durch alte Putzreste, Reste von alten Holzdübeln, alte Tapetenreste usw.

Ich habe jetzt erstmal alle Wände mit Wasserstoffperoxidlösung eingesprüht (Sansosil Schimmelstopp).

Nach der Installation der Horizontalsperre sollen alle Wände mittels Sandstrahlgerät von den oberflächlichen Schimmelresten befreit werden.
Lehmbauer möchte im Anschluss eine Wandheizung auf 60mm Holzfaserdämmplatten installieren.
Im Sockelbereich soll ein Sanierputz eingesetzt werden.

So mein aktueller Plan.